Bis zu 700 Millionen Dollar Austauschkosten und 300 Millionen Dollar Umsatzrückgang

Intels Chipsatz für Sandy-Bridge-CPUs ist defekt

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Desaster für die OEMs, offene Fragen beim Handel

Für die Mainboard- und PC-Hersteller ist diese Nachricht ein schwerer Schlag. Es gibt derzeit keine Chipsatz-Alternative für Sandy-Bridge-CPUs. Rechner und Platinen, die auf den aktuellen Core-i5- und Core-i7-Prozessoren aufbauen, können demnach erst wieder in den Markt gebracht werden, wenn Intel genügend Chipsätze liefern kann. Alternativ könnte man allenfalls die fehlerhaften Chipsätze verwenden und lediglich den SATA-6G-Controller nutzen, der aber nur zwei Anschlüsse zur Verfügung stellt.

Zudem ist derzeit offen, was mit bereits ausgelieferten Rechnern geschehen kann. Diese brauchen vermutlich ein neues Mainboard, da die Chipsätze fest verlötet sind. Intel hatte bekanntgegeben, dass man bereits mit den OEMs Kontakt aufgenommen habe, um an einer Lösung zu arbeiten. Bis Redaktionsschluss waren allerdings noch keine konkreten Maßnahmen angekündigt worden.

So bleibt derzeit offen, wie der Austausch abgewickelt werden kann. Ob kürzlich vorgestellte Mainboards auf Basis der P67- und H67-Chipsätze sowie Sandy-Bridge-Notebooks, die teilweise schon an den Handel ausgeliefert wurden, beispielsweise wieder an die Distribution zurückgegeben werden können, ist Stand heute ungeklärt. Allerdings dürften sie inzwischen nicht mehr verkäuflich sein, nachdem Intel den Defekt am Montag publik gemacht hatte. IT-BUSINESS wird Sie auf dem Laufenden halten!

Beschwichtigung von Intel

Der Chipriese geht davon aus, dass die Zahl der verkauften Systeme noch relativ gering ist, da der – zumindest offizielle – Marktstart erst am 9. Januar erfolgte, also rund drei Wochen vor Bekanntwerden des Fehlers. Allerdings rühmen sich die Teilnehmer in Overclocker-Foren, schon vor der CES in Großbritannien oder direkt in Asien erste Sandy-Bridge-Mainboards ergattert zu haben. Intel den Schaden, der aus dem Chipsatz-Debakel entsteht, bereits auf rund 700 Millionen US-Dollar beziffert.

Eingerechnet sind darin sicherlich die bereits produzierten, aber noch nicht verbauten Chips, aber vermutlich auch die Kosten für bereits verlötete Chipsätze bei Mainboard-Herstellern und PC-Produzenten. Diese müssen nun entweder die fehlerhaften Chipsätze aufwendig austauschen, falls das überhaupt möglich ist, oder ganze Mainboard-Chargen auf den Müll schmeißen.

Für Intel kommt es noch dicker: Aufgrund des Liefer-Engpasses bei funktionierenden Chipsätzen, der dafür sorgt, dass die höherwertigen Sandy-Bridge-CPUs derzeit nicht verbaut werden können, rechnet man mit einem Umsatzrückgang im ersten Quartal von 300 Millionen US-Dollar. Dazu kommt noch der Image-Schaden, der sich bereits an den Aktienmärkten ablesen lässt. Dort brachen die Papiere von Intel um bis zu zwei Prozent ein. Die AMD-Aktie dagegen ging vorübergehend um mehr als fünf Prozent nach oben.

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