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Wandel der IT-Branche Mit der Informationstechnologie ändern sich die IT-Systemhäuser

| Autor / Redakteur: IT-BUSINESS / Das Interview führte Dr. Stefan Riedl / Dr. Stefan Riedl

Dr. Dietmar Kappey, Geschäftsführer des IT-Dienstleisters Mod IT Services, spricht im Interview mit IT-BUSINESS von „tiefschürfenden Veränderungen“ der IT-Branche, die sich direkt auf das Tagesgeschäft der IT-Systemhäuser und -Dienstleister auswirken.

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Wenn sich die Informationstechnologie ändert, passen sich IT-Systemhäuser an.
Wenn sich die Informationstechnologie ändert, passen sich IT-Systemhäuser an.
( © Andreas Haertle - Fotolia)

ITB: Als Geschäftsführer eines mittelständischen IT-Dienstleisters haben Sie den Wandel der IT-Branche selbst miterlebt. Wie würden Sie diesen beschreiben?

Dr. Dietmar Kappey, Geschäftsführer, Mod IT Services
Dr. Dietmar Kappey, Geschäftsführer, Mod IT Services
(Bild: Mod IT)

Kappey: Der Wandel der Branche ist tiefschürfend – gerade in den letzten Jahren zog das Tempo noch einmal an. Vorsprung in der Informationstechnologie – oder zumindest ein Up-to-Date-Sein – bedeutet für Unternehmen, einen Wettbewerbsvorsprung zu haben, der sich messen lässt. Technologien wie Cloud Computing, der Einsatz mobiler Endgeräte, die Ausbreitung des Internet der Dinge mit dem Stichwort Industrie 4.0 – das alles führt dazu, dass IT-Dienstleister ganz direkt über die Optimierung der Geschäftsprozesse die Wertschöpfung eines Unternehmens steigern können. Dafür genügen jedoch nicht allein die Kenntnisse der rein technischen Informatik. Wichtig für IT-Dienstleister ist es, sämtliche Geschäftsprozesse des Kunden zu betrachten. Die Mod-Gruppe bereitet sich auf den weiteren Wandel vor und bietet schon heute Business Process Outsourcing in den Bereichen Finance and Accounting sowie HR an. Damit übernimmt Mod die Mitverantwortung in den Business-Prozessen der Kunden und entwickelt diese gemeinsam mit ihnen weiter.

ITB: Wenn IT-Systemhäuser tendenziell häufiger Ansprechpartner in der Chefetage statt in Fach- oder IT-Abteilungen in Unternehmen finden, weil „ganzheitliche Betrachtungen“ gefragt sind, die das ganze Unternehmen betreffen – wie kann man sich dafür rüsten?

Kappey: Die Chefetagen werden sich zunehmend selbst mit IT-Themen befassen, die IT-Dienstleister dagegen das gesamte Unternehmen in den Fokus nehmen müssen, nicht nur die IT. Beim ersten Kundentermin wollen wir deshalb alles über das Unternehmen wissen. Welche sind seine Märkte? Wie sehen Organisation, Prozesse und interne Strukturen aus? Nicht zuletzt sprechen wir natürlich auch über die Mitarbeiter, die mit der neuen Lösung arbeiten. IT-Dienstleister werden den Blick erweitern müssen – gerade im Mittelstand. Das fängt bei der ersten Analyse des Kunden an, geht über die Implementierung der Lösung bis hin zu dediziertem IT-Controlling.

ITB: Welche konkreten Auswirkungen haben die genannten Entwicklungen auf IT-lastige Systemhäuser auf der einen und Unternehmensberater auf der anderen Seite? Würden Sie sagen, dass sich die Tätigkeitsfelder hier langsam aber sicher angleichen?

