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Channel Fokus: Digitale Transformation Digitalisierung macht Systemhäuser zu Geschäftsverstehern

Autor: Michael Hase

Die Digitalisierung bringt Geschäft und Technologie näher zusammen. Nach Überzeugung von Daniel Hagemeier, CEO der Dogado-Gruppe, sollten Systemhäuser dabei als Übersetzer agieren. Dazu müssen sie Verständnis für digitale Anwendungsfälle entwickeln.

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Mit der Digitalen Transformation von Unternehmen verändern sich Geschäftsprozesse.
Mit der Digitalen Transformation von Unternehmen verändern sich Geschäftsprozesse.
(Bild: © ipopba - stock.adobe.com)

ITB: Auf den Punkt gebracht: Worum geht es bei der Digitalisierung?

Hagemeier: Die Digitalisierung ist ein weites Feld, das sich in drei große Themen unterteilen lässt. Sie verändert die Art und Weise, wie wir arbeiten, wie wir Entscheidungen treffen und wie Unternehmen ihre Wertschöpfung erzielen. Zunächst bedeutet der neue „Way of Working“, dass Menschen heute unabhängig vom Standort, geografisch verteilt zusammenarbeiten können. Dadurch werden Unternehmen effizienter, und sie finden einfacher neue Talente. Zum zweiten heißt Digitalisierung, dass Entscheidungen zunehmend durch Maschinen unterstützt oder sogar vollständig durch sie getroffen werden. Die Analyse von Daten mit Hilfe Künstlicher Intelligenz führt zu besseren Entscheidungen und im nächsten Schritt zur Automatisierung von Entscheidungsprozessen.

Daniel Hagemeier, CEO von Dogado, hält Digitalisierung für weit mehr als eine technologische Herausforderung.
Daniel Hagemeier, CEO von Dogado, hält Digitalisierung für weit mehr als eine technologische Herausforderung.
(Bild: Dogado)

ITB: Kommen wir auf die Veränderungen in der Wertschöpfung zu sprechen!

Hagemeier: Das ist der dritte große Themenkomplex. Er schließt alles das ein, womit sich Unternehmen erfolgreich am Markt behaupten. Digitalisierung bedeutet hier, dass sich Geschäftsmodelle verändern, dass neue Produkte und Services entstehen. Nehmen Sie ­etwa die Software-defined Products, beispielsweise den Tesla, ein physisches Produkt, das auf­gewertet wird, indem es ein Software-Update erhält. Nicht zuletzt entstehen komplett digitale Geschäftsmodelle wie etwa Online-Marktplätze.

ITB: Häufig befassen sich Unternehmen mit der Digitalisierung der Kundeninteraktion. Welche Bedeutung hat dieser Aspekt?

Hagemeier: Viele Unternehmen haben sich in den vergangenen Jahren darauf konzentriert, digitale Schnittstellen zum Kunden, beispielsweise mit Hilfe von Apps, zu schaffen. Damit lassen sich tatsächlich unmittelbar Ergebnisse erzielen. Wenn ein Unternehmen durch digitales Marketing kurzfristig 20 Prozent mehr Kunden erreicht, wird es dort investieren. Letztlich betrifft die Kundeninteraktion aber nur einen Teil des Geschäftsmodells. Die Digitalisierung verändert die Unternehmen als Ganzes. Deshalb sollten sie ihr Augenmerk auch darauf richten, andere Bereiche – zum Beispiel die Lieferantenbeziehungen – zu digitalisieren, neue Arbeitsweisen ihrer Mitarbeiten zu fördern und Prozesse neu zu designen.

ITB: Woran können Unternehmen bei ihrer Transformation scheitern?

Hagemeier: Die größte Gefahr sehe ich darin, dass sich Unternehmen zu intensiv mit der Technologie befassen und zu wenig mit den Anwendungsfällen. Viele reden über KI oder über Blockchain, denken aber zu wenig über die Anwendungsszenarien nach. Ein weiteres Risiko ist der „War of Talents“, der es schwierig macht, Mitarbeiter mit den benötigten Skills zu finden. Um ihr Geschäft zu digitalisieren, müssen Unternehmen neue Fähigkeiten erwerben und neue Rollen schaffen.

ITB: Welche Fähigkeiten sind für die Digitalisierung besonders wichtig?

Hagemeier: Unternehmen brauchen unbedingt so genannte Translator, die die Anwendungsfälle verstehen und eine Idee davon haben, mit welchen Technologien man Anforderungen auf der geschäftlichen Ebene in Lösungsszenarien übersetzt. Das können Experten sein, die wissen, wie man Kundendaten auswertet, um im Marketing die richtigen Zielgruppen anzusprechen, oder wie man eine Blockchain-Anwendung einsetzt, um die Lieferkette effizienter zu managen.

ITB: Was heißt das alles für Systemhäuser? Inwiefern verändert sich ihre Aufgabe?

Hagemeier: Systemhäuser sollten ein Verständnis für die komplexe Welt der Anwendungsfälle entwickeln, damit sie die richtigen Technologien empfehlen können. Möglicherweise müssen sie sich dafür stärker spezialisieren. Prinzipiell halte ich Geschäftsverständnis für extrem wichtig. Nur so können Systemhäuser ihre Kunden angemessen beraten. Digitalisierung verändert die Prozesse, und dazu braucht man jemanden, der eine Phantasie davon hat, wie diese Prozesse am Ende aussehen werden. Systemhäuser dürfen sich nicht in die rein technische Ecke drängen und zum Handlanger desjenigen machen lassen, der künftig die Prozesse designt. Sie müssen selbst zu Geschäftsverstehern werden.

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Über den Autor

 Michael Hase

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Chefreporter