Auf der diesjährigen Channel Trends+Visions in Köln zog der Distributor Also Bilanz und gab Ausblick: CEO Wolfgang Krainz und COO Thomas Meyerhans sprachen über Rekordzahlen, die Westcoast-Integration und die Geschäftsentwicklung im Plattformsegment.
Also-CEO Wolfgang Krainz (l.) und COO Thomas Meyerhans
(Bild: Vogel IT-Medien)
Die Also CTV 2026 fand in diesem Jahr im Kölner Confex statt, mit einer interaktiveren Agenda als in den Vorjahren: Workshops in separaten Räumen ergänzten das klassische Programm. In der großen Also-Area setzten thematische Schwerpunkte rund um beispielsweise IT-Security, Everything as a Service, KI mit konkreten Use Cases und anschaulich inszenierte IoT-Szenarien die inhaltlichen Akzente.
In seiner Keynote fasste CEO Wolfgang Krainz die Haltung des Unternehmens zu neuen Trends wie Künstlicher Intelligenz zusammen: „Wir können und wollen dem Wandel nicht entgehen, sondern wollen ihn nutzen und gemeinsam mit unserem Ökosystem wachsen.“
Positives Geschäftsjahr 2025 mit Plattformen als Treiber
Im Geschäftsjahr 2025 wuchs der Gesamtumsatz der Also-Gruppe um 39 Prozent auf 15,2 Milliarden Euro. Maßgeblich dazu beigetragen hat das Cloud-Geschäft mit einem Umsatz von knapp 1,6 Milliarden Euro. So bleiben der Cloud Marketplace und das Plattformgeschäft große Wachstumstreiber und wirtschaftlich attraktiv. „Die Margen im Plattform- und Cloud-Geschäft sind im Vergleich zum transaktionalen Volumengeschäft etwa drei- bis viermal höher“, erklärt Krainz. Hinzu kommt, dass Abonnementmodelle kein Lagerkapital erfordern, was die Kapitaleffizienz deutlich verbessert.
Distribution im Wandel
Technologieversorger statt Broadliner
Die Frage nach der Selbstverortung beantwortet Krainz klar. Den Begriff „Broadliner“ verwendet er nicht mehr. Also versteht sich heute als Technologieversorger und möchte die erste Adresse für Hersteller beim europäischen Marktzugang und als Technologieplattform für Reseller sein, die Zukunftssicherheit, Margenstärke und Resilienz bietet. Das klassische transaktionale Geschäft bleibt dabei ein wichtiger Baustein. „Gerade in den letzten Monaten hat die Verknappung dem Kerngeschäft einen neuen Frühling der Profitabilität beschert.“ Die Entwicklung hin zu Plattform- und Cloudgeschäft sei keine Abkehr vom Bestehenden, sondern eine konsequente Ergänzung.
KI: Infrastrukturthema mit eigenem Kompetenzzentrum
Künstliche Intelligenz war auf der CTV 2026 allgegenwärtig – in der Ausstellung ebenso wie in der Keynote. Krainz machte deutlich, dass KI für Also kein kurzfristiger Trend ist, sondern ein Infrastrukturthema, das schrittweise in Prozesse und Produkte integriert wird. Was intern erprobt wird und überzeugt, wird konsequent an Partner weitergegeben und ausgerollt. Begleitet wird das durch die kürzliche Eröffnung eines eigenen KI-Kompetenzzentrums.
Eng damit verbunden ist das Thema Digitale Souveränität: Also sieht es als seine Aufgabe, Resellern die bestmögliche Auswahlbreite bereitzustellen, damit diese je nach Kundenanforderung die passende Lösung finden können. Beim Thema Supply Chain und Memory Pricing wächst zudem der Bedarf an Beratung für passende Konfigurationen, betont Krainz in seiner Keynote.
