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Angetestet: Lenovo Yoga Book C930

Tolles Konzept mit Verbesserungspotenzial

| Autor: Klaus Länger

Statt einer herkömmlichen Tastatur verwendet Lenovo beim Yoga Book C930 ein E-Ink-Display als Touch-Keyboard, Notiz-Applikation oder E-Book-Reader.
Statt einer herkömmlichen Tastatur verwendet Lenovo beim Yoga Book C930 ein E-Ink-Display als Touch-Keyboard, Notiz-Applikation oder E-Book-Reader. (Bild: Lenovo)

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Beim Lenovo Yoga Book C930 dient ein E-Ink-Panel als Ersatz für das herkömmliche Keyboard. Damit bietet das extrem dünne 10,8-Zoll-Convertible gleich zwei Touchscreens mit Stifterkennung. Was man damit machen kann, zeigt unser Hand-on-Test des exotischen Geräts.

Das Yobabook C930 von Lenovo ist nicht das erste Windows-Convertible mit zwei Displays, von denen eines zusätzlich als Touch-Keyboard dient, aber sicher das bisher exotischste Gerät dieser Gattung. Denn anders als etwa beim schon 2011 vorgestellten Acer Iconia ist das zweite Display beim Yoga Book kein TFT-Screen, sondern ein sparsames E-Ink-Panel mit 10,8-Zoll-Diagonale und Full-HD-Auflösung. Mit diesem Trick bekommt Lenovo das Problem des hohen Energieverbrauchs in den Griff, an dem das Acer Iconia letztlich gescheitert ist. Allerdings ist das Yoga Book damit auch kein „echtes” Dual-Screen-Notebook, da das nicht beleuchtete Graustufen-E-Ink-Panel von Windows 10 nicht als zweites Display für beliebige Applikationen genutzt werden kann, sondern nur als Keyboard, als ­digitaler Notiz- und Zeichenblock mit dem mitgelieferten Stift sowie als E-Book-Reader. Mit Stifterkennung wartet auch der ebenfalls 10,8 Zoll große IPS-Touchscreen auf. Er liefert mit 2.560 x 1.600 Bildpunkten ­eine sehr hohe Auflösung und auch Bildqualität. Auf beiden Panels arbeitet der Pen mit 4.096 Druckstufen. Er kann zudem per Druck auf die hintere Stifttaste Apps starten und besitzt eine magnetische Befestigung am Displaydeckel.

Noch mehr Nutzungsoptionen als bei herkömmlichen Yoga-Convertibles

Der zweite Touchscreen statt eines herkömmlichen Keyboards macht das Yoga Book sehr flach: Zusammengeklappt ist es nur knapp zehn Millimeter hoch. Auch sonst ist das Convertible mit einer Grundfläche von 260 x 179 Millimetern sehr kompakt und mit 775 Gramm auch federleicht. Das glattflächige Metallgehäuse des Convertibles hinterlässt trotzdem einen ausgesprochen soliden Eindruck. Die Verbindung zwischen der Basiseinheit mit dem E-Ink-Panel und dem IPS-Display stellt ein 360-Grad-Scharnier her, das an ein Uhrenarmband aus Metall erinnert. Das Yoga Book kann so – Yoga-typisch – als Notebook, als Tablet, im Stand- und im Tent-Modus genutzt werden. Das E-Ink-Display ergänzt diese Nutzungsmöglichkeiten um zwei weitere Modi: E-Ink-Notizblock und E-Book-Reader. Denn im Tablet- und im Stand-Modus schaltet ein doppeltes Tippen zwischen den beiden Screens hin und her. Für des Öffnen des geschlossen fast nahtlosen Yoga Book C930 haben sich die Lenovo-Ingenieure eine nette Funktion einfallen lassen: Doppeltes Klopfen auf den geschlossenen Displaydeckel entriegelt ­einen Magnetverschluss und das Display springt ein kleines Stück auf. So lässt sich das Gerät leicht öffnen, ohne dass die Fingernägel zum Einsatz kommen müssen.

