Aktueller Channel Fokus:

Digital Transformation

Titelstory Cisco, Interview

Cisco aktiviert den Channel für das neue Netz

| Redakteur: Michael Hase

Das Entwicklungszentrum OpenBerlin gehört zu den Investitionen, mit denen Cisco die Digitalisierung in Deutschland vorantreibt.
Das Entwicklungszentrum OpenBerlin gehört zu den Investitionen, mit denen Cisco die Digitalisierung in Deutschland vorantreibt. (Bild: Cisco)

Die Digitalisierung erfordert andere Netzwerkstrukturen, betont Oliver Tuszik, Deutschlandchef bei Cisco, im Gespräch mit IT-BUSINESS. Beim Aufbau der neuen Netze zählt der Hersteller auf die gesamte Bandbreite seiner Partner.

ITB: Herr Tuszik, Sie haben selbst lange bei einem Systemhaus gearbeitet. Wie beurteilen Sie heute, nach vier Jahren auf Herstellerseite, den Channel?

Tuszik: Die Partner leben in einer spannenden Zeit! In immer mehr Dingen steckt heute IT, und alles wird miteinander vernetzt, sodass der adressierbare Markt täglich wächst. Den meisten Systemhäusern geht es daher gut. Zwar wird das Geschäft für sie nicht unbedingt einfacher. Aber ihre Möglichkeiten nehmen zu.

ITB: Inwiefern schafft Cisco mit dem neuen, intuitiven Netz, das der Anbieter im Juni vorgestellt hat, weitere Möglichkeiten für den Channel?

Tuszik: Zunächst einmal ist die Idee dahinter, dass wir Unternehmen durch mehr Automatisierung und selbstlernende Systeme die Möglichkeit geben, ihre Netze ganzheitlich zu managen und so mehr Fokus auf ihre Business-Anwendungen zu ­legen. Auf der einen Seite verfügen IT-Organisationen über weniger Budget. Zeit hat sowieso keiner mehr, und es gibt zu wenig Leute. Auf der anderen Seite haben wir mehr Systeme, die wir verbinden, mehr Endgeräte, mehr Applikationen, die verwaltet werden müssen. Obendrein wird die IT zunehmend durch Angriffe bedroht. Und nicht zuletzt brauchen wir mehr Flexibilität und Agilität. Das intuitive Netz liefert eine Antwort darauf, wie sich der Spagat bewältigen lässt, der notwendig ist, um all diese Anforderungen erfüllen zu können. Darin liegt eine riesige Chance für unsere Partner.

Oliver Tuszik, Deutschlandchef bei Cisco, bezeichnet die aktuelle Technologie-Offensive des Herstellers als „riesige Chance“ für Partner.
Oliver Tuszik, Deutschlandchef bei Cisco, bezeichnet die aktuelle Technologie-Offensive des Herstellers als „riesige Chance“ für Partner. (Bild: Oana Szekely)

Ergänzendes zum Thema
 
Zur Person

ITB: Worin besteht diese Chance konkret? Welche Leistungen müssen Systemhäuser dafür erbringen?

Tuszik: Unternehmen stellen ihr manuell gemanagtes Netz nicht über Nacht auf ein hochgradig automatisiertes Netz um. Dazu brauchen sie eine Migrationsstrategie. An dem Punkt kommen unsere Partner ins Spiel, die ihre Kunden bei der Entwicklung und Umsetzung solcher Strategien beraten und unterstützen. Dabei können sie den Unternehmen konkret aufzeigen, wie Management-Prozesse durch unseren Ansatz vereinfacht und beschleunigt, wie dadurch die Sicherheit erhöht wird und wie Administratoren angesichts der zunehmenden Anzahl von Endpunkten im Netz die Kontrolle zurückgewinnen. Die Resonanz der Partner auf unsere Ankündigung im Juni war extrem positiv. Der Channel wartet auf solche Innovationsschübe.

ITB: Bei der Allgegenwärtigkeit von IT, der zunehmenden Vernetzung reden wir über die Digitalisierung, durch die die deutsche Wirtschaft, wie Sie nicht müde werden zu betonen, ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit sichern kann. Sind die deutschen Unternehmen in puncto Digitalisierung schnell genug unterwegs?

