Suchen

Channel Fokus: Digital Workplace & Mobility Das digitale Office wird mobil und kollaborativ

Autor: Klaus Länger

Die fortschreitende Digitalisierung verändert die Arbeitswelt der Büro- und Wissensarbeiter. Sie wird flexibler und weniger an einen Ort gebunden. Damit ändern sich die Werkzeuge: Hier stehen zunehmend Mobilität, Kollaboration und As-a-Service-Konzepte im Zentrum.

Firmen zum Thema

Ein Teil der Weiterentwicklung des digitalen Arbeitsplatzes, ist die Möglichkeit, überall mobil zu Arbeiten – wobei die fehlende Atmosphäre hier Grenzen setzen würde.
Ein Teil der Weiterentwicklung des digitalen Arbeitsplatzes, ist die Möglichkeit, überall mobil zu Arbeiten – wobei die fehlende Atmosphäre hier Grenzen setzen würde.
(Bild: © Leo Lintang - stock.adobe.com)

Das klassische Büro mit festem Arbeitsplatz und einem Desktop-PC auf oder ­neben dem Schreibtisch steht noch nicht auf der roten Liste der aussterbenden ­Arten, sondern ist vielfach immer noch die Norm. Allerdings verändert sich durch die fortschreitende Digitalisierung in einer wachsenden Zahl von Unternehmen die Art und die Organisation der Büro­arbeit in Richtung „New Work”. Bei Firmen mit einem hohen Anteil an Heim­arbeitern gibt es teilweise gar keine festen Büros mehr, sondern nur noch persönliche Rollcontainer für die Beschäftigten und einen Pool an Tischen mit den nötigen Anschlüssen für das Notebook oder das 2-in-1-Tablet. Oft kommen die Angestellten auch gar mehr für die tägliche ­Büroarbeit in die Firma, sondern nur für Meetings. Viele Firmen richten für diese Treffen Huddle-Rooms ein, die natürlich auch mit Videokonferenzsystemen ausgestattet sind, um die Mitarbeiter einzubinden, die für direkte Meetings zu weit entfernt sind. Die Auflösung fester Abteilungsstrukturen und damit der Bedarf nach mehr Mobität innerhalb der Firma entsteht durch agile Arbeitskonzepte mit interdisziplinären Projektgruppen. In den vergangenen Jahren ist eine „Gig Economy” entstanden, die keineswegs nicht nur aus schlecht bezahlten Content- oder Code-Lieferanten besteht, die über Online-Plattformen gebucht werden, sondern auch aus hochqualifizierten und entsprechend entlohnten Experten, die temporär für Projekte gebucht werden.

Das Post-PC-Zeitalter kommt noch nicht

Das wichtigste Arbeitsgerät ist in Firmen immer noch der PC, allerdings immer ­öfter in seiner mobilen Ausprägung als Notebook oder 2-in-1-Rechner. Dass das vielfach beschworene Post-PC-Zeitalter bisher nicht eingetreten ist und das wohl auch nicht so bald passieren wird, zeigt eine aktuelle Studie des Beratungs- und Marktforschungsunternehmens Canalys, die dem weltweiten PC-Markt im dritten Quartal 2019 ein Plus von 4,7 Prozent ­bescheinigt – das stärkste Wachstum seit dem ersten Quartal 2012. Allerdings haben zu dieser Entwicklung einige kurzfristige Effekte beigetragen, die dazu führen könnten, dass sich der Verkauf im kommenden Quartal schon wieder abschwächt. Einer der Effekte ist das bevorstehende Support-Ende von Windows 7, ein anderer der Handelsstreit zwischen den USA und China, der laut Canalys ­viele Händler dazu verleitet, in China produzierte Geräte auf Lager zu legen, um möglichen Preissteigerungen durch Strafzölle zu entgehen. Im EMEA-Raum fällt das Wachstum im PC-Markt mit etwa zwei Prozent gedämpfter aus.

Ergänzendes zum Thema
Wie weiter mit Windows 7?

Für viele Unternehmen wird der 14. Januar 2020 ein einschneidendes Datum. Denn an ­diesem Tag beendet Microsoft den allgemeinen Support für Windows 7 und damit die weitere Versorgung mit Software und vor allem auch Sicherheitsupdates.

