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IT-Security

Enterprise Application Software im Umbruch

Frische Software für junge Leute

| Autor: Dr. Stefan Riedl

Wer mit Instagram, Twitter und Skype aufgewachsen ist, hat besondere Ansprüche an Unternehmens-Software.
Wer mit Instagram, Twitter und Skype aufgewachsen ist, hat besondere Ansprüche an Unternehmens-Software. (Bild: © adrian_ilie825 - stock.adobe.com)

In Zeiten, in denen Youtube-Influencer die Politik aufscheuchen und vor sich hertreiben können, hört die Software-Branche genauer hin, wie sich die „Generation Y“ gute Software vorstellt. Längst ist der Markt im Umbruch, sagt Software-Berater Matthias Weber.

Der Markt für Unternehmens-Software, oder Neudeutsch: Enterprise Application Software (EAS), galt lange als ruhiger Luftraum. Alle Marktteilnehmer haben ihre Flughöhe erreicht und kreisten mehr oder weniger erfolgreich um ihre Interessen und Kunden. Den Markt teilen sich – um der Metapher treu zu bleiben – primär zwei ­Arten von Raubvögeln auf dem Beutezug nach neuen Kunden unter sich auf: Software-Hersteller und Software-Anbieter, mit unterschiedlichen Interessen. Die Cloud gestaltet den Markt für Enterprise Application Software auch gehörig um. Je nach Markteintritt haben Hersteller bereits von Anfang an auf eine Cloud-Implementierung gesetzt, oder müssen ihre Software quasi rückwirkend „Cloud-fähig“ machen. Generation Y ist auf Du und Du mit dem Internet und überträgt Vorstellungen aus diesen Nutzererfahrungen auf Unternehmens-Software, was zu disruptiven Prozessen in der Entwicklung führt. Ein rauer Wind weht zwischen den Wolken und den Raubvögeln auf. Die Trägheit der Branche muss nicht immer schlecht sein, denn keiner hat etwas davon, Bewährtes durch ­untaugliche Schnellschüsse zu ersetzen. Auf die laufende Disruption im EAS-Markt wird aber so oder so reagiert werden müssen – produktseitig vor allem in Hinblick auf das User Interfaces (UI) und die User Experience (UX).

Matthias Weber, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens mwbsc clustert die Umbrüche im Markt in drei Segmente:

  • Neue Vertriebswege
  • Neue (junge) Entscheider
  • Neue Allianzen

Cloud und Vertriebswege

Matthias Weber, Geschäftsführer, mwbsc
Matthias Weber, Geschäftsführer, mwbsc (Bild: mwbsc)

Weber verrät kein Geheimnis, wenn er postuliert, dass mit dem Internet und cloud-basierter Software der Boden für neue Vertriebswege bereitet worden ist. Nach seiner Einschätzung werden es vor allem die kleineren Software-Anbieter sein, die von dieser Entwicklung als Verlierer hervorgehen werden. Anbieter sind in diesem Kontext die Vertriebspartner der Software-Hersteller. Als Systemhaus bieten sie weitere Dienstleistungen an und versuchen sich als Full-Service-IT-Lieferant für Unternehmen. Weber geht davon aus, dass sich tendenziell folgende Entwicklung verstärken wird: „Hersteller kaufen ihre Partner, um ihr Angebot vertikal zu erweitern und so als Full-IT-Service-Provider auftreten zu können.“

Große Systemhäuser halten dagegen, schließen sich zusammen, kaufen sich ­gegenseitig auf, um Marktmacht gegenüber ihren Lieferanten zu erhalten. Das Ende vom Lied: „Gerade kleine Anbieter werden verschwinden, wenn sie nicht in Wachstum investieren. Aber auch die großen Anbieter werden gegenseitig mehr in Konkurrenz treten und schließlich kommen noch die Hersteller, die auch mehr vom Kuchen haben wollen.“

Generation Y und ihre Software-Präferenzen

Weitere Disruption geht von neuen und jüngeren Entscheidern und Zielgruppen aus. „Sie erwarten selbsterklärende, einfache und moderne Software, ausgestattet mit Schnittstellen in andere Programme“, stellt Weber fest. Das beschert gegenwärtig den B2B-Startups aus diesem Umfeld Zulauf. „Sie schaffen Microservices, also kleine Bausteine, die zwar nicht breit aufgestellt sind, aber eine sehr hohe Funktionstiefe aufweisen“, so der EAS-Experte. Die Idee dahinter: Ein Unternehmen stellt einen ­Microservice zur Verfügung, der sich horizontal an den einen bestehenden Service angliedert. Am Ende entsteht eine Enterprise-Application-Software-Architektur mit verschiedenen Produkten, die aber hoch integriert arbeiten. Die Devise dahinter ist, das Beste von jedem Hersteller zu nehmen. Ob die jetzigen Hersteller auf den Ansatz noch rechtzeitig aufspringen? Weber sagt: „Nicht alle werden es schaffen.“

Ergänzendes zum Thema
 
„Der Markt für Enterprise Application Software (EAS) ist im Umbruch.“

Neue Abrechnungsmodelle

Es gibt Kunden, die lehnen aus Prinzip oder aus Security-Bedenken heraus Software as a Service generell ab und fordern weiterhin käuflich erwerbbare Dauerlizenzen. Weber weißt in diesem Zusammenhang darauf hin, dass tendenziell gilt: „Je größer der Anbieter ist, desto mehr Lizenzvarianten können dem Kunden angeboten werden.“ Mit ­On-Premises-Lösung kann man dem Security-Aspekt in Kombination mit einer Private Cloud entgegentreten. ­Allerdings wird die Frage nach Dauerlizenzen wohl mit der nächsten Generation von Unternehmenslenkern immer leiser werden. „Generation Y fordert eine andere Art von Software – selbsterklärender, einfacher, moderner und vor ­allem integriert oder mit Schnittstellen in andere Programme.“ Die Frage sei vor diesem Hintergrund eher, ob der Ruf nach nutzungsbasierten oder transaktionsbasierten Abrechnungsmodellen nicht bald lauter erschallen wird.

Starke Branchen-Spezialisierung erwartet

Weber macht sich eine Aussage von Microsoft-CEO Satya Nadella zu eigen, der prophezeite, dass Unternehmen selbst zu Software-Unternehmen werden. Diese Mutation wird zur Gefahr für den ganzen Markt. Wenn Unternehmen anfangen, ihre eigene Software, perfekt angepasst auf Ihre Geschäftsmodell zu entwickeln, tief integriert in die eigenen Produkte und Dienstleistungen, werden Standard-Software-Hersteller überflüssig? Software „von der Stange“ wird dann nur gebraucht, wenn speziell etwas für die Branche vorkonfiguriert oder programmiert wurde. Daher sei im EAS-Markt eine starke Branchen-Spezialisierung zu erwarten. Weber dazu: „Wer seine Stärken und Branchen aber nicht bald erkennt, wird vom Markt verschwinden.“

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