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Banking der Zukunft mit KI

Digitale Einkaufsfinanzierung für den deutschen Mittelstand

| Autor: Lisa Jasmin Nieberle

Garry Krugljakow bietet mit seinem Startup VAI Trade eine unkomplizierte und digitale Alternative zu traditionellen Bankkrediten.
Garry Krugljakow bietet mit seinem Startup VAI Trade eine unkomplizierte und digitale Alternative zu traditionellen Bankkrediten. (Bild: VAI Trade)

Das Berliner Fintech-Startup VAI Trade will mit seiner digitalen On-Demand-Wareneinkaufsfinanzierung das Wachstum des Mittelstands vorantreiben. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) vereinfacht den Ablauf.

Nach der Insolvenz seines gehypten Startups um die Payment-App Cookies tummelt sich Szenekopf Garry Krugljakow nun wieder im Startup-Geschäft. Die Idee des von ihm mitbegründeten Fintechs VAI Trade ist folgende: Zwischen Wareneinkauf und -verkauf entstehen bei kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMUs) immer wieder finanzielle Engpässe. Für „normale“ Banken ist diese Art der Finanzierung eher unattraktiv – zu gering sind die Beträge, zu kurz die Laufzeiten. An dieser Stelle kommt das Berliner Fintech-Startup zum Einsatz. Es will KMUs mit einer bankenunabhängigen, alternativen und digitalen Wareneinkaufsfinanzierung unterstützen.

Die Plattform wurde 2017 vom Company Builder Bridgemaker, der Berliner Volksbank und Garry Krugljakow gegründet und zählt mittlerweile über 2.000 registrierte Kunden.

Der größte Teil der VAI-Kunden kommt aus dem Handel (71,8 %).
Der größte Teil der VAI-Kunden kommt aus dem Handel (71,8 %). (Bild: VAI Trade)

Wo Banken nicht greifen: Der Mini-Kredit

Seitdem können Unternehmen einen Finanzierungsantrag über Beträge von 250 Euro bis 50.000 Euro stellen – ein Mini-Kredit also. Nach einer erfolgreichen digitalen Bonitätsprüfung kann der Kunde frei über das Geld verfügen und es entweder auf einmal oder verteilt ausgeben. Das gewährleistet kurzfristige Liquidität und Flexibilität. „Im Schnitt werden etwa 10.000 Euro gezogen“, erklärt der Gründer. VAI Trade klinkt sich in den Handel mit ein, indem das Startup aus rechtlicher Sicht als Intermediär zwischen Lieferant und Einkäufer auftritt und die Rechnung des Lieferanten unverzüglich begleicht. Die Ware wird daraufhin sofort an den Kunden weiterverkauft. Dieser hat dann 180 Tage Zeit, das Geld zurückzuzahlen. Er kann aber auch vom sogenannten Ratenrückzahlungsmodell Gebrauch machen: zahlt er beispielsweise 5.000 Euro zurück, hat er 5.000 Euro „wieder gut“.

Insgesamt sind die Gebühren deutlich günstiger als bei einer klassischen Bankfinanzierung. Wird die Rechnung innerhalb von 30 Tagen bezahlt, wird nur eine geringe Transaktionsgebühr mit dem Lieferantenskonto verrechnet. „Wir müssen mindestens zwei Prozent verdienen, das kommunizieren wir auch ganz transparent. Wenn der Skonto höher ist als das, kann es dazu kommen, dass wir den Skonto an unseren Kunden weitergeben oder keine Gebühr mehr verlangen müssen. Das ist einmalig in der Branche.“ Verlängert sich die Rückzahlung um mehr als 30 Tage, wird ein Service-Entgelt erhoben, das mit KI-Unterstützung errechnet wird. Dabei spielen unter anderem die Kreditwürdigkeit oder das gewünschte Zahlungsziel eine Rolle. Die Antragsstellung ist kostenlos.

Kunden können Finanzierungsanfragen von 250 Euro bis 50.000 Euro per Smartphone-App oder über die Website stellen.
Kunden können Finanzierungsanfragen von 250 Euro bis 50.000 Euro per Smartphone-App oder über die Website stellen. (Bild: VAI Trade)

In jeder Hinsicht digital

Mehr als 75 Prozent der Anfragen werden via Smartphone übermittelt, wobei auch über die Website Kontakt aufgenommen werden kann. Hat der Kunde alle notwendigen Unterlagen für die digitale Bonitätsprüfung übermittelt, dauert es nach erfolgreicher Prüfung maximal 24 Stunden bis das Geld fließt. Fragt ein Kunde an, der schon einmal geprüft wurde und der Neuantrag die ursprüngliche Summe nicht übersteigt, erfolgt die Freigabe innerhalb weniger Minuten. Liegt die benötigte Summe unter 7.500 Euro, dauert es sogar nur ein bis zwei Stunden, da nur ein Kriterium geprüft werden muss. Das Ziel: eine Freigabe in (quasi) Echtzeit mithilfe von KI.

Apropos KI: In Zukunft sollen noch ein intelligenter Ratenrechner, Echtzeit-Überweisungen der Lieferantenrechnung oder eine Echtzeit-Kontoanalyse integriert werden. Generell sieht Krugljakow hier den großen Wettbewerbsvorteil gegenüber Mitbewerbern: „Keiner ist so durchdigitalisiert wie wir.“

Hin zur Verkaufsfinanzierung?

Zwar konzentriert sich das Unternehmen momentan vornehmlich auf den Ausbau der Einkaufsfinanzierung; allerdings ist auch VAI nicht entgangen, dass das Handelsvolumen mit IT-Hardware eher ab- als zunimmt. Momentan muss es sich bei der eingekauften Ware noch um physische Güter handeln. Digitale Güter oder Dienstleistung können aktuell nicht finanziert werden. Doch das könnte sich in Zukunft ändern: Muss ein Unternehmen beispielsweise aufgrund der Umstellung auf Managed Services finanzielle Einbußen einfahren, könnte sich das Startup auch vorstellen, in die komplementäre Rolle des Verkaufsfinanzierers zu schlüpfen. „Potenziell wäre das absolut auch ein Betätigungsfeld. Da bewegen wir uns schon langsam in Richtung Factoring, was man auch als Verkaufsfinanzierung beschreiben kann. Als Komplettierung zu unserem Geschäftsmodell kann das durchaus Sinn ergeben“, erklärt Krugljakow. Im September dieses Jahres ist VAI Trade eine Kooperation mit der VR Factorem, eine Tochter der VR Leasing, die unter anderem auch Factoring anbieten, eingegangen.

Der Refinanzierungspartner VR Factorem stellt eine höhere Millionensumme zur Vergabe weiterer Finanzierungen zur Verfügung. „VAI hat uns mit seinem durchdachten Geschäftsmodell überzeugt und der Erfolg des ersten Jahres stützt unsere Einschätzung“, erklärt Olaf Dierksmeier, Vertriebsleiter der VR Factorem.

Keine Konkurrenz zur Distribution

Den Channel mag das Geschäftsmodell vielleicht an Services erinnern, die man so auch von der Distribution kennt. Krugljakow sieht da aber keine Konkurrenz: „Die Distributoren bieten solche Services oft nur für Bestandskunden und bei einer Summe, die wesentlich höher ist als unsere. VAI hingegen lebt hauptsächlich von Neukunden und bietet Finanzierungen schon zu wesentlich geringeren Beträgen – also auch für ganz kleine Kunden. Wir fühlen uns wohl in unserem kleinen unteren KMU-Segment.“

Weitere Informationen zur digitalen On-Demand-Einkaufsfinanzierung von VAI Trade finden Sie hier.

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