Auslaufmodell: Windows 7 wird aufs Altenteil geschickt.
Auslaufmodell: Windows 7 wird aufs Altenteil geschickt.
( Bild: Microsoft )

Unternehmen, die bis zu diesem Tag den Umstieg auf Windows 10 oder ein anderes Betriebssystem noch nicht geschafft haben, bleiben zwei Möglichkeiten, für Windows 7 weiter Updates zu erhalten und es so weiter nutzen zu können. Die erste sind die kostenpflichtigen „Extended Security Updates“ (ESU), die noch bis zum Jahr 2023 laufen. Allerdings ist dieses Angebot auf Volumenlizenzverträge mit Windows 7 Professional oder Enterprise beschränkt. Abgerechnet wird je Rechner, und die Kosten verdoppeln sich mit jedem Jahr. Die konkreten Preise für die Fortführung des Sicherheitsupdates werden wohl mit den Kunden individuell ausgehandelt.

Die zweite Option ist eher für Unternehmen geeignet, die zwar den Umstieg auf Windows 10 schaffen, aber für bestimmte Anwendungen unbedingt noch Windows 7 benötigen. Sie können das betagte Microsoft-Betriebssystem im Rahmen einer Desktop-Virtualisierung via Windows Virtual Desktop nutzen. Die „Extended Security Updates“ (ESU) sind allerdings auch hier notwendig und müssen separat ­erworben werden. Die virtualisierten Rechner laufen dann auf Microsofts Azure-Cloud und werden über das Azure-Portal konfiguriert.

Als weiteren Ansporn für einen Umstieg auf Windows 10 wird Office 365 auf Windows 7 nach dem 14.1.2020 zwar weiterhin nutzbar sein, seine Komponenten werden allerdings nur noch Sicherheitsupdates erhalten. Die ­Voraussetzung für Funktionsupdates ist laut der „Modern Lifecycle Richtlinie“, dass die Kunden „gemäß den Wartungs- und Systemanforderungen” von Office 365 auf dem neuesten Stand sein müssen. Und das wird mit dem Auslaufmodell Windows 7 ab dem kommenden Jahr nicht mehr gegeben sein.

Das deckt sich mit Zahlen von Gartner aus dem September, die allerdings für das gesamte Jahr 2019 von einem Minus von 3,7 Prozent beim Absatz von digitalen Endgeräten ausgehen. Dieser Rückgang betrifft aber keineswegs nur PCs und Notebooks, sondern ebenso Smartphones und Tablets mit Android oder iOS. Gerade im Firmenumfeld wird der stationäre oder mobile Windows-Rechner auch keineswegs durch das Smartphone ersetzt, was bei vielen Privatanwendern tatsächlich der Fall ist, sondern die unterschiedlichen Geräte werden komplementär genutzt. In vielen Firmen haben flexible Hybrid-Cloud-Modelle die herkömmliche Client-Server-Architektur abgelöst. Damit haben sie eine Grundlage für einen ortsunabhängigen digitalen Arbeitsplatz geschaffen, bei dem die Mitarbeiter mit verschiedenen Geräten und an unterschiedlichen Orten auf die von ihnen benötigten Unternehmensdaten zugreifen und im Team arbeiten können. Das Smartphone dient als Kommunikationsmittel über verschiedene Kanäle hinweg oder zum schnellen Zugriff auf Informationen. Für intensivere Tätigkeiten wird das dafür besser geeignete Notebook, 2-in-1-Gerät oder der PC genutzt, auch wenn Smartphone-Hersteller ihre Geräte mit einer Docking-Station zu PC-Ersatz machen wollen.

Business im Casual-Look

Gerade jüngere Fachkräfte wollen sich nicht in das Korsett starrer Arbeitszeiten und Büroumgebungen pressen lassen, sondern ziehen eine flexible Work-Life-Balance vor. Wenn sie dann auch noch über Qualifikationen verfügen, die von den Arbeitgebern dringend benötigt ­werden, dann erwarten die Angehörigen der „Millenials“-Generation in schickes, leichtes und in ein möglichst dünnes Aluminium- oder Magnesium-Gehäuse gekleidetes Premium-Notebook, -Convertible oder -Detachable als Arbeitsgerät.

