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Tanzu, das Wichtigste im VMware-Update Kubernetes setzt sich durch – auch bei VMware

Autor / Redakteur: lic.rer.publ. Ariane Rüdiger / Ulrike Ostler

Kubernetes und Container entwickeln sich aus der Applikationsperspektive betrachtet immer stärker zur Leitinfrastruktur. Daran passt sich VMware schon seit einiger Zeit an, unter anderem durch die Projekte „Townsend“, „Tanzu“ und „Pacific“. Die Ergebnisse sind nun mit dem aktuellen Produkt-Release von vSphere und Cloud Foundation auf dem Markt.

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Mit einem großen Produktupdate positioniert sich VMware in der App- und Kuberneteswelt.
Mit einem großen Produktupdate positioniert sich VMware in der App- und Kuberneteswelt.
(Bild: gemeinfrei Pixabay / Pixabay )

Eine Multicloud- und Edge-fähige Infrastruktur für Apps, die Kubernetes selbstverständlich einschließt, – das war wohl das Ziel von VMware bei der Vorbereitung der aktuellen Produkt-Releases. Es wurde diesmal zeitgemäß per Videoschalte verkündet.

CEO Pat Gelsinger umriss in der Telekonferenz den Rahmen, in den die neuen Releases einzuordnen sind. „Bislang waren Apps noch kein robuster Teil unseres Porfolios – das ändert sich heute.“ Man wolle die allgegenwärtige sichere digitale Infrastruktur für die Digitale Transformation werden, vom Rechenzentrum bis in die Cloud und von der Entwicklung bis zum digitalen Workspace. Die aktuellen Ankündigungen seien weitere Schritte in dieser Richtung.

Kubernetes steckt in vSphere 7

Mit der Version 7 von „vSphere“ integriert VMware den führenden Container-Orchestrierer Kubernetes direkt in vSphere und verabschiedet sich damit weitgehend von den rein proprietären Entwicklungslinien. Vielmehr scheint es heute darum zu gehen, der virtuellen Maschine und der sie umgebenden Software-Architektur, der Domäne von VMware, einen Platz in der IT-Welt von morgen zu sichern.

„Wir haben vSphere eine neue Architektur gegeben, um durch die Kubernetes-Integration eine durchgängige Welt für alte und neue Applikationen zu schaffen“, sagt Kit Colbert, Vice President der Geschäftseinheit Cloud Platform. Durch das Redesign unterstütze vSphere nun auch die agile und DevOps-orientierte Entwicklung.

Im neuen vSphere, dessen Konturen sich schon in den letzten Unter-Releases 6.7 U.2 und U.3 zeigten, werden alle Services direkt über Kubernetes bereitgestellt. Gleichzeitig laufen die Apps wie bisher auf einer vSphere-Infrastruktur. So laufen alte und neue Applikationen in einer Umgebung.

vSphere 7 wurde unter anderem durch neue Funktionen für KI und ML angereichert.
vSphere 7 wurde unter anderem durch neue Funktionen für KI und ML angereichert.
(Bild: VMware)

Eine wichtige funktionale Erweiterung ermöglicht das Lifecycle-Management unterschiedlicher vSphere-Instanzen. Colbert: „Davon gibt es in vielen Unternehmen Hunderte.“ Mit der neuen LCM-Funktion lassen sich beispielsweise ESX-Host-Images sicher über mehrere ESX-Hosts verteilen. Die Automatisierung der Funktionen vollzieht sich über APIs.

Verbesserte vSphere-Sicherheit, Disaster Recovery und vGPUs

Die vSphere-Umgebung ist jetzt besser gegen interne und externe Bedrohungen geschützt. Anwender können nun einige Hosts physisch gesichert komplett von der übrigen Umgebung abschirmen und den Zugriff darauf minimieren. Diese „Trusted Computing Base“ zertifiziert dann neu hinzukommende Rechner. Gleichzeitig ermöglicht vSphere Identitäts-Federation, also die Nutzung einer Identität für mehrere Zugriffsbereiche.

Der Algorithmus des Disaster-Recovery-Service wurde neu entwickelt und beschleunigt. Die Leistung von „vMotion“ hat VMware ebenfalls erhöht. Jetzt lässt sich auch persistentes Memory in vSphere-Umgebungen integrieren.

Zur Unterstützung von KI- und ML-Applikationen (Künstliche Intelligenz und Machine Learning) virtualisiert vSphere nun auch die bislang als VM-abhängige Silo arbeitenden GPUs. So können Anwender und Tasks von irgendwo in der verwalteten Umgebung die GPU-Rechenpower parallel nutzen.

