Gamescom 2025 Ururenkel vom Gameboy: Handheld-Spielgeräte im Trend

Von Wolf von Dewitz, dpa 4 min Lesedauer

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Sein Display war mini, die Optik mäßig, die Spiele waren simpel – und trotzdem war der Gameboy in den 90er Jahren ein Welterfolg, er machte das Gaming mobil. Das ist lange her – und heute sind Konsolen wieder hoch im Kurs.

Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU, r.) und Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) haben sich am Nintendo-Stand mit 22 weiteren Spielern ein heißes  Mario-Kartrennen geliefert.(Bild:  © Koelnmesse/gamescom/Uwe Weiser)
Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU, r.) und Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) haben sich am Nintendo-Stand mit 22 weiteren Spielern ein heißes Mario-Kartrennen geliefert.
(Bild: © Koelnmesse/gamescom/Uwe Weiser)

Passionierte Gamer sind ein eigenes Völkchen. Sie verbringen viel Zeit an der Konsole oder am Gaming-PC, wo sie mit hoher Rechenleistung möglichst gute Bilder sehen wollen von Autorennen, Schwertkämpfen und Schießereien. Über simplere Smartphone-Games rümpft manch einer der Spiele-Enthusiasten nur die Nase: Er ist eine andere visuelle Qualität und eine bessere Steuerung gewohnt.

Künftig könnten Gaming-Enthusiasten ihre Vorbehalte gegenüber dem mobilen Spielen etwas abbauen. Denn sogenannte hybride Konsolen - auch Handhelds genannt – mischen den Markt auf, bessere Chips machen sie sehr leistungsstark. Das Interesse ist groß, wie auf der Messe Gamescom zu sehen ist.

Hybride Konsolen gefragt

Hybride Konsolen haben – im Gegensatz zu stationären Konsolen – ein Display, auf dem Gamer das Spiel sehen. Links und rechts davon sind Steuerungselemente, also Joysticks und Knöpfe. Man muss sie aber nicht unbedingt auf dem kleinen Bildschirm spielen, sondern kann sie auch zum Beispiel an den Fernseher anschließen.

2017 startete Nintendo mit dem Verkauf der hybriden Konsole Switch. Seither wurden 153 Millionen solcher Geräte verkauft. Anfang Juni brachte Nintendo das Nachfolgemodell Switch 2 auf den Markt, der Verkaufsauftakt war vielversprechend: In nur dreieinhalb Wochen wurden 5,8 Millionen Spielkonsolen verkauft. Die Switch 2 ist für etwa 470 Euro zu haben, der Preis ist damit höher als beim Vorgängermodell Switch (290 Euro).

Gameboys revolutionieren das Spielen

Die heutigen Konsolen sind gewissermaßen Nachfahren des Gameboys, der 1989 herauskam und das Spielen in den 90ern revolutionierte. Ob Tetris oder Super Mario – die grafisch einfachen Spiele prägten eine Gamer-Generation. Nintendo ist inzwischen bei der fünften Handheld-Generation angekommen – so gesehen ist das neue Gerät, die Switch 2, der Ururenkel des Gameboys. „Die Konsole passt sich dem Leben an, egal wo und wann man spielen möchte“, erklärt Nintendo-Pressesprecherin Silja Gülicher-Dütsch die Vorzüge des Geräts. Die Switch 2 sei keineswegs nur etwas für intensive Gamer, sondern auch für Gelegenheitsspieler und die ganze Familie mit allen ihren Generationen.

Microsoft und Asus bitten Gamer kräftig zur Kasse

Eine andere hybride Konsole ist die ROG Xbox Ally, die bei der Gamescom vorgestellt wurde und im Oktober auf den Markt kommen soll. Das Kürzel ROG steht für die Marke Republic of Gamers. Die Hardware ist von Asus und die Software von der Microsoft-Marke Xbox. Die ROG Xbox Ally, die in zwei unterschiedlichen Varianten herauskommt, dürfte deutlich teurer sein als die Switch 2. Preise haben die Firmen bislang nicht veröffentlicht, es könnten Branchenkreisen zufolge aber etwa 600 beziehungsweise 900 Euro werden.

Sascha Krohn, Chef des technischen Marketings in der Gamingsparte von Asus Global, sieht das Gerät als Schritt hin zu einem mobileren und flexibleren Spiele-Erlebnis. „Man kann zu Hause ein grafisch aufwendiges Fantasy-Game am PC spielen, dann auf die Konsole wechseln und in der Bahn oder draußen im Garten weiterspielen.“

Geiles Gaming-Erlebnis

Früher seien Konsolen technisch an ihre Grenzen gestoßen, manche aufwendig produzierten Games waren unterwegs entweder nur mit qualitativen Abstrichen oder gar nicht spielbar. „Das hat sich geändert: Das Spiele-Erlebnis ist glatt und flüssig geworden: Die Grafik-Qualität unserer Konsole ist nah ran gerückt an die Qualität unserer stationären Gaming-PCs.“ Unabhängige Branchenexperten sind ebenfalls angetan von den neuen Konsolen. „Das Spiele-Erlebnis ist deutlich besser geworden“, sagt Petra Fröhlich vom Fachportal GamesWirtschaft. „Es ruckelt nichts mehr und die visuellen Welten sind in hoher Auflösung opulent.“

Handhelds-Trend

Der Verband Game sieht einen Trend zu Handhelds. Deren Qualität sei inzwischen so gut, dass es gar nicht nur um das Spielen unterwegs gehe, sondern auch um ein flexibleres Spielen in den eigenen vier Wänden: Man könne in der einen Ecke des Wohnzimmers gut gamen und störe die Familie nicht, sagt der Geschäftsführer des Verbandes Game, Felix Falk. Der Zugriff auf den Fernseher sei nicht mehr unbedingt nötig, schließlich böten die Handhelds die gleiche Qualität wie stationäres Gaming.

Könnten die hybriden Konsolen die Beliebtheit des Gamings insgesamt steigern und den Markt vergrößern, wenn noch mehr Menschen mit dem Zocken anfangen? Fröhlich zweifelt daran: „Die hybriden Konsolen haben eher eine kleine Zielgruppe – für ein echtes Massenphänomen, das den Gamingmarkt auf ein ganz neues wirtschaftliches Level hievt, sind sie schlicht und ergreifend zu teuer.“

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Fröhlich gibt zu bedenken, dass sich die Geräte nicht als Einsteigerprodukte eigneten. „Niemand wird mit dem Gaming anfangen, indem er sich eine ROG Xbox Ally X für 900 Euro kauft“, sagt die Branchenexpertin. Stattdessen schaffe man sich erst einmal einen Gaming-PC oder eine stationäre Konsole an – oder man installiere Spiele auf seinem ganz normalen PC oder Laptop. „Und vielen Menschen reicht das Gaming auf dem Smartphone oder auf dem Tablet.“

Heiße Rennen mit mehr Teilnehmern

Bei der Gamescom lädt Nintendo die Besucher ein, die neue Konsole mit dem Rennspiel Mario Kart auszuprobieren. Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) und Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) haben am Nintendo-Stand mit der Switch 2 und 22 anderen Spielern an einem Rennen teilgenommen. Am Vorgängermodell konnten übrigens nur maximal 12 Spieler mitmachen, nun hat sich die mögliche Teilnehmerzahl verdoppelt. Wüst und Bär waren zunächst amüsiert, dann konzentriert. Während die Fränkin mit ihrem 8. Platz ganz zufrieden war, landete der Westfale Wüst auf Platz 20 und merkte später augenzwinkernd an, der habe ja nur „knapp“ gegen Bär verloren.

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