Ifo-Umfrage zur Digitalen Souveränität US-Abhängigkeit: Viele Unternehmen bleiben untätig

Von Mihriban Dincel 2 min Lesedauer

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Viele deutsche Unternehmen bewerten ihre Abhängigkeit von US-Digitalanbietern als Risiko, reagieren darauf aber nicht. Laut ifo Institut setzt ein Teil der Unternehmen auf europäische Alternativen, während eigene Infrastrukturen deutlich seltener eine Option sind.

Europäische Alternativen gewinnen an Bedeutung, doch US-Anbieter prägen weiterhin einen Großteil der digitalen Infrastruktur vieler Unternehmen.(Bild:  Gemini / KI-generiert)
Europäische Alternativen gewinnen an Bedeutung, doch US-Anbieter prägen weiterhin einen Großteil der digitalen Infrastruktur vieler Unternehmen.
(Bild: Gemini / KI-generiert)

Digitale Produkte und Dienste von US-Anbietern sind in deutschen Unternehmen weit verbreitet: Knapp 88 Prozent der Befragten nutzen sie. Fast ein Drittel, konkret 31 Prozent, stuft die eigene Abhängigkeit davon als stark ein. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Ifo Instituts hervor.

Die Risikowahrnehmung führt allerdings nicht automatisch zu konkreten Vorkehrungen. Gut jedes fünfte Unternehmen hält die Abhängigkeit für problematisch, plant jedoch keine Gegenmaßnahmen. Unter den Unternehmen, die ein Risiko erkennen, will mehr als jedes vierte nichts unternehmen.

„Die Unternehmen wissen recht genau, wo sie stehen – sie ziehen daraus kaum Konsequenzen“, sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo Befragungen. „Zusatzkosten dieser Risikovorsorge“ sowie die Ungewissheit, „dass Lieferanten oder Kunden diese Investitionen in digitale Unabhängigkeit ebenfalls auf sich nehmen wollen“, nennt er als mögliche Gründe der Untätigkeit.

Anthropic-Sperrung als Anlass

Anlass für die Ifo-Befragung war die vorübergehende Sperrung der leistungsfähigsten KI-Modelle des US-Anbieters Anthropic für ausländische Nutzer. Das US-Handelsministerium hatte diese Mitte Juni angeordnet und Ende Juni wieder aufgehoben.

Am stärksten von US-Anbietern abhängig fühlen sich Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor. 39 Prozent sehen sich dort stark abhängig. Im Bauhauptgewerbe liegt der Anteil bei 15 Prozent. Dabei geht eine hohe Abhängigkeit nicht zwingend mit einer hohen Risikoeinschätzung einher. In Werbung und Marktforschung sehen sich 72 Prozent der Unternehmen stark abhängig, jedoch halten nur 51 Prozent dies für sehr riskant.

Europäische Alternativen und Diversifizierung

Wenn Unternehmen Maßnahmen planen, liegt der Fokus auf europäischen Lösungen. Den Umstieg auf europäische Alternativen nennen 34 Prozent als Maßnahme. Es folgt die Diversifizierung der Anbieter mit 30 Prozent. Der Aufbau eigener IT-Infrastruktur liegt mit 18 Prozent deutlich dahinter. Auf die Europäische Union entfallen laut Ifo Institut jedoch weniger als 5 Prozent der weltweit erfassten Rechenkapazität für KI-Anwendungen.

„Die Bereitschaft zum Wechsel ist da, das Angebot fehlt“, sagt Ifo-Präsident Clemens Fuest. „Europa muss den Ausbau von Rechenzentren und Energieinfrastruktur deutlich beschleunigen und Genehmigungsverfahren von Jahren auf Monate verkürzen“, appelliert er und zieht zugleich den Staat in die Verantwortung. Diese müssen nämlich ihre Nachfragemacht nutzen: „Verbindliche Abnahmezusagen der öffentlichen Hand würden europäischen Anbietern jene Planungssicherheit geben, die aus verstreuter privater Nachfrage nicht entsteht.“

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