Infrastruktur im Gesundheitswesen Willkommen im Netzwerk-Dschungel

Von Ann-Marie Struck

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Der Druck wächst. Die Deadline ist 2025. Bis dahin müssen wegen des Krankenhauszukunftsgesetzes alle Dienste in Krankenhäusern digital sein. Grundlage dafür ist eine sichere und stabile Infrastruktur. Der Weg dorthin ist jedoch steinig.

Die Netzwerk-Infrastruktur eines Krankenhauses gleicht oft einem Dschungel an verschiedenen Insellösungen.
Die Netzwerk-Infrastruktur eines Krankenhauses gleicht oft einem Dschungel an verschiedenen Insellösungen.
(Bild: Corona Borealis - stock.adobe.com )

Die eAkte, Roboter in OPs oder die Messung von Gesundheitsdaten per App, das sind nur ein paar Beispiele für moderne Technologien, die aktuell in der Gesundheitsbranche Anwendung finden. Voraussetzung ist eine stabile und sichere Infrastruktur. „Jedoch sind derzeit viele Gesundheitssysteme noch in traditionellen IT-Architekturen gefangen, was den digitalen Fortschritt behindert“, beschreibt David Simon, Consulting Engineer Specialist MIST Sales EMEA bei Juniper Networks die Lage.

Bis 2025 sollen die Kliniken in Deutschland digitale Dienste gemäß den Verordnungen des Krankenhauszukunftsgesetzes bereitstellen. Dies schafft im Vergleich zu anderen Branchen einen hohen Druck bei der Umsetzung.

Katja Herzog, Vertriebsdirektorin öffentlicher Bereich bei HPE Aruba

Doch die Digitalisierung im Gesundheitswesen schreitet weiter voran. Zum einen beschleunigt das Krankenhauszukunftsgesetz, zum anderen hat die Corona-Pandemie deutlich gemacht, dass im Gesundheitswesen ein erheblicher Druck zu mehr Digitalisierung herrscht, wie Henning Czerny, Vice Director Networking / CTO bei Huawei Technologies Deutschland es ausdrückt. So habe sich in Krankenhäusern beispielsweise die Zahl der IT-Anwendungen gesteigert.

Mehr Geräte gleich mehr Infrastruktur

Ferner hat sich nicht nur die Anzahl der IT-Anwendungen gesteigert, sondern auch die Geräte, die an ein Netzwerk angebunden werden. Denn Krankenhäuser setzen zunehmen auf das Internet der Dinge (IoT). Anwendungsbeispiele sind laut Katja Herzog, Vertriebsdirektorin öffentlicher Bereich bei HPE Aruba Asset-Tracking, Gebäudeautomation und digitale Raumbeschilderung.

Darüber hinaus ist die Infrastruktur in Krankenhäusern oft sehr verzweigt, denn ein Krankenhaus ist mehr ein Gebäudekomplex und besteht aus mehrere Standorten, die alle an das Netzwerk angeschlossen werden müssen, damit Ärzte und Pfleger jederzeit auf die medizinischen Daten zugreifen können.

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„Ganz davon abgesehen, dass es ja inzwischen nur noch sehr selten grüne Wiesen gibt, bei denen man eine digitale Infrastruktur von Null aufbaut. Es gibt immer Altsysteme an die man sich anpassen muss“, erläutert Czerny.

Und die Zusammenführung einer Vielzahl von Hard- und Software ist ein komplexer Vorgang und Fehler können dabei schnell zu Netzwerkstörungen oder im schlimmsten Fall zu kompletten Ausfällen führen. Und das will bei einer kritischen Umgebung wie einem Krankenhaus niemand.

5G versus WiFi 6

Um die heutigen Digitalisierungsanforderungen erfüllen zu können und für die Zukunft gewappnet zu sein bedarf es HPE Aruba zufolge einer flexiblen Gateway-Infrastruktur, die mehrere Funkprotokolle gleichzeitig abdeckt. Gleichzeitig sei es wichtig, dass eine solide Basis mit der Netzwerkinfrastruktur geschaffen wird, um später die unterschiedlichen Digitalisierungsprojekte zur Effizienzsteigerung und Verbesserung der Behandlungsqualität schneller und einfacher darauf umsetzen zu können. Zudem brauchen die IT-Abteilungen im Gesundheitswesen mehr KI-gestützte Erkenntnisse, selbstreparierende Arbeitsabläufe und präskriptive Optimierungstipps, um den Netzwerkbetrieb bei zunehmender Digitalisierung leisten zu können.

