Die Public Cloud Group (PCG) hat sich durch die Übernahme des Schweizer Cloud-Dienstleisters Miracle Mill mit zahlreichen Entwicklern verstärkt. Oliver Schallhorn, CEO der Gruppe, zu den Hintergründen der Akquisition, zum Geschäftsmodell des Unternehmensverbunds und zu aktuellen Cloud-Trends.
Oliver Schallhorn, CEO der Public Cloud Group (PCG), will das Personal bis Jahresende noch einmal deutlich aufstocken.
(Bild: Public Cloud Group)
ITB: Die Public Cloud Group (PCG) hat gerade Miracle Mill, einen Spezialisten für Cloud Development aus der Schweiz, übernommen. Der Dienstleister unterhält weitere Büros in Bulgarien, Griechenland und Nordmazedonien. Nutzen Sie diese Länder jetzt als Nearshoring-Standorte für die Entwicklung Cloud-nativer Anwendungen?
Schallhorn: Nein, wir geben dem Markt und damit unseren Kunden das, was sie für ihre Digitalisierungsreise fordern: qualifizierte Experten, fundierte Skills und einen Fokus auf die Public Cloud. Um Cloud-native Infrastrukturen aufzubauen und Cloud-native Applikationen zu entwickeln, brauchen unsere Kunden breitgefächerte Fähigkeiten auf Gebieten wie Infrastructure as Code (IaC), Container und Kubernetes, gepaart mit Wissen über die Hyperscaler-Plattformen. Ein solches Skillset zu finden, ist wie die berühmte Nadel im Heuhaufen. Genau deswegen bedeutet Miracle Mill für uns weder Nearshoring noch Bodyleasing. Gemeinsam mit den Kollegen der PCG bilden die Mitarbeiter des Unternehmens künftig einen wertvollen Pool an hoch qualifizierten Menschen, unabhängig von ihrem Arbeitsort. Sie ergänzen sich optimal mit ihren Skills, und wir schaffen damit ein „Alles aus einer Hand“-Portfolio, das es am Markt so nicht oft gibt.
ITB: Cloud-Umgebungen aufzubauen, Anwendungen zu entwickeln, ist eines, sie dauerhaft zu betreiben etwas anderes. Die Unternehmen der PCG haben sich daher von Anfang an auch als Managed Cloud Provider positioniert. Wie entwickelt sich die Nachfrage nach Managed Services rund um die Hyperscaler-Plattformen?
Schallhorn: Mit zunehmender Cloud-Nutzung steigt das Interesse an Managed Services an. Die Gründe, sich für einen Managed Cloud Service zu entscheiden, sind vielfältig. Fehlendes Knowhow und fehlende Fachkräfte spielen dabei zunehmend eine Rolle. Die Situation hierzulande ist alles andere als einfach. Verschärfend kommt hinzu, dass wir bei Cloud immer mehr über IaC und Automatisierung reden. Hier sind vor allem Entwickler-Skills gefragt, und auch deswegen ist Miracle Mill für uns so spannend. Für kleinere Unternehmen mit kleinen Cloud-Umgebungen lohnt es sich oft nicht, DevOps-Experten mit sechsstelligen Gehältern einzustellen. Da rechnet es sich eher, passgenaue Managed Services zu beziehen. Aber auch größere Kunden sind dafür zu haben. Oft sind bereits große Teile der IT im Outsourcing, und sie entscheiden sich für einen extern gemanagten Cloud-Betrieb, damit sich das interne Team stärker auf das eigene Business und die digitale Transformation fokussieren kann.
ITB: Wie unterscheiden sich Managed Cloud Services von „herkömmlichen“ Managed Services, wie sie die Systemhäuser in Ihrem früheren Leben angeboten haben?
Schallhorn: Der Unterschied ist gewaltig. Im Zeitalter von Cloud liegt die komplette Delivery bei den Hyperscalern, in unserem Fall bei Microsoft, Google und AWS. Wir sitzen als Integrator zwischen Kunden und Cloud-Anbietern und übernehmen zum einen die Architekturberatung und zum anderen die Integration. Sowohl auf Seiten der Cloud als auch auf Seiten unserer Kunden ändert sich in Zeiten der Digitalisierung sehr viel. Es geht also darum, die sich ändernden Bedürfnisse der Kunden und die sich ständig weiterentwickelnden Angebote der Cloud Provider fortlaufend miteinander zu verknüpfen. Das bedeutet, dass Managed Services ein bisschen wie Dauerberatung sind. Natürlich betreiben wir virtuelle Maschinen, Datenbanken, Storage, APIs und machen das Monitoring, checken regelmäßig Kosten und Compliance et cetera. Aber der Vorteil bei uns liegt darin, dass Consulting und Managed Services Hand in Hand arbeiten. Eine Trennung findet kaum noch statt.
ITB: Welche Bedeutung haben Managed Services aktuell für die PCG im Verhältnis zu Beratung, Architekturdesign, Migration und Cloud-nativer Entwicklung?
Schallhorn: Im Moment machen Managed Services bei uns etwa 15 bis 20 Prozent des Geschäfts aus. Wir gehen davon aus, dass sich der Anteil in ein, zwei Jahren bei 40 bis 50 Prozent bewegen wird. Grundsätzlich sind Subscription-Modelle sehr populär, und wir bieten flexible Vertragsmodelle an, die sich an den Bedarf der Kunden anpassen und mit den genutzten Services skalieren. Managed Services sind also auf dem Vormarsch. Einen reinen Cloud-MSP ohne Beratung kann ich mir aber beim besten Willen nicht vorstellen. Der Vorteil liegt gerade im engen Zusammenspiel von Beratung und Betrieb. Warum sollte man diesen Vorteil aufgeben?
