Channel Fokus: Digital Learning & Homeschooling DigitalPakt 2.0: IT für das Homeschooling

Autor: Klaus Länger

Die Covid-19-Pandemie hat den ursprünglichen DigitalPakt Schule über den Haufen geworfen. Plötzlich waren Konzepte und IT-Ausstattung für den Fernunterricht gefragt. Für den Channel winken üppige Aufträge, wenn er die Anforderungen der Schulen erfüllen kann.

Firmen zum Thema

Ein sinnvolles Homeschooling muss interaktiv sein. Und dafür benötigen die Schüler passende Mobilrechner.
Ein sinnvolles Homeschooling muss interaktiv sein. Und dafür benötigen die Schüler passende Mobilrechner.
(Bild: charles taylor - stock.adobe.com)

Die Digitalisierung des Bildungswesens war lange Jahre zwar ein hehres Ziel, aber sie kam nie richtig vom Fleck. Es waren meist engagierte einzelne Lehrkräfte oder Schulleiter, die entsprechende Projekte für die intensive Nutzung digitaler Geräte wie Notebooks oder Tablets im Unterricht anschoben. In den meisten Schulen ­beschränkte sich die IT-Ausstattung dagegen auf veraltete PCs im Computerraum und im schlimmsten Fall sogar auf Rechner, die noch originalverpackt im Keller verstauben. Ein wesentlicher Hemmschuh war häufig die fehlende IT-Infrastruktur an den Schulen: Oft keine Breitbandanbindung und erst recht kein WLAN in den Klassenräumen. Zudem waren viele Schulen mit Aufgaben wie Installation und Support überlastet, da diese von einzelnen Lehrkräften „nebenher” erledigt werden mussten.

Ergänzendes zum Thema
Schüler wünschen sich die Digitalisierung der Schulen

Bei Schülern rangiert der Wunsch nach durch die Schulen gestellten Mobilrechnern danz oben.
Bei Schülern rangiert der Wunsch nach durch die Schulen gestellten Mobilrechnern danz oben.
( Bild: Statista )

Eine Umfrage vom Frühjahr 2020 von mehr als 500 Schülern weiterführender Schulen im Auftrag von Bitkom belegt, dass die Digitalisierung der Schulen auch von den Schülern gewünscht wird. Generell wurde der fehlende Einsatz digitaler Medien sogar als das dringlichste Problem an der Schule benannt. Ganz ober auf der Wunschliste der Schüler steht der Wunsch nach mobilen Endgeräten, dann der nach digitalen Lerninhalten. Etwa die Hälfte der Befragten hatte den Eindruck, dass die Lehrkräfte digitalen Medien ablehnend gegenübersteht. Das sollte sich im vergangenen Jahr geändert haben.

Holpriger Start für den DigitalPakt 1.0

Mit dem DigitalPakt Schule wurden im Mai 2019 durch den Bund und die Länder insgesamt 5,5 Milliarden Euro für eben diese fehlende Infrastruktur bereitgestellt. Fünf Milliarden Euro kommen dabei vom Bund, den Rest steuern die Länder bei. Mit dem Geld sollten sepa­rate Netzwerke für die Klassenräume aufgebaut und digitale Whiteboards oder intelligente Displays beschafft werden. Der Kauf von Notebooks oder Tablets für Schüler war dagegen nur in Ausnahmefällen vorgesehen. Von den Geldern wurde allerdings bisher nur ein kleiner Teil durch die Schulträger abgerufen. Zum ­einen ist die Antragstellung durch die ­Erstellung eines detaillierten Medienentwicklungsplans sehr kompliziert, zum anderen dauerte die Bearbeitung der Bildungsministerien recht lange. Vor ­allem aber hat die Covid-19-Pandemie ­alle Planungen über den Haufen geworfen: Plötzlich waren Infrastruktur und Rechner für ein umfassendes Homeschooling notwendig. Statt WLAN in den Klassenzimmern benötigten die Lehrkräfte Werkzeuge für Videokonferenzen und ­digitale Zusammenarbeit.

Laut dem statistischen Bundesamt verfügten 2019 immerhin 99,4 Prozent aller deutschen Haushalte mit Kind oder Kindern mindestens über einen Computer. Stark verbreitet sind dabei vor allem Notebooks und Tablets. Allerdings sagt die Statistik nichts darüber aus, wie funktionstüchtig die Geräte sind und ob sie für mehre Kinder ausreichen. Daher schafften im vergangenen Jahr viele Familien eilends Notebooks oder Tablets an. Gekauft wurde dabei alles, was an günstigen Geräten verfügbar war, unabhängig davon, wie gut sie tatsächlich für den Fernunterricht geeignet sind. Und es gibt natürlich immer noch genügend Familien, die sich gar keine neuen Rechner für ihre Kinder leisten können, was diese vom Fernunterricht faktisch ausschließt.

