KI-Souveränität in EMEA IBM-Studie: Unternehmen fehlt der Überblick über ihre KI-Abhängigkeiten

Von Alexander Siegert 3 min Lesedauer

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KI-Souveränität gilt für viele Unternehmen inzwischen als strategische Notwendigkeit. Doch laut einer aktuellen IBM-Studie kennen die meisten Organisationen ihre Abhängigkeiten von KI-Anbietern, Modellen und Infrastrukturen nur unzureichend.

Viele Unternehmen in Europa streben mehr KI-Souveränität an. Fehlende Transparenz über Abhängigkeiten von Anbietern, Modellen und Infrastruktur erschwert jedoch den Weg dorthin.(Bild:  Midjourney / KI-generiert)
Viele Unternehmen in Europa streben mehr KI-Souveränität an. Fehlende Transparenz über Abhängigkeiten von Anbietern, Modellen und Infrastruktur erschwert jedoch den Weg dorthin.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

KI-Souveränität entwickelt sich für Unternehmen in Europa, dem Nahen Osten und Afrika zunehmend zu einem strategischen Thema. Allerdings fehlt vielen Organisationen noch die Transparenz über ihre Abhängigkeiten von KI-Anbietern, Modellen und Infrastrukturen. Das geht aus einer aktuellen Untersuchung des IBM Institute for Business Value hervor. Grundlage sind Befragungen von 370 Führungskräften in der EMEA-Region sowie 1.000 weltweit.

Mangelnde Transparenz bei KI-Ökosystemen

Laut Studie verfügen lediglich zehn Prozent der befragten Unternehmen in EMEA über ein umfassendes Verständnis ihrer Abhängigkeiten entlang der KI-Wertschöpfungskette. In Deutschland liegt dieser Wert mit 13 Prozent nur geringfügig höher. Gleichzeitig geben 90 Prozent der Befragten in EMEA und 87 Prozent in Deutschland an, ihre Abhängigkeiten von Anbietern, Modellen und Infrastruktur nicht vollständig zu überblicken.

Die Ergebnisse zeigen damit eine erhebliche Diskrepanz zwischen dem strategischen Anspruch und der operativen Realität. Weltweit betrachten laut IBM inzwischen 83 Prozent der CEOs KI-Souveränität als wichtigen Bestandteil ihrer Unternehmensstrategie.

Vendor Lock-in bleibt ein Risiko

Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung betrifft die Flexibilität beim Einsatz von KI-Technologien. So halten 73 Prozent der befragten Führungskräfte in EMEA und 65 Prozent in Deutschland einen Wechsel ihres primären KI-Anbieters oder KI-Modells für schwierig. Zudem sehen 70 Prozent der Unternehmen Herausforderungen bei der Einhaltung von Anforderungen an Datenresidenz und Datensouveränität über verschiedene Regionen hinweg.

Die hohe Bindung an bestehende Anbieter könnte sich insbesondere bei Störungen als problematisch erweisen. Mehr als vier von fünf Befragten in EMEA rechnen bei einem Ausfall ihres wichtigsten KI-Anbieters von sieben Tagen oder länger mit schwerwiegenden oder sogar kritischen Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb.

Fall Anthropic zeigt geopolitische Risiken

Wie schnell Unternehmen den Zugriff auf zentrale KI-Technologien verlieren können, zeigte zuletzt der Fall des US-Anbieters Anthropic. Mitte Juni ordnete die US-Regierung an, dass ausländische Staatsangehörige keinen Zugang mehr zu den Modellen Claude Fable 5 und Claude Mythos 5 erhalten dürfen. Da Anthropic die Vorgabe kurzfristig technisch nicht umsetzen konnte, deaktivierte das Unternehmen die Modelle vorübergehend für alle Nutzer weltweit.

Der Vorfall löste insbesondere in Europa Diskussionen über die Abhängigkeit von außereuropäischen KI-Anbietern aus. Für Unternehmen wurde damit sichtbar, dass politische und regulatorische Entscheidungen außerhalb ihres Einflussbereichs unmittelbare Auswirkungen auf den Zugang zu geschäftskritischen KI-Diensten haben können.

KI-Ausfälle keine Ausnahme

Nach Angaben der Studienteilnehmer kam es in den vergangenen zwei Jahren durchschnittlich zu sieben KI-bezogenen Betriebsstörungen pro Unternehmen in der EMEA-Region. In Deutschland wurden durchschnittlich sechs Vorfälle gemeldet. Als häufigste Ursache nannten die Unternehmen in EMEA Probleme bei Anbieter-Services, während in Deutschland technische Störungen dominierten.

Senior VP and Chair für IBM Europe, Middle East, Africa and Asia Pacific(Bild:  IBM)
Senior VP and Chair für IBM Europe, Middle East, Africa and Asia Pacific
(Bild: IBM)

Trotz dieser Risiken sind viele Unternehmen bereit, zusätzliche Kosten in Kauf zu nehmen, um ihre strategische Handlungsfähigkeit zu verbessern. Laut IBM würden 71 Prozent der Führungskräfte in EMEA eine Kostensteigerung von bis zu 20 Prozent akzeptieren, wenn dadurch die Flexibilität beim Einsatz von KI-Technologien steigt.

„Für Unternehmen ist es gerade die Kombination aus Open-Source-Technologie und Kontrolle, die eine selektive Souveränität ermöglicht. Sie erlangen genau das Maß an Autorität, das am wichtigsten ist, ohne überall die Kosten einer vollständigen Unabhängigkeit tragen zu müssen“, empfiehlt Ana Paula Assis, IBM Senior VP and Chair, EMEA and APAC, im Vorwort der Studie.

Souveränität wird zum Wettbewerbsfaktor

Vor dem Hintergrund zunehmender regulatorischer Anforderungen und wachsender Diskussionen um digitale Souveränität gewinnt die Kontrolle über Daten, Modelle und Infrastruktur weiter an Bedeutung. Die Studie legt nahe, dass Unternehmen ihre Abhängigkeiten künftig deutlich genauer analysieren müssen, um Risiken zu reduzieren und ihre Handlungsfähigkeit im KI-Zeitalter zu sichern.

Über die Studie

Für die Studie befragten das IBM Institute for Business Value und Oxford Economics zwischen Februar und April 2026 insgesamt 1.000 Führungskräfte aus 14 Ländern und 17 Branchen. Untersucht wurde, wie Unternehmen die Kontrolle über Daten, Modelle, Anwendungen und Infrastruktur im KI-Umfeld organisieren und welche Auswirkungen dies auf Resilienz, Leistung und Wirtschaftlichkeit hat.

Zur kompletten Untersuchung

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