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Channel Fokus: Komponenten & Peripherie Das Geschäft mit Zentrum und Peripherie

Autor: Klaus Länger

Für viele IT-Systemhäuser und Fachhändler stand der Verkauf von PC-Komponenten und ­Peripherie in den 1990er Jahren am Anfang ihrer Geschäftstätigkeit. Die IT-Landschaft hat sich seitdem gewandelt. Aber der Handel mit Hardware gehört immer noch zum Business.

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PC-Komponenten wie Prozessoren und Mainboards sind zwar zentrale Bestandteile eines jeden Rechners, spielen aber nur noch bei einem kleineren Teil des IT-Fachhandels eine entscheidende Rolle.
PC-Komponenten wie Prozessoren und Mainboards sind zwar zentrale Bestandteile eines jeden Rechners, spielen aber nur noch bei einem kleineren Teil des IT-Fachhandels eine entscheidende Rolle.
(Bild: juanjo - stock.adobe.com)

Die Schillerstraße in München war in den 1990er Jahren ein Eldorado für die Käufer von Computern oder PC-Komponenten. Dicht an dicht waren hier die Läden zu finden, bei denen die neusten Mainboards, Grafikkarten, Festplatten, Netzteile und PC-Gehäuse in den Schaufenstern lagen. Aber auch in anderen Städten waren IT-Fachhändler mit Ladenlokal zu finden. Oft boten diese Händler auch PCs mit Eigenmarke an, deren Konfiguration sich der Kunde weitgehend selbst zusammenstellen konnte. Heute sind die meisten dieser Läden verschwunden. Die Gründe dafür sind vielfältig: Zum ­einen ist die Nachfrage von Privatkunden nach Notebooks und vor allem nach PCs generell zurückgegangen, da die Rechner über einen längeren Zeitraum hinweg ­genutzt oder komplett durch ein Smartphone ersetzt werden. Zum anderen ist die Zahl der Kunden, die PCs aufrüsten oder selbst bauen, zurückgegangen. Firmenkunden rüsten in der Regel nicht selbst auf, sondern ersetzen veraltete oder zu schwache Rechner komplett.

Komponenten: Primär private Endkunden als Abnehmer

Das Komponenten-Geschäft leidet seit Längerem unter den Lieferproblemen von Intel bei manchen Desktop-Prozessoren, die auch die Nachfrage nach den zugehörigen Mainboards, Speichermodulen und weiterer Hardware beeinträchtigen. Der Grund dafür lag primär in der Verzögerung beim Umstieg auf eine 10-Nanometer-Fertigung bei Prozessoren. Sie war schon vor Jahren geplant und soll erst im Laufe dieses Jahres mit Ice Lake wirklich in Gang kommen. Die im vergangenen Jahr gestarteten Cannon- Lake-Prozessoren wurden nur in minimaler Stückzahl produziert. Die 14-Nanometer-Fabs müssen nicht nur alle Prozessoren herstellen, sondern auch noch einen Teil der Chipsätze. Daher arbeiten sie an der Kapazitätsgrenze. Zudem hat sich Intel bei der Planung verkalkuliert. So wurden zu wenige Wafer für Desktop-CPUs hergestellt, da der Hersteller von einer höheren Nachfrage nach Server-CPUs ausgegangen ist.

Zeitweise knappes Gut: Desktop-CPUs von Intel
Zeitweise knappes Gut: Desktop-CPUs von Intel
(Bild: Intel)

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Intel-Verknappung als Problem – Björn Siewert im Interview

Das Komponenten-Geschäft leidet unter Lieferschwierigkeiten von Intel und geht in Richtung der E-Tailer, erklärt Björn Siewert vom Distributor Siewert & Kau.

ITB: Spielt das Komponenten-Geschäft für Ihre Partner noch eine große Rolle?

Siewert: Es gibt einen aktiven Komponenten-Markt, aber er ist rückläufig. Ein Problem in der letzten Zeit sind die Lieferschwierigkeiten von Intel speziell bei Entry- und Mainstream-Prozessoren. Die wirken sich natürlich auf die komplette Nachfrage aus, denn wenn man die CPU nicht nicht zu einem vernünftigen Preis kaufen kann, fällt das Geschäft mit zusätzlichen Komponenten wie Mainboard, Grafikkarte oder RAM eben auch weg. Zudem waren Mainboard-Chipsätze auch knapp, was viele gar nicht wissen. AMD hat zwar durch steigende Marktanteile profitiert, aber nicht genug, um die fehlenden Intel-CPUs zu kompensieren.

