Avaya und Ringcentral Zusammenarbeit statt Konkurrenz

Autor: Ann-Marie Struck

Mit dem Wettbewerber zusammenarbeiten – sogenannte strategische Allianzen gibt es viele. Seit Oktober 2020 kooperieren die beiden US-amerikanischen UCC-Größen Avaya und Ringcentral. Nidal Abou-Ltaif, Präsident International bei Avaya gibt einen Einblick in die Partnerschaft der beiden ursprünglichen Konkurrenten.

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Im Netzwerkbereich werden oft aus Konkurrenten Partner.
Im Netzwerkbereich werden oft aus Konkurrenten Partner.
(Bild: rangizzz - stock.adobe.com)

Coopetition – so heißt die Strategie, wenn Kooperationen mit der Konkurrenz geschlossen werden. Das Kunstwort bildet sich aus den beiden englischen Begriffen „cooperation“ und „competition“. Vor allem in der Netzwerkwelt zahlt sich ein kooperatives Mindset öfters aus. Ein Beispiel dafür ist die erst im Herbst 2020 bekannt gegebene Zusammenarbeit des UCC-Spezialisten Avaya mit dem Mitbewerber Ringcentral, einem UCaaS-Anbieter aus den USA.

Die Avaya-Ringcentral-Kooperation bewegt die UCC-Branche, denn damit treibt Avaya nicht nur sein Cloud-Geschäft voran, sondern der US-Riese Ringcentral fasst Fuß im deutschen Markt, wie Nidal Abou-Ltaif, Präsident International bei Avaya bestätigt: „Durch die Partnerschaft kann Avaya sein Digital-Workplace-Portfolio abrunden, während Ringcentral mit Avaya einen starken Partner gewinnt, da wir den deutschen Markt gut kennen und wertvolle Kontakte für Ringcentral liefern können.“

Nidal Abou-Ltaif, Präsident International bei Avaya
Nidal Abou-Ltaif, Präsident International bei Avaya
(Bild: Avaya)

Avaya Cloud Office powered by Ringcentral

Die gemeinsame Lösung Avaya Cloud Office powered by Ringcentral ist seit Mitte Dezember für den deutschen Markt erhältlich. „Im September begann unser zweites volles Quartal auf dem Markt mit Avaya Cloud Office. Ende September sind wir in Frankreich, Irland und den Niederlanden gestartet und erst im November haben wir die Expansion in fünf weitere europäische Märkte angekündigt, darunter auch Deutschland“, erklärt Abou-Ltaif die Strategie. Einen Erfolg kann Avaya bereits jetzt bestätigen, denn im vierten Quartal habe das Kommunikationsunternehmen sowohl die Anzahl der Kunden weltweit als auch die Anzahl der aktiven Partner und Agenten, die die Lösung verkaufen, mehr als verdoppeln können.

Vermarktet wird die Lösung über den Channel. Bei der Distribution wird Avaya auch zukünftig mit den bisherigen Partnern, Sales Agents und Resellern zusammenarbeiten und das Master-Agents-Programm ausbauen. Bisher hält der UCC-Anbieter Partnerschaften mit Ingram, ScanSource, Westcom-Comstor und seit neuestem auch mit Komsa. Welcher dieser Distributoren die Cloud-Lösung ins Portfolio nehmen wird, bleibt – auch auf Nachfrage – weiterhin offen.

Andere Partner waren früher dran

Jedoch ist Avaya nicht der einzige strategische Partner des UCC-Konzerns mit Hauptsitz in Belmont, Kalifornien. Denn Ringcentral hält unter anderem Kooperationen mit Atos / Unify sowie Alcatel-Lucent. Aus diesen Partnerschaften sind ebenfalls UCC-Lösungen „Unify Office“ und „Rainbow Office“ entstanden, die außerdem schon früher als Avaya Cloud Office auf den Markt kamen. Zudem erscheinen die drei Modern-Workplace-Lösungen auf den ersten Blick identisch: eine Kommunikationsplattform über die Chats, Videokommunikation und Telefonie sowie weitere Integrationen von Geschäftsanwendungen zur Verfügung stehen. Des Weiteren werden alle Lösungen in deutschen Rechenzentren gehostet.