ITB: Cloud Services verhelfen der IT von Unternehmen zu mehr Agilität und Skalierbarkeit und eröffnen ihnen damit neue Möglichkeiten, ihre Digitalisierung voranzutreiben. Dennoch sind die Vorbehalte gegenüber den Hyperscalern nicht völlig verstummt. So seien Daten in der Public Cloud weniger sicher als On-Premises, ist immer wieder zu hören. Wie stichhaltig ist der Einwand?
Schallhorn: Es gibt genügend Beispiele dafür, dass die Cloud in puncto Sicherheit einen Vorteil bietet. Viele Unternehmen, auch stark regulierte, sind inzwischen in der Cloud. Es geht also eher darum, die Security professionell zu managen. Allein um die heute standardmäßigen Sicherheitsvorkehrungen der Cloud Provider in ihren On-Premises-Rechenzentren abzubilden, müssten Unternehmen riesige Investitionen tätigen. Dass das nicht der Fall ist, zeigen die vielen erfolgreichen Cyberattacken der jüngsten Zeit. Das heißt, mit der Cloud-Migration hat man ab Tag eins einen Sicherheitsvorteil. Beim Datenschutz bieten alle Hyperscaler die entsprechenden Vereinbarungen und Zertifizierungen an. Hier beraten wir unsere Kunden, wenn es um besonders schützenswerte Daten, beispielsweise Patientendaten, geht. Durch zusätzliche Mechanismen wie etwa Verschlüsselung kann man noch eine Schippe drauflegen.
Stand: 08.12.2025
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ITB: Welche wesentlichen Trends sehen Sie aktuell?
Schallhorn: KI, Big Data, IoT. Ich könnte jetzt den Gartner Hype Cycle zitieren. Wenn wir uns aber unser Tagesgeschäft anschauen, dann geht es für Kunden noch oft darum, überhaupt in die Cloud zu kommen. Und dann sprechen wir von virtuellen Maschinen, Datenbanken und Storage, für uns Commodity-Themen. Wir sind in Deutschland einfach weit hinter dem Rest der Welt zurück. Kunden, die schon weiter sind, beschäftigen sich zunehmend mit dem Refactoring von Anwendungen und mit Cloud-nativen Technologien wie API-Services, Serverless und Containern. Letztere bieten viele Vorteile bei der Anwendungsentwicklung- und -bereitstellung. Wir betreiben ganze Continuous Integration-/ Continuous-Delivery-Plattformen für Kunden, die sich nur noch um die Entwicklung ihrer Kern-Applikation kümmern. Die darunterliegende Automation stellen wir bereit.
ITB: Wie reagiert die PCG als Multicloud-Dienstleister konkret auf diese Trends?
Schallhorn: Um immer am Puls der Zeit zu bleiben, beschäftigen wir uns regelmäßig mit den neuen Möglichkeiten in der Cloud und bilden unsere Experten weiter. Aber auch unser Portfolio passen wir fortwährend an die Anforderungen der Kunden und die vorhandenen Services an. Und wir verstärken uns durch Akquisitionen wie der von Miracle Mill sowie durch die Rekrutierung von Talenten, um unser Skillset auf die Bedürfnisse des Markts auszurichten. So werden wir auch in Deutschland die Cloud-native Entwicklung unter der Marke Di-On personell kräftig ausbauen. Was uns jetzt noch fehlt, ist die Kompetenz für SAP auf den Plattformen der drei Hyperscaler. Daran arbeiten wir mit Hochdruck. Es ist ein hochdynamisches Umfeld. Ich bin froh, dass wir ein Team auf die Beine gestellt haben, das einen unglaublichen Spaß an diesen Themen entwickelt und hochmotiviert den besten Multi-Public-Cloud-Anbieter in Deutschland aufbauen will.
Oliver Schallhorn ist CEO der Public Cloud Group (PCG), die sich im Mai dieses Jahres formierte. Zur Gruppe gehören die Cloud-Spezialisten Cloudwürdig (Magstadt bei Stuttgart), Innovations On, Di-On.Solutions (beide Ulm), Switcom (Hamburg) und Miracle Mill (Baar in der Schweiz), die zusammen rund 250 Mitarbeiter beschäftigen. Im August 2019 gründete der heute 56-Jährige den Münchner Dienstleister Cloudbuddies, der sich knapp vier Monate später mit dem Startup Innovations On zusammenschloss. Bevor Schallhorn zum Cloud-Unternehmer wurde, zeichnete er seit Mitte 2017 bei Cancom als Executive Vice President für das Systemhausgeschäft verantwortlich. Zuvor führte der Chanel-Profi seit 2002 die Geschäfte des Ulmer Systemhauses Fritz & Macziol (heute Axians), dessen Entwicklung er maßgeblich mitgestaltete. Mitte 2016 schied er dort im Zuge der Neuausrichtung durch den neuen Gesellschafter Vinci Energies aus. Vor dem Einstieg bei Fritz & Macziol führte Schallhorn die Geschäfte des Stuttgarter Distributors Magirus (heute Tech Data), bei dem er seit 1994 beschäftigt war. Seine berufliche Laufbahn startete der gebürtige Hannoveraner bei Siemens Nixdorf (heute Fujitsu).