Suchen

MSSP Indevis Von Skihütten und Managed Security Services

Autor: Sarah Böttcher

Beim, aufgrund der Coronakrise, hastigen Umstieg auf Remote Work blieb die Sicherheit in vielen Unternehmen auf der Strecke. Nun sind Managed Security Service Provider (MSSP) gefragt, diese Lücke zu schließen. Seit 1999 bietet Indevis Sicherheitslösungen für den deutschen Mittelstand. Die Idee kam den Gründern während ihres Skiurlaubs.

Firmen zum Thema

Die Idee für Managed Security Services kam den Gründern Wolfgang Kurz und Andreas Mayer auf einer Skihütte in den Ötztaler Alpen.
Die Idee für Managed Security Services kam den Gründern Wolfgang Kurz und Andreas Mayer auf einer Skihütte in den Ötztaler Alpen.
(Bild: © JFL Photography - stock.adobe.com)

Als ab Anfang der 1990er Jahre erste E-Mail-Adressen kursierten und das Internet seinen Siegeszug antrat, etablierte sich allmählich auch die dunkle Seite des Webs: Viren, Schadprogramme und Hacker nahmen ihren Anfang. Als erste Firmen ihre Daten über VPN-Zugänge oder Portale ins Netz stellten, waren diese zunächst nur durch ein statisches Passwort geschützt und dadurch leichte Ziele. Auch das Rechnernetz der Universität München sowie dessen Studenten Wolfgang Kurz und Andreas Mayer waren von bereits existierenden Hacker-Attacken nicht gefeit. Sicherheitstechnologien gab es damals bereits, doch waren diese meist unerschwinglich. Vor allem kleinere und mittlere Unternehmen konnten sich aus finanziellen Gründen nicht vollumfänglich schützen.

Andreas Mayer, Gründer und CSO bei Indevis
Andreas Mayer, Gründer und CSO bei Indevis
(Bild: Indevis)

Aus der Not vieler heraus gründeten Kurz und Mayer 1999 den Managed Security Services Provider (MSSP) Indevis, mit dem Ziel IT-Sicherheitslösungen für jede Kundengröße zur Verfügung zu stellen. Mit ihrem ersten Service Indevis Authentication bietet der Service Provider bereits seit dem Gründungsjahr eine Multi-Faktor-Authentifizierungslösung mit Username, PIN und wechselndem Software-Token.

Die Idee für das Unternehmen kam den beiden Studenten auf einer Skihütte im Ötztal in Hochsölden, in der die beiden Unternehmer während ihrer Studienzeit des Öfteren Urlaub machten. Während sich Mayer als Student der Betriebswirtschaftslehre ab 1999 der kaufmännischen Leitung von Indevis annahm, kümmerte sich Kurz, als Elektrotechnik-Student, um die Infrastruktur und die dahinterliegende Technologie.

Mangelnde Sicherheit

Heute, 21 Jahre nach der Gründung, ist das Unternehmen auf rund 80 Mitarbeiter gewachsen, der erste Service existiert allerdings noch immer und die Technik dahinter ist unverändert. Das Headquarter hat sich nicht in Hochsölden, dafür aber in München etabliert, in dem sich auch das Gros der Mitarbeiter befindet. Der zweite Standort ist in Hamburg, weitere Vertriebsmitarbeiter sind in ganz Deutschland verteilt und gehen aktiv auf Kunden zu. „Der Markt ist leider nicht so, dass man uns dringend sucht. Es gibt eine Nachfrage und natürlich einen Bedarf. Das Ganze beginnt aber erst“, betont Kurz.

Der Service Provider betreut momentan laut eigenen Angaben rund 1.000 Kunden, vorwiegend aus dem deutschen Mittelstand. „Gerade der Mittelstand hat lange gedacht, die eigene IT-Abteilung sei ihr ganzer Stolz. Nun stellen sie fest, dass die Komplexität und der Betrieb ihrer IT-Infrastruktur durch die Cloud, vermehrte Cyber-Attacken und dem Mangel an Fachpersonal drastisch gestiegen ist“, erläutert Kurz. Die bisherigen Sicherheitsmaßnahmen reichen dem Unternehmer zufolge nun nicht mehr aus, denn, „wenn die IT steht, steht alles. Und das gilt mittlerweile nicht mehr nur für klassische Bildschirmarbeitsplätze.“ Die meisten Unternehmen sind heute nicht mehr in der Lage, die eigene Sicherheit auf einem hohen Qualitätslevel sicherzustellen. „Unternehmen stellen nun fest, dass nicht mehr der Supportvertrag im Mittelpunkt steht, sondern das Management der gesamten Infrastruktur an Bedeutung gewinnt“, stellt Kurz fest.

