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Reine Internet-Anbieter sind Wachstumstreiber Trotz Coronaeinbruch wächst der Online-Handel

Autor: Sarah Gandorfer

Im ersten Halbjahr gaben die Verbraucher im Online-Handel 36.705 Millionen Euro inklusive Umsatzsteuer aus. Während einige Warengruppen stagnierten oder gar einen Verlust erlitten, verzeichnete das Segment „Computer, Zubehör und Spiele“ ein Plus. Reine Internetanbieter wachsen um 13,3 Prozent, Online-Marktplätze um 12,1 Prozent.

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Online einkaufen ist beliebt.
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(Bild: Andrey Popov - stock.adobe.com)

Im ersten Quartal ist coronabedingt der Umsatz im E-Commerce eingebrochen, da sich die Auswirkungen des Lockdowns auf Reisebuchungen, den Verkauf von Urlaubszubehör und Tickets für kulturelle Events auswirkten. Nach diesem Einbruch ist der Online-Handel im zweiten Quartal jedoch überdurchschnittlich gewachsen. Er ist damit auf das gesamte erste Halbjahr 2020 gesehen wieder zu gewohntem Wachstum zurückgekehrt. Die jüngst veröffentlichen Zahlen der großen Verbraucherstudie des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. (bevh) haben für das zweite Quartal ein Wachstum von 16,5 Prozent ergeben, nach einer coronabedingten Stagnation von 1,5 Prozent im vorherigen Quartal.

Im Zeitraum April bis Juni 2020 gaben die Verbraucher im Online-Handel 20.222 Millionen Euro aus (alle Zahlen inklusive Umsatzsteur) (2. Q. 2019: 17.363 Mio. Euro) aus. Im gesamten ersten Halbjahr summierten sich die Erlöse auf 36.705 Millionen Euro und betrugen damit 9,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum (33.608 Mio. Euro). Allerdings hinterlässt Covid-19 auch im zweiten Quartal seine Spuren. So verzeichnen digitalen Dienstleistungen, wie elektronische Tickets, Downloads oder Hotelbuchungen im zweiten Quartal lediglich einen Umsatz von 1.364 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 2019 mit 4.810 Millionen Euro. Das entspricht einem Einbruch um 71,6 Prozent.

Stationäre Händler unterdurchschnittlich

E-Commerce hat sich im zweiten Quartal nachhaltig als zusätzliche Versorgungs-Infrastruktur etabliert“, fasst bevh-Hauptgeschäftsführer Christoph Wenk-Fischer zusammen. „Das zeigt sich nicht nur an den absoluten Zahlen, sondern auch am Willen der Konsumenten, auch künftig mindestens so viele, wenn nicht mehr Güter des täglichen Bedarfs und Medikamente online zu kaufen.“

In einer Zusatzbefragung unter rund 2.500 Konsumenten gab gut jeder Zweite (53,6 Prozent) an, dass er aufgrund der Erfahrungen in der Coronakrise künftig mehr online bestellen werde. Konkret nach Warengruppen gefragt, gaben 21,6 Prozent der Befragten an, mehr Lebensmittel online bestellen zu wollen; nur 11,6 Prozent gaben an, ihre Online-Ausgaben hier reduzieren zu wollen. Auch im Hinblick auf Medikamente, Drogerieprodukte und Tierbedarf äußerten deutlich mehr Befragte die Absicht, ihre Online-Einkäufe künftig zu steigern als sie zu verringern. Abseits der Waren des täglichen Bedarfs wollen die Konsumenten hauptsächlich bei Bekleidung und gedruckten oder elektronischen Büchern künftig eher mehr Geld im Internet ausgeben als weniger.

Von den höheren Umsätzen im Internet haben insbesondere die reinen Internetplayer mit einem Wachstum von 13,3 Prozent im ersten Halbjahr und 20,8 Prozent allein im zweiten Quartal 2020 profitiert. Die Umsätze auf Online-Marktplätzen wuchsen im gleichen Zeitraum um 19,1 Prozent im Quartal sowie 12,1 Prozent im Halbjahr.

Die Online-Umsätze der stationären Händler konnten demgegenüber im zweiten Quartal mit 4,7 Prozent nur unterdurchschnittlich am Wachstum partizipieren; auf das Halbjahr bezogen verloren sie sogar 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. „Auch wenn diese Zahlen ernüchtern, haben viele stationäre Händler in der Krise erstmals konsequent mit dem Online-Handel begonnen. Dadurch wachsen die Chancen, dass Multichannel-Anbieter künftig wieder Boden gut machen“, glaubt Wenk-Fischer.

Warengruppen

Obwohl Drogerie- und Supermärkte, Delikatessenhändler sowie Haus- und Heimtierbedarfsgeschäfte in der Coronakrise geöffnet blieben, verzeichneten diese Kategorien im Online-Handel ein unerwartetes Wachstum. Selbst nach der akuten Phase der „Hamsterkäufe“ und auch nach Ende der scharfen coronabedingten Kontakt-Beschränkungen blieb die Nachfrage nach Gütern des täglichen Bedarfs im E-Commerce im zweiten Quartal 2020 deutlich erhöht, was eine dauerhaft positive Wachstumsprognose für dieses Segment nahelegt. Das zweite Quartal bescherte dem Lebensmittel-Online-Handel einen Umsatzrekord von 772 Millionen Euro (2. Q. 2019: 407 Mio. Euro) und damit ein Wachstum um 89,4 Prozent. Der Verkauf von Drogerieprodukten im Internet legte um 44,6 Prozent auf 715 Millionen Euro zu (2. Q. 2019: 495 Mio. Euro).