Ergänzendes zum Thema
Wie gut läuft die Digitalisierung der Schulen?

Sebastian Weitzel, Mitglied der Geschäftsleitung bei Rednet
Sebastian Weitzel, Mitglied der Geschäftsleitung bei Rednet
( Bild: Rednet )

„Gut läuft, dass der Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung spätestens mit der Corona-Pandemie verstanden worden ist, in der Politik, als auch konkret bei den Verantwortlichen vor Ort“, sagt Sebastian Weitzel, Mitglied der Geschäftsleitung von Rednet, einem führenden IT-Systemhaus im Bildungssektor.

Rednet hat sich auf Digitalisierungsprojekte der öffentlichen Hand spezialisiert. Das Systemhaus begleitet Schulträger und ihre Schulen über die gesamte Projektlaufzeit; angefangen bei den pädagogischen und technischen Aspekten im Rahmen der Medienentwicklungsplanung.

„Die Kunst ist es, nicht nur Hardware von A nach B zu liefern. Dies muss vielmehr im Rahmen eines sinnvollen Gesamtkonzepts geschehen und im Einklang mit medienpädagogischen Vorgaben stehen. Herausfordernd ist im Schulwesen, die bestehende IT-Infrastruktur zu berücksichtigen und ein geeignetes Betriebs- und Supportkonzept gemeinsam mit den Verantwortlichen vor Ort zu entwickeln. Es braucht zudem geeignete Weiterqualifizierungen, sowohl für IT-Verantwortliche beim Schulträger als auch für Lehrkräfte an den Schulen“, erläutert Weitzel zur Strategie seiner Firma.

Digitalpakt 2.0: Mobilrechner für Schüler und Lehrer

Bund und Länder haben daher auf die veränderte Situation mit zusätzlichen Förderprogrammen reagiert, die den DigitalPakt Schule erweitern. Bereits seit Mitte 2020 in Kraft ist das Sofortausstattungsprogramm mit einem Volumen von 500 Millionen Euro für Schüler-Endgeräte, die nach dem Königsteiner Schlüssel auf die Bundesländer verteilt werden, die insgesamt weitere 50 Millionen Euro beisteuern. Es ist für Notebooks, Convertibles oder Tablets bestimmt, die den Schülerinnen und Schülern leihweise zur Verfügung gestellt werden. Bisher nicht abgerufene Mittel werden in das Jahr 2021 übertragen. Weitere 550 Millionen Euro sollen für Leihgeräte ausgegeben werden, mit denen die Lehrkräfte arbeiten sollen. So müssen diese dann nicht mehr ihre privaten Rechner verwenden. Diese Vereinbarung wurde am 1. Februar 2021 durch die Bundesbildungsministerin Anja Karliczek unterschrieben.

Ergänzendes zum Thema
Der E-Learning-Markt boomt

Mithilfe einer App eine Sprache lernen oder per Videotelefonie ein Sprachtandem absolvieren: Das Lernen und auch Lehren mithilfe von digitalen und elektronischen Medien ist ein alter Hut. Laut dem Branchenmonitor „E-Learning-Wirtschaft“ des Forschungs- und Beratungsinstituts mmb ist die E-Learning-Branche seit Jahren im Wachstum. In Deutschland macht über die Hälfte des E-Learning-Markts das Anbieten und Verkaufen von digitalen Lerninhalten und E-Learning-Kursen aus. Und in Zeiten von Abstandhalten und öffentlichen Einschränkungen sind Online-Kurse nur so aus dem Boden gesprossen. Vor allem die Schul- und Universitätsschließungen beleben den Markt von Lernplattformen und spielerischen Tools für das virtuelle Lernen. Doch nicht nur private Kurse, sondern auch die betriebliche Weiterbildung finden nun virtuell statt. Einer Befragung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung führen zwei Drittel der deutschen Unternehmen ihre Weiterbildungen virtuell durch, nur ein Drittel versendet Schulungsunterlagen per Post. 35 Prozent der befragten Betriebe nutzten jetzt zum ersten Mal ein E-Learning-Angebot, und 44 Prozent bauten die vorhandenen Möglichkeiten aus. E-Learning als Alternative zu Präsenzveranstaltungen wird sich sicher auch in Zukunft weiter ausbauen. amy

