Angetestet: Microsoft Surface Pro 7+ Feintuning beim Microsoft Surface Pro

Autor: Klaus Länger

Nur ein Pluszeichen unterscheidet das Microsoft Surface Pro 7+ vom Vorgänger. Unter der Haube hat sich trotzdem recht viel getan. Wir haben das neue Surface im Hands-on-Test ausgiebig unter die Lupe genommen, um zu sehen, ob sich das Upgrade gelohnt hat.

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Microsoft setzt beim Surface Pro 7+ Intel-Core-Prozessoren der 11. Generation ein. Damit liefert das 2-in-1-Tablet eine deutlich höhere 3D-Leistung, als beim Pro 7 mit seinem Ice-Lake-Prozessor.
Microsoft setzt beim Surface Pro 7+ Intel-Core-Prozessoren der 11. Generation ein. Damit liefert das 2-in-1-Tablet eine deutlich höhere 3D-Leistung, als beim Pro 7 mit seinem Ice-Lake-Prozessor.
(Bild: Microsoft)

Ursprünglich war Surface seitens Microsoft dazu gedacht, neue Formen bei Hardware auszuprobieren und damit der Industrie Impulse zu geben. Teilweise ist das noch so, etwa beim Surface Duo. Beim Surface Pro ist der Hersteller dagegen eher konservativ geworden, was auch damit zu tun hat, dass das 2-in-1-Tablet zu einem sehr gefragten Gerät für Businesskunden geworden ist und man dieser Klientel wohl nicht zu drastische Änderungen zumuten will. Optisch unterscheidet sich das Surface Pro 7+, das der Hersteller auch ausschließlich als B2B-Gerät verkauft, überhaupt nicht vom weiterhin verkauften Surface Pro 7 ohne Plus-Suffix. Beim Innenleben hat sich allerdings schon einiges getan.

Mehr Power durch Tiger Lake

Die technische Basis für das 12,3-Zoll-Windows-Tablet ist nun nicht mehr Ice Lake, also die Intel Core Prozessoren der 10. Generation, sondern dessen Nachfolger Tiger Lake. In unserem Testgerät arbeitet ein ­Intel Core i5-1135G7 mit vier Kernen, acht Threads und bis zu 4,2 GHz Turbo-Takt. Der wichtigste Fortschritt der Tiger-Lake-­G7-Modelle ist allerdings die deutlich schnellere Iris-Xe-Grafikeinheit mit 64 Ausführungseinheiten. Der Prozessor im Surface Pro arbeitet komplett lüfterlos. Der nicht erweiterbare Arbeitsspeicher ist mit 16 GB LPDDR4x für die Geräteklasse großzügig dimensioniert. Die PCIe-SSD fasst 256 GB. Sie ist beim Surface Pro 7x nun ähnlich wie beim Surface Pro X leicht ­erreichbar. Wenn man den Standfuß aufklappt, wird eine magnetisch befestigte Abdeckung sichtbar, hinter der sich die mit einer kleinen Torx-Schraube gesicherte M.2-2230-SSD verbirgt.

Beim Surface Pro 7+ ist die SSD nun hinter einer magnetischen Abdeckung leicht zugänglich.
Beim Surface Pro 7+ ist die SSD nun hinter einer magnetischen Abdeckung leicht zugänglich.
(Bild: Vogel IT-Medien)

Die Systemleistung des ohne Keyboard nur 775 Gramm schweren Tablets reicht mit 4.037 Punkten im PC Mark 10 auch für ­anspruchsvollere Business-Anwendungen leicht aus. Bei der Grafikperformance hat das 7+ ordentlich zugelegt: Im Night-Raid-Lauf des aktuellen 3DMark erzielt es 14.907 Punkte bei bester Leistung in den Energieeinstellungen. Zum Vergleich: Ein Notebook mit einem Core i5-10210U und Intel-UHD-Grafik kommt auf etwa 4.500 Punkte und auch ein Gerät mit einem AMD Ryzen 5 4500U auf knapp über 10.000 Zähler. Bei der Akkulaufzeit erreicht das Surface 5,5 Stunden unter permanenter Last. Die versprochenen 10,5 Stunden bei typischer Nutzung sind ­daher durchaus realistisch.

LTE aber kein Thunderbolt 4

Das hervorragende Display mit 3:2-Seitenverhältnis und einer Auflösung von 2.736 x 1.824 Pixel hat das Tablet vom Vorgänger übernommen. Es unterstützt nicht nur Touch, sondern auch den allerdings optionalen Surface Pen. Dieser bietet nicht nur ein gutes Schreibgefühl, sondern auch einen „Radiergummi” am Ende, mit man zudem per Druck via Bluetooth eine App wie etwa Whiteboard oder OneNote aufrufen kann. Das Display ist sehr hell, allerdings nicht entspiegelt.

