Suchen

Agilere Organisation ADN treibt die eigene Digitalisierung voran

Autor: Michael Hase

Der Bochumer Distributor ADN richtet seine Organisation intern neu aus, um künftig agiler auf die Anforderungen der Digitalisierung reagieren zu können. Cloud und VDI bleiben Schwerpunkte des VAD, bei denen er Partner mit einem breiten Servicespektrum unterstützt.

Firmen zum Thema

Der VAD ADN stellt seine Organisation für die Digital-Ära neu auf.
Der VAD ADN stellt seine Organisation für die Digital-Ära neu auf.
(Bild: kentoh - stock.adobe.com)

Besser könnte es für ADN kaum laufen. Das Geschäft entwickelt sich ganz nach Plan. Im vergangenen Jahr, in dem der Bochumer Distributor sein 25-jähriges Bestehen feierte, lagen die Zahlen sogar über dem Forecast: Statt 515 Millionen Euro, wie geplant, erzielte das Unternehmen einen Umsatz in Höhe von 534 Millionen Euro, was einem Plus von 19,5 Prozent gegenüber 2018 entsprach. Auch der Gewinn wuchs mit, wie Hermann Ramacher, Gründer und Geschäftsführer von ADN, berichtet. Selbst die Coronakrise hat bislang zu keinem Knick in der Geschäftsentwicklung geführt. Im ersten Quartal 2020 lag das Wachstum bei rund 20 Prozent.

Hermann Ramacher hat ADN 1994 gegründet und führt bis heute die Geschäfte.
Hermann Ramacher hat ADN 1994 gegründet und führt bis heute die Geschäfte.
(Bild: ADN)

Trotzdem möchte Ramacher in diesem Jahr einige Weichen neu stellen. Nicht dass er die Strategie des Distributors grundsätzlich in Frage stellen würde. Aber der IT-Unternehmer passt dessen Kurs an die ­Bedingungen eines dynamischen Markts an. ITK-Lösungen werden zunehmend komplexer, sodass Technologien und Konzepte heute stärker ineinandergreifen. Häufig sind dann mehrere Business Units involviert. „Nehmen Sie etwa Managed ­Security Services“, nennt der ADN-Chef ein Beispiel. „Wenn ein Partner dazu eine Anfrage hat, ist dann unsere Security-Einheit zuständig oder das MSP-Team?“ Um die Abstimmung in solchen Fragen zu vereinfachen, müsse der VAD flexibler werden. „Die Digitalisierung erfordert es, dass wir unsere Organisationsform anpassen. Wir müssen Strukturen verändern, damit wir agiler werden. Und daran arbeiten wir.“ Die Ergebnisse dieses Prozesses wird ADN voraussichtlich im Sommer präsentieren.

In einigen Punkten wird Ramacher bereits konkret. So führen die Bochumer ein ­neues ERP-System ein und überarbeiten ihre Website. Ziel ist es, den Distributor digitaler zu machen und den Partnern mehr Möglichkeiten zu bieten, auf elektronischem Wege mit ihm in Kontakt zu treten und Geschäft mit ihm zu machen. Prozesse, wie ­beispielsweise Projektanträge stellen oder Rücksendenummern anfordern, können künftig auf diese Weise abgewickelt werden. Zudem sollen mehr Partner als bisher die Möglichkeit erhalten, Daten über EDI mit ADN auszutauschen.

CSP-Distributor

Solche Anpassungen des Kurses, die üblicherweise mit größeren Investitionen verbunden sind, hat Ramacher immer wieder vorgenommen. So etwa in den Jahren 2016 und 2017, nachdem ADN ins Public-Cloud-Geschäft mit Microsoft eingestiegen und Distributor im Programm des Anbieters für Cloud Solution Provider (CSP) geworden war. Damals baute das Unternehmen aus dem Ruhrgebiet einen Cloud-Marktplatz auf und scheute im Jahr darauf nicht den Aufwand, dessen technologische Basis komplett auszutauschen, nachdem Partner die Plattform kritisiert hatten.

Das Cloud-Geschäft mit Microsoft bildet nach wie vor einen der Schwerpunkte bei ADN. Dabei rückt derzeit, nicht zuletzt ­getrieben durch aktuelle Initiativen des Hyperscalers, die IaaS-Plattform Azure mehr und mehr in den Vordergrund. „Dort stehen wir noch auf einer der ersten Stufen der Markteroberung durch den Channel“, nimmt der IT-Profi eine Standortbestimmung vor. Bei Partnern beobachtet er ­einen großen Bedarf an Unterstützung, weil Knowhow und Konzepte fehlen. Die Rolle von ADN sieht er darin, Wissenslücken im Channel zu schließen. Deshalb hat der VAD über die vergangenen Monate das Team an Consultants, die Partner schulen und ihnen Hilfestellung im Tagesgeschäft leisten, deutlich aufgestockt. Bei Bedarf greifen die Experten dabei auch auf den Support von Microsoft zurück.

Ganzheitliche Betreuung

„Wir wollen Partnern nicht nur eine Plattform bereitstellen, über die sie Services beziehen können. Unser Anspruch ist es, sie über den gesamten Zyklus, angefangen beim Enabling über Marketing- und Projektunterstützung bis zum Aftersales-Support, zu begleiten“, fasst Ramacher zusammen. Grundsätzlich führt für den Channel kein Weg daran vorbei, sich mit Cloud auseinanderzusetzen, ist der ADN-Chef überzeugt. Denn Digitalisierung sei ohne Cloud kaum möglich, und das würden viele Endkunden inzwischen auch ­erkennen. „Der Druck kommt für viele Partner eher aus dem Markt, als dass sie sich aus eigenem Antrieb dazu entschließen, zu Cloud-Beratern zu werden.“

Bei allem Enthusiasmus, den Ramacher für Cloud Computing aufbringt, rechnet er auf absehbare Zeit nicht damit, dass die IT komplett in die Wolke wandert. „Die kommenden beiden Jahrzehnte werden wir in einer hybriden Welt leben.“ Und deshalb werde ADN auch kein reiner Cloud-Distributor. Der Wirtschaftswissenschaftler weiß, wie lange es dauert, bis sich Innovationen flächendeckend im Markt durchgesetzt haben. Bei der Desktopvirtualisierung, mit der sich der VAD seit 1997 befasst, als er eine Partnerschaft mit Citrix vereinbarte, konnte er das beobachten. Die Vorteile des Konzepts der Virtual Desktop Infrastructure (VDI) zeigen sich aktuell in der Coronakrise. Sorgt es doch für Sicherheit, wenn Mitarbeiter mit privaten Geräten aus dem Homeoffice aufs Unternehmensnetz zugreifen, weil Anwendungen und Daten in der zentralen IT verbleiben.

Diese Vorteile werden die Akzeptanz des Konzepts weiter fördern, erwartet Ramacher. „Vorstellbar ist, dass langfristig alle Desktops in die Cloud gehen.“ Jedenfalls werde VDI in fünf bis zehn Jahren „quasi in allen Organisationen“ eine Rolle spielen. Auch wenn Microsoft mit dem Windows Virtual Desktop ein starkes Angebot habe, sieht der ADN-Chef darin keine Konkurrenz für Citrix. „Wer eine VDI-Umgebung professionell managen will und dabei hohe Anforderungen in puncto Sicherheit und Performance stellt, der kommt um Citrix nicht herum.“

(ID:46522742)

Über den Autor

 Michael Hase

Michael Hase

Chefreporter