Webex Hologram , MS HoloLens & Google Series One Dreidimensionale Begegnungen im Videokonferenzraum

Von Michael Matzer 5 min Lesedauer

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Zoom, MS Teams, Cisco Webex und Google Meet werden auch nach dem Auslaufen der Homeoffice-Pflicht weiterhin verbreitet genutzt. Die entsprechende Hardware ist mittlerweile auch für kleine Unternehmen erschwinglich. Nun hält auch 3D-Technik Einzug in virtuelle Räume.

Fast wie im selben Raum: Virtual und Augmented Reality schaffen eine dreidimensionale Nähe in Videokonferenzen.(Bild:  © nuclear_lily - stock.adobe.com)
Fast wie im selben Raum: Virtual und Augmented Reality schaffen eine dreidimensionale Nähe in Videokonferenzen.
(Bild: © nuclear_lily - stock.adobe.com)

Im Design neuer 3D-Räume für Telekonferenzen und Kollaboration finden mehrere technische Entwicklungen zusammen: AR/VR-Brillen, KI, diverse Geräte für Telekonferenzen und schließlich die Holografie. Die führenden Player bestimmen, wo es bei den Plattformen langgeht, darunter Microsoft, Cisco, Google und Intel. Startups und Spezialisten können dafür ihre Apps entwickeln.

Microsoft

Für den Einsatz von MS Teams bieten Microsoft und seine Partner eine Reihe von Geräten an. Die Integration mit der 2019 erweiterten Mixed-Reality-Technologie von HoloLens 2 lässt aber noch auf sich warten. Die am weitesten entwickelte holografische Confrencing-Ansicht besteht in der HoloLens Mesh App Preview. Sie zeigt zwei miteinander agierende Avatare, deren Darstellung aber noch etwas gewöhnungsbedürftig ist. Immerhin können sich zwei oder mehr „Gesprächspartner“ aber bereits im virtuellen Raum begegnen.

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Die strategische Ausrichtung von HoloLens 2 hat bislang offenbar dem Aufbau eines Katalogs von Apps seitens der Lösungsanbieter gegolten. Diese HoloLens2-Apps erlauben die dreidimensionale Sicht auf reale oder virtuelle Objekte und Avatare. Sie lassen sich in einer Vielzahl von Interaktionsumgebungen mithilfe der HoloLens-VR-Brille nutzen.

Neben dem Gesundheitswesen findet sich insbesondere die industrielle Fertigung vertreten. Einer der bekanntesten Vertreter für VR-Brillen-Apps ist Vuforia, ein Tochterunternehmen des CAD- und IIoT-Spezialisten PTC. Vuforia hatte sein eigenes System von Symbolen und Tokens für Vuforia-Brillen entwickelt, aber mit Vuforia View lässt sich beispielsweise ein mit Sensoren versehenes Motorrad betrachten, das zahlreiche Informationen an die HoloLens-Brille sendet. Ein Mixed-Reality-Interface ist in einer HoloLens-Brille sichtbar und die Interaktion mit diesen Informationen in einem 3D-Raum, um das Motorrad zu warten. Eine weitere App erlaubt es, Vuforia-Apps zu erstellen.

Aber es muss nicht immer HoloLens2 sein, um in der Industrie usw. Mixed-Reality-Technik zu nutzen. Toshiba, Intel und viele weitere bieten solche Holo-Brillen an. Ein Intel-Blog beschreibt die Unterschiede zwischen Augmented-, Virtual- und Mixed-Reality. Folgende Einsatzgebiete nennt Intel:

  • Medizin – für Schulungen, zum Beispiel Simulationen von chirurgischen Eingriffen
  • Film und Fernsehen – für Spielfilme und Shows, um einzigartige Erlebniswelten zu schaffen
  • Virtuelle Reisen – für virtuelle Ausflüge in Kunstmuseen – oder zu einem anderen Planeten, alles von zu Hause aus
  • Profisport – für Trainingsprogramme wie STRIVR https://www.strivr.com/ zur Unterstützung von Profi- und Amateurathleten
  • Gaming – für mehr als 1.000 bereits erhältliche Spiele, von Egoshootern über Strategiespiele bis zu Abenteuer-Rollenspielen

Preise

Der Interessent sollte sich besonders über die Preise informieren, die gerade im Industriebereich schnell vierstellige Beträge erreichen können. Der Einstiegspreis für eine HoloLens-2-Brille mit einem Jahr Garantie liegt bei 3.849 Euro (UVB), die Industrieversion mit zwei Jahren Garantie bei 5.049 Euro (UVB). Wer die in einen Schutzhelm eingebaute Hololens2-Variante XR10 mit Audioausgabe und Geräuschreduzierung erwerben möchte, muss ein gesondertes Angebot einholen.

Google

Google hat sein Produkt „Hangout“ in „Meet“ umbenannt, sodass Teilnehmer nicht mehr „rumhängen“ müssen. „Meet“ entspricht in etwa Microsofts Teams, ist aber um einige KI-Fähigkeiten aufgepeppt worden. Google bietet ja nicht nur das KI-Framework TensorFlow für Deep-Learning an, sondern auch einen entsprechenden Chip, eine TPU. Diese ist in den Geräten zu finden, die Google als „Workspace“ und als „Series One“ vermarktet: Bildschirm, Chromebooks, Terminals, Tischtelefone usw..

