Channel Fokus: AV & Digital Signage KI macht Werbung

Von Klaus Länger 7 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Werbung ist ein Fixstern im Digital-Signage-Universum. Und heutzutage soll KI dazu beitragen, Werbebotschaften auf den Screens zielgenau an die Frau oder den Mann zu bringen. Weitere wichtige Themen für professionell genutzte Displays sind Mini-LED und Energieverbrauch.

Displays für die Außenwerbung bleiben ein wichtiger Sektor für die Digital-Signage-Branche.(Bild:  Justlight - stock.adobe.com)
Displays für die Außenwerbung bleiben ein wichtiger Sektor für die Digital-Signage-Branche.
(Bild: Justlight - stock.adobe.com)

Content is King: Dieser Ausspruch, der dem ehemaligen CBS-Chef Sumner Redstone aber auch Bill Gates zugeschrieben wird, gilt auch für die Digital-Signage-­Branche. Denn ohne passende Inhalte erfüllen weder ein brillantes Display noch ein ausgefeiltes CMS ihren Zweck. Diese Inhalte müssen erst einmal ansprechend gestaltet sein, passend zum Format, zur Größe und zum Standort des Screens oder der Projektionsfläche. Sie müssen aber auch die zum Rezipienten passende Botschaft vermitteln. Und hier kommt die Künstliche Intelligenz ins Spiel. Mit Hilfe von KI-Systemen und Kameras kann etwa im Einzelhandel mittels Mustererkennung die Werbung im Store optimiert werden. Laut Markus Hollerbaum, ­Geschäftsführer bei Siewert & Kau, ist es so etwa möglich, Alters- oder Geschlechtsinformationen zu verarbeiten, um Werbebotschaften gezielter auf die Eigenschaften des Betrachters zugeschnitten auszuspielen. Passende Lösungen bieten etwa Quividi, Deep North oder Advertima.

Mittels generativer KI könnte es in Zukunft sogar möglich werden, angepasste Inhalte sogar in Echtzeit zu generieren. Was heute schon funktioniert, ist die KI-gestützte Skalierung von Bildern und Videos, um sie auf unterschiedlichen Geräten mit hoher Darstellungsqualität wiederzugeben.

Weitere Einsatzszenarien für KI-Systeme sind das Bewegungstracking, um die Wege von Kunden in einem Store zu erfassen und Waren oder Info-Screens entsprechend zu positionieren, sowie intelligente Leitsysteme, beispielsweise bei Events oder an Flughäfen oder Bahnhöfen.

KI kann die Wirksamkeit von Digital-Signage-Kampagnen verbessern

Markus Hollerbaum, Geschäftsführer bei Siewert & Kau(Bild:  Intuitive Fotografie / Siewert & Kau)
Markus Hollerbaum, Geschäftsführer bei Siewert & Kau
(Bild: Intuitive Fotografie / Siewert & Kau)

Die Integration von KI in Digital-Signage-Lösungen kann dazu beitragen, Inhalte basierend auf dem Verhalten der Zuschauer und von Umweltfaktoren zu personalisieren und zu optimieren. Dies könnte die Effektivität von Digital-Signage-Kampagnen weiter verbessern. Unternehmen könnten diese Tools nutzen, um ihre Werbekampagnen zu optimieren, besser auf die Bedürfnisse ihrer Kunden einzugehen und damit das Kauferlebnis zu verbessern. Eine ausgewogene Nutzung von personalisierten Inhalten, die den Datenschutz respektiert und gleichzeitig relevante Informationen liefert, wird entscheidend sein.