Das Warengruppen-Cluster „Einrichtung“ wuchs um 18,7 Prozent auf 3.041 Millionen Euro inklusive Umsatzsteuer getrieben von einem starken Wachstum bei Haushaltswaren und -geräten (+25,6 Prozent auf 1.339 Mio. Euro gegenüber 1.066 Mio. Euro im 2. Q. 2019). In der Kategorie Möbel, Lampen und Dekoration zeigte sich nachhaltig hohes Wachstumspotenzial. Hier stieg der Online-Umsatz im 2. Quartal 2020 um 13,8 Prozent auf 1.412 Millionen Euro (2. Q. 2019: 1.241 Mio. Euro).

Der Umsatz der Warengruppen „Freizeit“ stieg im zweiten Quartal 2020 auf 2.588 Millionen Euro (2. Q. 2019: 2.209 Mio. Euro) um 17,1 Prozent.

In der Kategorie Bekleidung hat die Krise zu einer deutlichen Kaufzurückhaltung im März und erst einer leichten Erholung im April geführt. Im zweiten Quartal verzeichnet die Branche nun mit einem Wachstum von 15,3 Prozent wieder ein deutliches Plus gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz erhöhte sich dabei auf 3.697 Millionen Euro (2. Q. 2019: 3.206 Mio. Euro). Der Einbruch der Verkaufszahlen zu Beginn der Pandemie konnte auf Halbjahresbasis allerdings nicht voll kompensiert werden. Das Wachstum im Halbjahr liegt bei 6,4 Prozent was 6.743 Millionen Euro entspricht. Im Vorjahr erreichte der Bekleidungssektor im E-Commerce im Vergleichszeitraum noch ein Wachstum von 14 Prozent auf damals 6.388 Millionen Euro.

Die Warengruppe Computer, Zubehör und Spiele verzeichnete im zweiten Quartal Umsätze von 1.763 Millionen Euro (2. Q. 2019: 1.526 Mio. Euro) und stieg um 15,5 Prozent. Der Bereich Elektronikartikel und Telekommunikation wuchs online um 6,3 Prozent und verzeichnete einen Umsatz von 3.571 Millionen Euro (2. Q. 2019: 3.359 Mio. Euro). Die Online-Umsätze bei Büchern und E-Books stiegen um 6,6 Prozent und liegen bei 978 Millionen Euro (2. Q. 2019: 917 Mio. Euro ). Das gesamte Cluster „Unterhaltung“ erreichte 7.025 Millionen Euro ein Zuwachs um 9,1 Prozent gegenüber dem 2. Quartal 2019 (6.438 Mio. Euro).

Internet Pure Player

Im zweiten Quartal konnten die Multichannel-Versender nur durch das starke Wachstum der klassischen Versandhändler und der Versandapotheken mit 10,6 Prozent knapp zweistellig auf 6.871 Millionen Euro (2. Q. 2019: 6.251 Mio. Euro). Einen Boom erlebten die Versandapotheken mit einem Plus von 67,1 Prozent auf 267 Millionen Euro (2. Q. 2019: 160 Mio. Euro). Unter den Multichannel-Anbietern wuchsen die klassischen Versandhändler mit einem Plus von 12,6 Prozent auf 3.666 Millionen Euro (2. Q. 2019: 3.277 Mio. Euro) am stärksten. Die Versender mit Herkunft aus dem stationären Geschäft verzeichneten ein deutlich unterdurchschnittliches Plus von 4,7 Prozent. Die Umsätze lagen bei 2.818 Millionen Euro (2. Q. 2019: 2.691 Mio. Euro).

Das Zugpferd des E-Commerce waren im zweiten Quartal die Internet Pure Player, welche 3.076 Millionen Euro umsetzen und damit 20,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal zulegten (2.547 Mio. Euro). Mit einem weiteren Wachstum von 19,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr und einem Umsatz von 9.550 Millionen Euro (2. Q. 2019: 8.020 Mio. Euro) besetzten die Online-Marktplätze wieder fast die Hälfte des Gesamtumsatzes.

„Wir sehen gute Chancen, dass der E-Commerce dieses Jahr trotz der Coronakrise einen Umsatz von bis zu 80 Milliarden Euro brutto erreichen kann“, prognostiziert Christoph Wenk-Fischer. Für den Bereich der „Digitalen Dienstleistungen“ ist die ursprüngliche Prognose infolge von Corona nicht zu erreichen. Bei Waren und Dienstleistungen zusammengenommen rechnet der bevh daher mit einem Wachstum deutlich unterhalb der ursprünglich erwarteten 100 Milliarden Euro brutto.

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Über den Autor

 Sarah Gandorfer

Sarah Gandorfer

Redakteurin bei IT-BUSINESS