Multicloud-Management mit Cloud Foundation 4

Zweites Element der Mammut-Ankündigung ist die Multicloud-Management-Umgebung „Cloud Foundation, Version 4“. „Das ist der nächste Schritt unserer über Jahre konsequent verfolgten Konsolidierungsstrategie“, sagte Lee Caswell, Vice President der VMware-Geschäftseinheit Hyperconvergent Infrastructure.

Zu VMware Cloud Foundation 4 gehört jetzt auch Tanzu.
Zu VMware Cloud Foundation 4 gehört jetzt auch Tanzu.
(Bild: VMware)

Man habe daraus eine „App-responsive Infrastruktur“ gemacht. Deren Kosten lägen dank API-Architektur, dem konsistenten VM-Betrieb und dem Einbezug von Containern 28 Prozent unter denen einer 3-Tier-Architektur. „Wir verwenden hier den gleichen Stack wie in der Public Cloud“, betont Caswell. Das bedeute dauerhaften Investitionsschutz und volle Entscheidungsfreiheit zwischen On-Premises und Public Cloud für die Anwender.

Jetzt mit persistentem Memory

Integriert in Cloud Foundation Version 4 sind unter anderem „vSAN 7“ und ein neues, geclustertes Scale-out-Filesystem. Es bietet einen knotenübergreifenden Namensraum. Block-Storage wird weiter unterstützt. Objektorientierter Storage lässt sich jetzt auch mit „vVOLs“ nutzen.

Neu sind ein Lifecycle-Management bis herunter auf die „vCenter“-Ebene und entsprechende Automatisierungsmechanismen. Auch DCM 7 (Datacenter Management) steckt in der Suite.

VMware bietet jetzt auch App-Infrastruktur und -Management

Schließlich erweitert VMware seinen Tätigkeitsbereich auf die Ebene von App-Development und -Verwaltung. Integrationsfähigkeit mit alten Softwarewelten ist dabei ein wichtiges Ziel. „Die meisten wollen keine Umgebung, die keine Brücke in die bestehende IT-Welt bietet“, betont Craig Mc Luckie, Vice President der Geschäftseinheit Modern Apps Platform. Tanzu ist komplett auf Kubernetes zugeschnitten. „Spring Boot“, ein Entwicklungs-Framework für Cloud-native Java-Applikationen, ist direkt in die Tanzu-Suite integriert.

Der komplette VMware-App-Stack mit allen Tanzu-Komponenten.
Der komplette VMware-App-Stack mit allen Tanzu-Komponenten.
(Bild: VMware)

McLuckie: „Mit VMware Tanzu bieten wir Entwicklern eine komplette Umgebung von der Cloud-native-Entwicklung bis zur Produktionsumgebung und ihrer Überwachung.“ Tanzu soll jetzt den entsprechenden Open-Source- und anderen Konkurrenzprodukten Paroli bieten. Zu nennen wären hier etwa IBM/RedHat RedShift, Rancher oder die hauseigenen Angebote der Hyperscaler AWS, MS Azure und Google.

Im Einzelnen umfasst Tanzu neben der Entwicklungsumgebung Spring Boot folgende Komponenten:

  • „Tanzu Application Catalog“ ist ein überwachter Anwendungskatalog für kuratierte Open-Source-Apps , die sich direkt in die Unternehmenssoftware einbauen lassen. Er soll vor allem in großen Umgebungen helfen, den Dschungel von Projekten, Versionen und Updates transparent zu halten.
  • „Tanzu Application Service“ liefert die Software an die Anwender aus.
  • „Tanzu Kubernetes Grid“ betreibt unterschiedliche Kubernetes-Cluster auch in Multicloud-Umgebungen. Die Software basiert auf dem Original-Open-Source-Kubernetes. Zu ihr gehören eine Image-Registry und Funktionen für das Lebenszyklus-Management der Cluster.
  • „Tanzu Mission Control“ steuert, optimiert und vereinheitlicht den Mehr-Cluster-Betrieb. Übergreifende Aufgaben wie die Zugriffskontrolle sind zentralisiert. Cluster sind in unterschiedlichen Umgebungen implementierbar, wobei „Kubernetes Grid“ Verbindung zu allen Kubernetes-Clustern hält.
  • „Tanzu Observability“, ursprünglich von Wavefront entwickelt, überwacht die Applikationsinfrastruktur und analysiert Infrastruktur- und App-Betriebsdaten.

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Über den Autor

lic.rer.publ. Ariane Rüdiger

lic.rer.publ. Ariane Rüdiger

Freie Journalistin, Redaktionsbüro Rüdiger