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Digital Transformation

Software- und Beratungsbranche im Wandel

Die Digitalisierung ändert alles

| Autor / Redakteur: Stefan Girschner / Wilfried Platten

Durch die Digitalisierung wird sich die Software- und Beratungsbranche grundlegend ändern.
Durch die Digitalisierung wird sich die Software- und Beratungsbranche grundlegend ändern. (Bild: gemeinfrei/Pixabay / CC0)

Digitalisierung und Internet der Dinge gehören zu den bestimmenden Trends in der IT-Branche. Der sich verändernde Markt für IT-Lösungen und -Dienstleistungen fordert gerade Software- und Beratungshäuser, ihre Geschäftsmodelle und Prozesse neu zu definieren und digitale Produkte zu entwickeln, die den Bedarf der Kunden decken.

Für das Software- und Consulting-Haus Scheer gehören die Entwicklung neuer Business-Modelle und die Optimierung von Geschäfts- und IT-Prozessen zum täglich Brot. Doch mit der Digitalisierung ist jetzt ein Megatrend im Spiel, der neue Wege der Umsetzung erfordert.

Genau dieses Thema diskutierten Partner und Kunden auf dem Digital World Congress Ende des vergangenen Jahres in Frankfurt. In seiner Keynote nahm Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer die globalen Auswirkungen der Digitalisierung auf die Wirtschaft unter die Lupe. Fragen der IT-Infrastruktur oder der Standards können, so der Gesellschafter und Beiratsvorsitzende, nicht mehr nur aus Deutschland national bestimmt werden, sondern benötigen eine mindestens europaweite Abstimmung und eine konzertierte Aktion: „Nur so können wir uns gegen die Übermacht der großen IT-Anbieter aus Amerika und Asien wirksam verteidigen und dem nach der US-Präsidentenwahl drohenden Protektionismus begegnen. Wir haben in Europa und auch in Deutschland einen sehr großen Markt für IT-Anwendungen, aber wir spielen auf der Anbieterseite bei Hard- und Software, gemessen an unserer Marktbedeutung, eine zu geringe Rolle. Es darf nicht sein, dass die USA den Brain liefern, Asien produziert und Europa nur kauft“.

Scheer-CEO Mario Baldi
Scheer-CEO Mario Baldi (Bild: Scheer GmbH)

Scheer-CEO Mario Baldi ist überzeugt, dass die Digitalisierung zu einer Konsolidierungswelle in der Systemhaus- und Beratungsbranche führen wird: „Da kauft zum Beispiel ein großes Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen einen Business-Analytics-Anbieter, da übernimmt ein mittelständisches SAP-Systemhaus kleinere Firmen. Die spezialisierten Anbieter wiederum können nicht allein überleben, weil sie über kein so breites Produktportfolio verfügen.“

On-Premise ist out

Baldi geht davon aus, dass sich die IT-Beratungsbranche und insbesondere die klassische SAP- und Microsoft-Beratung durch neue Technologien wie Cloud-Dienste in den nächsten Jahren stark verändern wird. Zumal sich ja auch den Lösungsanbietern, die sich auf das On-Premise-Modell konzentriert hätten, durch Vorreiter wie Salesforce praktisch die Geschäftsgrundlage entzogen werde, weil jetzt jeder eine Lösung haben wolle, die schnell zu implementieren und kostengünstig sei. Da stellt sich die Frage, wie sich die großen IT-Implementierungshäuser in Zukunft aufstellen sollen: „Die Software-Implementierung wird immer schneller und leichter, daher gewinnen sie viele freie Kapazitäten. Ich sage voraus, dass man bei der Beratung schon ein oder zwei Stufen höher ansetzen muss, da die Intelligenz in den Prozessen liegt“, sagt Baldi. „Wir müssen also stärker die Prozesse gestalten, weil uns die Cloud-basierten Softwarelösungen immer weniger Implementierungs-Dienstleistungen ermöglichen werden. Die Systemhäuser haben für sich den Weg eingeschlagen, die Masse zu erreichen und können daher die Flexibilität und Breite für jeden einzelnen Prozess nicht mehr bieten." Folglich müssten IT-Berater eine Stufe nach oben rücken, und zwar als Prozess-, Governance- oder Organisationsberater. Auch bei Scheer buchen immer mehr Kunden zunächst Berater für die Organisation und/oder die Prozesse, bestätigt Baldi.