Der Surface Neo von Microsoft ist ein Vorläufer einer neuen Gerätegattung. Er soll ein Vorbild für ähnliche Geräte anderer Hersteller sein.
Der Surface Neo von Microsoft ist ein Vorläufer einer neuen Gerätegattung. Er soll ein Vorbild für ähnliche Geräte anderer Hersteller sein.
(Bild: Microsoft)

Die PC-Hersteller haben diesen Trend schon seit geraumer Zeit erkannt und bieten ­Geräte an, die den Look hochklassiger Consumer-Modelle mit den Management-Funktionen von Business-Rechnern kombinieren. Inzwischen wird selbst bei sehr flachen Geräten darauf geachtet, dass die Partner nach dem Lösen einiger Schrauben selbst den Akku wechseln und die SSD entfernen können. Diese Entwicklung kommt auch den Refurbishern entgegen, die mit hochintegrierten Geräten, bei denen die Gehäuse teilweise verklebt statt verschraubt sind, ihre liebe Mühe haben.

Eine neue Gerätegattung für Anwender, die für die Bearbeitung digitaler Inhalte wie 4K-Videos, hochauflösender Bilder oder 3D-Modelle schnelle Prozessoren und Grafikkarten benötigen, sind die sogenannten Creator-Notebooks und PCs. Sie basieren nicht selten auf Gaming-Rechnern oder Workstations, sind aber im Gegensatz zu diesen in Gehäuse mit attraktivem und schlichtem Design gekleidet.

Ergänzendes zum Thema
Früher Vogel: Surface Neo

Microsoft hat am 4. Oktober mit dem Surface Neo ein neuartiges Dual-Display-Convertible vorgestellt, das erst Ende 2020 auf den Markt kommen soll. Die Adressaten dieser vorzeitige Präsenta­tion sind wohl nicht nur die Endkunden, sondern auch die Hersteller, denen Microsoft damit eine Inspiration für eigene Geräte dieser neuartige Rechnerkategorie liefern will, ähnlich wie es beim ursprünglichen Surface Pro der Fall war.

Das Neo ist ein extrem dünnes Gerät mit zwei Touchscreens und einem 360-Grad-Scharnier. Die beiden Displays mit Stifterkennung sind jeweils 9 Zoll groß und ergeben damit zusammen die ­Fläche eines 13-Zoll-Displays. Für die Eingaben längerer Texte ist man nicht auf ein Onscreen-­Keyboard angewiesen, das bei bisherigen Dual-Display-Ansätzen immer ein Problem war, sondern kann dafür eine „richtige” Tastatur verwenden. Das sehr flache Keyboard kann entweder extern genutzt oder im Notebook-Modus einfach auf den unteren Touchscreen aufgelegt werden. Diesen Trick hat Intel ­bereits auf der diesjährigen Computex bei der Technologiestudie „Twin River“ gezeigt. Beim Surface Neo ermöglicht das Keyboard sogar zwei Nutzungsmodi. Nach oben geschoben eignet es sich für die Office-Arbeit. Der freie Teil des unteren Touchscreens wird dabei zu einem Touchpad. Nach unten geschoben ist der verbleibende Teil des Touchscreens über der Tastatur als kleines Zweitdisplay nutzbar. Als Prozessor nutzt Microsoft eine kommende Hybrid-CPU, die Intel unter dem Codenamen „Lakefield” in 3D-­Chiplet-Bauform entwickelt. Sie kombiniert die sparsamen „Tremont”-Atom-Cores mit einem leistungsstarken „Sunny Cove”-Core.

Maximale Mobilität steht dagegen bei Mobilrechnern mit ARM-Prozessor und integriertem LTE-Modem im Mittelpunkt. Microsoft hat für diese Geräte mit Windows 10 on ARM eine eigene Betriebssystemversion geschaffen, die für x86-Prozessoren kompilierte Software in einem Emulationsmodus ausführt. Die Emulation kostet allerdings Leistung und ist zudem auf 32-Bit-Software limitiert. Das ist wohl der Grund dafür, dass die ARM-Notebooks oder Convertibles trotz sehr langer Akkulaufzeit den Durchbruch bisher noch nicht geschafft haben.

