Spitzenvertreter des IT-Channels diskutierten beim IT-Executive Summit 2018 über die Rolle von Sicherheit und Vertrauen bei der Digitalen Transformation. Eine zentrale Erkenntnis lautete, dass die zunehmenden Cyber-Bedrohungen eine engere Kooperation zwischen den Marktteilnehmern in puncto Security erfordern.
Unter dem Dach der Hamburger Elbphilharmonie trafen sich Spitzenvertreter des IT-Channels zum IT-Executive Summit 2018.
(Bild: Vogel IT-Medien)
Durch die Digitalisierung erhöht sich die Anzahl der Schnittstellen – sowohl auf der Ebene der Technik als auch zwischen Menschen. Nicht nur IT-Systeme werden miteinander vernetzt, sondern zunehmend auch Dinge. Und weil IT-Projekte komplexer werden, müssen oftmals Dienstleister zusammenarbeiten, die bislang im Wettbewerb standen. Sicherheit und Vertrauen werden daher zu Schlüsselbegriffen. Beide zogen sich als roter Faden durch das Programm des diesjährigen IT-Executive Summit, der unter dem Motto „Strategiedialog: Digital Trust und Transformation“ stand.
Mit diesem Themenkomplex setzten sich Vorstände und Geschäftsführer der wichtigsten Systemhäuser, IT-Dienstleister und Distributoren anderthalb Tage lang intensiv auseinander. Die Diskussionsgrundlage dazu lieferten ihnen Keynotes hochkarätiger Referenten wie Walter Brenner, Professor für Wirtschaftsinformatik an der Universität St. Gallen, Dr. Bruno Michel, Manager Smart System Integration bei IBM Research, und der Technikphilosoph Mads Pankow. „Wie in den Jahren zuvor waren die Vorträge auf dem Executive Summit erneut echte Brainware“, resümierte Thomas Steckenborn, CEO von Cema.
Zudem äußerten sich Konferenzteilnehmer wie Steckenborn selbst, Rudolf Hotter, Vorstand bei Cancom, Herbert Bockers, CEO Dimension Data Asia Pacific, und Jürgen Hansjosten, Vorstand Euromicron, in Impulsstatements zum Konferenzthema. Von Endkundenseite berichteten Arno Walter, Vorstandsvorsitzender der Comdirect Bank, und Michael Hilzinger, Chief Information Officer bei Klöckner, über den Stand der Digitalisierungsprojekte in ihren Unternehmen. Das Tagungshotel in der Hamburger Elbphilharmonie bildete die Kulisse für das Event.
Kommentar von Karl-Heinz Warum, Sophos
„Im Countdown der neuen DSGVO innerhalb der EU sind sich die meisten Unternehmen der Tragweite des neuen Gesetzes mittlerweile bewusst. Im Rahmen des IT-Executive Summit wurde jetzt aber noch einmal deutlich, dass es oftmals nicht nur um die reine Aufmerksamkeit für das Thema geht, sondern zum Teil einfach die Hilfestellungen zur Umsetzung gar nicht vorhanden sind. So scheint der Mittelstand in Sachen Sicherheits-Auditing momentan etwas auf der Strecke zu bleiben. Während Großkonzerne ihre Checks mit weltweit operierenden Prüfungsgesellschaften durchführen, kann sich der klassische Mittelstand diese kostspielige Variante schlicht nicht erlauben.