Ein weiterer Schwerpunkt: Die Aus- und Weiterbildung von Resellern. Für Krainz ist das keine optionale Serviceleistung. Der Fokus liegt dabei auf dem KMU-Segment, das in Zeiten des technologischen Wandels besonders hohen Wissensbedarf hat. Große Systemhäuser bleiben weiterhin relevante Partner, doch die flächendeckende Präsenz im europäischen Mittelstandsgeschäft ist für Also ein zentrales Differenzierungsmerkmal: „Nicht nur die vier großen, naheliegenden Märkte, sondern kleinere und mittlere Märkte genauso wie die Großmärkte. Diesen Long Tail of the Market, den wollen und müssen wir mitnehmen.“
„Wir nennen das katalytische Integration. Westcoast ist hochprofitabel, sehr gut geführt und hatte viele High Potentials in den eigenen Reihen. Diese Dynamik wollten wir unter keinen Umständen verlieren.
Thomas Meyerhans, COO der Also Group
Westcoast-Integration mit anderem Ansatz
Die Integration der britischen Westcoast bleibt das bestimmende operative Thema. Rund vier Milliarden Euro Umsatz und tausend neue Mitarbeitende kamen durch die Übernahme zur Also hinzu. „Wir nennen das katalytische Integration. Westcoast ist hochprofitabel, sehr gut geführt und hatte viele High Potentials in den eigenen Reihen. Diese Dynamik wollten wir unter keinen Umständen verlieren“, erläutert COO Thomas Meyerhans den gewählten Ansatz.
Statt Konzernvorgaben von oben durchzusetzen, wurden einige Best Practices der Westcoast übernommen und ein aktiver Wissenstransfer beider Unternehmen über verschiedene Bereiche – wie in Marketing, Legal, Finance und Vendor Management – gefördert. Das Ergebnis sei gegenseitiges Lernen. „In manchen Bereichen waren die britischen Prozesse besser und die haben wir übernommen“, so Meyerhans.
Wolfgang Krainz hielt eine Keynote bei der diesjährigen CTV in Köln.
(Bild: Vogel IT-Medien)
Konkret stehen zum 1. Juli zwei Verschmelzungen an: Westcoast France und Also France fusionieren zur neuen Also France, und die beiden Cloud-Gesellschaften im Vereinigten Königreich – Also Cloud UK und Westcoast Cloud – werden zusammengeführt. Krainz dazu: „Damit legen wir zusammen, was logischerweise zusammenarbeiten muss“, so Krainz. Das Plattformgeschäft in UK soll dadurch gestärkt werden, denn Westcoast bietet an dieser Stelle noch erhebliches Potenzial.
Zahlt sich Bevorratung aus?
Ein weiteres Thema, das beinahe jeden im Markt wie auch Also beschäftigt ist die Lieferkettenschwierigkeit bzw. die Speicherpreise. „Wir haben aktiv entschieden, in Lagerbestände zu investieren, um Lieferfähigkeit zu sichern“, bestätigt Krainz die Strategie. Das Ergebnis: Im gesamten ersten Quartal 2026 soll kein Projekt wegen fehlender Verfügbarkeit verloren gegangen sein. Die allgemeine Marktlage rund um Verknappung bewertet der CEO als weniger kritisch als im Herbst 2025 befürchtet. Dennoch werde das Thema den Markt wohl noch etwas begleiten, der Bedarf bleibe hoch.
USA-Markteinstieg über die Cloud
Mit der Also Cloud US ist der Konzern bereits im nordamerikanischen Markt aktiv, bislang bewusst zurückhaltend: „Wir sind ganz bewusst leise gestartet, ohne Trompeten und Fanfaren. Wir wollten den Markt zunächst kennenlernen“, so Krainz. Die Feinjustierung sei inzwischen weit fortgeschritten. Der nächste Schritt mit mehr Sichtbarkeit und ein klar definierter Wachstums-Case in Abstimmung mit Schlüsselsoftwarepartnern stehe bevor. Strategische Akquisitionen zur Stärkung von Marktanteilen oder zur Portfolio-Ergänzung seien dabei nicht ausgeschlossen.
Stand: 08.12.2025
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