Ergänzendes zum Thema
 
Studie von Lünendonk: „Consulting 4.0 – Mit Analytics ins digitale Beraterzeitalter“
 
Saarbrücker Manifest anlässlich des 10. Nationalen IT-Gipfels

Die Digitalisierung wirkt sich auch auf die Rolle des CIO beziehungsweise der IT-Abteilung aus: „Vor allem die Fachbereiche in Unternehmen sind heute unsere Auftraggeber, für die IT-Abteilungen oder CIOs hingegen ist es wichtig, ob die Software in ihre Produktstrategie passt“, betont Baldi. „Wenn ein Unternehmen heute eine Supply-Chain-Lösung einführt, geschieht dies nicht über die IT-Abteilung, sondern der Beauftragende ist der Fachbereich. Die Umsetzung einer Cloud-basierten Software ist dann nur noch ein kleiner Teil des Gesamtprojektes. Diese Entwicklung wird eine massive Veränderung für die Systemhäuser bedeuten, da sie nicht mehr als der typische IT-Dienstleister auftreten können, sondern vielmehr als Prozessdienstleister. In der Optimierung der Prozesse ist noch viel Musik drin.“ Viele Business-Prozesse können einfach nicht aufrechterhalten werden, weil die Cloud-basierten Softwareprodukte überhaupt nicht mehr die Möglichkeit hergeben, die Komplexität dieser alten Geschäftsprozesse zu unterstützen. Diese Prozesse müssen zunächst verschlankt werden, um Cloud-fähig zu werden.

Der Konkurrenzdruck wächst

Auch die Kunden von Scheer verabschieden sich zunehmend von komplexen und kostenaufwändigen Software-Installationen im eigenen Haus: „Warum soll ein Kunde viel Geld für eine Software und die damit verbundene, riesige Implementierung zahlen? Gegen eine viel geringere Servicepauschale erhält er eine Cloud-basierte Lösung, die Multi-Tenancy-fähig ist. Systemhäuser sollten sich also künftig nicht mehr auf die klassischen IT-Projekte stürzen, sondern vielmehr auf Projekte, in denen die Intelligenz liegt“, ist Baldi überzeugt.

Die Digitalisierung erhöht zugleich den internationalen Konkurrenzdruck auf Software- und Beratungshäuser in Europa. Baldi begründet dies so: „Der Wandel ist nicht nur durch technologische Innovationen getrieben, sondern hat auch viel mit der fortschreitenden Globalisierung zu tun. So können unsere Mitbewerber aus Indien und China Beratungsleistungen zu deutlich geringeren Lohnstückkosten anbieten. Zugleich haben sie bei der Beratungsqualität deutlich zugelegt.“ Seiner Ansicht nach liegt die Stärke von Westeuropa in der Produktion, Forschung und Entwicklung: „Wir müssen es aber schaffen, das neu Entwickelte schnell zum Kunden zu bringen, um dort überzeugend eine Optimierung und Agilität der Prozesse zu erreichen.“ In Deutschland stehen viele produzierende Unternehmen noch am Anfang der Digitalisierung. Mario Baldi nennt als Beispiel den Maschinenbau, der vor besonderen Herausforderungen stehe, auch vor dem Hintergrund der 3D-Drucktechnologie: „Da stellt sich die Frage, ob wir überhaupt so viele verschiedene Maschinentypen benötigen, oder ob eine Maschine ausreicht, die alles herstellen kann. Wenn das so ist, dann müssen wir Sorge dafür tragen, dass es unsere Hersteller sind, die diese innovativen Maschinen produzieren, erfolgreich am Markt vertreiben und auch ihre Innovationskraft langfristig sichern.“

Der Trend geht zur Prozessberatung

Deshalb geht der Trend eindeutig weg vom IT-Geschäft und hin zur Prozessberatung. Auch Softwarehersteller wie SAP befördern diesen Trend und empfehlen ihren Partnern, die Fachbereiche in Unternehmen direkt anzusprechen: „Entscheidend ist die Frage, was den Kunden wichtig ist. Es ist nicht das Software-System, sondern es ist ihm wichtig, dass sein Geschäft läuft, dass Umsatz und Rendite steigen. Wir müssen also die Bedürfnisse unserer Kunden verstehen, so können wir unser Beratungsgeschäft weiter erfolgreich ausbauen. Die Bedürfnisse der Kunden ändern sich so schnell, dass wir auch unsere Beratungsleistungen entsprechend der globalen Notwendigkeiten ausrichten müssen“, so Fazit von Mario Baldi.

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