Flach, flott und lüfterlos

Als Testgerät kommt bei uns die stärkere Version des Yoga Book C930 zum Einsatz, die für 1.170 Euro (UVP) angeboten wird. Sie ist mit einem Intel Core i5-7Y54 ausgestattet. Die kleinere kommt mit einem Core m3-7Y30. Der i5-7Y54 ist ein Dualcore-Prozessor aus der Kaby-Lake-Generation. Sein niedriger Basistakt von 1,2 GHz erlaubt eine TDP von 4,5 Watt. Das trägt nicht nur zu einer längeren Akkulaufzeit bei, sondern erlaubt im Yoga Book zudem einen lüfterlosen und damit auch lautlosen Betrieb. Im Turbo-Boost schwingt sich der Prozessor kurzzeitig auf bis zu 3,2 GHz auf. Im PCMark 8 erreicht das mit vier GB LPDDR3 bestückte Yoga Book damit einen Wert von 3.573 Punkten. Für Büro- und Multimedia-Applikationen reicht die Leistung des kleinen Rechners damit vollkommen aus. Für die Grafik ist die im Prozessor integrierte HD-615-GPU zuständig. Anspruchsvollere Spiele bewältigt der Lenovo damit nicht, wie der 3DMark-Cloud-Gate-Wert von 4.500 Zählern belegt. Für Casual Games ist das Yoga Book dagegen bestens geeignet. Im Akkutest von PCMark 8 hält das Leichtgewicht immerhin fast vier Stunden durch. Da das Yoga Book hier unter dauernder Last arbeitet, sind somit im normalen Betrieb die bis zu neun Stunden durchaus möglich, die Lenovo für das Gerät angibt. Als Massenspeicher ist im Testgerät eine 256 GB große NVMe-SSD von Toshiba eingebaut. Für die drahtlose Kommunikation ist der WLAN-AC-Controller mit Bluetooth 4.2 an Bord. Die Schnittstellen beschränken sich auf zwei USB-C-Ports mit USB 3.1 Gen1, die zusätzlich als Ladebuchsen und als Displayanschluss dienen.

Unzuverlässiger Fingerprintreader

In der Praxis macht dem Tester erst einmal der Fingerprintreader über dem Touch-Keyboard das Leben schwer. Denn schon die Einrichtung von Windows Hello per Fingerabdruck funktioniert nicht richtig, da keine stabile Erkennung möglich ist. Ein Update der Firmware für den Fingerabdruckleser bringt schließlich eine gewisse Verbesserung. Sie muss allerdings manuell mit einem Englisch-Chinesisch-sprachigen Tool vorgenommen werden. Über das Lenovo-Vantage-Update-Tool wird sie nicht automatisch installiert. Der Tipp für das Firmware-Update fand sich im englischen Community-Forum, wo mehr Anwender von Problemen mit dem Fingerprint-Sensor geplagt sind.

E-Ink-Panel: Ordentliches Keyboard aber Apps mit wenig Funktionen

Das Touch-Keyboard auf dem E-Ink-Display funktioniert erstaunlich gut und erlaubt ein durchaus flottes Tippen. Die Einstellung wird separat auf einem Screen vorgenommen, der über eine Leiste erreichbar ist, die oben rechts auf dem Display angezeigt wird. In diesem Screen finden sich noch weitere Optionen für den Tastaturstil, das Tastenfeedback und für die Auswahl eines Hintergrundbildes, das bei ausgeschaltetem Gerät auf dem E-Ink-Display angezeigt wird. Beim Keyboard bietet das Yoga Book C930 zwei verschiedene Tasten-Layouts mit jeweils hellem oder dunklem Hintergrund. Beim einen wird das virtuelle Touchpad immer angezeigt, beim anderen alternativ zur Leertaste. Dafür sind hier die Tasten allgemein größer. Beim Tippen gibt es ein akustisches, haptisches und optisches Feedback. Für Anwender, die häufig in verschiedenen Sprachen arbeiten, ist das Yoga Book C930 ideal, da sie immer die passende Tastenbelegung finden. Allerdings arbeitet die Spracheinstellung unabhängig von der in Windows 10 und muss eigens vorgenommen werden.

