Suchen

Adesso-Umfrage Top-Management hält von KI noch Abstand

Autor: Heidemarie Schuster

Künstliche Intelligenz (KI) ist eine Technologie, von der sich Unternehmen Wettbewerbsvorteile versprechen. Das zeigt eine Studie von Adesso unter Führungskräften. Konkrete Projekte haben allerdings bislang nur wenige Firmen umgesetzt.

Firmen zum Thema

Der Einsatz Künstlicher Intelligenz steht in Unternehmen häufig noch am Anfang.
Der Einsatz Künstlicher Intelligenz steht in Unternehmen häufig noch am Anfang.
(Bild: fotomek - stock.adobe.com)

Grundsätzlich sind sich deutsche Führungskräfte der Vorteile von KI bewusst: So sind 90 Prozent der von dem IT-Dienstleister Adesso Befragten davon überzeugt, dass Unternehmen, die in den kommenden fünf Jahren in KI investieren, einen Wettbewerbsvorteil haben. Gleichzeitig sind sich 82 Prozent der Entscheider darüber einig, dass es mit KI gerade erst losgeht. Konkrete Projekte wie etwa KI-gestütztes Lead Scoring oder Produktentwicklung auf Basis von Nutzerdaten werden von Unternehmen selten realisiert.

Top-Management fremdelt mit KI

Überraschend ist die abweichende Einstellung der Umfrageteilnehmer aus dem Top-Management zum Thema KI. 72 Prozent der befragten Vorstände oder Geschäftsführer sehen in KI-Investments Wettbewerbsvorteile. Über alle Abteilungen hinweg aber stimmen 90 Prozent der Befragten dieser Aussage zu. Auch an anderen Stellen unterscheiden sich die Antworten des Top-Managements vom Durchschnitt. Ein Beispiel: Insgesamt 27 Prozent der befragten Führungskräfte gaben an, Text-Chats, etwa in Form von Dialogfenstern auf einer Webseite, bereits einzusetzen beziehungsweise den Einsatz gerade zu planen. Aber nur 7 Prozent der Vorstände und Geschäftsführer wissen davon. Und während 21 Prozent aller Führungskräfte sagen, dass in ihrem Unternehmen Weiterbildungsmaßnahmen rund um KI und Maschinelles Lernen (ML) laufen oder aktuell umgesetzt werden, sind es beim Top-Management lediglich 3 Prozent.

Für diese Diskrepanz gibt es laut Adesso zwei mögliche Erklärungen: Einerseits wird das Management gerade in größeren Unternehmen nicht jedes KI-Detail im Blick haben. Ob die Marketing- und IT-Abteilungen auf einer Unterseite ein Chatbot-Modul testen, spielt im Gesamtkontext keine größere Rolle. Andererseits weiß anscheinend die oberste Führungsriege selbst bei eher strategischen Fragestellungen wie der KI-Weiterbildung nicht über alle Aktivitäten in ihrem Unternehmen Bescheid. Das ist allerdings ein klarer Widerspruch zu der häufig propagierten Forderung, das Thema KI aufgrund seiner Bedeutung ganz oben zu verankern, so der IT-Dienstleister. Die Unterstützung von Seiten des Vorstands oder der Geschäftsführung sei grundlegende Voraussetzung, damit aus Einzelaktivitäten eine konsolidierte KI-Strategie werde.

„Aktuell scheint das Top-Management beim Planen und Umsetzen von KI-Projekten noch zu zögern. Aber ich bin davon überzeugt, dass sich das ändern wird. Denn das Potenzial, das in KI-Anwendungen steckt, ist zu groß, um es langfristig zu ignorieren. Aber eine umfangreiche KI-Strategie lässt sich nur mit der Unterstützung aus der Unternehmensleitung realisieren“, erklärt Volker Gruhn, Aufsichtsratsvorsitzender und Gründer der Adesso SE.

Über die Studie

Adesso hat gemeinsam mit der Kölner Marktforschungsagentur Heute & Morgen im Zeitraum von Januar bis Mitte Februar 2020 eine Umfrage zum Thema KI durchgeführt. Dabei wurden insgesamt 318 Entscheider in Unternehmen sowie 1.000 Endverbraucher unterschiedlichster Altersgruppen in Deutschland befragt. Anfang Juni wurden die Verbraucher zu ausgewählten Punkten erneut befragt, um Trends oder Veränderungen in ihrer Einstellung zu KI durch die aktuelle Corona-Pandemie zu analysieren.

(ID:46854170)

Über den Autor