Den Unterschied von Avaya Cloud Office zu den anderen genannten Lösungen bilden laut Abou-Ltaif die Dienstleistungen sowie die Hardware von Avaya. „Wir haben die Lösungen, wir haben das technische Knowhow. Und, was noch wichtiger ist, wir haben die Dienstleistungen, um unsere Kunden zu unterstützen“, erläutert Abou-Ltaif und ergänzt weiter: „Unsere Partnerschaft mit Ringcentral ist einzigartig, weil sie sich nicht nur auf den Vertrieb bezieht, sondern auch die Produktentwicklung einbezieht. Sie stellt eine Win-Win-Situation für beide Unternehmen da. Auf dem Weg zu einem Cloud-Unternehmen können wir einen großen Schritt in unserer Entwicklung machen und Ringcentral wird durch unser erfolgreiches Vertriebsteam gestärkt.“

Ausblick 2021

Dennoch sei das Abou-Ltaif zufolge erst der Anfang des Geschäfts mit dem modernen Arbeitsplatz. Insbesondere sieht der Manager ein großes Potenzial für „Work-from-anywhere“-Lösungen, die es Mitarbeitern ermöglichen, effizient von überall aus zu arbeiten. Vor allem in Deutschland, gefolgt von Westeuropa und Großbritannien zeige sich derzeit eine schnelle Akzeptanz von UCaaS-Lösungen. Neben Avaya Cloud Office, bietet der Kommunikationsspezialist mit Avaya Spaces, eine Workstream-Collaboration-Lösung an, die auf Avaya OneCloud basiert. Diese wurde auch im Dezember zur Umsetzung der hybriden Elektronikmesse der Arabischen Emirate GITEX Global eingesetzt.

Darüber hinaus hat Avaya auf der Messe ein cloudbasiertes Framework vorgestellt, um Kunden und Mitarbeitern das Arbeiten in der „Work-from-anywhere“-Welt zu erleichtern. Dabei setzt der UCC-Anbieter auf erweiterte Messaging-Funktionen, die Integration von Social-Media-Kanälen, Gesichtserkennung und digitale Signaturen sowie sichere PCI-konforme Zahlungsmechanismen.

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Avaya OneCloud

Unter dem Namen „Avaya OneCloud“ werden die cloudbasierten Contact-Center-Lösungen (CCaaS), Unified-Communications-Angebote (UCaaS) sowie Communications-Platform-Services (CPaaS) vermarktet.

Aufgrund der Betriebs-, Verbrauchs- und kommerziellen Modellen von Avaya kann das gesamte Portfolio in der Cloud eingesetzt werden. Das schließt sowohl die Abonnement- und Managed Services als auch die privaten und öffentlichen Cloud-Angebote von Avaya mit ein.

Für 2021 konzentriert sich der TK-Anbieter auf den weiteren Rollout von Avaya Cloud Office und die Erweiterung von Avaya Spaces mit zusätzlichen Funktionen. Um das Arbeiten sowohl im Contact Center als auch im Unified-Communications-Umfeld zu verbessern, setzt Avaya auf neue Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) und Automatisierung. Ziel sei ein personalisiertes, vernetztes und intuitives Kundenerlebnis. „Uns geht es vor allem darum, KI in die Customer Journey einzubringen, um Erlebnisse nahtlos über alle Kanäle hinweg zu gestalten“, erklärt Abou-Ltaif. Dafür wurde erst kürzlich die Nvidia Maxine KI-Plattform in Avaya Spaces integriert, um zum Beispiel eine sofortige Transkription, erweiterte Live-Hintergründe und Geräuschunterdrückung anzubieten. Und das sei erst der Anfang.

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 Ann-Marie Struck

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