ITB: Ist das Geschäft mit Mainboards, Prozessoren und Grafikkarten für Heimanwender, die sich ihren PC noch selbst zusammenbauen, dann eher bei E-Tailern angesiedelt?

Siewert: Der stationäre Fachhandel ist rückläufig, der Shift geht ganz klar Richtung E-Tailer, die auch teilweise ein Filialnetz aufbauen. Die können auch viel schneller auf Marktentwicklungen reagieren und greifen dabei auf uns oder Mitbewerber zurück, um ihre Lagerkosten zu minimieren. IT-Fachhändler ab einer gewissen Größe gehen in das Lösungsgeschäft, werden also zu Systemhäusern.

ITB: Erwarten Sie durch das Support-Ende für Windows 7 eine steigende Nachfrage nach typischen Upgrade-Komponenten wie SATA-SSDs oder RAM-Modulen?

Siewert: Das hängt davon ab, wo die Rechner stehen. Bei Firmen werden eher die kompletten Rechner ausgetauscht, da sie oft sowieso abgeschrieben sind. Bei Privatanwendern rüsten eher die Gamer ihre Maschinen auf. Aber hier ist nicht der Umstieg auf Windows 10 das Thema, sondern die Upgrades erfolgen permanent. Insgesamt sollten aber natürlich auch Privatanwender auf Windows 10 umsteigen, weil es schlicht ein Sicherheitsaspekt ist.

Björn Siewert ist einer der Geschäftsführer von Siewert & Kau.
Björn Siewert ist einer der Geschäftsführer von Siewert & Kau.
( Bild: Siewert & Kau )

Allerdings gibt es gerade unter Gamern und PC-Enthusiasten eine höhere Nachfrage nach AMD-Prozessoren, die seit der Einführung diverser Ryzen-Modelle auch wieder konkurrenzfähig sind. Die Preise für Grafikkarten haben sich seit dem ­Ende des Mining-Booms wieder normalisiert, und es gibt einige attraktive neue Modelle von AMD und noch mehr von Nvidia. Für Nachfrage sorgen auch die sinkenden Preise für Arbeitsspeicher und SSDs. Bei Flash-Medien wirkt sich die ­inzwischen gut laufende Produktion von 3D-NAND positiv aus. Zudem sind immer mehr Mainboards mit M.2-Schnittstellen für schnelle NVMe-SSD ausgestattet, die gleich mit erworben werden. Generell sind private Endkunden, die ­ihre PCs selbst bauen oder nach eigenen Wünschen bauen lassen, bereit, mehr Geld für hochwertige Prozessorkühler, Netzteile und Gehäuse auszugeben. Teilweise werden von diesen auch Wasserkühlsysteme und aufwändige Beleuchtungslösungen eingesetzt. Bei Eingabegeräten ist die ­Investitionsbereitschaft ebenfalls höher, etwa in Keyboards mit mechanischen Schaltern oder in Gaming-Mäuse, die sich durch Gewichte individuell anpassen lassen. Bei Monitoren liegen Geräte mit größeren Diagonalen, 4K-Auflösung und teilweise auch gekrümmten Panels oder Widescreen-Format im Trend.

Ergänzendes zum Thema
Nachfrage im Gaming-Sektor – Thomas Fritsche im Interview

Für Thomas Fritsche, Gesamtvertriebsleiter bei Api, hat der IT-Fachhandel vor allem durch seine Beratungskompetenz eine Chance.

ITB: Spielt das Komponenten-Geschäft für Ihre Partner aus dem IT-Fachhandel noch eine große Rolle, oder dominiert hier eher die Nachfrage nach Peripherie-Produkten wie Eingabegeräten, Monitoren oder Druckern?

Fritsche: Das Komponenten-Geschäft spielt immer noch eine große Rolle im IT-Fachhandel. Speziell im Gaming-Segment ist die Nachfrage nach individuell zusammengestellten PCs weiterhin groß. Aber gerade Gamer legen auch höchsten Wert auf hochwertige Eingabegeräte und Monitore, sodass auch hier die Nachfrage weiterhin hoch ist und auch stabil bleibt.

ITB: Ist das Geschäft mit Mainboards, Prozessoren und Grafikkarten für Heimanwender, die sich ihren PC noch selbst zusammenbauen, dann eher bei E-Tailern angesiedelt?

