Konzernstrategie Der Einkaufsbummel von Corel geht weiter

Autor Dr. Stefan Riedl

Gegenüber IT-BUSINESS verriet Christa Quarles, CEO von Corel, welche Marschroute der Corel-Konzern einschlagen wird. Es stehen weitere Firmenübernahmen an und in Hinblick auf die Abo- und Cloud-Ära fährt das Unternehmen eine klare Strategie.

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Screenshot einer Arbeit mit CorelDRAW 2019 für Windows.
Screenshot einer Arbeit mit CorelDRAW 2019 für Windows.
(Bild: Corel)

Mit Corel verbinden viele die Grafiksoftware CorelDraw, allerdings haben sich unter dem Konzerndach im Rahmen einer breitgefächerten Mergers-and-Acquisitions-Strategie einige Software-Marken angesammelt. Dazu zählen Produktlinien wie Parallels, Mindmanager, Winzip und Pinnacle. Christa Quarles, CEO von Corel, führt aus, dass der Schwerpunkt dabei auf Technologien liege, die Wissensarbeiter bei Ihren Aufgaben unterstützen.

Christa Quarles, CEO, Corel
Christa Quarles, CEO, Corel
(Bild: Corel)

„Im Jahr 2016 erwarben wir MindManager, eine Suite von Visualisierungs- und Mind-Mapping-Tools. Im Jahr 2018 kam die Parallels-Produktlinie, darunter Parallels Desktop für Mac, zum Corel-Portfolio hinzu. Mit der Übernahme von Gravit Designer konnten wir auch unser Grafikgeschäft ausbauen.“ Vor etwas über einem Jahr stieß Corel zu KKR (früher Kohlberg Kravis Roberts & Co). Die 1976 gegründete, börsennotierte Beteiligungsgesellschaft mit Firmensitz in New York City bietet den finanziellen Hintergrund für Übernahmen. „Mit der Unterstützung einer der weltweit führenden globalen Investmentfirmen im Rücken nehmen wir begeistert unser nächstes Wachstumskapitel in Angriff“, lässt Quarles durchblicken. „Auch wenn wir uns noch nicht zu konkreten Akquisitionsplänen äußern können, so können Sie doch davon ausgehen, dass wir durch M&A-Aktivitäten weiter wachsen werden.“

Technologien für Wissensarbeiter

In Hinblick auf das umfangreiche Portfolio suche man „nach neuen Wegen, die kollektiven Stärken zu nutzen, um Synergien aufzubauen“, so die Managerin. Diese Bemühungen seien noch nie so wichtig wie heute gewesen, denn das Geschehen rund um Covid-19 habe die Art und Weise, wie gearbeitet wird, dramatisch verändert. Corel will seine Technologien dafür nutzen, um Wissensarbeiter mit den benötigten Werkzeugen auszustatten. „Beispielsweise sind Virtualisierungstools wie Parallels Desktop, unsere neuen CorelDRAW-Collaboration-Funktionen und die neue Unterstützung für Microsoft-Teams in MindManager und WinZip wertvolle Tools für Menschen, die den Übergang zu Heimarbeitsumgebungen vollziehen“, wird die CEO konkret.

In Anbetracht der herausfordernden Zeit verstärkt Corel laut Quarles die Unterstützung für das Netzwerk von Wiederverkäufern und Vertriebspartnern durch die Einführung eines „Corel Deal Registration Program“: Teilnehmende Wiederverkäufer können – sofern die Kriterien erfüllt sind – bis Ende Februar 2021 von einem zeitlich begrenzten Satz von zusätzlich 17 Prozent Provision profitieren.

Unabhängig davon haben die Partner Zugang zu einem Supportsystem, sagt die ­Corel-Chefin und betont, dass eine Fülle von Ressourcen für den indirekten Vertrieb ­bereit gestellt werden, darunter personalisierte Demos, Schulungs-Webinare oder Kundenstimmen. Zu den berechtigten Produkten gehören für die Sonderprovision die CorelDraw Graphics Suite, CorelDraw Technical Suite, PaintShop Pro und CorelCAD.

Cloud oder nicht Cloud – ist das überhaupt die Frage?

Der Konkurrent Adobe hat sich mit der Creative Cloud vom Modell der ewigen Lizenzen komplett verabschiedet. Corel profitiert einerseits davon, dass viele Kunden generell lieber auf Kauflizenzen setzen, statt ihre Software zu mieten, auf der anderen Seite bietet die Cloud auch technologische Vorteile. In diesem Spannungsfeld setzt Corel auf Wahlmöglichkeiten der Kunden, führt die Managerin aus. So bietet das Unternehmen sowohl Abonnement- als auch unbefristete Kaufoptionen an. „Die Subskriptionssoftware bietet unseren Kunden mehrere Vorteile, darunter die Gewissheit, dass Sie die fortschrittlichste und aktuellste Version unserer Software mit Zugang zu den neuesten Funktionen und Unterstützung für Spitzentechnologien verwenden“, so Quarles. „Darüber hinaus schätzen viele Kunden die geringeren Vorlaufkosten, die mit Abonnements verbunden sein können. In vielerlei Hinsicht bietet das Abonnement-Modell den Kunden den größten Nutzen.“ Mit einem Abonnement könne der Nutzer der CorelDRAW Graphics Suite 2020 beispielsweise auf Cloud-basierte Funktionen für die Zusammenarbeit zugreifen, die es den Teams erleichtern, in Verbindung zu bleiben, führt die CEO aus. Insbesondere in diesen schwierigen Zeiten, in denen wir alle gezwungen sind, getrennt zu arbeiten, sei das von besonderer Relevanz.

Wahlmöglichkeiten zu bieten, trage jedoch auch der Tatsache Rechnung, dass einige Kunden den Erwerb unbefristeter Lizenzen bevorzugen und sich mit dem Wissen wohler fühlen würden, dass sie die Software so lange nutzen können, wie aktuelle Technologien und Betriebssysteme unterstützt werden.

„Schlüsselmarkt Deutschland“

Während im Markt von geplanten Anpassungen im Segment Direktvertrieb und Online-Vertrieb gemunkelt wird, gibt die Managerin hierzu keine spezifischen Änderungen bekannt. „Wir evaluieren aber ständig unser Geschäft und die Märkte, in denen wir konkurrieren, um sicherzustellen, dass wir unseren Partnern überzeugende Angebote unterbreiten.“

Deutschland bezeichnet Quarles als „Schlüsselmarkt“ für das Geschäft. Deutsche Kunden und Partner hätten für Corel oberste Priorität. „Und auch wenn wir derzeit keine besonderen Änderungen unserer Vertriebskanalstrategie ankündigen, kann ich sagen, dass unsere Partner weiterhin darauf zählen können, dass wir immer nach neuen Wegen suchen, um sicherzustellen, dass wir alle auf Erfolgskurs bringen“ sagt die Top-Managerin. Dazu gehöre auch die Bereitstellung innovativer Produkte und flexibler Lizenzoptionen. Mit anderen Worten: Den Adobe-Weg der Creative Cloud, also Cloud-only, werde man bei Corel nicht gehen, sondern Kunden die Wahl lassen.

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