Alle großen Hersteller und auch einige kleinere Anbieter haben für den Bildungssektor eigene Geräte oder zumindest Modellvarianten im Angebot. Neben Windows-Notebooks oder Convertibles spielen hier auch iPads eine große Rolle, da es hier ein umfangreiches Software-Ökosystem gibt. Mit Jamf gibt es zudem einen Lösungsanbieter für das Geräte­management. Die in den USA im Schulwesen dominierenden Chromebooks sind dagegen in Deutschland bei den Beschaffungen durch die Schulträger kaum vertreten, auch wenn Google hier viel Energie in das Marketing investiert.

An einer stärkeren Verbreitung von Android-Tablets arbeitet vor allem Samsung. Die Firma hat mit „Neues Lernen“ gemeinsam mit Partnern ein Lösungspaket aus Geräten, Support und Inhalten geschnürt. „Samsung Knox“ sorgt für Sicherheit und Gerätemanagement.

Für Windows-Rechner hat beispielsweise­ Fujitsu mit Securon eine eigene Plattformlösung im Portfolio, die die Bereitstellung von Inhalten, Tools für die digitale Kommunikation und ein umfassendes Management abdeckt. Microsoft hat gemeinsam mit der Telekom ein Bildungspaket für Schulen angekündigt, das aus Endgeräten, Office-365-Lizenzen und ­Installationshilfen besteht. Die Telekom soll dabei Anleitungen für eine DSGVO-konforme Nutzung geben. Aber auch die anderen Hersteller beziehungsweise deren Partner haben neben den Geräten auch Managementpakete und passende Lernsoftware im Portfolio.

Robuste Notebooks sind gefragt

Seit Anfang des Jahres wurden etliche neue Geräte speziell für den Bildungssektor angekündigt. So bringt Dell für Schüler das Latitude 3120 mit 11,6-Zoll-HD-Display auf den Markt. Es kommt in zwei Versionen, als Clamshell- und als 2-in-1-Notebook, mit robustem Gehäuse und einem versiegelten, flüssigkeitsresistenten Keyboard. Von HP kommt das ähnlich ausgestattete Convertible-Notebook Probook x360 11 G7 EE. Auch hier soll ein robustes, metallverstärktes Gehäuse dem rauen Schulalltag standhalten. Zudem kann das Gerät mit handelsüblichen Desinfektions­tüchern gereinigt werden.

Für Lehrkräfte ist ab sofort das Acer Travel­mate Spin P4 verfügbar. Es ist ein 14-Zoll-­Convertible mit Tiger Lake, LTE und ebenfalls robustem Aluminium-Magnesium-Gehäuse.

Bildergalerie

In einschlägigen Foren werden die Notebooks für den Education-Sektor von hardwareaffinen Usern oft harsch kritisiert: Dort heiß es dann, die Geräte seien lahm, zu klein, zu teuer und die breiten Rahmen um die Displays gingen gar nicht. Derartige Kritikpunkte zeigen aber nur, dass diese Anwender von ihren eigenen Anforderungen ausgehen und nicht davon, was für Schüler notwendig ist. Sie benötigen robuste Geräte, die auch einen Sturz oder einen Wasserguss verkraften und die für Kinderhände geeignet sind. Schließlich handelt es sich hier um Leihgeräte. Die Leistung der Celeron- oder Pentium-Prozessoren ist bei den genutzten Anwendungen vollkommen ausreichend. Wichtiger hingegen sind ein zentrales Management und umfassende Serviceleistungen durch ein betreuendes Systemhaus.

Zusätzliches Geld für Admins und Dienstleister

Ein drittes Zusatzpaket zum DigitalPakt Schule mit einem Volumen von ebenfalls 500 Millionen Euro seitens des Bundes soll die Betreuung und Wartung der mit dem DigitalPakt und den beiden Zusatzvereinbarungen geförderten Anschaffungen abdecken. Das Geld ist dabei nicht nur zur Verstärkung der internen IT-Administration, sondern auch für Dienstleister bestimmt.

Ergänzendes zum Thema
DigitalPakt Schule: Erfahrungen im Channel

Kay Müller vom Hersteller und Distributor Bluechip und Hans-Christoph Frommann von Weis IT-Systeme zu ihren konkreten Erfahrungen mit der Umsetzung des DigitalPakts und der Rolle des Channels dabei.