Series One Desk 27 ist ein All-in-one-Gerät für Videokonferenzen an Einzelarbeitsplätzen und gemeinsam genutzten Büroplätzen. Series One Board 65 bietet dieselben leistungsstarken Funktionen für kleine bis mittlere Teamräume. Und mit den Series One-Konferenzraum-Kits können Nutzer Konferenzräume jeder Größe einrichten. Die Einrichtung von Hub, Kabeln, Endgeräten und so weiter soll binnen weniger Minuten gelingen.

Alle diese Meet-Geräte, die auch von zertifizierten Partnern angeboten werden, weisen durch der TrueVoice-Technologie eine hohe Klangqualität auf: „Mit der Mehrkanal-Geräuschunterdrückung in Studioqualität werden störende Nebengeräusche herausgefiltert und menschliche Stimmen im gesamten Raum verstärkt“, schreibt Google auf seiner Webseite. Mit der Funktion Automatischer Bildausschnitt werden alle Teilnehmer automatisch heran gezoomt, sodass sie immer gut zu sehen sind.

Mit der „Hey Google“-Sprachsteuerung können Nutzer per Sprachbefehl Videokonferenzen beitreten und sie verlassen, Telefonnummern anrufen und viele andere Aktionen ausführen. Wenn Teilnehmer beispielsweise „Hey Google, nimm an der Besprechung teil“ sagen, werden sie in wenigen Sekunden mit einer Videokonferenz verbunden. Alle Verbindungen werden von der Software geschützt, und wenn ein Teilnehmer vom Sitzungsleiter ausgeschlossen worden ist, kann er oder sie sich nicht noch einmal einwählen.

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„Die Series-One-Hardware erkennt eventuelle Probleme durch Eigendiagnose. Außerdem wird die Firmware aller Komponenten automatisch auf die neueste Version aktualisiert und bestmögliche Videoqualität somit zur Gewohnheit. Und dank Remote-Geräteüberwachung und -verwaltung behalten Administratoren immer den Überblick.“ Das günstigste Meet-Hardware-Kit [PDF] von Google und seinen Partnern Asus, Logitech, Lenovo und Avocor soll etwa 2.000 USD kosten.

Mithilfe der Jamboard-Software können Teilnehmer mit „Google Meet“ Videokonferenzen realisieren, in denen sie gemeinsam an einem virtuellen Whiteboard die Entwicklung von Ideen verfolgen können. Mit der Jamboard App haben sie außerdem die Möglichkeit, selbst aktiv etwas beizutragen.

Wer selbst Google-AR-Apps entwickeln möchte, kann Google ARCore nutzen, eine komplette Entwicklungsplattform. Im Mai 2022 stellte Google mit der ARCore Geospatial API eine Programmierschnittstelle vor, mit der sich räumliche Anwendungen entwickeln bzw. integrieren lassen.

PTC Vuforia for Business

Mit PTC Vuforia for Business können Mitarbeiter in Vertrieb und Marketing die Vuforia-Technologie einsetzen, um ihren Kunden 3D-Ansichten der Produkte oder Services des eigenen Unternehmens zu zeigen. Ein Video zeigt eine Reihe von Vorteilen dieser Nutzung: erhöhter, schneller erzielter Umsatz, erhöhte Kundenzufriedenheit und -sicherheit beim Kauf, Wegfall teurer Informationsbroschüren usw.

Cisco Webex Hologram

PTC Vuforia for Business bietet Augmented-Reality in 3D, aber noch kein Conferencing. Beides findet in der Hologram Machine zusammen, die in der Gesamtlösung Webex Hologram von Cisco eingesetzt wird. Auf der Senderseite wird lediglich die Hologram Machine mit ihren Kameras benötigt, auf der Empfängerseite ein herkömmliches AR/VR-Set, um die 3D-Bilder zu sehen. Das System erlaubt den Austausch virtueller Inhalte in Präsentationen und Schulungen sowie die Zusammenarbeit an gemeinsamen Projekten.

Videokonferenzen sollen künftig nicht mehr nur das Teilen von Präsentationen und den üblichen Flachbildschirm plus Kopfhörer oder Lautsprecher involvieren, sondern den Auftritt des oder der Präsentierenden im Zimmer des Zuschauers. Und zwar in allen drei Dimensionen. Denn das Bild ist ein Hologramm, das über das Webex-Netzwerk übertragen wird. Alles, was der Zuschauer benötigt, sind eine handelsübliche AR/VR-Brille und das Audiozubehör.

Die Funktionsweise hat Cisco-Blogger Cullen Jennings in seinem Blog beschrieben. Das YouTube-Video findet sich ebenfalls auf der Webex-Seite.

Preise

Was die Abogebühren für die Nutzung des Webex-Hologram-Services anbelangt, hat Cisco bereits seine Karten auf den Tisch gelegt: Das Unternehmen nennt monatliche Nutzungsgebühren für kostenlose, Einstiegs-, Business- und Enterprise-Nutzungsklassen. Wer jährlich zahlt, spart 10 Prozent der Gebühr. Die Startergebühr liegt bei 13,50 USD, die für Business beim ungefähr Doppelten.

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