Das ist durchaus verschieden. Ich denke, dass man diese Frage am ehesten mit sowohl als auch beantworten kann. Der eine Heimanwender informiert sich online, hat vielleicht schon mehr Erfahrung beim Bau von PCs und bestellt sich seine Komponenten beim E-Tailer. Es gibt aber auch genügend andere, die lieber zu ihrem Fachhändler des Vertrauens gehen und sich bei der Auswahl des passenden Prozessors, Mainboards und der für sie richtigen Grafikkarte beraten lassen möchten. Natürlich ist beim Komponenten-Geschäft insgesamt schon ein gewisser Wandel in Richtung online spürbar.

ITB: Erwarten Sie durch das Support-Ende für Windows 7 eine steigende Nachfrage nach typischen Upgrade-Komponenten wie SATA-SSDs oder RAM-Modulen?

Fritsche: Wenn man davon ausgeht, dass schätzungsweise in Deutschland noch PCs im zweistelligen Millionenbereich mit Windows 7 in Betrieb sind, und man sich überlegt, wie alt diese Produkte inzwischen sind, könnte das Supportende im Januar 2020 schon eine steigende Nachfrage nach neuerer Hardware auslösen. Es gibt mit dem Support-Ende auch einen ganz konkreten Grund, sich bewusst für modernere und schnellere Upgrade-Komponenten zu entscheiden, vor allem, da sie ja durchaus erschwinglich sind.

Frank Fritsche, Gesamtvertriebsleiter und Mitglied der Geschäftsleitung beim Distributor Api.
Frank Fritsche, Gesamtvertriebsleiter und Mitglied der Geschäftsleitung beim Distributor Api.
( Bild: Vogel IT-Medien )

Private Endkunden bedienen sich beim Kauf von Komponenten oder auch Peripherie-Geräten allerdings schon seit Jahren größtenteils bei E-Tailern oder auf Handelsplattformen. Elektronik-Fachmärkte stellen hier ebenfalls eine Konkurrenz dar, leiden aber selbst unter den reinen Online-Anbietern, die mit niedrigeren Kosten operieren können. Daher haben viele der klassischen IT-Fachhändler entweder ihr Geschäft aufgegeben, oder sie haben sich auf das Produkt- und Lösungsgeschäft mit Firmenkunden spezialisiert. Hier ist allerdings kein Ladengeschäft in Innenstadtlage nötig, und das Komponenten-Geschäft spielt allenfalls noch eine untergeordnete Rolle. Die verbliebenen Fachhändler, die noch private Endkunden bedienen, verkaufen inzwischen natürlich auch online. Sie ­haben allerdings das Problem, dass die Margen bei PC-Komponenten und auch bei Peripheriegeräten immer knapper werden, und dass sie mit Anbietern konkurrieren, die günstiger einkaufen und auch schneller auf Preisänderungen reagieren können. Eine zentrale Forderung der Teilnehmer an unserer Panel-Umfrage ist daher die nach niedrigeren Einkaufspreisen oder nach einem Mindestpreis, den auch reine Online-Händler zahlen sollen. Problematisch in diesem Zusammenhang ist die wachsende Präsenz chinesischer Händler auf Plattformen wie dem Amazon Marketplace oder Ebay, die mit teilweise extrem niedrigen Verkaufspreisen operieren. Für die Kunden kann der Kauf bei solchen Anbietern problematisch werden, da die Waren nicht selten falsch deklariert werden und dann erst einmal beim Zollamt landen.

Peripherie-Geschäft: Auch für Systemhäuser ein Thema

Bei Peripherie-Geräten sieht die Situation etwas anders aus als bei Komponenten, da sie auch im Firmenumfeld eingesetzt und dabei auch im Rahmen von Projekten gekauft werden. Beispiele sind hier etwa Netzwerk-Komponenten wie Switches oder Kabel, oder auch Monitore, Eingabe-Peripherie und Docking-Stations. Auch bei Firmen, die von Desktop-PCs auf Notebooks umgestellt haben, werden aus Gründen der Ergonomie zusätzliche große Monitore, zunehmend im Widescreen-Format, sowie Keyboards und Mäuse genutzt. Bei Monitoren oder Docking-Stationen rücken Geräte mit USB-C-Anschluss in den Fokus der Kunden. Sie lassen sich universell einsetzen und sehr schnell anschließen.

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