Coronakrise schafft Vertrauen

Wolfgang Kurz, Gründer und CEO bei Indevis
Wolfgang Kurz, Gründer und CEO bei Indevis
(Bild: Indevis)

Die Covid-19-Krise befeuert aktuell diesen Trend. Denn bei dem schnellen und übereilten Umzug in das Homeoffice und die Cloud blieb die Sicherheit meist auf der Strecke. Die Chance für MSSPs: „Die Coronakrise war ein Katalysator für das, was noch kommt. Vielen hat die Krise die Augen geöffnet. Schließlich existieren und funktionieren Managed Services. Es ist gar nicht so tragisch sie zu nutzen“, betont Kurz. Die bisher vorherrschende Skepsis sowie das fehlende Vertrauensverhältnis zwischen Unternehmen und MSSPs wird nun durch die Pandemie abgebaut. Während der Notsituation waren es letztendlich Service Provider, die innerhalb kürzester Zeit die dringend benötigten Ressourcen bereitstellten und eine Verlagerung der Mitarbeiter in das Homeoffice vollzogen.

Folglich rücken Service Provider auch in den Fokus zahlreicher Hersteller, die ihr Portfolio laut eigenen Angaben zunehmend „MSP-freundlich“ gestalten. Eine harmonische Zusammenarbeit gelingt hier allerdings noch bei den Wenigsten: „90 Prozent der Hersteller sind, was den MSSP angeht, überhaupt nicht gut aufgestellt“, kritisiert Indevis-CEO Kurz. Einige Wenige sehen MSSPs allerdings als einen strategischen Zweig und haben sich „exzellent aufgestellt. Sie haben beispielsweise das Pricing angepasst und komplette Partnerprogramme eingeführt. Mit allen Herstellern, die aus der alten, tradierten Welt kommen, tun wir uns jedoch schwer. Doch spätestens in der Cloud ist es vorbei mit dem klassischem Schachtelliefern. Hersteller müssen lernen ihre Lösung Cloud-ready zu machen und ihren Mehrwert in die Cloud zu übersetzen.“

Dediziertes MSSP-Partnerprogramm dringend erwünscht

Deshalb muss sich die tradierte Zusammenarbeit zwischen Herstellern und Service Providern ändern. Für die schnelle und flexible Bereitstellung von Services, benötigen Service Provider andere Preislisten und Kaufmodelle als klassische Systemhäuser. Auch die momentanen internen Provisionsmodelle der Hersteller wirken dem neuen Geschäftszweig der Service Provider komplett entgegen. „Viele Hersteller hängen in einer alten Welt fest und kommen mit diesem neuen Modell nicht zurecht“, spricht Kurz aus Erfahrung. Dem Indevis-CEO zufolge verstehen einige Hersteller zudem nicht, dass Service Provider ein komplett anderes Verhältnis zu den Endkunden haben. „Denn dem Kunden ist es letztendlich egal, mit welcher Hersteller-Lösung wir seine Anforderungen erfüllen, denn er wird das System nie sehen. Der klassische Datenblatt- und Feature-Einkauf hat sich zum Teil erledigt.“

Über ein dediziertes MSSP-Partnerprogramm verfügen momentan die wenigsten Hersteller. Neben einem flexiblen Lizenz- sowie Finanzierungsmodell – Stichwort Pay per Use –, sind auch flexibel skalierbare User-Modelle, Mandantenfähigkeit sowie eine gewisse Cloud-Kompatibilität unabdingbar.

(ID:46618036)

Über den Autor

 Sarah Böttcher

Sarah Böttcher

Online CvD & Redakteurin