Kommunikation, Kollaboration und Management

Ein Kernbestandteil von New Work sind Kommunikations- und Kollaborations­lösungen, die auf allen Arten von Geräten zur Verfügung stehen sollten. Dabei kommen nicht nur PCs, Notebooks, Tablets und Smartphones zum Einsatz, sondern auch interaktive Whiteboards. Allerdings sollten Firmen dabei nicht vergessen, dass Telefon und E-Mail gerade in der Außendarstellung immer noch wichtige Kommunikationsmittel sind und wohl auch noch lange Zeit bleiben.

Das übergreifende Management von Windows-Rechnern und Smartphones ist eine­ Anforderung, die immer mehr Firmen an die eigene IT-Abteilung oder den betreuenden Dienstleister stellen. Dass ITK-Systemhäuser hier ein wachsendes Geschäft sehen, zeigt auch unsere Panel-Umfrage, bei der 88 Prozent der Teilnehmer ein übergreifendes Management als „wichtig” oder „sehr wichtig” einstufen. Vor allem Geräte, die nicht nur beruflich, sondern auch privat genutzt werden, müssen in ein Management- und Security-Konzept eingebunden werden, um für den Betriebsablauf kein unkalkulierbares Risiko darzustellen. In der Firma oder im Homeoffice kann bei manchen Aufgaben der Einsatz von Thin Clients statt herkömmlicher Desktop-PCs den Verwaltungs­aufwand und die Gefahr digitaler Angriffe reduzieren, da hier auf dem Client nur ein einfach zu wartendes Minimalbetriebssystem läuft. Applikationen und Daten bleiben hier bei einer VDI-Lösung im Rechenzentrum oder bei Desktop-as-a-Service-Angeboten auf einer entsprechend abgesicherten Cloud-Plattform.

As-a-Service-Konzepte für den digitalen Arbeitsplatz

In eine ähnliche Richtung gehen modular aufgebaute Workplace-as-a-Service-Konzepte auf Subskriptionsbasis, die Desktop, Cloud und teilweise auch die benötigte Hardware kombinieren. Meist sind diese Konzepte rund um Office 365 oder Microsoft 365 herum aufgebaut und ergänzen die Desktop- und Cloud-Software um automatisierte Installations- und Wartungs-Services. Systemhäuser und Fachhandel können hier auf Angebote von Distributoren und Herstellern zurückgreifen, um ihren Kunden ein maßgeschneidertes Angebot zu machen und auch die Finanzierung zu regeln.

Einen Schritt weniger weit gehen die ­Device-as-a-Service-Modelle, die einige PC-Hersteller in der letzten Zeit eingeführt haben. Mit ihnen sollen die Kunden die Möglichkeit bekommen, ihren Hardwarebestand über die Laufzeit hinweg ­flexibel an ihren tatsächlichen Bedarf ­anzupassen, was bei vielen Workplace-as-a-Service-Modellen mit Leasing-Verträgen in dieser Form nicht möglich ist. ­Device as a Service soll mit Planung, ­Konfiguration, Ausrollen, Management, ­Support und schließlich Abholung der Geräte ihren kompletten Lebenszyklus abdecken.

Mit Device as a Service halten auch Big ­Data und Analytics Einzug ins Geräte­management. Auf den Rechnern installierte Agenten sammeln Informationen über den Zustand der Geräte und des Betriebssystems, die dann anonymisiert und mittels Machine-Learning-Verfahren ausgewertet werden, um so Probleme bereits im Vorfeld zu erkennen und fehlerhafte Komponenten zu tauschen, bevor ein ­Gerät ausfällt. Das ist speziell bei Mitarbeitern wichtig, die viel unterwegs sind oder im Home Office arbeiten. Einige DaaS-Angebote enthalten sogar Selbst­bedienungsautomaten für Verbrauchsmaterial und Zubehör oder auch den IT-Service beim Kunden.

(ID:46144314)

Über den Autor

 Klaus Länger

Klaus Länger

Redakteur