Hindernisse bei der KI-Implementierung KI-Agenten: 86 % Hype, nur 11% Realität – Woran fehlt es?

Von Agnes Panjas 4 min Lesedauer

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Die Realität der KI-Implementierung bleibt bei deutschen Unternehmen hinter den Erwartungen zurück. Eine Cloudflight-Studie mit C-Level-Entscheidern zeigt: Erfolgreiche KI-Agenten scheitern nicht am Geld. Die Studie nennt drei entscheidende Erfolgskriterien.

KI-Agenten zwischen Erfolg und Misserfolg: Zwar sehen viele befragte deutsche C-Level Chefs Potenzial in KI-Agenten, doch nur jedes neunte deutsche Unternehmen setzt die Technologie bereits in einer fortgeschrittenen Phase ein. (Bild:  Canva / KI-generiert)
KI-Agenten zwischen Erfolg und Misserfolg: Zwar sehen viele befragte deutsche C-Level Chefs Potenzial in KI-Agenten, doch nur jedes neunte deutsche Unternehmen setzt die Technologie bereits in einer fortgeschrittenen Phase ein.
(Bild: Canva / KI-generiert)

„Erfolg ist nicht hauptsächlich vom Geld abhängig“, diese Binsenweisheit bewahrheitet sich auch beim Thema KI-Agenten. Das Problem ist laut einer Studie des Full-Service-Providers Cloudflight folgendes: Trotz hoher Erwartungshaltung – 86 Prozent sind von dem Potenzial überzeugt – setzt nur jedes neunte deutsche Unternehmen KI-Agenten bereits in einer fortgeschrittenen Phase ein. Woran fehlt es also? Am fehlenden Geld wohl nicht, schließlich gaben nur 14 Prozent der befragten deutschen Unternehmen fehlende finanzielle Mittel als Hindernis für den künftigen Einsatz von KI-Agenten an.

Zur Methodik der Cloudflight-Studie:

Die Studie basiert auf einer quantitativen Online-Befragung von 150 C-Level- und Senior-Executives aus deutschen Unternehmen. Die Erhebung wurde zwischen Dezember 2025 und Januar 2026 durchgeführt. Befragt wurden Führungskräfte aus IT, Digitalisierung und Operations (u. a. CEO, CIO, CTO, CDO). Berücksichtigt wurden ausschließlich Unternehmen mit mindestens 250 Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz von mindestens 50 Millionen Euro. Die Stichprobe umfasst Unternehmen aus den Bereichen Industrie/Produktion, Logistik, Finanzdienstleistungen, Energie, Handel, Gesundheitswesen und öffentlicher Sektor. Hier kann man die Studie kostenlos downloaden.

Woran Projekte mit KI-Agenten scheitern

Die drei größten Hindernisse für KI-Agenten sind fehlendes Vertrauen und Risikoängste (51%), Compliance-Fragen (39%) und unklare Verantwortlichkeiten (27%). (Bild:  Cloudflight)
Die drei größten Hindernisse für KI-Agenten sind fehlendes Vertrauen und Risikoängste (51%), Compliance-Fragen (39%) und unklare Verantwortlichkeiten (27%).
(Bild: Cloudflight)

Wie kommt es zur Diskrepanz zwischen Potenzial und Umsetzung? Und warum sind manche Unternehmen bei der Nutzung von KI-Agenten erfolgreicher als andere? Diese Fragen kann ein genauer Blick auf die Studie von Cloudflight beantworten.

Hier zeigt sich: Der am häufigsten genannte Grund ist mit 51 Prozent fehlendes Vertrauen und Angst vor den Risiken. Als sehr hinderlich werden mit 39 Prozent auch Compliance-Fragen gesehen, gefolgt von unklaren Verantwortlichkeiten (27 %) und einer unklaren KI-Strategie (22 %). 40 Prozent der Befragten kommen gar zu dem Schluss, dass ihr Unternehmen noch nicht bereit für den Einsatz von KI-Agenten ist. Auch bei Unternehmen, die fehlgeschlagene KI-Agenten-Initiativen im Rückblick bewerten, spielen finanzielle Gründe nur eine kleine Rolle. Nur wenige (8 %) kommen zu dem Schluss, dass ihr Projekt am Geld gescheitert ist.

Kriterien für den Erfolg agentischer KI

Wie schaffen es Unternehmen die Kluft zwischen Überzeugung und Realität zu schließen? Die Studie identifizierte drei Erfolgskriterien, die gemeinsam auftreten müssen, damit ein Unternehmen KI-Agenten erfolgreich einsetzen kann.

