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Lünendonk über den Markt für IT-Beratung und -Service

Große IT-Dienstleister haben eine rosige Zukunft

| Autor: Sarah Gandorfer

Die von Lünendonk analysierten Dienstleistungsunternehmen konnten im Geschäftsjahr 2018 ihre Prognose leicht übertreffen.
Die von Lünendonk analysierten Dienstleistungsunternehmen konnten im Geschäftsjahr 2018 ihre Prognose leicht übertreffen. (Bild: © EtiAmmos - stock.adobe.com)

Die Nachfrage nach IT-Beratungs- und -Umsetzungsleistungen flacht nicht ab und hat 2018 für ein Rekordjahr bei den IT-Dienstleistern gesorgt. Auch künftig wollen die Kunden investieren, vor allem in Business-Applikationen, Automatisierung von Fachprozessen und in eine moderne IT als Geschäftsgrundlage. Dabei werden die Projekte immer agiler. Doch viele werden nicht abgeschlossen.

Im Prinzip steht den deutschen IT-Dienstleistern eine rosige Zukunft bevor. Doch Rosen blühen nicht nur schön, sie haben auch Dornen. So kann nur von den reichlich vorhandenen Aufträgen abschöpfen, wer sich der Nachfrage anpasst und Klippen, wie den Fachkräftemangel, umschifft. Die Auguren von Lünendonk haben sich sowohl die aktuellen Umsätze, Umsatzprognosen sowie die Wünsche der Kundenunternehmen bezüglich ihrer IT genauer angesehen. Mit einem durchschnittlichen Umsatzwachstum von 11,9 Prozent im vergangenen Geschäftsjahr konnten die 73 analysierten IT-Dienstleistungsunternehmen sogar ihre Prognose für 2018 (11,6 %) leicht übertreffen. Die Erwartungen für 2019 und 2020 sind zwar etwas vorsichtiger, aber mit 10,6 beziehungsweise 10,8 Prozent weiterhin sehr positiv.

Die führenden IT-Dienstleister

Die Investitionen in die Digitalisierung und in die Modernisierung der IT-Landschaften stiegen 2018 stark an und brachten den 25 führenden IT-Beratungs- und Systemintegrations-Unternehmen in Deutschland einen Anstieg ihrer Inlandsumsätze um 12,2 Prozent auf 14,1 Milliarden Euro. Das durchschnittliche Umsatzwachstum aller Top-25-IT-Beratungen betrug – bereinigt um signifikantes anorganisches Wachstum – 12,3 Prozent. Sieben Unternehmen konnten beim Umsatz sogar um mehr als 15 Prozent zulegen. Damit haben die Top 25 exakt ihre im vergangenen Jahr abgegebenen Umsatzprognosen für 2018 bestätigt.

Auf den ersten Plätzen der jährlich erstellten „Lünendonk-Liste“ gibt es kaum Bewegung: Marktführer ist weiterhin Accenture mit einem geschätzten Deutschlandumsatz von 2,25 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von 12,5 Prozent gegenüber 2017. Auf dem zweiten Rang folgt T-Systems mit einem geschätzten Umsatz von 1,5 Milliarden Euro mit IT-Beratung und Systemintegration. Den Gesamtumsatz von T-Systems in diesem Bereich taxiert Lünendonk auf 2,0 Milliarden Euro. Das ist ein Zuwachs von 8,1 Prozent. Insgesamt erzielte T-Systems im Geschäftsjahr 2018 inklusive IT-Services wie Rechenzentrumsdienstleistungen und Cloud-Dienste einen Umsatz in Höhe von 6,9 Milliarden Euro.

