Mittelständler suchen wandlungsfähige Unternehmenssoftware

So gelingt die Wahl des richtigen ERP- und CRM-Systems

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Rucksacksysteme

Auch Gronau bestätigt, dass die Lösung per Excel wahrlich kein Einzelfall ist. Er kennt das aus seiner Praxis als ERP-Berater. »Rucksacksysteme«, also Lösungen, die an die eigentliche Unternehmenssoftware angehängt werden, seien auch der Grund, warum weltweit Controller perfekte Excel-Anwender sind – schlichtweg, weil auf Excel-Basis oft Mängel am ERP-System ausgeglichen werden. Dass hier viel Zeit verloren geht, durch die mühsame Tabellenpflege, wird oft schlicht nicht berücksichtigt. Ein anderer Ansatz sei, für neue Funktionen Parallelsysteme einzuführen, wenn die alten nicht wandelbar sind.

Doch was ist denn jetzt eigentlich wandlungsfähig? Wenn der Nutzer das System schnell, effizient und selbst anpassen kann, definiert Professor Gronau. Das war die kurze Begriffserläuterung. Bei der Auswahl eines konkreten Systems sollte sich der IT-Verantwortliche an acht Eigenschaften halten, die ein wandlungsfähiges System ausmachen: Skalierbarkeit, Modularität, Verfügbarkeit, Interoperabilität, Selbstorganisation, Selbstähnlichkeit, Redundanz und Wissen.

  • Skalierbarkeit

Volumenmäßige Skalierbarkeit – nicht nur hinsichtlich der Nutzer, sondern auch hinsichtlich der abgebildeten Prozesse. So lässt Porsche beispielsweise die Bänder in Krisenzeiten mit einer zweiminütigen Taktung laufen, anstatt einer einminütigen. Bei so manchem Branchenkollegen der Zuffenhausener geht das aufgrund der unternehmensweisten ERP-Software nicht. Skaliert wird dann nur über den Feierabend und Kurzarbeit, was jedoch unternehmerische Nachteile mit sich bringen kann.

  • Modularität

Das ERP-System sollte modular aufgebaut sein und so den gerade geforderten Funktionsumfang abdecken können. Modularität lässt sich übrigens nicht mit der Preisliste beweisen, betont Gronau. Das sei nämlich ein oft zu beobachtender Reflex von den Herstellern: Sofort wird die Preisübersicht gezückt.

  • Verfügbarkeit

Die Verfügbarkeit der Daten sollte zeitlich und örtlich unabhängig sein. Dass dies über ein zentrales Rechenzentrum allein nicht immer gewährleitet ist, bewies erst kürzlich die Deutsche Bahn, als nach einem Netzwerkausfall stundenlang keine Tickets mehr verkauft werden konnten und Züge ausfielen.

  • Interoperabilität

Das Paradebeispiel für Interoperabilität schlechthin ist das Internet. Die ProtokolleTCP/IP bilden den kleinsten gemeinsamen Nenner und sorgen dafür, dass auf Applikationsebene jedes Endgerät angenommen wird. Das ist sicherlich mit ein Grund, warum browserbasierte Benutzeroberflächen von ERP- oder CRM-Systemen im Trend liegen. Hinzu kommt, dass sich so Vertriebsmodelle via Ethernetkabel (SaaS oder On-Demand-Modelle) umsetzen lassen. Wichtig zur Abgrenzung der beiden: Bei SaaS wird eine Software für viele Nutzer als Service bereit gestellt. Es handelt sich also um ein so genanntes One-to-Many-Modell. Bei On-Demand-Software wird hingegen eine angepasste Version bereit gestellt. Hier hat das Systemhaus im Vorfeld die Software auf die Geschäftsprozesse des Unternehmens zugeschnitten – mittels so genannter Parametrisierung und so genanntem Customizing. Dann stellt das Betreiber-Rechenzentrum zugeschnittene One-to-One-Versionen über das Web bereit.

Lesen Sie auf der nächsten Seite mehr über die Trends SaaS, Cloud-Computing und browserfähige ERP- und CRM-Systeme sowie die Eigenschaft der »Selbstorganisation«.

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