Frank Radtke, Produkt­manager Digital Signage bei Pilot Computer, sieht einen Aufschwung bei der digitalen Innenwerbung. So nutzen etwa Einzelhändler zunehmend Digital-Signage-Systeme für die Kommunikation kurzfristiger Preisanpassungen. Im Event-Sektor, beispielsweise in Sportstätten, beobachtet Radtke eine wachsende Zahl von Projekten, bei denen Displays „in den Bereichen der Essens- und Getränkestände installiert werden, damit die Besucher weiterhin dem Event folgen können. Darüber hinaus werden Wegeleitsysteme digitalisiert, auch um Notwege besser anzeigen zu können.“

Digital Signage als Komplettpaket

Beim Content-Management dominieren inzwischen Cloud-basierte Systeme, sofern keine Compliance-Gründe dagegen sprechen. Laut dem Consulting- und Marktforschungsunternehmen Invidis dominiert unter den reinen CMS-­Anbietern klar Stratacache mit Scala, in der Regel mit SaaS-Verträgen. Dahinter rangiert aber schon Samsung mit der eigenen CMS-Suite Magicinfo. Deren Nachfolger VXT präsentiert der Hersteller auf der ISE. Auch LG baut die eigene CMS-Plattform weiter aus und bringt sie in die Cloud, so Invidis. Mit der zunehmenden Vernetzung der Content-Management-Systeme, etwa mit der Warenwirtschaft, steigen die Anforderungen an die Sicherheit. Hier kann der Channel mit entsprechenden Security-Lösungen als Teil der Projekte zusätzlichen Umsatz generieren.

Generell erkennt Radtke bei den Partnern von Pilot Computer gestiegene Anforderungen bei der Realisierung von Projekten und der Implementierung der Software. Immer mehr Partner begleiten daher Projekte von der Bedarfsanalyse bis zur kompletten Umsetzung und bieten dafür einen kompletten Service. Dieser umfasst auch Remote-Management und Finanzierung. Hollerbaum sieht ebenfalls in kundenspezifischen Lösungen und Beratungsdienstleistungen eine wachsende Chance für Partner. Sie umfassen „Displays, Halterungen, Verkabelung, Software und Dienstleistungen wie Finanzierung, Lieferung, Installation, Inbetriebnahme, Content oder Aftersales Service“, konkretisiert der Siewert & Kau-Geschäftsführer.

Florian Kinscher, Director Display Solutions bei ITZ Display Solutions, sieht derzeit besonders im Digital Out-of-Home-Sektor (DooH) große Chancen für Partner: „Die Vermarktung von LCD-­Signage- oder LED-Signage-Flächen als flexible Werbeplattform bleibt ein absoluter Wachstumsmarkt. Als entscheidenden Aspekt sehen wir hierbei die Kreativität der Partnerlösungen, die ständig zunimmt und bisher keine Grenzen zu haben scheint.“ Die Vermietung von Digital-­Signage-Netzwerken als Werbeplattformen betrachtet Kinscher als „dynamische und expandierende Branche“.

Wissen, was läuft

Täglich die wichtigsten Infos aus dem ITK-Markt

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Spektakulär: LED-Signage in der Lobby des Atlantis The Royal in Dubai.(Bild:  Samsung)
Spektakulär: LED-Signage in der Lobby des Atlantis The Royal in Dubai.
(Bild: Samsung)

Glänzende Zukunft: LED-All-in-One-Videowalls

Eine Produktgruppe mit wachsender Bedeutung sind LED-All-in-One-Videowalls. Sie sind vielseitig einsetzbar, etwa im Retail-Sektor, bei Veranstaltungen, in Konferenzräumen und Bildungseinrichtungen. Vor allem aber sind die Geräte einfach installiert und schnell in Betrieb genommen, so Hollerbaum zu den Vorteilen dieser Systeme. Sie basieren auf vorkalibrierten Cabinets, die schnell an einer Wandhalterung montiert werden können. Eine externe Control-Box wird nicht benötigt. Wichtige Anbieter sind beispielsweise Samsung mit The Wall IAB, aber auch Hersteller wie LG, Viewsonic, Sharp/NEC oder Leyard. Alle haben entsprechende Lösungen im Portfolio und werden neue Produkte auf der ISE präsentieren. Bei den High-­Brightness-Displays für das Schaufenster, für die Hollerbaum ebenfalls eine wachsende Nachfrage sieht, nutzen Hersteller weiter die bei kleiner Diagonale und hoher Auflösung günstigeren LCD-Panels.