Kappey: Wenn die IT zum geschäftskritischen Faktor wird, kommen gerade die mittelständischen Unternehmensberatungen nicht umhin, IT-Kompetenz zu entwickeln. Daran arbeiten sie tatsächlich seit Längerem. Die klassische Unternehmensberatung ist ganz klar noch immer gefragt: 23 Milliarden Euro geben Unternehmen in Deutschland im Jahr hierfür aus. Doch zweistellige Wachstumsraten sind nicht mehr zu verzeichnen, der Markt ist umkämpft und gesättigt, die an Externe vergebenen Projekte werden kürzer und überschaubarer. IT-Dienstleister dagegen sollten mit der Geschäftsführung ihrer Kunden auf Augenhöhe kommunizieren. Es geht bei jedem Roll-out, bei jedem neuen Produkt oder der einzusetzenden Hardware nicht um die IT an sich. Im Fokus stehen immer die Fragen: „Wie unterstützt sie die Kernprozesse?“ und „Erleichtert sie Anwendern die Arbeit?“.

ITB: Die Marktforscher von Lünendonk untersuchen regelmäßig die Situation auf dem IT-Dienstleistungsmarkt. Sie sind mit deren Einteilung nicht zufrieden, weil sie Ihrer Meinung nach zu kurz greifen. Würden Sie das bitte erläutern?

Kappey: Lünendonk veröffentlichte zuletzt eine neue Studie zu „Business Innovation/Transformation Partner“, damit meinen sie jene Dienstleister, die die verschiedenen Geschäftsfelder miteinander verzahnen: Management- und IT-Beratung, Systemrealisierung und -Integration, den Betrieb von IT-Systemen (Outsourcing) und den Betrieb von Geschäftsprozessen (BPO). Für Lünendonk zählen dazu nur jene „Großen“, die weltweit mindestens eine Milliarde Euro Gesamtumsatz machen. Prozesse im Mittelstand laufen anders. Während Anbieter-Konzerne wie T-Systems auch für Konzernkunden aufgestellt sind und dort entsprechend agieren, fehlt diesen Anbietern das Verständnis von Prozessen im Mittelstand. Wichtig zu bedenken ist, dass Mittelstandskunden viel nachhaltiger wirtschaften und das auch von ihren Lieferanten und Partnern erwarten. Sie werden nicht bei einem großen Anbieter anfragen. Die wesentlichen Vorteile der Beauftragung eines „Business Innovation/Transformation Partner“ nach Lünendonk sind, dass die Steuerung von nicht-strategischen Partnern entfällt und somit ganz grundsätzlich das Partner-Netzwerk überschaubarer wird. Für den Kunden bedeutet das, dass er mehrere Aufgaben bündeln und als Paket auslagern kann. Diese Vorteile sind gerade im Mittelstand von besonderer Bedeutung. Hier kann jedoch am ehesten ein Service-Anbieter unterstützen, der die Prozesse versteht, also ein Dienstleister, der selbst aus dem Mittelstand kommt.

ITB: Wie wird sich der Markt für IT-Dienstleistungen aus Ihrer Sicht in den nächsten Jahren weiterentwickeln?

Kappey: Aus meiner Sicht wird das Thema Strategie- und Managementberatung für IT-Dienstleister ein immer wichtigeres Feld. So beschäftigt sich die Energiebranche mit Smart Grid und Smart Metering, der Automotive-Bereich mit dem Connected Car, Maschinenbau und Fertigung befassen sich mit dem Thema Industrie 4.0 – die Digitalisierung verläuft rasant. Neue Technologien bieten enorme Kostenvorteile, doch müssen sie passen und sinnvoll ausgewählt werden. Ein Beispiel, das die Entwicklung flankiert, sind neue Servicemodelle rund um die Cloud wie IaaS und SaaS. Hierfür bieten Dienstleister Cloud-Readiness-Tests an. Mit den Tests können Kunden überprüfen, ob ihre Infrastruktur bereits gut für die Cloud aufgestellt ist. Im Bereich Compliance gibt es starken Bedarf an IT-Sicherheitsberatung, gerade in Hinblick auf das nahende IT-Sicherheitsgesetz. Damit kommen auf Unternehmen weitere gesetzliche Vorschriften zu. Nicht zuletzt sehen wir eine deutliche Tendenz zum Outsourcing des Application-Management. Sobald Unternehmen den Betrieb der zentralen Applikationen abgeben können, stehen ihnen mehr Ressourcen für innovative IT-Projekte zur Verfügung.

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