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Angetestet: Microsoft Surface Pro X Microsofts zweiter Anlauf mit ARM-SoC

Autor: Klaus Länger

Das Surface Pro X ist das erste 2-in-1-Tablet von Microsoft mit ARM-Prozessor nach dem Ende der Surfaces mit Windows RT. Gedacht ist der leichte Rechner mit Gigabit-LTE vor allem für mobile Anwender, die herkömmliche Win32-Programme nur selten benötigen.

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Das 13-Zoll-Display des Microsoft Surface Pro X liefert eine Auflösung von 2.880 x 1.920 Pixel. Mit dem optionalen Keyboard bringt das ARM-Tablet knapp 1.050 Gramm auf die Waage. Solo wiegt das Surface Pro X nur 768 Gramm.
Das 13-Zoll-Display des Microsoft Surface Pro X liefert eine Auflösung von 2.880 x 1.920 Pixel. Mit dem optionalen Keyboard bringt das ARM-Tablet knapp 1.050 Gramm auf die Waage. Solo wiegt das Surface Pro X nur 768 Gramm.
(Bild: Vogel IT-Medien)

Mit dem Surface RT von 2012 und dessen Nachfolger Surface 2 brachte Microsoft schon einmal 2-in-1-Tablets mit ARM-Prozessor auf den Markt. Damals waren es ­Tegras von Nvidia. Allerdings scheiterten die Geräte im Markt, denn ihr Windows-RT-Betriebssystem konnte herkömmliche Windows-Anwendungen für x86-Prozessoren nicht ausführen. Mit Windows 10 für ARM-Prozessoren, dem Betriebssystem auf dem Surface Pro X, wollte Microsoft diesen Fehler nicht noch einmal machen und hat deshalb eine Emulation für Win32-Programme eingebaut. Allerdings kann diese derzeit nur 32-Bit-Software ausführen, was beispielsweise die Nutzung von Adobes Creative Cloud unmöglich macht.

Für herkömmliche Windows-Programme ist das Surface Pro X aber gar nicht gedacht, wie Robin Wittland, Chef der Surface Business Group bei Microsoft Deutschland, ­betont. Die Zielgruppe sind eher junge und mobile „Knowledge Workers“, die sehr viel Arbeit über Webportale oder Progressive Web Apps (PWA) erledigen und die Nutzung von Apps gewohnt sind. Außerdem sollen zumindest wichtige Windows-Programme von Microsoft als native ARM64-Versionen erscheinen. Bei der neuen ­Version des Edge-Browsers auf Chromium-Basis ist das schon geschehen. Zudem soll mit dem nächsten großen Windows-10-Update im Frühjahr 2020 die Hyper-V-Unterstützung auch für die ARM-Version kommen. Auch das das aktuelle Windows Subsystem for Linux mit virtualisiertem ­Linux-Kernel wird dann funktionieren.

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Software für das Surface Pro X

Zwar bietet der Microsoft Store nur einen ­geringen Teil der Software, die Google oder Apple in den jeweiligen Stores für Android oder iOS bereithalten, und Microsoft hat den Store zuletzt eher vernachlässig. Das Angebot an interessanten Apps, speziell für Geräte wie das Surface Pro X, ist besser als die herrschende Meinung über den Store vermuten lässt. Insbesondere die Palette an Universal-Apps mit Stiftbedienung ist recht umfangreich und reicht von Software für Notizen, Mindmapping und Projektplanung bis hin zu Tools für die ­Arbeit mit PDFs oder Zeichenprogrammen. Universal-Apps sind in aller Regel auch nativ für ARM kompiliert. Eine weitere Gattung passender Anwendungen für das Pro X sind Progressive Web Apps (PWA), also installierbare und offline nutzbare Webapplikationen, deren Entwicklung auch Google und Facebook vorantreiben. Push-Benachrichtigungen sind mit PWAs ebenfalls möglich.

Mit einem Gewicht von 768 Gramm ohne Keyboard ist das Surface Pro X trotz seines 13 Zoll großen Displays noch etwas leichter als das Surface Pro 7 mit Intel-CPU und 12,3-Zoll-Display. Zudem ist das lüfterlose Pro X mit 7,3 mm extrem dünn, aber trotzdem solide. Im Gegensatz zu den bisherigen Surface-Geräten besteht es nicht aus einer Magnesium-Legierung, sondern aus schwarz eloxiertem Aluminium. Das IPS-Panel mit 3:2-Seitenverhältnis liefert mit 2.880 x 1.920 Pixel eine hohe Auflösung. Es ist seitlich durch schmale Rahmen eingefasst. Im oberen, etwas breiteren Rahmen sitzt eine 5MP-Frontkamera mit Full-HD-Auflösung und zusätzlichem IR-Sensor für Windows Hello. Das sehr gute Display ist zwar nicht entspiegelt, aber mit 450 nits relativ hell. In der Rückseite des Tablets sitzt noch eine passable Kamera mit 10-MP-Sensor und Autofokus, aber ohne Blitz.