1. Business Case muss klar definiert sein

Nur 29 Prozent der Befragten haben in ihrem Unternehmen klare Business Cases für agentische KI definiert.(Bild:  Cloudflight)
Nur 29 Prozent der Befragten haben in ihrem Unternehmen klare Business Cases für agentische KI definiert.
(Bild: Cloudflight)

Das erste wichtige Kriterium stellt der Studie zufolge ein klar definierter Business Case dar, der die Basis für die Bewertung und Weiterentwicklung eines Projekts festlegt. Das klingt logisch, denn ohne klare Zeitpläne, ROI-Ziele (Return of Investment) und konkrete Bewertungskriterien drohen KI-Agenten-Projekte in den Anfangsphasen – Exploration, Experimentierung oder frühe Einführung – stecken zu bleiben. Die Studie zeigt allerdings, dass nur 29 Prozent der Befragten einen klar definierten Business Case für ihre KI-Projekte haben.

2. Abstimmung zwischen Compliance, IT und Business

Die Cloudflight-Studie zeigt: Das Vorhandensein eines Business Case korreliert mit dem Grad, wie gut die Abteilungen abgestimmt sind.(Bild:  Cloudflight)
Die Cloudflight-Studie zeigt: Das Vorhandensein eines Business Case korreliert mit dem Grad, wie gut die Abteilungen abgestimmt sind.
(Bild: Cloudflight)

Als weiteres Kriterium identifiziert die Studie die Zusammenarbeit zwischen Compliance, IT und Business. Demnach müssen es Unternehmen auch schaffen, ihre Abteilungen gut abzustimmen. Wer ist verantwortlich? Wie werden Entscheidungen getroffen? Wie funktionieren Abstimmungen?

Die Zahlen zeigen, dass Unternehmen, bei denen Compliance, IT und Business vollständig abgestimmt sind, Pilotprojekte schneller überführen und in weitere Geschäftsbereiche skalieren können. Spannend ist hierbei, dass das Vorhandensein eines Business Cases mit dem Grad der Abstimmung der Abteilungen korreliert. 60 Prozent der Unternehmen geben an, sie haben sich vollständig mit den Abteilungen abgestimmt. Diese haben auch einen klar definierten Business Case. Wohingegen von den Unternehmen, die „mäßig abgestimmt“ angegeben haben, nur acht Prozent einen klar definierten Business Case haben.

3. C-Level-Alignment als Erfolgsfaktor für KI

Auch wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, deckt die Studie noch einen weiteres Erfolgskriterium auf: die enge und abgestimmte Zusammenarbeit auf Vorstandsebene. Das Problem hierbei ist oft, dass das Profil und die Aufgaben von CEO (Chief Executive Officer) und CTO (Chief Technology Officer) sind per Definition unterschiedlich. CEO tragen die Verantwortung für die Zukunftsfähigkeit und Reputation des Unternehmens. CTO verantworten technische Ergebnisse und die Leistungsfähigkeit der Systeme. Vor diesem Hintergrund komme es, laut Cloudflight, zu unterschiedlichen Bewertungen von KI-Agenten.

Das Problem ist, dass es zwischen verschiedenen Führungsebenen deutliche Meinungsunterschiede über das akzeptable Maß an Autonomie für KI-Agenten gibt.(Bild:  Cloudflight)
Das Problem ist, dass es zwischen verschiedenen Führungsebenen deutliche Meinungsunterschiede über das akzeptable Maß an Autonomie für KI-Agenten gibt.
(Bild: Cloudflight)

Besonders deutlich wird dies bei der Frage „Welches Maß an Autonomie ist für KI-Agenten in Ihrem Unternehmen akzeptabel?“. Während Chief Technology Officer hier mit 33 Prozent die höchste Akzeptanz für vollständige Autonomie zeigen, stehen Chief Executive Officer mit 19 Prozent noch am anderen Ende des Spektrums. Diese Uneinigkeit sei für eine erfolgreiche KI-Implementierung nicht förderlich.

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„Die meisten Unternehmen haben die Grundlagen noch nicht geschaffen"

Gernot Molin ist CTO bei Cloudflight. (Bild:  Cloudflight)
Gernot Molin ist CTO bei Cloudflight.
(Bild: Cloudflight)

Gernot Molin, CTO bei Cloudflight, zieht das passende Fazit: „Wer sich bei agentischen KI-Projekten auf die Frage nach dem Budget konzentriert, arbeitet am Problem vorbei. Die erfolgreichen Unternehmen in diesem Bereich geben nicht mehr Geld aus, sie koordinieren sich lediglich besser.“ Seiner Meinung nach müsse sich die Fragestellung daher verschieben. Bei der Implementierung von KI-Agenten dürfe es nicht heißen „Wie können wir uns das leisten?“, sondern „Wie können wir uns dafür sinnvoll aufstellen?“. Die zweite Frage sieht der CTO von Cloudflight als entscheidend an. Er sieht das grundlegende Problem jedoch darin, dass die meisten Unternehmen für die Beantwortung der zweiten Frage noch keine Grundlagen geschaffen haben.

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