Aktueller Channel Fokus:

Gaming & eSports

Nachfolgemesse der Cebit startet im März 2020

Twenty2X: die Mittelstands-B2B-Cebit

| Autor: Wilfried Platten

Die Twenty2X soll die Nachfolge der Cebit antreten.
Die Twenty2X soll die Nachfolge der Cebit antreten. (Bild: Deutsche Messe AG)

Generalist oder Spezialist? Die Deutsche Messe in Hannover schwimmt gegen den Strom und setzt anders als die erfolgreichen themenzentrierten Spezial-Messen der Gegenwart auf horizontale Themenbreite für eine vertikale eng definierte Zielgruppe. Mutig.

Am Anfang steht ein Rätsel: Wofür steht Twenty2X? Die Formel 22 + X, die Zahl 40 (20 x 2) oder die Ratio 20:X (so wie 3:1 im Fussball, die 2 stünde dann nicht für „two“ sondern für „to“, Wortspiel!)? Oder ist das X sogar der geheimnisvolle, noch unbekannte variable Erfolgsfaktor? Die spontane Assoziation, dass 2022 schon wieder Schluss sein könnte, verwerfen wir natürlich gleich wieder. Denn generell wäre es ja schön – für den IT-Standort Deutschland, für das Cebit-deprivierte Publikum und überhaupt – wenn es wieder eine erfolgreiche ITK-Leitmesse in der Bundesrepublik gäbe.

Dabei setzen die Macher allerdings auf ein Konzept, dass sich in den vergangenen Jahren als immer weniger tragfähig herauskristallisiert hat. Während spezialisierte Themen-Events wie MWC (TK/Mobility) oder it-sa (Security) schier aus den Nähten platzen, besteht für inhaltlich breit angelegte „Orientierungs“-Messen offensichtlich kaum mehr Bedarf. Erstere bilden klar abgegrenzte vertikale Themen für horizontal breit angelegte Zielgruppen ab. Ob es da sinnvoll ist den umgekehrten Weg zu gehen, und vertikal breit angelegte Themen für eine horizontal verengte Zielgruppe (Mittelstand) anzulegen? Aber, die Eingrenzung des potenziellen Klientels geht noch weiter. Denn als Besucher-Zielgruppe stehen die IT-Entscheider mittelständischer Unternehmen im Mittelpunkt. Darunter versteht die Messegesellschaft konkret den mit dem Tagesgeschäft befassten IT-Leiter, und ausdrücklich nicht den vorausdenkenden, die IT-Zukunft eines Unternehmens planenden CDO (Chief Digital Officer) – oder wie auch immer der interne Digitalisierungs-beschleunigende Experte jeweils positioniert und gelabelt sein mag. Auch wenn es in der Ankündigung heißt: „Im Fokus stehen IT-Technologien und deren Einsatzmöglichkeiten in den unterschiedlichen Geschäftsprozessen zur Digitalisierung des Mittelstands“, nach Blick in die Zukunft sieht das ebensowenig aus wie nach dem über den Tellerrand hinaus.

Auf den Spuren der Cebit

Natürlich drängt sich unwillkürlich der Gedanke an die verblichene Cebit auf, die ja zeitweilig auch als B2B-Messe für den ITK-Markt apostrophiert wurde. Dafür spricht alleine schon die terminliche Übereinstimmung. Bis 2017 fand die einstmals größte IT-Messe der Welt immer in der dritten März-Woche statt. Die Twenty2X soll vom 17. bis 19. März 2020, sprich in der dritten März-Woche, in Hannover über die Bühne gehen. Und die verantwortliche Messe-Direktorin Jutta Jakobi widerspricht nicht der sich aufdrängenden Einschätzung, dass sie auch konzeptionell rund um den inhaltlichen Kern der Cebit angelegt ist. Motto: "Wir bilden die Vertriebsplattform für moderne IT-Lösungen".

Was die avisierten Besucherzahlen angeht, plant die Messe mit zahlenden Gästen im fünfstelligen Bereich: „Mit 100.000 Besuchern zu planen, wäre völlig unrealistisch“, so Jakobi. Und zahlen müssen sie alle. „Gratis-Tickets wird es definitiv nicht mehr geben.“ Das Ende der Klassenausflüge aufs Messegelände ist besiegelt. Selbst Aussteller bekommen keine freien Ticket-Kontingente, es sei denn, sie zahlen dafür, um sie dann kostenlos weiterzugeben. Zur Erinnerung: die letzte „alte“ Cebit gab mit „nur“ 200.000 Besuchern Anlass, die Reißleine zu ziehen. Die glücklose Nachfolgerin ereilte als „Businessfestival“ schon nach dem ersten Versuch mit offiziell 120.000 Besuchern (in Hannover kursieren „echte“ fünfstelligen Insiderzahlen) die letzte Klappe.

Der Channel ist raus

Im Gegensatz zur Cebit, die immer auch ein mehr oder weniger bindender „Muss-Termin“ für den ITK-Channel war, ist die Twenty2X als reine Endkundenmesse konzipiert. Kein Wunder, dass der Bundesverband der IT-Anwender zu den Kooperationspartnern gehört. Damit ist der Channel draußen. Trotzdem sind IT-Dienstleister als buchende Kunden willkommen. Aktuell haben sich drei Systemhäuser aus dem norddeutschen Raum gebunden und die Messe hofft auf Nachahmer auch über den regionalen Dunstkreis hinaus. Eine eigene Bühne aber soll es dafür nicht geben.

Ach ja, es fehlt noch die Auflösung des Twenty2X-Rätsels: Nachdem die Fortführung des Namens Cebit aus guten Gründen ebenso verworfen wurde wie die Nutzung der überstrapazierten Begriffe „Digital“ oder „Digitalisierung“, musste ein neues Label gefunden werden und wurde im Arbeitstitel des Cebit-Nachfolgeprojekts gefunden. Twenty2X steht so für das zweite Jahrzehnt des neuen Jahrtausends, also 2021, 2022, 2023, usw., mit der Variablen X quasi als Platzhalter für die nächsten zehn Jahre. Und da man ja optimistisch in die Zukunft blicken sollte, wurden gleich auch noch die Namen Twenty3X und Twenty4X geschützt. Die spontane Assoziation, dass erst 2049 wieder Schluss sein könnte (siehe oben), verwerfen wir natürlich gleich wieder.

Kommentare werden geladen....

Sie wollen diesen Beitrag kommentieren? Schreiben Sie uns hier

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 46037256 / Events)