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ITB: Ist die Cloud die Lösung für alles?

Pudwell: Cloud Computing ist ja nicht die Antwort auf alle Probleme, mit denen Firmen oder Behörden heute im IT-Umfeld zu kämpfen haben. Sie bietet einfach für bestimmte Anwendungsbereiche eine Lösung. Wir haben auf der Anwenderseite unterschiedliche Interessengruppen. Es wird Endkunden geben, die weiter ihr eigenes Rechenzentrum betreiben möchten, und vielleicht einen Teil dort selbst betreiben, und einen Teil ausgliedern – hosten lassen – oder in die externe Cloud schieben. Für all diese Varianten wollen wir für unsere Partner der Dienstleister sein: Also sowohl die Reseller unterstützen, die Kunden beim Betrieb des eigenen Datacenters unterstützen – wie Inox-Tech - als auch diejenigen, die Dienstleistungen für Cloud Computing bereitstellen – wie die Extend-it. Die Frage der Plattform ist für Endkunden eher zweitranagig.
ITB: Wie anarchisch gebärden sich die Fachhabteilungen in den Unternehmen tatsächlich, wenn sie schnell mal zusätzliche Ressourcen benötigen. Ist der Griff in die externe Cloud am IT-Leiter – und womöglich am Einkauf – vorbei ein Trend, der sich langsam durchsetzt?
Wildeboer: In der Regel wird aktuell an den 20 Prozent des IT-Budgets gespart, das für strategische Innovationen bereit stehen sollte. Cloud-Modelle bieten hier einen Ausweg. Die Fachabteilungen agieren hier wie kleine Unternehmen im Unternehmen. Es interessiert sie nicht, weshalb die IT-Abteilung die benötigten Leistungsmerkmale nicht zur Verfügung stellen kann. Wenn es gebraucht wird, wird es aus der Cloud geholt. Das läuft tatsächlich so. Häufig geht das in der Anfangsphase gut. Aber spätestens, wenn die Audit-Abteilung eine Prüfung vornimmt, gibt es ein Problem.
ITB: Heißt das, die klassische Aufteilung der einzelnen Abteilungen in den Unternehmen verschwimmt?
Wildeboer: Ja, in großen Firmen passiert das zunehmend. Denn um hier beispielsweise zehn neue Server aufstellen zu können, müssen die Verantwortlichen erst einmal mit der Netzwerk-Abteilung klären, ob sie die Switch-Boards kriegen, dann mit der Storage-Abteilung wegen der SAN-Systeme – und SAN-Storage ist extrem teuer, weshalb die Verantwortlichen sie nur sehr zögerlich einsetzen. Diese Erfahrungen fördern den Bewusstseinswandel in Richtung Audit-konforme Cloud-Modelle. Hier findet eine Professionalisierung statt. Und das ist der Punkt, an dem Dienstleister wie die Extend-it einsteigen können. Es ist eine enorme Dynamik im Markt.
Döderlein: Den Anarchismus gibt es, aber auf der anderen Seite wächst auch das Bewusstsein, sensible Daten mit Bedacht auszulagern. Ich sehe die kritischen Diskussionen und das konservative Verhalten vieler deutscher Unternehmen positiv, denn die Folgen unüberlegten Handelns sind oft nur schwer rückgängig zu machen. Wenn beispielsweise virtuelle Maschinen aus einer Public Cloud zurückgeholt werden, ist noch lange nicht die Löschung der Daten in der Cloud garantiert.
ITB: Wie valide ist Ihrer Erfahrung nach die These: „In Deutschland ist die Cloud kein richtigs Thema, weil die rechtlichen Fragen beispielsweise zu Datenschutz, -sicherheit nicht geklärt sind“?
Wildeboer: Tatsache ist, dass es sehr viele kleine Unternehmen gibt, die Cloud-Konzepte schon nutzen. Ein Grund dafür ist auch, dass heute IT-Leistungen zu minimalen Kosten aus der Steckdose bezogen werden können. Das ist gerade bei Firmengründungen oder kleinen Unternehmen ein wesentlicher Vorteil. Twitter beispielsweise hat von Anfang an selbst keinen einzigen eigenen Server betrieben, sondern nutzte Amazon. Die Skalierbarkeitsfrage verliert an Bedeutung, denn das lässt sich über die Cloud lösen. Wenn der Kunde bestimmte Prozesse wieder ins eigenen Haus zurückholen möchte, geht das auch problemlos. Das verändert selbstverständlich die Kundenansprüche – sowohl an die hauseigene Buchhaltung, als auch an den Dienstleister.
Hartl: Bei Partnern wie der Inox-Tech und vielen anderen sehen wir ganz klar, dass der Cloud-Service-Gedanken auch in Deutschland im Vordergrund steht. Deshalb dürfte die Dunkelziffer jener Unternehmen, die wirklich Cloud-Computing nutzen, extrem hoch sein. Wir begleiten diese Entwicklung seit sehr vielen Jahre. Die Kettenreaktion: Die Fachabteilung muss für die IT-Leistungen zahlen, egal ob diese intern oder extern erbrachte werden. Das bedingt, dass Vergleichsangebote eingeholt werden und überprüft wird, ob die Leistungen extern nicht schneller, flexibler und kostengünstiger zu bekommen sind. Und exakt hier kommen Partner wie Inox-Tech und Extend-it ins Spiel.
Welche Herausforderungen bleiben, erfahren Sie auf der nächsten Seite.
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