Kay Müller, Leiter Projektmanagement bei Bluechip.
Kay Müller, Leiter Projektmanagement bei Bluechip.
( Bild: Bluechip )

Hans-Christoph Frommann, Geschäftsführer von Weis IT Systeme.
Hans-Christoph Frommann, Geschäftsführer von Weis IT Systeme.
( Bild: Weis IT Systeme )

ITB: Mit dem DigitalPakt Schule sollte ursprünglich die IT-Infrastruktur in den Schulen ausgebaut werden. Mit der Pandemie war dann plötzlich Heimunterricht gefragt. Wie ist der Umstieg gelaufen?

Müller: Deutschland hinkt bei der Digitalisierung der Bildungseinrichtungen im weltweiten Vergleich hinterher. Dies betrifft vor allem die Schulinfrastruktur, welche die Bedürfnisse der modernen Unterrichtsgestaltung oftmals nicht gewährleistet.

Diese Defizite wurden durch die Pandemie schonungslos offengelegt und verschärft. Schon 2019 hat das Bildungsministerium mit dem DigitalPakt Schule ein millionenschweres Förderprogramm geschnürt und entsprechende Gelder bereit gestellt.

Diese wurden zum Großteil noch nicht abgerufen, da die Formulierung der komplexen Förderanträge und deren Bearbeitung viel Zeit in Anspruch nimmt. Der Umsetzungsgrad ist immer noch gering.

Bedingt durch die Pandemie wurden im vergangenen Jahr noch weitere Förderprogramme aufgesetzt, die primär auf die sofortige Anschaffung von Endgeräten abzielen. So stehen beispielsweise je 500 Millionen Euro für die Anschaffung von Notebooks für Schüler und Lehrer zur Verfügung und es wurden zusätzliche Gelder für die IT-Administratoren bereit gestellt.

Der Education Markt ist durch sein millionenschweres Volumen sehr interessant, aber durch das föderale Bildungssystem regional sehr unterschiedlich organisiert und nicht einfach zu adressieren.

Frommann: Durch den Digitalpakt werden endlich notwendige Strukturen an den Schulen geschaffen. Zudem werden nicht mehr einfach Rechner gekauft, nur um Budgets aufzubrauchen. Wir haben an Schulen Geräte gesehen, die vor Jahren gekauft und nicht einmal ausgepackt wurden. Mit dem DigitalPakt gab es endlich eine sinnvolle Planung, auch wenn die oft zu viel Zeit gebraucht hat. Bei der Beschaffung der Notebooks für Schüler und Lehrer waren natürlich erst einmal die Lieferketten ein Problem. Und dann war die Infrastruktur dem Ansturm nicht gewachsen, was man an den zusammenbrechenden Schulservern gesehen hat. Auch das zuständige IT-Personal ist überlastet. Aber das konnte tatsächlich niemand vorhersehen. Es sind sicher noch ein oder zwei Jahre notwendig, bis die benötigte Infrastruktur steht, hier müssen auch die Eltern Geduld zeigen. Positiv ist, dass unserer Erfahrung nach fast alle Lehrkräfte bereit sind, sich auf die Nutzung digitaler Werkzeuge einzulassen.

ITB: Ist der Aufwand für Antragstellung und Ausschreibung für das Sofortprogramm Endgeräte ähnlich aufwendig, wie beim ursprünglichen DigitalPakt? Und welche Rolle spielen die Partner bei der Antragstellung?

Frommann: Die Verfahren sind vereinfacht worden. So wurden die Grenzen für beschränkte Ausschreibungen, bei denen einzelne Systemhäuser zur Angebotsabgabe aufgefordert werden, merklich angehoben, was die Beschaffung spürbar erleichtert. Sie unterscheiden sich allerdings von Bundesland zu Bundesland deutlich und reichen von 25.000 bis zu 250.000 Euro pro Projekt. Bei der Antragstellung helfen wir mit, allerdings ohne Garantie, dann auch den Zuschlag zu bekommen.

Müller: Ausschreibungen sind immer herstellerneutral formuliert. Die Schulträgern orientieren sich hier an entsprechend passenden Referenzgeräten.

Diese Planungsphasen müssen natürlich auch begleitet werden, von den Systemhauspartnern, den Herstellern und Distributoren.

Wir bei Bluechip begleiten den Education-Markt schon seit vielen Jahren als Education Solution Spezialist mit passenden Lösungspaketen und unterstützen unsere Partner von der Planung bis hin zum Roll-out um den speziellen Anforderungen der Schule und im Homeschooling gerecht werden.

(ID:47045950)

Über den Autor

 Klaus Länger

Klaus Länger

Redakteur