Den dritten Rang belegt IBM. Das Unternehmen konnte seinen Deutschlandumsatz mit IT-Beratung und Systemintegration um geschätzte 9,4 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro steigern. Mit einem sehr starken Geschäftsjahr und einem daraus resultierenden Umsatzplus von geschätzten 14,1 Prozent setzt Capgemini erstmals mehr als eine Milliarde Euro in Deutschland um und verringert somit deutlich den Abstand zu den Plätzen 2 und 3 im Ranking. Die zum japanischen NTT-Konzern gehörenden IT-Beratungs- und Systemintegrations-Unternehmen Itelligence AG und NTT Data Deutschland fasst Lünendonk zu NTT Data zusammen. Deren konsolidierter Umsatz stieg 2018 um 7,6 Prozent auf 745,6 Millionen Euro und bedeutet Rang 5.

Top-10 der mittelständischen Systemhäuser

Für die 20 führenden mittelständischen IT-Beratungen verlief das vergangene Geschäftsjahr mit einem durchschnittlichen Umsatzwachstum von 13,8 Prozent ebenso erfolgreich. Damit konnten sie weitere Marktanteile gegenüber den Top-25-IT-Beratungen hinzugewinnen, die mit 12,3 Prozent im statistischen Mittel etwas langsamer gewachsen sind. Während im Jahr 2017 neun mittelständische IT-Beratungen über 100 Millionen Euro Gesamtumsatz erzielten, waren es 2018 bereits zwölf IT-Beratungen, die die 100-Millionen-Euro-Umsatzgrenze überschreiten konnten. Lünendonk definiert IT-Beratungen mit Hauptsitz in Deutschland und einem Umsatz bis zu 500 Millionen Euro als mittelständisch. Darüber hinaus dürfen die IT-Beratungen, wenn sie einem Konzern angehören, nur maximal 25 Prozent ihres Umsatzes innerhalb des Konzerns machen.

Die größte deutsche mittelständische IT-Beratung ist MHP mit einem Gesamtumsatz von 431,1 Millionen Euro. Die auf die Automobilbranche fokussierte IT-Beratung verdrängte mit einem Umsatzplus von 33,7 Prozent GFT vom Spitzenplatz. Infolge der Übernahme durch den französischen Engineering-Dienstleister Assystems im Jahr 2018 ist die SQS nicht mehr im Ranking vertreten. Somit machten die 2017 hinter der SQS platzierten IT-Beratungen Adesso, ESG, Materna und Senacor im aktuellen Ranking jeweils einen Platz gut, wobei Adesso (+16,8 %) und Senacor (+13,8 %) innerhalb dieser Gruppe am stärksten wachsen konnten. Mit MHP, Adesso, ESG, Materna und Senacor sind fünf der 20 führenden mittelständischen IT-Beratungen gleichzeitig auch im Lünendonk-Ranking der 25 führenden IT-Beratungen in Deutschland vertreten.

Eine detaillierte, namentliche Auflistung über die Top 10 der Dienstleister befindet sich in der Bildergalerie. Wenn Systemhäuser wie Computercenter, Bechtle oder Cancom in dieser Liste trotz ihres hohen Umsatzes nicht genannt werden, liegt das laut dem Analystenhaus daran, dass diese ihre genauen Umsätze mit IT-Dienstleistungen nicht ausweisen. Der Service-Anteil übertrifft zudem nicht die von Lünendonk zugrunde gelegten 60 Prozent des Gesamtumsatzes. Der Großteil wird noch immer mit Reselling erwirtschaftet.

Entwicklung des IT-Budgets

Das Volumen des deutschen IT-Services-Marktes für 2018 wird vom Branchenverband Bitkom auf 39,9 Milliarden Euro geschätzt. Dabei geht Lünendonk davon aus, dass der Inlandsumsatz der 73 von ihnen analysierten IT-Dienstleister 24,7 Milliarden Euro betragen wird. Das sind rund 63 Prozent des vom Bitkom erwarteten Volumens.

