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#ManagedServices Stimmungsbild: Der MSP-Markt in der Coronakrise

Autor: Dr. Stefan Riedl

Mit zwei Mailings hat Datto ein Stimmungsbild unter Managed Service Providern abgefragt. Zwei Erkenntnisse daraus: Es gibt Gewinner und Verlierer der Coronakrise und ein Großteil der anstehenden Homeoffice-Projekte wurde inzwischen abgearbeitet.

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Im Homeoffice gestaltet sich der Arbeitsalltag mitunter etwas anders.
Im Homeoffice gestaltet sich der Arbeitsalltag mitunter etwas anders.
(Bild: Jürgen Fälchle - stock.adobe.com)

Datto, der Anbieter von Lösungen und Diensten für Managed Service Provider, hat anlässlich der Coronakrise rund 60 Partner insgesamt zweimal im Abstand von einem Monat angeschrieben, um ein Stimmungsbild zu erhalten. Die Bandbreite bei den Antworten war groß. Einige kamen mit ihrem Geschäftsmodell in arge Bedrängnis, während andere sich vor Arbeit kaum ­retten konnten.

Markus Rex, Strategy Director DACH, Datto
Markus Rex, Strategy Director DACH, Datto
(Bild: Datto)

Markus Rex, Strategy Director DACH bei Datto, fasst die Ergebnisse zusammen: „Die Spreu trennte sich auf zwei Ebenen vom Weizen und eine zeitliche Komponente war auch mit drin. Einen großen Unterschied in der eigenen Lagebeurteilung machte der Kundenkreis.“ So kamen einige der Managed Service Provider in ländlichen Gebieten mit einem Fokus auf Kunden aus der Tourismus-Branche beziehungsweise dem Gaststättengewerbe in arge Probleme. In dieser Branche sind Existenzängste, Kurzarbeit und staatliche Hilfen angesagt. Ein Datto-Partner in der Umfrage äußerte sich bezogen auf derlei Probleme: „In den letzten Wochen haben viele Kunden gemerkt, dass sie sehr schlecht aufgestellt waren. Andere wiederum nutzen die Situation, um sich gut auf die kommende Zeit vorzubereiten.“

Zeit sinnvoll nutzen

Zweckoptimismus war vielerorts trotz wirtschaftlicher Problemen zu spüren: „Wir werden die Zeit auf jeden Fall nutzen, um uns weiterzubilden, alte Zöpfe abzuscheiden, aufzuräumen und um gestärkt und ­optimal vorbereitet für die Zeit danach zu sein“, so ein Datto-Partner.

„Wir stellen im Team fest, dass wir uns wohl noch nie so intensiv untereinander ausgetauscht haben wie in diesen Tagen. Allgemein scheinen mir die Leute viel mehr Rücksicht aufeinander zu nehmen und der Umgang ist respekt- und verständnisvoller. Schade, dass dazu solche Umstände nötig sind“, führte ein anderer aus.

Kundenfokus ist entscheidend

Ein Kundenfokus beispielsweise auf Ärzte, Steuerberater und teilweise das produzierende Gewerbe führte dazu, dass sich der MSP tendenziell nicht über zu wenig ­Arbeit beklagen konnte. „Hier war insbesondere durch die Anbindung von Homeoffices viel zu tun“, sagt Rex.

So antwortete ein Partner auf das Mailing: „Geschäftlich läuft es super. Wir haben ­einige Projekte an Land gezogen, die wir wohl sonst nicht bekommen hätten, oder die überhaupt nicht gestartet worden wären.“ Ein anderer kommentierte: „Wir haben aktuell gut zu tun, weil das Thema Cloud jetzt weiter in den Vordergrund rückt.“ Neben Cloud Computing im Allgemeinen, rückten VPN-Lösungen – ebenfalls Homeoffice-getrieben – in den Fokus der Nachfrage. „Wir haben in zwei Tagen so viele VPN-Lizenzen verkauft und eingerichtet wie in den letzten acht Jahren“, äußerte ein Partner.

Doch ist eine Situation selten schwarzweiß, wie folgendes Statement dokumentiert: „Was bei unseren Kunden jedoch oftmals noch stockt, sind die neuen Homeoffice-Lösungen wie Microsoft Teams, Cloud-Telefonie, Videokonferenzen et ­cetera. Einige nutzen es bereits, andere ­machen Homeoffice mit VPN, Rufweiterleitung und Dateiversand nach dem ‚wird schon klappen‘-Prinzip. Leider sind viele Unternehmen noch nicht in der neuen Welt angekommen.“

Eine Frage des Spezialisierungsgrades

Die zweite Ebene, die sich aus der Sicht von Rex als erfolgskritisch zeigte, war die Intensität, mit dem das MSP-Geschäft betrieben wurde: „Hatte das Unternehmen langfristige Verträge und einen hohen Spezialisierungsgrad auf Managed Services, lief das Geschäft häufig rund. Negativ wirkte sich hingegen aus, wenn das Unternehmen nicht so tief verwurzelt im MSP-Business war.“ In dieselbe Kerbe schlägt die Analyse eines Datto-Partners, der schrieb: „Jedes Systemhaus, das bereits vor der Krise entsprechend aufgestellt war beziehungsweise schon einmal die Gleise in die richtige Richtung gestellt hat, sollte aus meiner Sicht unbeschadet durch die Krise kommen. Darüber hinaus werden nun alle Kollegen gezwungen, ihre Denkweise zu optimieren und müssen feststellen, dass doch deutlich mehr Arbeiten remote durchzuführen sind, als der ein oder andere Kollege bisher ­gemacht hat. Für uns als Unternehmen ist das eine wertvolle Zeit, die wir nutzen müssen.“

Homeoffice-Projekte abgearbeitet

Die zeitliche Ebene zeigte sich dahingehend, dass das erstes Mailing Mitte März und das zweite Mitte April verschickt wurde. „Im März konnten sich viele vor Aufträgen kaum retten, da durch die Anbindung von Homeoffices und das Einrichten von VPNs viel zu tun war. Mitte April war viel von diesem Geschäft bereits erledigt“, fasst Rex zusammen.

„Insgesamt stieg die Zustimmung für Cloud-Technologie und Homeoffices in dieser Zeit enorm, berichten uns Kunden. Man könnte durchaus von einem Corona-induzierten Cloud-Boost sprechen. Produktseitig liefen insbesondere Microsoft 365 – damals noch Office 365 – und Teams sehr gut.“

(ID:46575013)

Über den Autor

Dr. Stefan Riedl

Dr. Stefan Riedl

Leitender Redakteur