In der Menü-Leiste stehen neben dem Keyboard und dem Einstellungs-Menü noch die beiden weiteren Funktionen des E-Ink-Screens zur Verfügung: Die Notiz-App und die Reader-Applikation für E-Books und PDF-Dokumente.

Im Vergleich zu Onenote oder ähnlichen Programmen ist die Notiz-App sehr einfach gestrickt. Für handschriftlich eingegebene Notizen steht jeweils nur eine Bildschirmseite zur Verfügung, da das Programm nicht scrollen kann. Gespeicherte Seite werden mit einer Miniatur-Ansicht versehen gespeichert. Allerdings gibt es keine Möglichkeit, eigene Unterverzeichnisse einzurichten. Ein weiteres Manko ist, dass Teile von Notizen zwar mit einem Lasso markiert werden können, aber nur, um sie als Grafik in die Zwischenablage zu kopieren. Das ­Kopieren als Text funktioniert im Test nicht. Eine Importfunktion gibt es nur für einen Screenshot des Hauptdisplays. Der kann dann immerhin verschoben und in der Größe verändert werden. Ein Skalieren und Verschieben von Notizen ist dagegen nicht vorgesehen.

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Mit einem Update der E-Ink-Software im März wurde zwar eine Synchronisation von der Notiz-App zu Onenote eingeführt. Auf unserem Testrechner war sie aber nicht funktionsfähig. Das kann an der deutschen Onenote-Version liegen, da die Lenovo-­Notiz-App wohl mit festen Pfadnamen arbeitet, die dann auf dem Testgerät nicht existieren. Laut Beschreibungen in Foren von Anwendern, bei denen die Synchronisation arbeitet, tut sie das aber nur sehr eingeschränkt, und Notizen werden lediglich als Grafik übertragen. Insgesamt eignet sich die E-Ink-App also nur für Kurznotizen. Für längere handschriftliche Mitschriften sollte man sich lieber des Tablet-Modus mit dem IPS-Screen sowie Onenote bedienen.

Die E-Reader-App auf dem E-Ink-Display funktioniert im Test gut, bietet aber nur ­relativ wenige Funktionen. Mit dem März-Update kann sie nun neben PDF wenigstens auch nicht-DRM-geschützte ePub- und Mobi-Dateien sowie Textfiles öffnen. Allerdings gibt es weder die Möglichkeit, Lesezeichen anzulegen, noch die Option, mit dem Stift handschriftliche Anmerkungen zu erstellen. Beim Wechsel zwischen verschiedenen E-Books oder PDF-Dokumenten wird die Seite, auf der man zuletzt gelesen hat, nicht abgelegt, sondern man beginnt wieder auf der ersten Seite. Eine vergrößerte Anzeige, das Kopieren von Bildschirmausschnitten beherrscht die App immerhin. Auch ein eigener Dialog für das Springen zu eingegebenen Seitenzahlen existiert.

Fazit: Innovatives Windows-Convertible mit Lücken bei der E-Ink-Software

Das Fazit unseres Tests ist zwiespältig. Als herkömmliches Convertible-Notebook ist das Lenovo Yoga Book C930 durchaus empfehlenswert, wenn man ein sehr leichtes und dünnes Gerät mit trotzdem ordentlicher Leistung, langer Akkulaufzeit sowie hoher Auflösung sucht. Für 1.389 Euro ist das Yoga Book auch mit LTE erhältlich. Das Tippen auf dem E-Ink-Display ist gewöhnungsbedürftig, dafür können verschiedene Tastatursprachen angezeigt werden, was für etliche Anwender oder Firmen sicher schon allein ein Kaufargument ist. Auch die Verarbeitung ist, abgesehen von dem unzuverlässigen Fingerprintreader, sehr gut. Bei den zusätzlichen Apps für das E-Ink-Display hat Lenovo allerdings Potenzial ungenutzt gelassen. Die Notiz-App ist in der ­vorliegenden Form kaum brauchbar. Der E-Reader funktioniert zwar gut, ist aber in den Funktionen sehr eingeschränkt. Hier bleibt zu hoffen, dass Lenovo am Ball bleibt – und mit weiteren Updates der E-Ink-Software nachbessert.

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