„Der IT-Dienstleistungsmarkt hat sich 2018 in neue Höhen geschwungen. IT-Dienstleister können auch künftig aufgrund fehlender Fachkräfte und fehlenden Knowhows in ihren Kundenunternehmen zur Entwicklung und Umsetzung von Digitalisierungsstrategien mit einer weiterhin hohen Nachfrage nach externen Dienstleistungen rechnen“, erwartet Mario Zillmann, Partner bei Lünendonk & Hossenfelder. „Und diese Geschäftsaussichten werden durch die Investitionsplanungen der befragten Kundenunternehmen in großen Teilen bestätigt.“

Die Studienteilnehmer wünschen vor allem moderne Business-Applikationen, die stärkere Automatisierung von Fachprozessen und die Modernisierung der IT als solides Fundament für digitale Prozesse sowie Geschäftsmodelle. Entsprechend sagen 64 Prozent der IT-Entscheider in den Anwenderunternehmen, dass sie auch künftig einen Investitionsschwerpunkt auf den Rollout von neuen Software-Anwendungen legen werden. Den zweiten Block bei den wichtigsten Investitionsthemen bildet die Automatisierung der fachlichen Kern- und IT-Prozesse. Hier planen 59 Prozent für die Jahre 2019 und 2020, in die Automatisierung solcher Fachprozesse zu investieren.

Jedes zweite Unternehmen wird einen signifikanten Teil der IT-Budgets für die Automatisierung der IT-Prozesse vorsehen. Bei der IT-Modernisierung setzt sich die Entwicklung der letzten Jahre,wie beispielsweise die Migration von On-Premises-Anwendungen in die Cloud, fort. Für 45 Prozent der Firmen stehen Investitionen in die Modernisierung ihrer Software-Anwendungen und der IT-Infrastruktur weiterhin „sehr stark“ bis „stark“ auf der Agenda. Und immerhin 31 Prozent planen, mehr für den Aufbau von Cloud-Plattformen aufzuwenden, um damit neue Geschäftsmodelle und Innovationen zu ermöglichen.

Änderung bei den Ansprechpartnern und Agilität

In den Kundenunternehmen ändern sich die Ansprechpartner für die IT-Dienstleister. Waren es früher die CIOs, arbeiten sie jetzt immer häufiger direkt mit den Fachbereichen zusammen – Tendenz steigend. Denn auf den Innovationsdruck reagieren insbesondere die Fachbereiche mit Investitionen in digitale Technologien. Während die Aufträge aus den Fachbereichen 2017 bei 34 Prozent lagen, stieg ihr Anteil 2018 auf rund 38 Prozent des Umsatzes der Anbieter. „Dabei wird die Nachfrage aus den Fachbereichen weiter zunehmen, da immer mehr betriebliche Kernprozesse wie Produktion, Supply Chain und Vertrieb in die Cloud verlagert und mit Hilfe von digitalen Innovationen modernisiert werden“, ist sich Zillmann sicher.

Zudem werden Digitalisierungsprojekte immer agiler, indem Methoden wie Scrum oder DevOps zum Einsatz kommen. Bereits jedes dritte IT-Projekt setzen die untersuchten Anwenderunternehmen agil um. Besonders häufig werden agile Methoden bei der Software-Entwicklung und der Legacy-Modernisierung angewendet. 2019 rechnen die befragten Unternehmen damit, dass der Anteil von agil umgesetzten Projekten auf 38,2 Prozent steigt.

Jedes fünfte Projekt nicht fertig

Die Kunden planen zwar mehr IT-Projekte, doch hält sich die Zahl aller tatsächlich realisierten Projekte in Grenzen. Lediglich 14 Prozent der untersuchten Anwenderunternehmen ist es gelungen, alle Vorhaben abzuschließen. „Zwar werden immer wieder begonnene IT-Projekte aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr weiterverfolgt “, so Mario Zillmann. „Dass jedoch in 31 Prozent der Unternehmen etwa jedes fünfte IT-Projekt nicht abgeschlossen wurde, war auch für uns eine Überraschung.“

Der Fachkräftemangel erschwert die Umsetzung. Zumal das Technologie-Knowhow nicht nur in den Anwenderunternehmen fehlt, sondern auch bei den IT-Dienstleistern. So gaben selbige an, einen Teil ihrer Projektanfragen aus Mangel an Fachkräften ablehnen zu müssen. Beispielsweise werden Fachkräfte, wie Data Scientists, Cloud- und Security-Experten und Software-Entwickler gesucht.

