„Zusammenarbeit statt Wettbewerb“ Für T-Systems steht die Cloud jetzt an erster Stelle

Redakteur: Elke Witmer-Goßner

„Das Herz der Digitalisierung ist die Public Cloud“, sagte Adel Al-Saleh, CEO bei T-Systems. Die Reise in die öffentliche Cloud sei aber komplex – von der Erstellung einer Cloud-Strategie, über sinnvolle Partnerschaften bis hin zur Veränderung von Denkweisen.

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IT wird künftig ohne Cloud nicht mehr funktionieren – T-Systems schreibt sich deshalb „Cloud First“ auf die Fahnen.
IT wird künftig ohne Cloud nicht mehr funktionieren – T-Systems schreibt sich deshalb „Cloud First“ auf die Fahnen.
(Bild: Deutsche Telekom AG)

Noch nie waren die Geschäftsumgebungen von Unternehmen stärker gefordert als heute. Daher, so Al-Saleh, führe ab einem bestimmten Punkt fast jeder Weg direkt in die Cloud. Aber die Cloud so effektiv wie möglich einzusetzen und die Ergebnisse im gesamten Unternehmen zu maximieren, sei eine große Herausforderung. Geschäfts- und IT-Führungskräfte müssten sich auf die kritischen Punkte konzentrieren: Die Entwicklung einer Strategie, die den Ertrag maximiert; die Verbindung von Systemen und Cloud-Diensten, damit Daten und Wissen durch das Unternehmen fließen können; und die Erschließung der richtigen Fähigkeiten für das digitale Zeitalter.

„Alles wird Cloud“

Adel Al-Saleh, Vorstandsmitglied der Deutschen Telekom AG und CEO von T-Systems.
Adel Al-Saleh, Vorstandsmitglied der Deutschen Telekom AG und CEO von T-Systems.
(Bild: Deutsche Telekom AG/Norbert Ittermann)

Der IT-Dienstleister stellt sich, um Unternehmen bei der Bewältigung dieser Herausforderungen zu unterstützen, auf die neue Strategie „Cloud First“ ein. „Die Kunst ist nicht mehr, Rechner zu betreiben, sondern Arbeitsprozesse intelligent in hochautomatisierten Infrastrukturen abzubilden, die wir Cloud Computing nennen. Darauf richten wir konsequent unser Unternehmen aus“, sagte Al-Saleh. T-Systems sei zwar seit 2008 in der Cloud. Jetzt aber müsse man die eigene Denkweise ändern und die Dynamik anpassen. Daher bedeute „Cloud First“ eine Kulturveränderung auch im eigenen Haus.

Zustimmung auch von Peter Leukert, CIO bei der Deutschen Telekom: „‚Cloud First‘ ist nur ein Aspekt. Viel wichtiger ist der Ansatz ‚Cloud Native‘.“ Auch bei der Telekom müssten die Teams diese neue Denk- und Arbeitsweise lernen und verinnerlichen, denn „diese Welt ist so anders“. Die Cloud, so Leukert, sei nur ein Element eines Veränderungsprozesses hin zu mehr Agilität und moderner Technologieentwicklung. Das Unternehmen will verstärkt Cloud-Experten ausbilden. Zu den mehr als 3.000 Cloud-Architekten und -experten sollen weitere 5.000 Spezialisten mit Cloud-Know-how hinzukommen. Außerdem plant T-Systems die Open Telekom Cloud auszubauen. In Summe sollen sich die Investitionen in die Erweiterung der Cloud-Services auf einen dreistelligen Millionenbetrag belaufen.

Gefestigte Partnerschaften

Im Zuge der neuen Strategie setzt T-Systems noch intensiver als bisher auf die Zusammenarbeit mit Hyperscalern, die bereits in den letzten Monaten ausgebaut wurde. Europäische Unternehmen könnten mit diesen nicht mithalten, gibt Al-Saleh zu. Dafür sei man einige Jahre zu spät dran. „Das ist aber eigentlich auch nicht der Anspruch.“ Für mehr Unabhängigkeit der IT bei den Kunden müsse man die Migrationsfähigkeit herstellen und mit den großen Cloud-Plattform und -Services-Anbietern Hand in Hand gehen. Der Anspruch – auch einer T-Systems – müsse daher sein, für die weltgrößten Cloud-Anbieter der beste Partner zu sein, um dann das Beste für die eigenen Kunden anbieten zu können.