Das kann weitreichende Folgen haben, da KMU der Motor für Deutschland sind und ohne Sicherheit keine Digitalisierung stattfinden kann. Trotzdem wir von dieser Situation wissen, scheint für diese Unternehmen der Weg zu einem umfassenden und erschwinglichen Konzept vom Sicherheits-Audit bis zur technischen Lösung noch mit zahlreichen Hürden verbunden. Jeder in der Wirtschaft und auch in der Politik muss sich im Klaren darüber sein, das Security keine Option mehr ist, sondern konzeptionell in die komplette IT integriert werden muss. Unsere Gespräche in Hamburg haben deutlich gemacht, wie nötig es ist, durch gezielte Förderung mehr Planungssicherheit und damit Motivation für IT-Systemhäuser zu schaffen, um in diesem Bereich zu investieren.“
Karl-Heinz Warum zeichnet als Regional Vice President Sales für das Geschäft des Security-Anbieters Sophos in den deutschsprachigen Ländern, in Nord- und Osteuropa, dem Nahen Osten und Afrika (CEEMEA) verantwortlich.
Nur eine Chance
Wie eng Digitalisierung und Security miteinander verknüpft sind, formulierte Ralph Kink, Leiter Technologie und Lösungsentwicklung bei Microsoft, in einem zugespitzten Statement. Nach seiner Überzeugung hat die IT-Branche – die Hersteller gemeinsam mit ihren Lösungs- und Integrationspartnern – nur eine Chance, die Transformation bei den Kunden richtig zu gestalten. Schon ein einziger Fehler, beispielsweise ein größerer Datenverlust oder ein Hacker-Zugriff, der sich mit geeigneten Vorkehrungen hätte verhindern lassen, könne „mühsam aufgebautes Vertrauen wieder zerstören und die Arbeit mit Kunden um Jahre zurückwerfen“, mahnte Kink. Microsoft gehörte zusammen mit Fujitsu, HPE, Samsung und Sophos (Kommentar unter „Ergänzendes zum Thema“) zu den Sponsoren des Summit.
Auf besonders große Resonanz stieß die Keynote von Michael George, Leiter des Cyber-Allianz-Zentrums beim Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz. An mehreren Beispielen erläuterte der Experte, wie Geheimdienste und kriminelle Organisationen heute den Hebel bei Schwachstellen ansetzen, die mit der umfassenden Vernetzung von Wirtschaft und Gesellschaft entstehen. Durch Sabotage- und Ramsomware-Angriffe auf kritische Infrastrukturen in der Energieversorgung, im Gesundheitswesen oder im Verkehr habe die Cyber-Gefahr mittlerweile eine neue Qualität erreicht.
George räumte ein, dass es für diese Problematik keine befriedigende Lösung gibt. Als Grund dafür nannte er die IT-Systeme selbst, die letztlich „nicht sicher zu bekommen“ seien. Damit zeigte der Verfassungsschützer aber nicht nur „ein Riesenproblem“ auf. Vielmehr formulierte er auch eine Strategie, wie sich dessen Auswirkungen zumindest eindämmen lassen. So schlug der Security-Fachmann vor, IT-Unternehmen sollten in puncto IT-Sicherheit, unabhängig davon, ob sie zueinander im Wettbewerb stehen, stärker als bisher zusammenarbeiten. Zugleich signalisierte George, der Verfassungsschutz sei bereit, Initiativen in diese Richtung zu unterstützen. „Allein werden wir der Bedrohungen nicht Herr, zusammen vielleicht!“
Signal für mehr Sicherheit
Mit seinem Vorschlag rannte der Referent bei seinen Zuhörern offene Türen ein. „Die Anregung zu mehr Kooperation unter Herstellern und Systemhäusern beim Thema Sicherheit empfinde ich als richtig und im Sinne unserer gemeinsamen Kunden“, kommentierte Christian Werner, Geschäftsführer bei Inforsacom Logicalis, die Keynote des Verfassungsschützers. „Es freut mich, dass auch Bundesbehörden die Zusammenarbeit von Marktteilnehmern unterstützen wollen – ein starkes Signal für mehr Sicherheit.“
