Mittelständler suchen wandlungsfähige Unternehmenssoftware So gelingt die Wahl des richtigen ERP- und CRM-Systems

Redakteur: Dr. Stefan Riedl

ERP-Systeme sind teuer und zäh. Teuer, weil sie an die Prozesse angepasst werden müssen. Bei den CRM-Systemen sieht es – wenn auch nicht so ausgeprägt – ähnlich aus. Aufbauend auf Erkenntnissen des ERP-Professors Norbert Gronau beleuchtet IT-BUSINESS, worauf es in der Krise ankommt: die Wandlungsfähigkeit.

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Die Auswahl des richtigen ERP- und CRM-Systems muss wohlüberlegt sein. Copyright: Rolffimages – Fotolia.com
Die Auswahl des richtigen ERP- und CRM-Systems muss wohlüberlegt sein. Copyright: Rolffimages – Fotolia.com
( Archiv: Vogel Business Media )

Zäh sind Systeme für Enterprise Ressource Planning (ERP), weil sie – einmal eingeführt – in der Regel 10 bis 15 Jahre im Unternehmen bleiben. Sogar Ablöseprojekte nach Laufzeiten von mehr als 20 Jahren sind keine Seltenheit. Allein deswegen sollte die ERP-Entscheidung wohl überlegt sein. Zudem geht es vielen IT-Verantwortlichen angesichts des breiten Angebots an Systemen auf dem Markt oft wie dem Hungrigen vor einer Speisekarte mit einer zu großer Auswahl.

Was sollte bei der Entscheidung alles bedacht werden? Das Schlagwort »Flexibilität« fällt hier immer wieder, doch damit ist es nicht getan. Flexibel sind die Systeme vor der Implementierung alle. Vielmehr müssen sie wandelbar sein, um in turbulenten Zeiten schnell auf Veränderungen reagieren zu können.

Prof. Dr.-Ing. Norbert Gronau (Jahrgang 1964) ist seit 2004 Lehrstuhlinhaber an der Universität Potsdam mit den beiden Forschungsschwerpunkten betriebliches Wissensmanagement und wandlungsfähige ERP-Systeme. (Archiv: Vogel Business Media)

Das fordert Prof. Dr.-Ing. Norbert Gronau, der einen Wirtschaftsinformatik-Lehrstuhl an der Universität Potsdam inne hat. Sein Forschungsschwerpunkt: »Betriebliches Wissensmanagement und wandlungsfähige ERP-Systeme«. Zusammen mit IT-BUSINESS beleuchtet der Software-Experte, welche Auswirkungen die Wirtschaftskrise auf den ERP-Markt hat und welche Eigenschaften ERP-Systeme erfüllen müssen, um nicht nur flexibel, sondern auch wandlungsfähig zu sein, wenn es zu Umwälzungen im Unternehmen kommt.

Excel für Fortgeschrittene

Das Adjektiv »flexibel« verwenden Softwarehersteller gerne im Sinne von »anpassungsfähig« (zur Einführung) oder »skalierbar« (bezogen auf die Nutzeranzahl). Gronau erläutert Wandlungsfähigkeit anhand eines Beispiels: Ein Getriebehersteller musste als Zulieferer eines Automobilherstellers von Just-in-Time-Anlieferung auf Just-in-Sequency umstellen. Das bedeutet, dass der LKW in der Reihenfolge beladen werden muss, in der die Teile später verbaut werden. Die Verantwortlichen sagten vorschnell zu, um dann festzustellen, dass die Umstellung 2,6 Millionen Euro kosten würde. Gelöst wurde das Problem nicht wirklich. Seither wird aus dem ERP heraus »per Hand« für jede Lieferung eine Excel-Tabelle für den Gabelstapler-Fahrer erstellt, der nach dieser Liste auf einem eigens freigeräumten »Rangier-Areal« belädt.

Lieferketten und Microsoft

Bei Microsoft hat man erkannt, dass eine wandlungsfähige Supply-Chain inzwischen zu den wichtigsten Anforderungen in der Industrie überhaupt zählt. »In diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten müssen sich Mittelständler in rasch ändernde internationale Kunden- und Lieferketten systemtechnisch integrieren«, betont Jochen Wießler, Direktor Microsoft Business Solutions. »Zudem müssen die Mittelständer effizient auf neue Marktanforderungen reagieren und durch einen sehr hohen Service-Grad oder Liefertermintreue überzeugen.« Entsprechend flexibel und leistungsfähig müssten daher auch die ERP- und CRM-Lösungen sein, so der Manager. Letztlich dürfen die Unternehmen durch ihre Systeme nicht be-, sondern müssen entlastet werden. Das klingt wie eine Binsenweisheit. Das Beispiel mit dem Gabelstaplerfahrer und der Excel-Liste zählt in der Praxis jedoch keineswegs zu einem Kuriosum. Viel zu oft richtet sich die Arbeit nach der Unternehmens-Software und nicht umgekehrt.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, welche Probleme Rucksacksysteme bereiten und wie sich die Eigenschaften »Skalierbarkeit«, »Modularität«, »Verfügbarkeit« und »Interoperabilität« in der Praxis bemerkbar machen.

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