Laut Czerny sind die Unterschiede an Anforderungen zwischen dem Gesundheitswesen und anderen Branchen oft weit geringer, als man denken mag: „In allen Branchen geht es genau wie im Gesundheitswesen um Netzwerkinfrastrukturen, die eine hohe Bandbreite zur Verfügung stellen." In Arztpraxen ist das Thema im Vergleich zu Krankenhäusern laut dem Manager weniger kritisch, dort seien die Anforderungen weit geringer, denn dort werden keine großen Datenpakete vom Behandlungszimmer zum Empfang geschickt und auch die Zahl der Anwendungen hält sich in Grenzen.

Demnach sind die Anforderungen im Krankenhaus höher. „Denken Sie nur an die hohe Zahl von Patienten, die sich die Zeit im Internet vertreiben wollen“, spezifiziert Czerny. „Hinzu kommen bandbreitenintensive Anwendungen wie zum Beispiel hochauflösende Videokonferenzen, die zur Unterstützung von Operationen oder Diagnosen aus der Ferne eingesetzt werden.“

Bei den kabellosen Übertragungstechnologien liegt WLAN klar vorne, denn die Vorteile, die mit der Nutzung von 5G einher gehen, kommen in geschlossenen Gebäuden nicht so ohne weiteres zum Tragen. 5G mit seinen sehr niedrigen Latenzen hat, so Czerny, seine Vorteile in der freien Fläche, beispielsweise in Häfen, oder auf Flughäfen.

Insofern lassen sich die Netzwerk-Anforderungen im Krankenhaus gut mit WiFi-6-Netzen bewältigen. Sie bieten hohe Bandbreiten und ausreichend niedrige Latenzen. Darüber hinaus bietet WiFi-6 den großen Vorteil der Abwärtskompatibilität. Geräte wie Drucker oder Beamer, die mit WiFi-4 oder -5 laufen, funktionieren auch unter WiFi-6. Bei einer Umstellung auf 5G kämen riesige Kosten auf die Kliniken zu, die gemäß Czerny in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen.

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Künftig ist auch eine Integration der beiden Wireless-Technologien vorstellbar, wie es unter anderem Juniper prognostiziert. Simon rät Anwendern beispielsweise dazu, die Technologien nicht unbedingt gegeneinander auszuspielen, sondern stattdessen Wege zu finden, wie WiFi 6 und 5G zusammenarbeiten können, um eine robustere Konnektivität zu erlangen.

Security und Datensicherheit

Zudem darf die IT-Security des Netzwerks nicht vergessen werden, wie Simon betont: „Datenschutz betrifft jede Branche, aber in kaum einem anderen Bereich werden so viele sensible Daten verarbeitet und gespeichert wie im Gesundheitswesen. Deshalb muss Sicherheitsmaßnahmen dort ein noch höherer Stellenwert eingeräumt werden. Höchste Sicherheitsstandards sind auch im Hinblick auf automatisierte medizinische Geräte unabdingbar – Cyberattacken können hier lebensbedrohliche Auswirkungen haben.“

Obendrein herrscht im Gesundheitswesen ein akuter Fachkräftemangel. Das erschwert ebenfalls die Verwaltung sowie den Aufbau der IT-Infrastruktur. Trotz der Notwenigkeit der Digitalisierung, um das Personal zu entlasten und den Patienten den Krankenhausaufenthalt so angenehm wie möglich zu machen, lohnt sich der Aufwand oft nicht, wie Herzog bestätigt: „Im Zuge des Digitalisierungsprozesses skalieren diese parallelen Netzwerkinfrastrukturen bereits bei nur wenigen umgesetzten IoT-Vorhaben nicht mehr: Zu teuer und personalintensiv ist der Aufbau und Betrieb paralleler Infrastrukturen, zu lange sind die Bereitstellungszeiten.“

Channel als Retter in der Not

Fakt ist: Die Infrastruktur ist die Lebensader des Gesundheitswesens. Um diese stabil und performant auf- und auszubauen, benötigen viele Krankenhäuser Beratung, die sie von externen Dienstleistern beziehen. „Vertriebspartner und Systemintegratoren spielen in der Gesundheitsbranche eine wichtige Rolle, da sie oft vertrauenswürdige Berater für Gesundheitsdienstleister sind“, erklärt Simon und betont dabei die Relevanz von Branchenkenntnissen.

Für Czerny liegt der Schlüssel zum Erfolg für den Channel im Gesundheitswesen beim Mehrwert. Seiner Ansicht nach reicht das klassische „Boxenschieben“, also der Verkauf von nackter Hardware nicht mehr. Das Gebot der Stunde seien Value Added Services. Reseller können sich zudem über spezielle Anwendungen, die mit der Hardware gebündelt angeboten werden, profilieren.

Thomas Peuthert, Head of Channel Sales DACH bei HPE Aruba zufolge fragt die Gesundheitsbranche immer öfter nach flexiblen Nutzungsmodellen, um sich auf ihre Kernkompetenzen zu fokussieren und flexibel auf dynamische Marktveränderungen zu reagieren.

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