Aktueller Channel Fokus:

Digital Workplace & Mobility

Geschäftsfeld für den Channel

SD-WAN bildet das virtuelle Nervensystem der Multi-Cloud-Welt

| Autor: Michael Hase

Multi-Cloud-Szenarien sind auf intelligente Verbindungen angewiesen.
Multi-Cloud-Szenarien sind auf intelligente Verbindungen angewiesen. (Bild: ustas - stock.adobe.com)

SD-WAN hilft Anwendern, die mit zunehmender Cloud-Nutzung steigenden Anforderungen ans Netz zu erfüllen. Systemhäusern öffnet sich damit nicht nur ein neues Geschäftsfeld. Auch ihre Rolle gegenüber den Kunden ändert sich.

Wenige Konzepte haben in der IT-Welt so schnell Karriere gemacht wie SD-WAN. Das Kürzel, das für Software-defined Wide Area Network steht, tauchte 2014 erstmals auf. Seit etwa zwei Jahren hat sich ein Hype um das Thema entwickelt. Das weltweite Marktvolumen für SD-WAN-Produkte erhöhte sich 2018 laut IDC um 65 Prozent auf 1,37 Milliarden Dollar und wird bis 2023 auf 5,25 Milliarden Dollar steigen. Ein Treiber der Nachfrage ist die zunehmende Hyperscaler-Nutzung. SD-WAN bietet Unternehmen eine vergleichsweise kostengünstige Möglichkeit, Cloud-Szenarien flexibel und sicher an ihre interne IT-Landschaft anzubinden, sodass Mitarbeiter auf Anwendungen und Daten ebenso performant zugreifen können, als würden sie On Premises bereitgestellt.

Rolf Bachmann, Head of Network Solutions bei Controlware, beobachtet bei Kunden reges Interesse an SD-WAN.
Rolf Bachmann, Head of Network Solutions bei Controlware, beobachtet bei Kunden reges Interesse an SD-WAN. (Bild: Controlware)

IDC definiert SD-WAN als dynamisches und hybrides WAN, in dem Daten über unterschiedliche Verbindungsarten (wie MPLS, Breitband-Internet, Mobilfunk etc.) übertragen werden. Zentrale Komponente ist ein Controller, der eine intelligente Auswahl der WAN-Pfade ermöglicht. Letztlich handelt es sich dabei um ein Konzept der Netzwerkvirtualisierung. In der Regel basiert ein SD-WAN auf einer virtuellen Overlay-Struktur, die über die verschiedenen physischen Netze ­gelegt wird. Dabei werden die Steuerungsfunktionen von der Transportebene abstrahiert, sodass sie sich zentral ausführen lassen.

Viele Systemhäuser, vor allem solche mit ausgeprägter Netzwerkkompetenz, befassen sich mittlerweile mit dem Thema. In ihrer Klientel ­beobachten sie eine starke, rapide wachsende Nachfrage nach SD-WAN-Lösungen. „Unsere Kunden haben das Konzept in ihren Weitverkehrsnetzen wesentlich schneller aufgenommen, als sie das zuvor mit Software-defined Networking (SDN) in ihren Rechenzentren getan haben“, ­berichtet Rolf Bachmann, Head of Network Solutions bei Controlware in Dietzenbach. „Bei SDN waren noch einige Jahre an Überzeugungsarbeit erforderlich.“ Als Grund für die schnelle Akzeptanz nennt der Experte die Kostenvorteile, die sich Unternehmen versprechen, wenn sie über SD-WAN relativ teure MPLS-Verbindungen durch Breitband-Internet ersetzen können.

Multiprotocol Label Switching, wofür das Kürzel MPLS steht, entwickelte sich seit der Jahrtausendwende zu einem De-facto-Standard für die Standortvernetzung von Unternehmen. Bachmann sieht das Verfahren indes nicht als Konkurrenz zu SD-WAN, wie das manche Anbieter nach seinen Worten tun. Tatsächlich gebe es Applikationen, deren Anforderungen sich am besten mit einem MPLS-Netz erfüllen lassen. „Ein SD-WAN muss völlig unabhängig von den Transportmechanismen sein und die Möglichkeit bieten, sie alle – einschließlich MPLS – zu ­managen.“ Idealerweise bestimmt die Controller-Software automatisch auf Basis von ­Policies für jede Applikation die jeweils am besten geeignete Verbindungsart.

