Dienstleister ohne Büro

Acontech: Cloud-Enthusiasten mit pädagogischer Ader

| Autor: Michael Hase

Born in the Cloud: Stefan Zenkel hat Acontech von Anfang an als Cloud-Spezialisten positioniert.
Born in the Cloud: Stefan Zenkel hat Acontech von Anfang an als Cloud-Spezialisten positioniert. (Bild: Vivien Dorbandt Fotografie)

Der Dienstleister Acontech gehört zur jungen Avantgarde im Microsoft-Channel. In Kontakt stehen die deutschlandweit verteilten Mitarbeiter vor allem über die Cloud. Man kann sein Beratungskonzept nur glaubhaft vertreten, wenn man es selbst radikal lebt, lautet das Credo.

Aller Anfang ist schwer. Das gilt umso mehr für Startups, wenn sie sich mit einem Angebot positionieren, für das der Markt noch nicht bereit ist. Stefan Zenkel, Gründer und Geschäftsführer des Fürther Cloud-Spezialisten Acontech, lagerte in der Startphase des Unternehmens stets eine Flasche Sekt für besondere Anlässe im Kühlschrank. Die wollten er und sein damaliger Geschäftspartner nicht etwa dann öffnen, wenn ein Deal abgeschlossen ist, sondern schon dann, wenn ein Kunde nicht gleich beim ersten Kontakt abwinkt. Allerdings vereinbarte kaum jemand einen Folgetermin, sodass die Korken selten knallten.

Heute sieht die Situation für Acontech ganz anders aus. Zenkel bewies Stehvermögen, und der Erfolg holte ihn schließlich ein. Zu den mehr als 450 Kunden, die der Microsoft-Partner gewonnen hat, gehören bekannte Marken wie Fritz-Kola oder René Lezard. 2016 gewann der Entrepreneur den Gründerpreis der IHK Akademie Mittelfranken. Im Jahr darauf zeichnete Microsoft sein Unternehmen als Azure Partner of the Year aus. Heute beschäftigt der Dienstleister mehr als 30 Mitarbeiter. Der Umsatz wuchs in den vergangenen Jahren jeweils um etwa 50 Prozent und lag 2019 bei gut 3,5 Millionen Euro. Das ist zwar noch nicht viel. Immerhin zählt Acontech aber zum erlauchten Kreis der direkt betreuten Partner des Software-Riesen. „Wenn wir als kleiner Partner von Microsoft zu einem Workshop eingeladen werden und sollen großen, renommierten Systemhäusern erklären, wie das mit der Cloud funktioniert, ist das schon eine Bestätigung für uns“, berichtet der Geschäftsführer.

Mehr als Technik

Die Besonderheit des fränkischen Unternehmens liegt darin, dass es keine Vergangenheit im traditionellen IT-Geschäft hat, sondern sich seit jeher auf Cloud fokussiert. „Born in the Cloud“ lautet die gängige Bezeichnung dafür. Daraus resultiert ein Verständnis der eigenen Rolle, das mit dem eines Systemhauses wenig gemein hat. Zugleich erklärt sich damit die große Wertschätzung, die der Partner bei Microsoft genießt. Denn dem Konzern ist heute an Dienstleistern gelegen, die ihr Geschäft nicht am klassischen Lizenzvertrieb ausrichten. So agiert Acontech bei Kunden wie ein Strategieberater, der sie bei ihrer Digitalen Transformation begleitet. Cloud-Technologie dient ihm als Mittel, mit dem er Arbeitsweisen verändert, Strukturen und Prozesse neu gestaltet und innovative Geschäftsmodelle entwickelt. Menschen und Organisation sind für diesen Ansatz genauso wichtig wie Technik. Einige Consultants haben ihre Wurzeln deshalb außerhalb der ITK-Branche, zum Beispiel in der Pädagogik.

Genaugenommen stimmt die Bezeichnung „fränkisches Unternehmen“ nur formal. Als Zenkel seine Firma im Jahr 2011 – damals war der Wirtschaftsinformatiker noch als Werkstudent für Microsoft tätig – gründete, wählte er seine Heimatstadt Fürth als Hauptsitz. Dort sind hauptsächlich Personalverwaltung und Buchhaltung angesiedelt. Der Gründer selbst lebt im Raum München. Die Mitarbeiter sind über Deutschland verstreut und wohnen in Berlin, Düsseldorf, Freiburg, Hamburg, Hannover, Köln, Nürnberg, Recklinghausen und Regensburg. In der Regel arbeiten sie im Home-Office, sofern sie nicht bei Kunden oder anderweitig unterwegs sind. Trotzdem oder gerade deswegen wird Collaboration großgeschrieben.

Neuer Arbeitsstil

Bei Acontech nutzt man alle Möglichkeiten, die Office 365, Teams & Co. bieten, um unabhängig von Ort und Zeit zusammenzuarbeiten, sich per Chat, Telefonat oder Videokonferenz miteinander zu verbinden und Dokumente zu teilen. Was sie ihren Kunden unter dem Label „Modern Life“ nahebringen, praktizieren die Berater selbst konsequent. „Wir verändern von Grund auf die Art und Weise, wie Menschen zusammenarbeiten und leben“, erläutert der Acontech-Chef. Dafür brauche man Experten, die „die Mitarbeiter der Kunden bei dieser Veränderung an die Hand nehmen.“ Um dieses Konzept glaubhaft bei Unternehmen vertreten zu können, müsse man es „selbst ziemlich radikal leben“.

Neben Collaboration bilden „Digital Revolution“ und „Next Intelligence“ weitere Schwerpunkt des Dienstleisters, für die es ebenfalls Expertenteams gibt. Das erste Team hilft Unternehmen dabei, wie sie Dienste der Azure-Plattform nutzen können, um ihre Transformation voranzutreiben. Dabei geht es nicht nur um Infrastructure as a Service, sondern auch um Analytics, Blockchain oder IoT. Die Next-Intelligence-Experten befassen sich dezidiert mit Cognitive Services, Data Science und AI. Das Team „Managed Services“, das standardisierte Support-Pakete entwickelt, unterstützt Kunden beim Betrieb ihrer Cloud-Umgebung.

Über Mangel an Neukunden kann Acontech heute nicht mehr klagen. Die rege Nachfrage hängt zweifellos damit zusammen, dass auch in Deutschland immer mehr Unternehmen aus dem Mittelstand in die Cloud gehen. Fast immer brauchen sie dabei externe Unterstützung. „Viele sind allein schon durch das hohe Innovationstempo und die zahlreichen neuen Features, die Microsoft regelmäßig veröffentlicht, überfordert“, beobachtet Zenkel. Neue Kunden kommen entweder auf Empfehlung von Bestandskunden zu dem Dienstleister oder sie werden von Microsoft als Leads vermittelt. Darüber hinaus gelangt er über befreundete Systemhäuser, deren Cloud-Kompetenz weniger ausgeprägt ist, an Projekte. Ein solcher Partner ist beispielsweise MR Datentechnik aus Nürnberg, der bei Modern Workplace und Azure auf das Knowhow und die Erfahrung seiner Nachbarn aus Fürth vertraut.

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