Beim vielschichtigen Thema Security werde die IT-Branche nur durch gemeinsame Anstrengungen etwas erreichen, griff Ulrich Seibold, Vice President Channel bei HPE, die Anregung Georges auf. „Wir treten gegen ein Geschäftsmodell auf internationalem Niveau an. Ein Systemhaus allein wird keine Möglichkeit haben, gegen die steigende Bedrohung erfolgreich zu agieren.“ Sicherheit sei ein Thema von übergeordnetem Interesse, das höher als einzelne Interessen und Geschäftsziele gestellt werden müsse, so Seibold weiter. „Dabei geht es um den Schutz unserer Unternehmen, der Arbeitsplätze und des Knowhows unseres Landes.“
Stand: 08.12.2025
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Ebenso angetan zeigte sich Tuncay Sandikci, Head of Enterprise Business bei Samsung. Nach seinen Worten hat der Verfassungsschützer „sehr eindrücklich beschrieben, welche Dimension Cyber-Angriffe und Industriespionage heute erreicht haben und wie sich derzeit ein neues ‚Cyber-Söldnertum‘ formiert“. In Zeiten wachsender Bedrohungen und der parallelen Entwicklung mobiler Arbeitskonzepte sei Sicherheit „das zentrale Thema, mit dem sich deutsche Unternehmen heute noch beschäftigen sollten“. Deshalb sei ihm extrem wichtig, dass Kunden In der täglichen Beratung für IT-Sicherheit bei Mobile Devices sensibilisiert würden.
Die Grenzen der Technik
Für angeregte Diskussionen sorgte auch die Keynote von Franz-Josef Radermacher, Professor für Informatik an der Universität Ulm und Mitglied des Club of Rome. Der Verfechter einer Ökosozialen Marktwirtschaft stellte das Thema Digitalisierung in einen größeren Kontext: Er zeigte den Zusammenhang auf zwischen Überbevölkerung, Wohlstandsgefälle und Migrationsbereitschaft. In den ärmeren Ländern der Welt, vor allem in Afrika, seien Millionen von Menschen bereit, ihre Heimat zu verlassen.
Wenn es aber gelinge, den Wohlstand der Bevölkerung zu erhöhen, stelle sich ein anderes Problem. Das Beispiel China habe gezeigt, dass sich mit steigendem Lebensstandard auch der CO2-Ausstoß pro Kopf erhöhe und sich damit die Umweltbilanz verschlechtere, führte der Wissenschaftler aus. „Wir sitzen zwischen Stamm und Borke.“ Seinen Worten zufolge gibt es keinen einfachen Weg, der aus diesem Dilemma herausführt: „Die Digitalisierung löst die Probleme der Welt nicht.“
„Professor Radermacher zeigte uns die Grenzen der Technik auf“, kommentierte Cema-Chef Steckenborn den Vortrag des Ulmer Hochschullehrers. „Wenn die Bevölkerung in Afrika von heute einer Milliarde auf zwei Milliarden Menschen im Jahr 2050 wächst, müssen wir unser Hirn martern und handeln, um das Problem friedlich zu lösen.“
„Mit dem IT-Executive Summit in Hamburg hat IT-BUSINESS ein ideales Umfeld geboten, in dem man sich von den Referenten, Diskussionen und den Gesprächen mit anderen Teilnehmern inspirieren lassen und neue Erkenntnisse mit nach Hause nehmen konnte“, zog Olaf von Heyer, Vorstand bei Concat, als Fazit aus den beiden Tagen in der Elbphilharmonie. Dass die Digitalisierung ein Umdenken in den Köpfen erfordere, gelte nicht nur für Systemhäuser, sondern im Kern für jedes Unternehmen. Digitalisierungskompetenz zeigt sich laut von Heyer darin, dass man die Chancen erkennt, die der tiefgreifende Wandel mit sich bringt – ob es sich um effizientere Prozesse, innovative Services oder neue Geschäftsmodelle handelt. „Bewältigen lässt sich die Herausforderung nur in der konstruktiven Zusammenarbeit von Fachbereichen und IT-Organisationen mit den Unternehmenslenkern und deren IT-Dienstleistern.“