Horizonte 2021: Fujitsu Big in Japan

Autor: Klaus Länger

Fujitsu betont derzeit die Identität als japanisches Unternehmen. Aus Japan kommen auch Konzepte wie der Service-Hub und der Fokus auf das Beratungsgeschäft, in denen der deutsche Channel allerdings noch seinen Platz finden muss.

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Fujitsu setzt stärker auf Services und betont gleichzeitig die Identität als japanisches Unternehmen mit Tugenden in der Tradition der Samurai.
Fujitsu setzt stärker auf Services und betont gleichzeitig die Identität als japanisches Unternehmen mit Tugenden in der Tradition der Samurai.
(Bild: f11photo - stock.adobe.com)

Japan galt in den 1980er-Jahren, ähnlich wie China heute, als Industrienation, die sich anschickt, technologisch die Spitze zu übernehmen und so das Weltgeschehen zu bestimmen. Derartige Zukunftsvisionen formulierte beispielsweise der SF-Autor William Gibson in seinen Cyberpunk-Romanen, und die deutsche Band Alphaville landete 1984 mit dem Song „Big in Japan” einen Nummer-1-Hit.

Die Vision einer japanisch dominierten Welt hat sich nicht erfüllt. Japan ist zwar eine der führenden Industrienationen, setzt aber eher auf Kooperation, als auf ­Dominanz. Das spiegelt sich auch in der Strategie von Fujitsu wider, die beispielsweise stark auf Co-creation setzt, also auf kollaboratives Engagement. Die japanische Identität betont der Konzern ebenfalls mit der Kampagne „Im Herzen ein Samurai“, mit der Fujitsus Product-Channel-Chef Santosh Wadwa aufzeigen will, dass sich seine Firma an typischen Samurai-Tugenden orientiert und diese gemeinsam mit den Partnern umsetzen will.

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Von ARM bis SPARC: Fujitsu als Prozessorhersteller

Fujitsu produziert bereits seit vielen Jahren eigenen SPARC-CPUs, deren aktuelle Generation in den eigenen M10-Mainframes eingesetzt werden. Daneben widmet sich der Konzern auch zukunftsträchtigeren Konzepten wie etwa ARM-Prozessoren für Supercomputer. So bildet der in diesem Jahr vorgestellte A64FX die Basis für Fugaku, den derzeit schnellsten Supercomputer. Der Prozessor mit 48 CPU-Kernen für Computing-Workloads und bis zu vier weiteren Kernen für unterstützende Aufgaben wurde speziell für Supercomputing entwickelt. Er wird ebenfalls in den PrimeHPC-Modellen FX1000 und FX700 eingesetzt.

Im Fugaku, dem derzeit schnellsten Supercomputer, arbeiten A64FX-ARM-Prozessoren von Fujitsu.
Im Fugaku, dem derzeit schnellsten Supercomputer, arbeiten A64FX-ARM-Prozessoren von Fujitsu.
( Bild: Riken )

Zudem hat Fujitsu mit dem Digital Annealer einen Chip entwickelt, der mit herkömmlicher Digitaltechnologie ähnliche kombinatorische Aufgaben in der Logistik, der Produktionsoptimierung oder im Finanzwesen lösen kann, wie ein Quantencomputer. Mit dem Quanten-inspirierten Chip will ­Fujitsu die Lücke bis zum Zeitpunkt schließen, an dem „echte”, voll funktionstüchtige und praxis­taugliche Quantenchips zur Verfügung stehen, was derzeit noch nicht der Fall ist. Eine weitere Entwicklung des japanische Herstellers ist ein KI-Chip mit dem Namen Deep Learning Unit (DLU).

Weniger Partner – aber die mit mehr Umsatz

Mit der Schließung des Augsburger Werks im September hat sich Fujitsu gleichzeitig von einem weiteren Teil der Siemens-Tradition verabschiedet. Die Produktion der Desktop-Rechner, Server und Storage-Systeme findet nun in Asien statt, die Endmontage bei den tschechischen Lohnfertigern. Die Notebooks wurden schon seit Jahren komplett in Japan hergestellt. Das Produktgeschäft nimmt für Fujitsu weiterhin einen hohen Stellwert ein. Bedingt durch die Covid-19-Pandemie gab es einen Rückgang bei der Industrie und eine Delle beim Mittelstand, während das Geschäft mit öffentlichen Auftraggebern gut lief. Im Bildungswesen, der Verwaltung und dem Gesundheitswesen gab es eine enorme ­Beschleunigung bei der Digitalisierung. Die Pandemie hat sich auch auf die Partnerlandschaft ausgewirkt, erklärt Wadwa weiter: „Wir haben festgestellt, dass wir während Covid etwas die Partnerbreite ­verloren haben.“ Es gab wohl eine gewisse Konsolidierung bei kleinen Systemhäusern. Allerdings sei die Anzahl der Partner, die mit Fujitsu ein Umsatzwachstum erzielen konnten, gestiegen.