Außerdem mangelt es, besonders bei mittelständischen Anwenderunternehmen und IT-Dienstleistern, an ausreichend SAP-Spezialisten für die bevorstehenden Transformationsprojekte auf die neue ERP-Version S/4. Da SAP das Ende der Wartung für die aktuelle ERP-Version für das Jahr 2025 angekündigt hat, bleibt den SAP-Kunden nicht mehr viel Zeit für die Systemumstellung, und Fachpersonal wird teils händeringend gesucht.

Doch dies ist nicht der einzige Grund für unbeendete Unterfangen. Oftmals laufen bei den Kunden eine Vielzahl an Projekten gleichzeitig, so dass sich ein Spannungsfeld aus verfügbaren Budget und der Priorisierung auf die wichtigsten Vorhaben ergibt. Zum anderen wird der Aufwand oft falsch eingeschätzt, sodass sich der ursprüngliche Business Case nicht mehr rechnet.

„Der IT-Dienstleistungsmarkt befindet sich in einem massiven Veränderungs- und Anpassungsprozess“, fasst Zillmann zusammen. „Digitalprojekte erfordern immer öfter eine End-to-End-Umsetzung, also eine Kombination von Kreativ- und Designleistungen zur Entwicklung digitaler Produkte und Marken mit IT-nahen Umsetzungsleistungen, wie Data Management, agile Software-Entwicklung und Implementierung der digitalen Produkte und Softwaretools in die Prozess- und IT-Welt.“

Kommentar: Gut für große Dienstleister, schlecht für kleine

Früher wurde die IT als Enabler gesehen, heute ist sie Teil des Kernprodukts, vor allem, wenn man in die Automobil-, Versicherungs- und Bankenbranchen schaut. Die Digitale Transformation sowie neue Geschäftsmodelle pushen die Nachfrage. Auch wenn es sich große Anwenderunternehmen leisten können, vermehrt eigene IT-Kompetenzen aufzubauen durch so genanntes „Insourcing von strategischen Technologie-Themen“, wie es Lünendonk beschreibt, bleibt die Mehrzahl doch abhängig von externen IT-Dienstleistern. So kann Dieter Loewe, Chief Client Officer bei NTT Data, ruhig feststellen: „Es ist genug Geschäft für uns alle da.“

Allerdings können auch die großen Dienstleister, nach Aussage von Rüdiger Azone, ECO von Pentasys, „dem Preisdruck nur durch Offshoring treffen. Zumal Kunden aktuell dazu neigen, ihre Vendoren zu konsolidieren“.

Der Arbeitsmarkt für IT-Experten scheint leergefegt und die Bewerber neigen tendenziell laut Lünendonk dazu, zu den großen IT-Dienstleistern zu gehen. Mit einem Blick auf diese Tatsache, haben die großen IT-Häuser die Nase vorn. Sie können mit Fachkräften im In- und Ausland punkten und damit den kleineren IT-Häusern mit hoher Wahrscheinlichkeit weitere Anteile des rund 40 Milliarden schweren deutschen IT-Marktes abnehmen.

Unsichere Rechtslage erschwert Freelancern die Arbeit

Lünendonk IT-Freelancer-Markt

Unsichere Rechtslage erschwert Freelancern die Arbeit

31.07.19 - Jedes fünfte bereits budgetierte IT-Projekt kann wegen Fachkräftemangel nicht umgesetzt werden. Freelancer bringen nicht die erhoffte Erlösung, da es zum einen zu wenige gibt, zum anderen werden sie wegen gesetzlicher Regulierungen nicht in jeder Firma geduldet. lesen

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