Mehrere Treiber

Multi-Cloud-Szenarien sind auch nach Beobachtung des Controlware-Managers bei Unternehmen häufig der Treiber für ein SD-WAN. Mitunter stehen aber auch eine größere Transparenz im Netzwerk, ein ­effektiveres IT-Sicherheitsmanagement oder ein intelligenteres Routing im Vordergrund. Generell dürfe man den Ansatz nicht auf Netzwerkvirtualisierung allein beschränken, sondern müsse, um sichere und performante Verbindungen zu gewährleisten, auch Technologiefelder wie Security und WAN-Optimierung einbeziehen. „Alles das, was sich an virtuellen Netzwerkfunktionen integrieren lässt, sollte ­Bestandteil eines SD-WAN-Konzepts sein“. Bei Kunden erbringt das Systemhaus fast das gesamte Spektrum an Leistungen von der Anbieterauswahl über Planung und ­Implementierung bis hin zum Support.

Der nächste Schritt besteht für Controlware darin, ein Managed-Services-Angebot für SD-WAN zu konzipieren. Da das Systemhaus damit künftig als Netzwerkbetreiber für Kunden agieren wird, verändern sich gegenüber dem Reselling-Modell die ­Anforderungen an die Technologie, wie Bachmann erläutert. Als Service Provider beschäftige man sich primär damit, wie einfach sich ein System verwalten, wie flexibel es sich an verschiedene Mandanten anpassen lässt. „Ähnlich wie ein Carrier hat man eher Operations und Maintenance im Blick als einzelne technologische Features.“

Managed SD-WAN

SD-WAN as a Service gehört heute bereits zum Leistungskatalog von Proact in Nürnberg. So vernetzt das Systemhaus nicht nur Standorte von Unternehmen, bindet sie an die Cloud an, sondern überwacht und ­managt als MSP auch ihr WAN und stellt ihnen eine Support-Hotline bereit. Als ­Basis dafür nutzen die Franken die Netze regionaler, nationaler und internationaler Carrier. Darüber legen sie eine Overlay-Struktur, die das WAN von einzelnen Leitungen und Verbindungsarten unabhängig macht. Kunden sehen nur die standardisierten Schnittstellen zum Overlay-Netz von Proact. Unterm Strich sollen sie durch das Angebot bei niedrigeren Kosten mehr Flexibilität und Bandbreite erhalten.

Oliver Kügow, Geschäftsführer bei Proact, sieht das Systemhaus bei SD-WAN in der Rolle des Netzwerk-Providers.
Oliver Kügow, Geschäftsführer bei Proact, sieht das Systemhaus bei SD-WAN in der Rolle des Netzwerk-Providers. (Bild: Proact)

Für den Dienstleister hat sich mit SD-WAN „ein komplett neues Geschäftsfeld eröffnet“, wie Oliver Kügow, Geschäftsführer bei Proact Deutschland, resümiert. Wenn man Unternehmen als Systemhaus früher Weitverkehrsrnetze anbieten wollte, habe man Leitungen eines Netzbetreibers resellen müssen. „Durch den Aufbau einer SD-WAN-Maschinerie, in der unser eigenes geistiges Eigentum steckt, können wir Kunden gegenüber selbst als Netzwerk-Provider auftreten, ohne einen Carrier ins Spiel bringen zu müssen.“ Damit habe sich die Wertschöpfung vertieft.

Mit ihrem Ansatz haben die Nürnberger bereits große, weltumspannende Netzwerk-Architekturen realisiert. So betreiben sie etwa für den Hörgeräte-Hersteller Sivantos ein SD-WAN, über das 50 Standorte auf vier Kontinenten verbunden sind. Da das Systemhaus seit Anfang 2017 zur schwedischen Proact IT Group gehört, vermarktet es seine Managed SD-WAN Services mittlerweile in 14 europäischen Ländern. Kernbestandteile des Angebots sind ein modulares Set an Technologiekomponenten und der europaweite Backbone der Gruppe. Auf dieser Basis kann Proact nach Kügows Worten einen Quality of Service anbieten, der über das öffentliche Internet nur schwer zu erreichen ist, kann Paketlaufwege vorgeben und die über das SD-WAN zu übertragenden Daten verschlüsseln.

Kommentare werden geladen....

Sie wollen diesen Beitrag kommentieren? Schreiben Sie uns hier

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 46073377 / Service Provider & MSP)