Die Cloud ist eine Chance für den Handel, doch nicht jeder steigt um Das Ende der klassischen Telefonanlage ist nur bedingt in Sicht

Redakteur: Sarah Gandorfer

Auf einem UCC-Roundtalble des TK-Distributors Allnet diskutierten die Hersteller, wie die künftige Kommunikationstechnik aussehen wird. Ein Konsens wurde dabei nicht erreicht.

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Auf den ITK-Solution-Days wurde beim Roundtable heftig diskutiert.
Auf den ITK-Solution-Days wurde beim Roundtable heftig diskutiert.
( Archiv: Vogel Business Media )

Telefonieren Sie noch oder kommunizieren Sie schon? Das war eine der einleitenden Fragen des Allnet-UCC-Roundtables, welcher Mitte Oktober in Germering im Rahmen der ITK-Solution Days 2010 stattfand. Dabei flogen schon einmal die Fetzen, wenn es zum Beispiel um die Frage ging, wie lange die klassische Telefonanlage noch überleben wird.

Microsoft-Vertreter Markus Mittelberger hält diese für eine schon recht bald aussterbende Spezies und geht sogar noch einen Schritt weiter: „Hybride- oder VoIP-Anlagen ähneln einer mechanischen Schreibmaschine. Die TK aus der Cloud hingegen entspricht einem Computer. Wer Fernmeldeelektroniker gelernt hat und den Schritt zur IP nicht macht, muss überlegen, ob er nicht noch an der Schreibmaschine hängt.“ Auch Marcus Otto, Vorstand von Nfon, bescheinigt der klassischen TK-Anlage „eine sehr endliche Funktion“. Der Funkwerk-Vertreter Hans-Jürgen Schneider gibt ihr ein wenig konkreter „noch drei bis vier Jahre Lebenszeit“.

Thomas Matthes von Aastra stimmt seinen Vorrednern nicht gänzlich zu: „Wir brauchen hybride Systeme. IP-basierte Lösungen sind nicht für jeden das richtige Mittel. Schlussendlich muss das Endgerät für den Kunden den Mehrwert bilden, egal ob es sich um VoIP, E-Mail oder sonstiges handelt. Was im Hintergrund abläuft spielt keine Rolle für den Nutzer.“

Beschränkte Sicht

Jan Boguslawski von Snom gibt zu Bedenken: „Wir neigen dazu, uns nur auf Information Worker zu fokussieren. Das ist jedoch nicht die Masse. Diese besteht eher aus Nutzern, wie der Dame am Empfang, welche ein simples Endgerät braucht.“ „Viele Kunden haben ihr Endgerät einfach noch am Platz“, weiß Frank Friedrich von Agfeo. Johann Zeiner von Siemens Enterprise (SEN) ist sich zudem sicher, dass es nicht nur ein Endgerät geben wird: „Es wird sehr wahrscheinlich ein stationäres und ein mobiles Gadget geben. Dabei ist eine geräte-übergreifende, einheitliche Kommunikation wichtig.“

Dass Deutschland noch sehr am klassischen Telefon hängt, bestätigt auch Mittelberger. Er schwenkt allerdings sofort wieder zu den Vorteilen moderner TK-Lösungen: „Der Mehrwert einer Softphone-Lösung ist, dass die Hände frei sind. Zudem werden es sich viele Unternehmen nicht mehr leisten können, zwei Netz-Infrastrukturen zu haben.“ Diese Aussage unterstützt auch Axel Hellpap von Plantronics: „Der Markt ist nicht Unified Communications sondern Kosten getrieben.“

„Die Investition wird entweder durch Leidensdruck oder durch Wettbewerbsvorteile ausgelöst“, ist wiederum Christian Lösch von Estos überzeugt. Ein Wettbewerbsvorteil ist die Integration der Kommunikation in die Business-Prozesse. „Partner die auf Geschäftsprozess-Optimierung gesetzt haben stehen gut da. Dazu braucht es aber gute Kenntnisse über den Kunden“, fährt Lösch fort. „Es ist auch wichtig, die Komplexität – wie beispielsweise bei der Installation eines Lync-Servers – herauszunehmen. Die Cloud ist deshalb der richtige Weg“, betont Nfon-Vorstand Otto.

Stefan Esselborn von Panasonic teilt diese Meinung nur partiell: „VoIP ist zwar eine schöne Sache, aber manchem Kunden fehlt die Bandbreite. Auch für sie, die technisch weit von der Cloud entfernt sind, braucht es eine Lösung.“

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