LED-Walls auf dem Vormarsch

Florian Kinscher, Director Display Solutions, ITZ Display Solutions(Bild:  ITZ Display Solutions)
Florian Kinscher, Director Display Solutions, ITZ Display Solutions
(Bild: ITZ Display Solutions)

Wir erwarten eine steigende Nachfrage bei größeren Digital-Signage-Formaten. Das betrifft sowohl individuell konfigurierte LED-Signage-Installationen mit modularen Lösungen als auch das stetig wachsende All-in-One-LED-Angebot, welches einen leichteren Umstieg auf die Zukunftstechnologie bietet. Die verstärkten Investitionen unserer Herstellerpartner in die Forschung und Entwicklung unterstreichen die Bedeutung und Attraktivität von LED-Signage für Endkunden sowie für den Handel. Unsere Einschätzung ist, dass der Umstieg und Ausbau der Digital-Signage-Netzwerke hin zu großformatigen LED-Installationen und die Nutzung dieser als Werbeplattformen vielfältiges Potenzial für unsere Fachhandelspartner darstellt.

Als günstige und energieeffiziente Alternative zu Displays auf LCD- oder LED-Basis sollen Projektoren weiterhin ihren Platz haben, betonen Hersteller wie Epson, Panasonic oder Benq. So gebe es eine große Nachfrage nach Lösungen für immersive Umgebungen, für die Projektoren im Stack- oder Überblendbetrieb installiert werden. Auf der Messe in Barcelona werden auch Projektionslösungen für Meetingräume mit Microsoft Teams Front Row und für den Bildungssektor zu sehen sein, die mit interaktiven Displays konkurrieren.

Projektoren können ihre Stärken bei der immersiven Darstellung von Inhalten ausspielen.(Bild:  Epson)
Projektoren können ihre Stärken bei der immersiven Darstellung von Inhalten ausspielen.
(Bild: Epson)

Bildungssektor: Schulung an Schulen

Ein wichtiger Umsatzbringer für die Digital-Signage-Branche war in den vergangenen Jahren der Bildungssektor. Mit dem Digitalpakt Schule standen den Schulen erhebliche Summen für die Beschaffung digitaler Whiteboard-­Lösungen zur Verfügung. Die sind allerdings bislang nicht komplett abgerufen und können noch bis Mai dieses Jahres endgültig beantragt werden. Der Channel hofft auf einen Digitalpakt 2.0 ab 2025, der bereits in der Diskussion ist. Die Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger bremst allerdings die Erwartungen mit dem Hinweis auf die noch nicht ausgegebenen Gelder aus dem ersten Digitalpakt.

Hollerbaum gibt zudem zu bedenken, dass die Lösungen der Hersteller bereits heute mehr Funktionen bieten, als die Anwender aktuell nutzen. So muss nicht nur in neue Geräte, sondern auch in die Schulung investiert werden. Auch Radtke ist der Ansicht, dass Lehrkräfte besser geschult werden müssen. So können sie in Zukunft besser in die Bedarfsplanung einbezogen werden. Generell muss die digitale Infrastruktur in Schulen weiter ausgebaut werden, „denn ohne diese Basis wird es keine signifikante und nachhaltige Entwicklung geben“, so der Siewert & Kau-Geschäftsführer.

Eine wichtige Neuerung bei vielen interaktiven Whiteboards, vor allem für den Bildungssektor, ist deren EDLA-Zertifizierung. Sie ermöglicht Large Format Displays oder Projektoren mit integriertem Android-Rechner den vollständigen Zugriff auf die Google Mobile Services (GMS) und damit auch auf den Play Store. Benq bietet sogar einen Einschubrechner mit EDLA als Upgrade-Lösung an.(Bild:  stockbusters - stock.adobe.com)
Eine wichtige Neuerung bei vielen interaktiven Whiteboards, vor allem für den Bildungssektor, ist deren EDLA-Zertifizierung. Sie ermöglicht Large Format Displays oder Projektoren mit integriertem Android-Rechner den vollständigen Zugriff auf die Google Mobile Services (GMS) und damit auch auf den Play Store. Benq bietet sogar einen Einschubrechner mit EDLA als Upgrade-Lösung an.
(Bild: stockbusters - stock.adobe.com)