Microsoft-ARM-SoC auf Qualcomm-Basis

Der ARM-SoC im Surface Pro X trägt die ­Bezeichnung „Microsoft SQ1“. Dahinter verbirgt sich ein 7-nm-Qualcomm-Design mit acht CPU-Cores und drei GHz Taktfrequenz sowie integrierter Adreno-680-GPU mit DirectX-12-Unterstützung. Im Test­gerät kann der Prozessor auf 16 GB LPDDR4x-2133 als Arbeitsspeicher zugreifen. Im nativen Benchmark Geekbench 4 erreicht das Pro X ein Single-Core-Ergebnis von 3.509 Punkten und 11.692 Zähler im Multicore-Lauf. Zum Vergleich: Einen Dell Latitude mit Intel Core i5-10210U listet ­Geekbench mit 4.700 und 14.827 Punkten auf. Bei nativen Applikationen ist der SQ1-Prozessor also tatsächlich ziemlich flott und etwa doppelt so schnell wie der Qualcomm Snapdragon 835 in der ersten Generation der Windows-on-ARM-Geräte wie dem Asus NovaGo. Auch die Grafikeinheit liefert eine hohe Leistung: Im 3DMark Night Raid, der ebenfalls einen nativen ARM-Port bietet, kommt sie mit 7.946 Punkten auf die etwa 1,5-fache Performance einer Intel-UHD-620-GPU.

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Von der gestiegenen Leistung profitiert natürlich auch die Win32-Emulation. Unser gewohnter PCMark-8-Benchmark läuft ­leider nicht, da er auch 64-Bit-Komponenten enthält. Aber mit Office-Anwendungen wie Word, Excel oder Powerpoint konnten wir in der Praxis problemlos arbeiten. Anders sieht es mit rechenintensiven ­Anwendungen wie etwa Bildbearbeitungsprogrammen wie Paint.Net aus. Hier ist bei komplexen Filtern selbst ein Notebook mit Haswell-Core-i5 teilweise doppelt so schnell. Die typische Akkulaufzeit gibt Microsoft mit 13 Stunden an. Dieser Wert ist durchaus realistisch, wie die Verwendung des Geräts in der Praxis zeigt, hängt aber auch von der Nutzung emulierter Anwendungen ab. Einen reproduzierbaren Messwert müssen wir schuldig bleiben, da hierfür sonst ebenfalls PCMark 8 zum Einsatz kommt.

NVMe-SSD hinter Service-Klappe

Als Massenspeicher sitzt eine NVMe-SSD mit 256 GB Kapazität von SK Hynix im Surface Pro X. Während die SSD bei ­anderen Surface-Pro-Modellen nur mit erheblichem Aufwand ausgebaut werden kann und bei Pro 7 sogar aufgelötet ist, kann sie beim Pro X im Handumdrehen entfernt werden. Wenn man den stabilen Standfuß aufklappt, kommt auf der Rückseite des Tablets eine magnetisch ­gesicherte Abdeckung zum Vorschein, hinter der nicht nur der Steckplatz für ­eine Nano-SIM-Karte sitzt, sondern auch die durch eine Torx-Schraube gesicherte M.2-2230-SSD.

Das LTE-Modem Snapdragon X24 im Pro X unterstützt bereits LTE Cat 20 mit bis zu zwei Gbit/s. Das Tablet unterstützt nicht nur Nano-SIM-Karten, sondern es ist zudem mit einer eSIM ausgestattet. Mobilfunktarife können über eine gleichnamige App gebucht werden. Dafür ist ­allerdings eine Internetverbindung notwendig. Die WLAN-Unterstützung im Microsoft-SoC beschränkt sich aber auf 802.11ac. Zudem beherrscht der Chip ­Bluetooth 5.0. Das ist auch für Headsets notwendig, denn eine Audiobuchse gibt es nicht im Pro X.

Die Schnittstellenausstattung besteht aus zwei USB-C-Ports mit DisplayPort- und Power-Delivery-Funktion. Zusätzlich ist noch der magnetische Surface-Connect-Anschluss für das Netzteil oder eine ­Docking-Station von Microsoft an Bord. Einen SD-Card-Einschub gibt es nicht. Praktisch ist der zusätzliche USB-Ladeanschluss für Smartphones im Netzteil. Das Signature Keyboard mit Slim Pen gehört nicht zum normalen Lieferumfang des Tablets, ist aber über Bundle-Angebote günstiger erhältlich als im Einzelverkauf. Der flache Stift mit 4.096 Druckstufen, Neigungserkennung und Radierer wird in einer Mulde über den Tasten magnetisch fixiert und induktiv geladen. Ein stärkerer Druck auf den Radierer ruft via Bluetooth die Microsoft-Whiteboard-App auf. Auch der Akkustand des Stifts wird mittels Bluetooth aus der Surface-App heraus abgefragt. Das Keyboard bietet beleuchtete Tasten mit einem angenehmen Schreibgefühl und ein präzises Touchpad mit Gestenerkennung.

Fazit: Ideal für mobile Anwender. die vor allem im Web arbeiten

Das Surface Pro X von Microsoft ist ein tolles Gerät für Menschen, die ein leichtes, schickes und mobiles Gerät mit LTE benötigen und die meiste Zeit mit Office und im Web verbringen. Auch für Universal-Apps ist das Pro X sehr gut geeignet, da sie nativ auf dem ARM-Prozessor laufen. Für rechnenintensive herkömmliche Windows-Programme oder Spiele ist das Pro X dagegen nur sehr eingeschränkt geeignet. Billig ist der Spaß mit etwa 1.720 Euro für das Surface Pro X und das Keyboard mit Pen allerdings nicht.

(ID:46388612)

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