Dem stimmt auch Doug Yeum, globaler Channel-Chef von AWS, zu: Man arbeite zwar sehr kundenzentriert und könne Tools in kürzester Zeit entwickeln und anbieten. Allerdings sei auch Amazon Web Services verstärkt auf die Zusammenarbeit mit Dienstleistern angewiesen, weil immer mehr IT- und vor allem Cloud-Spezialisten beim Kunden fehlten.

Die Migration in die Cloud auf der Infrastruktur von AWS soll also künftig noch schneller erfolgen können. Auch will T-Systems Unternehmen nun beispielsweise eine Cloud-Lösung auf Basis von Microsoft Azure aus einer Hand mit nur einer Rechnung anbieten. Zudem gehört die Google Cloud zur Angebotspalette. Für alle Cloud-Lösungen will der IT-Dienstleister zusätzliche Datensicherheit anbieten. Für Kunden mit höchsten Anforderungen an Compliance und Datenschutz erweitert T-Systems die Kapazitäten der eigenen Public Cloud, der Open Telekom Cloud.

Standard für die Cloud-Migration

T-Systems bündelt Methoden und Prozesse für die Cloud-Migration und will damit einen neuen Standard für die Digitalisierung von Unternehmen. Mit dem neu vorgestellten Cloud Migration Framework (CMF) haben Geschäftskunden Zugriff auf das gesammelte Know-how von T-Systems-Transformationsexperten, agile Methoden und hoch automatisierte Prozesse.

Dabei sei das CMF mehr als ein Werkzeugkasten für die Cloud-Migration, erläuterte Al-Saleh. „Es ist das Herzstück unserer neuen Strategie“, ein Abbild der kompletten Wertschöpfungskette, von der Strategie bis hin zum Betrieb von Cloud-Landschaften. Die Experten von T-Systems analysieren die Ausgangslage für jeden Kunden individuell, überführen dann die Anwendungen automatisch auf die Zielplattform und betreuen sie dort.

Altsysteme werden FITT

Mit „Future IT Transformation“ (FITT) greift T-Systems das Problem „Altsysteme“ auf, die mit diesem Angebot in die technologische Neuzeit gebracht werden sollen. FITT besteht aus sechs Modulen, um etwa unflexible Cobol-Programme zu modernisieren, Informationen aus alten Datenbanken zu retten, oder Bestandssysteme in die Cloud zu bringen. „Großrechner und Cobol wurden vor über 60 Jahren entwickelt, aber auch vermeintlich neuere Systeme aus dem Jahr 2000 sind nicht mehr zukunftsfähig“, erklärte Dr. Andreas Greis, Leiter Digital Solutions bei T-Systems. In FITT seien einige der Standardlösungen zusammengefasst, um Plattformen, Datenbanken und Programme schrittweise zu modernisieren. Aus Java, Cobol und PL1 könnten so flexible Microservices werden.

Sicherheit in der Industrie

Ein weiteres großes Augenmerk – die Digitalkonferenz Accelerate Digital Now widmete diesem Thema einen eigenen Referentenblock – legt T-Systems auf die Sicherheit von Industrieanlagen, wo die Zahl der Cyberattacken auf Netz und IT-Infrastruktur von Unternehmen stetig zunimmt, wie das Security Operations Center der Telekom beobachtet. Dort behält man täglich mehrere Millionen Angriffsversuche auf Unternehmen im Blick, um notfalls eingreifen zu können. Zunehmend geraten nun vernetzte Maschinen ins Visier der Hacker. Mit dem neuen Angebot Magenta Industry Security dehnt die Telekom ihren Schutz auf Steuerungssysteme der produzierenden Wirtschaft aus.

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