Energieverbrauch wird zentral

Wichtig für die gesamte Branche bleiben die miteinander verbundenen Themen Energieverbrauch und Nachhaltigkeit. Zwar ist die Diskussion um Zwangs­abschaltungen bei DooH-Displays oder gar das Verbot entsprechender Installationen im öffentlichen Raum wieder abgeflaut und es gibt auch keine Verkaufsbeschränkungen für Geräte mit hohem Stromverbrauch. Aber die Kunden sind natürlich angesichts der Energiepreise an einem niedrigen Verbrauch und auch an einer längeren Nutzungsdauer der Systeme interessiert. Beim Thema Energieverbrauch stehen sich manche Kunden allerdings selbst im Weg, wie das Beratungsunternehmen Invidis herausgefunden hat.

Scheinbar ausgeschaltete DooH- und teilweise auch Indoor-Displays laufen tatsächlich durch, nur eben in den Nachtstunden mit schwarzem Content. Der Grund dafür ist die Sorge der Betreiber, dass sich abgeschaltete Geräte nicht mehr starten lassen, was den Service-Aufwand erhöht. Einige Hersteller bieten bereits Lösungen, mit denen Displays und Videowalls in einen echten Standby-Modus mit minimalem Energieverbrauch versetzt werden können. Weitere Lösungsansätze sind die Nutzung von Umgebungslicht- und Präsenzsensoren für eine Anpassung der Leuchtstärke der Displays. Hier sollte der Channel die Kunden über die entsprechenden Möglichkeiten einer energiesparenden Nutzung der Lösungen besser informieren. Eine interessante Lösung für energiesparende Displays für Content, der sich nur selten ändert, bietet die E-Paper-Technologie. Hier gibt es inzwischen größere Panels auf dem Markt, die auch mehr Farben darstellen können.

Nachhaltigkeit als Fokusthema

Frank Radtke, Produktmanager Digital Signage, Pilot Computer(Bild:  Pilot Computer)
Frank Radtke, Produktmanager Digital Signage, Pilot Computer
(Bild: Pilot Computer)

Niedrigere Energiekosten stehen bei den Kunden im Fokus. Das ist ein Thema, mit dem sich Firmen generell auseinandersetzen sollten und mit dem sie sich oft schon beschäftigen. Unternehmen müssen Vorreiter werden, wenn es darum geht, der Wegwerfgesellschaft entgegenzuwirken. Ein spannender Trend sind hier Displays, die in der Anwendung ähnlich wie E-Book-Reader funktionieren. Sie sind deutlich sparsamer im Energieverbrauch. Diese Displaytechnologie ist bald ab 32 Zoll lieferbar. Uns ist zum Thema Nachhaltigkeit zudem aufgefallen, dass unsere Kunden großen Wert auf längere Garantiezeiten legen, fünf Jahre wird immer öfter nachgefragt. Im Bildungssektor werden sogar bis zu sieben Jahre Garantie gewünscht.

20 Jahre ISE: Die Messe feiert Geburtstag

Am 30. Januar 2024 öffnet die 20. Integrated Systems Europe ihre Pforten in Barcelona. Dieses Jahr haben sich bei der wichtigsten Messe für Pro-AV und Digital Signage in Europa mehr als 1.200 Aussteller aus aller Welt angemeldet. Auch die Ausstellungsfläche ist laut Veranstalter mit rund 66.000 Quadratmetern größer als je zuvor.

Die ISE 2024 findet wieder auf dem Messegelände Gran Via in Barcelona statt.(Bild:  Fira Barcelona)
Die ISE 2024 findet wieder auf dem Messegelände Gran Via in Barcelona statt.
(Bild: Fira Barcelona)

(ID:49839839)