Tuszik: Es passiert gerade etwas, das wir bisher noch nicht erlebt haben. Deshalb können wir nicht sagen, ob wir schnell oder langsam sind. In Summe sehe ich in Deutschland einen positiven Trend. Für die Digitalisierung besitzt unser Land mit einer Industriequote von 23 Prozent extrem großes Potenzial. Darin liegt zugleich eine Bedrohung: Wenn wir bei der Digitalisierung nicht mitmachen, laufen wir Gefahr, dass uns andere überholen. In vielen Marktsegmenten sind deutsche Unternehmen die Nummer eins. Die Welt besteht daher für uns aus lauter Angreifern. Wir sind nicht unbedingt langsam. Aber draußen gibt es einige, die schneller sind. Nehmen Sie das Beispiel Tesla. Der Hersteller baut zwar noch relativ wenige Autos. Doch das Geschäftsmodell ist disruptiv. In der Breite haben deutsche Unternehmen allerdings erkannt, dass sie etwas tun müssen. Und sie investieren viel – beispielsweise in Ver­netzung oder intelligente Verfahren zur Datenanalyse.

ITB: Durch Vernetzung entsteht mehr ­Angriffsfläche. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Cyber-Kriminelle in Unternehmensnetze eindringen. Lässt sich das Risiko beherrschen?

Tuszik: Eindeutige Antwort: ja! In der Security hat man früher den Ansatz verfolgt, die Mauer so hoch zu ziehen, dass niemand mehr reinkommt. Heute müssen wir akzeptieren, dass Angreifer den Schutz überwinden können. Die Konsequenz daraus muss sein, dass man einen Eindringling, wenn er im System ist, so schnell wie möglich identifiziert, sein Verhalten versteht und ihn unschädlich macht. Dazu ist unser selbstlernendes Netz in der ­Lage. Grundfalsch wäre es, wenn sich Unternehmen wegen der Sicherheitsproblematik nicht mit Digitalisierung befassen würden. Wir können das Risiko zwar nicht ganz ausschalten. Aber wir können durch technische Lösungen die Wahrscheinlichkeit, dass Angreifer ins Netz eindringen, und die Auswirkungen der Angriffe reduzieren.

ITB: Bei der Digitalisierung geht es nicht nur um Technologie, sondern auch um Geschäftsprozesse. Wie verändert sich dadurch die Rolle der Partner?

Tuszik: Technologische Leistungen werden noch auf absehbare Zeit einen großen Teil des Geschäfts unserer Partner ausmachen. ­Natürlich kommen wir jetzt an den Punkt, wo sie mit Anforderungen aus den Fachbereichen konfrontiert werden. Das klassische Geschäft verschwindet deswegen aber nicht. Mit unserem neuen Ansatz zielen wir gerade darauf ab, die Fähigkeiten des Netzwerks an die Anforderungen der Digitalisierung anzupassen. Wir schaffen die Flexibilität, die digitale Geschäfts­modelle brauchen. Und wir stellen Administratoren die Tools bereit, mit denen sie die Netze ihrer Unternehmen sicherer machen können.

ITB: Wie sehen die Leistungen der Partner konkret aus, wenn klassische Tätigkeiten wie Konfiguration und Fehlerbehebung automatisiert werden?

Tuszik: Eine große Aufgabe unserer Partner wird darin liegen, Netzwerk-Policies für ihre Kunden zu definieren. Automatisierung und Selbstlernern erfordern nach wie vor einen gewissen Input. Generell sehen wir ein wachsendes Geschäftsfeld für den Channel im Fog Computing. Nach unserer Einschätzung wird ein zunehmender Anteil der Daten in Zukunft nicht in der Cloud verarbeitet werden, sondern dort, wo sie entstehen – in Maschinen, in Verkehrsanlagen, in Systemen zur Gebäudesteuerung. Dafür statten wir Router mit einem zweiten Betriebssystem aus, auf dem spezifische Anwendungen laufen. Eine interessante Aufgabe der Partner wird sein, für solche Fog-Computing-Szenarien individuelle Lösungen zu entwickeln.

ITB: Bei Systemhäusern ist die Entwicklungskompetenz eher weniger ausgeprägt. Werden für Cisco damit andere Partnertypen wie ISVs wichtiger als ­Infrastruktur-Spezialisten?

Tuszik: Natürlich verändert sich der Channel. Die traditionellen Partner werden für Cisco aber nicht unwichtiger. Es kommen lediglich andere hinzu, die sich mit neuen, immer häufiger durch Software getriebenen Themen befassen. Wir können die Leistungen, die unsere Kunden heute benötigen, allerdings nur dann erbringen, wenn Hardware, Software und Services richtig zusammenspielen. Deshalb werden wir weiterhin die gesamte Bandbreite der Partner nach Kräften unterstützen. Und wir werden ihnen weiterhin Möglichkeiten bieten, wie sie profitabel mit uns zusammenarbeiten können. Denn wenn es den Partnern gutgeht, geht es auch Cisco gut.

Kommentare werden geladen....

Sie wollen diesen Beitrag kommentieren? Schreiben Sie uns hier

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44807015 / Hersteller)