Anbieter zum Thema
ITB: Gilt das nur für Enterprise-Kunden, die dieses Personal leichter zur Verfügung stellen können, oder gilt das auch für kleinere Unternehmen?
Liedtke: Die meisten unserer Partner betreuen historisch bedingt vorrangig Enterprise-Kunden, denn diese waren einfach die Early Adopters der Open-Source-Technologie. Doch Open Source wird, sowohl im Linux-Umfeld als auch in vielen anderen, immer stärker zur Commodity, und damit wird die Technologie natürlich auch für mittelständische und kleinere Unternehmen interessant. Auch der Mittelstand kann inzwischen durchaus über eine komplexe, Service-orientierte Architektur nachdenken und Applikationen nach diesem Muster entwickeln – schon allein aufgrund der technologischen wie der kaufmännischen Vorteile, wie beispielsweise den kompletten Wegfall von Lizenzgebühren, die größere Produktivität und Flexibilität und die Befreiung von Hersteller-Abhängigkeiten.
Unix
ITB: Inwiefern ist die Interoperabilität von Nicht-Unix-Systemen oder proprietären Systemen und Open-Source-Systemen im Tagesgeschäft gewährleistet? Hat Microsofts Vorstoß, Quellcodes offen zu legen, diese erleichtert?
Merz: Interoperabilität ist für uns insofern ein Thema, als wir im Rechenzentrum des Endkunden sehr oft auf heterogene Umgebungen stoßen. Die Frage stellt sich hier jedoch meist auf Applikations-Ebene – wenn beispielsweise ein Linux-Cluster als File-Server in Windows-Umgebungen als Datenbank-Backend genutzt wird. Hier gibt es normalerweise von Herstellerseite, wie zum Beispiel von SAP und Oracle, schon vorgefertigte Lösungen. Das bedeutet, ein Microsoft-Kunde kann weiter in seiner Microsoft-Welt leben, denn er merkt nicht, was sich unter seiner Anwendung verändert hat. Die Offenlegung der Quellcodes betrifft uns nur insoweit, als wir sehr viele File-Services unter Linux anbieten, was auf Basis Samba – einem File-Server auf Linux-Basis, der File-Services für Windows zur Verfügung stellt – realisiert ist. Wir bekommen das also eher am Rande indirekt mit.
Braunsdorf: Microsofts Offenlegung der Quellcodes beeinflusst unser tägliches Geschäft überhaupt nicht. Ich halte das sogar eher für reines Marketing, um auf den Open-Source-Zug aufzuspringen. Um ein anderes Beispiel zu wählen: IBM Websphere ist ein proprietärer Application-Server und IBM wirbt damit, dass man Open Source sei. Fakt ist: Ja, es gibt eine Open-Source-Version von Websphere – aber diese gar nichts mit dem eigentlichen Server zu tun. Es ist eine vollkommen andere Produkt-Basis.

Picker: Ich sehe die Microsoft-Initiative hinsichtlich Open Source auch eher als Marketing-Aktion. Aber es zeigt dennoch, dass das Thema Open Source selbst für einen mächtigen global Player zunehmend wichtig wird. Offenbar ist sich Microsoft bewusst, dass man künftig ohne offene Standards wahrscheinlich Umsätze einbüßt. Microsoft investiert daher sehr viel in Know-how und Personal, um unterschiedlichste Systeme »Open Source« zu gestalten.
ITB: Ist unter Open Source bei Microsoft das selbe zu verstehen wie bei Red Hat?
Picker: Nein. Wir definieren Open Source anders als Microsoft. Bei Microsoft läuft Open Source unter komplett eigenen Lizenzen. Kurz gesagt: Eine GPL erlaubt sehr vieles und regelt vieles. Eine Lizenz von Microsoft dagegen regelt sehr vieles und erlaubt nur weniges.
Liedtke: Man darf auch nicht vergessen, dass Open Source als Basis für ein bestimmtes Software-Produkt ja mehr Merkmale umfasst als lediglich einen offenen Quellcode. Dazu gehört vor allem die Community: Die Basis für unsere Produkte im Linux-Umfeld bleibt eine von der Community entwickelte Software. Das heißt, dass täglich Tausende Entwickler den Code prüfen und ihren Input beisteuern. Diese Community entscheidet, was in den Upstring aufgenommen wird und was nicht. Das wird auf Microsoft-Seite nie passieren, weil man sich damit das eigene Geschäftsmodell verbauen würde. Und Microsoft braucht die Einnahmen aus dem Lizenzgeschäft, um die Marketing-Maschinerie zu finanzieren.
Wie Partner die OEM-Aktivitäten von Red Hat beurteilen, erfahren Sie auf der nächsten Seite.
(ID:2018476)