Service Hub: Ab Oktober 2021 für den Channel

Bei vielen Systemhäusern hat vor allem das Geschäft mit Services zugelegt, was für ­Fujitsu eine Bestätigung der Strategie mit starken Fokus auf die hybride Cloud und auf Consulting ist. Mit dem bei Fujitsu Central Europe entwickelten Service Hub hat der Konzern eine Plattform für Managed IT-Services gestartet, mit der die Kunden nicht nur Zugriff auf Managed Services von Fujitsu erhalten, sondern auch auf die ­Angebote anderer Software-as-a-Service-Anbieter und der großen Hyperscaler. Die Auswahl verschiedener Dienste erfolgt über eine einheitliche Benutzeroberfläche ähnlich wie in einem Online-Shop. Durch eine weitgehende Modularisierung und Automatisierung soll die Bereitstellung komplexer Services, wie etwa individuell konfigurierter SAP-Umgebungen, in nur einem oder wenigen Tagen möglich sein. Normalerweise kann das mehrere Wochen dauern.

In Deutschland ist der Launch für April 2021 geplant. Den Anfang machen dabei Bestandskunden des Fujitsu-Rechenzentrums in Neckarsulm, die schrittweise auf die neue Plattform migriert werden. Danach ­folgen Großkunden aus verschieden vertikalen Segmenten, für die Fujitsu eigene ­Beratungsleistungen etabliert.

Santosh Wadwa, Head of Product Channel Sales Central Europe bei Fujitsu.
Santosh Wadwa, Head of Product Channel Sales Central Europe bei Fujitsu.
(Bild: Fujitsu/yveskrier.com)

Für die Partner wird der Service Hub voraussichtlich ab Oktober 2021 aktuell. Hier müssen noch die Services definiert werden, die für den Channel interessant sind. Laut Wadwa spielt hier das Co-creation-Konzept eine zentrale Rolle, um hier gemeinsam mit den Partnern passende Lösungen zu erarbeiten. Die Distribution soll ebenfalls eingebunden werden. Wie das passieren soll, ist aber noch offen. „Die Einbindung in einem Drei-Tier-Modell ist noch deutlich herausfordernder als bei einer Zwei-Tier-Thematik mit wenigen ausgewählten Partnern”, erläutert dazu der Product-Channel-Chef. Etwa 95 Prozent der Partner sind über die Distribution angebunden. Daher müsse hier der Hersteller noch viel Energie investieren, um die Plattform gemeinsam aufzubauen. Das Thema Consulting wird ebenfalls ­gemeinsam mit den Partnern entwickelt, damit hier auch die Systemhäuser ihren Platz finden. Das Ziel ist dabei, „gemeinsam eine Basis für den Channel der Zukunft aufzubauen”, so Wadwa weiter. Datacenter als Service steht bei Fujitsu ebenfalls auf der Agenda, derzeit gibt es aber eher eine starke Nachfrage nach Leasing-Angeboten.

Neue Partnerplattform und Homeoffice-Konfigurator

Im Januar 2021 startet Fujitsu den ersten Layer der neuen Partner-Ecosystem-Plattform, auf der Partner zusammenkommen können, um individuelle Kompetenzen zu bündeln. Interessant ist das laut Wadwa vor allem für kleinere Partner, die so gemeinsam Kunden erreichen können, die sie allein nicht bedienen könnten. Ein zweiter Layer folgt Mitte des Jahres. Die neue Plattform steht allen Partnern offen. Allerdings sollen Select-Expert-Partner Vorteile bei der Sichtbarkeit genießen. Ein weiteres neues Angebot für Partner ist der Home­office Konfigurator. Mit ihm können Anwender passende Geräte für das Home­office kombinieren und über die Partner ordern. Zum Thema Homeoffice schaltet der Hersteller derzeit sogar Fernsehspots auf ARD, um die Partner zu unterstützen.

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