Der Pen haftet magnetisch an der linken Seite des Magnesiumgehäuses, in der sonst nur noch die Audiobuchse sitzt. Auf der rechten Seite sind ein USB-C-Port, ­eine USB-A-Schnittstelle sowie der ­kombinierte magnetische Lade- und ­Docking-Anschluss angeordnet. Leider unterstützt der USB-C-Port kein Thunderbolt 4, obwohl der Controller dafür ­bereits Teil des Prozessors ist. Immerhin kann das Tablet wenigstens über USB-C geladen werden, und es unterstützt DisplayPort. Als Kommunikationsschnittstelle bietet das Testgerät neben WiFi 6 und Bluetooth 5.0. Zuständig ist hier der Intel-Chip AX201, auch LTE Advanced. Dabei werden eSIM und Nano-SIM-Karten unterstützt. Allerdings belegt der SIM-Einschub den Platz, den bei der ­reinen WLAN-Variante des Pro 7+ der ­MicroSDXC-Kartenleser belegt. Über dem Display sitzt eine 5-MP-Kamera für Videokonferenzen und die Windows-Hello-Anmeldung, in der Rückseite des Tablets ist eine weitere 8-MP-Kamera eingelassen. Beide liefern eine ordentliche Qualität. Das gilt auch für die beiden ­Mikrofone und die Stereolautsprecher mit Dolby Atmos. Die für ein vernünftiges Arbeiten notwendige Type-Cover-Tastatur mit magnetischer Befestigung ist optional. Trotz ihrer dünnen Bauform kann man auf dem 310 Gramm leichten Keyboard sehr gut tippen.

In der getesteten Version kostet das Tablet 1.849 Euro. Dazu kommen noch mindestens 146 Euro für die Type-Cover-Tastatur und 110 Euro für den Stift.

Sinnvolles Feintuning

Immer öfter wird Microsoft vorgeworfen, dass das Surface Pro von seiner Konzeption her mittlerweile überholt sei. Als Beispiel werden etwa die recht dicken Ränder um das Display genannt oder das Fehlen moderner Schnittstellen. Während der Verzicht auf Thunderbolt 4 wirklich ärgerlich ist, kann man das Gerät durch den dicken Displayrand im Tablet Modus gut halten, ohne in das Panel zu tappen.

Das Surface Pro 7+ bleibt zunächst Business-Kunden vorbehalten. Sie können das Gerät auch mit LTE ordern, so wie bei unserem Testgerät.
Das Surface Pro 7+ bleibt zunächst Business-Kunden vorbehalten. Sie können das Gerät auch mit LTE ordern, so wie bei unserem Testgerät.
(Bild: Vogel IT-Medien)

Außerdem gibt es beim Surface Pro 7+ durchaus sehr willkommene Neuerungen. Die wichtigste ist dabei der Wechsel auf die Tiger-Lake-Plattform von Intel, die neben einer etwas höhere Prozessorleistung vor allem eine für ein Tablet sehr gute 3D-Leistung bringt. Die Akkulaufzeit ist für den Alltagsbetrieb vollkommen ausreichend, und das Gerät arbeitet durch die passive Kühlung lautlos. Weitere Pluspunkte sind die nun einfach ­zugängliche und wechselbare SSD sowie die optionale LTE-Unterstützung. Eine 5G-Option gibt es nicht. Hier hängt ­Microsoft tatsächlich hinterher.

Insgesamt ist das sowieso bereits sehr ­gute Surface Pro in der 7+-Version noch besser geworden. Für Business-Kunden ist es ein empfehlenswertes 2-in-1-Tablet.

Ergänzendes zum Thema
Erfolgreich im B2B-Channel

Robin Wittland, Director Business Group Surface bei Microsoft Deutschland.
Robin Wittland, Director Business Group Surface bei Microsoft Deutschland.
( Bild: Microsoft )

Mit Surface hat sich Microsoft inzwischen fest als wichtiger Rechnerhersteller etabliert, der auch im B2B-Channel erfolgreich ist. Zur Strategie gehört dabei eine schrittweise Erweiterung des Produktportfolios nach oben und nach unten, wie Robin Wittland, Director der Business Group Surface bei Microsoft, betont. So hat die Firma mit relativ günstigen Geräten wie dem Surface Go 2 und dem Surface Laptop Go eine gute Position im Education-Markt ­gewonnen und macht gleichzeitig gute Umsätze in der Premium-Sparte mit Geräten wie dem Surface Pro oder dem Surface Hub. Mit dem Surface Duo kommt ein Dual-Display-­Gerät mit Android. Die Stärke von Microsoft liegt hier laut Wittland in dem integrierten ­Geschäftsmodell für den Modern Workplace und Modern Education, das Hardware, Software und Services aus einer Hand bietet.

Dabei baut der Hersteller die Unterstützung für die Partner weiter aus. Ein externer Dienstleister und Partner Technology Spezialists bei Microsoft selbst helfen bei technischen Fragen. Über die Plattform surface-club.de werden Webinare angeboten.

Ein wichtiges Instrument für den B2B-Channel ist die Bereitstellungslösung Autopilot, die speziell bei Kunden mit Mitarbeitern im Homeoffice die Inbetriebnahme und den Service der Geräte erleichtert. Dabei werden kleinere Partner durch die Distributoren bei der Registrierung unterstützt.

Jörg Kreykamp, Director Surface Commercial bei Microsoft, ergänzt, dass der Umsatz mit Surface für Microsoft und die Partner im vergangenen Jahr zweistellig gewachsen sei und man auch die Zahl der aktiven Partner weiter gesteigert habe. Es sind nun etwa 2.500, davon etwa 200 mit starkem Education-Fokus. Mit Ratiodata gibt es zudem einen ersten ­autorisierten Service Provider für Surface. In der nächsten Zeit soll ein Netzwerk aus autorisierten Service Providern entstehen.

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