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ITB: Wie frei ist der Endkunde beziehungsweise der Hosting-Partner in der Cloud bei der Wahl seiner Plattform?
Wildeboer: Der Abstraktionsgrad bei Red Hat ist relativ hoch, so dass sich Vor-Ort-Installationen sehr einfach in virtuelle Vor-Ort-Installationen umwandeln lassen und diese wiederum auf Hosting-Modelle übertragen werden können. Den Vendor-Lock-in auf der Cloud-Ebene fortzusetzen, bringt nichts. Und unter diesem Aspekt hat Linux einfach einen großen Vorteil. Denn diese Interoperabilität garantiert dem Kunden, dass er auch in der Cloud zwischen verschiedenen Anbietern wählen kann.
ITB: Wie sichern Sie diese Interoperabilität in der Cloud?
Wildeboer: Wir setzen seit RHEL-V 5 auf KVM statt auf Xen. Obendrein haben wir von Anfang an mit Libvirt einen Abstraktions-Layer über Xen gelegt. Das erlaubt es uns, unterschiedliche Hypervisoren zu unterstützen. Bei der Cloud machen wir das jetzt ähnlich – mit Delta-Cloud. Diese Offenheit ist ein wesentliches Grundprinzip bei Red Hat. Wir sind ein Infrastruktur-Anbieter und ziehen die Grenze ganz klar an der Stelle, an der die Applikations-Schicht ins Spiel kommt. Das Eco-System ist wichtiger als kurzfristige Gewinne. Deshalb überlassen wir die Aufgabe ab diesem Punkt unseren Partnern.
ITB: Auch VMware betont, ihre Technologie sei eine offene, weil beispielsweise die APIs offen gelegt werden.
Wildeboer: Eine der großen Hemmschwellen für Virtualisierung im technikverliebten Deutschland ist die Skalierung nach oben. Und bei VMware gibt es in der Standard-Version von vSphere einfach ganz klare Ober-Grenzen für die Anzahl unterstützter CPUs, die sich nur gegen sehr viel Geld weiter nach oben hin verschieben lassen. Wenn ein Anwender in einer virtualisierten Umgebung dann noch CPU-basiert-lizenzierte proprietäre Software einsetzt, dann muss er obendrein noch zusätzliche Lizenzen kaufen, nur weil die virtualisierte Umgebung nicht mehr als beispielsweise vier CPUs hergibt. Da skaliert KVM sehr viel höher – und wir betrachten das als technische und nicht als preisliche Herausforderung. Ich sage nicht, dass wir hinsichtlich des Funktionsumfangs auf allen Ebenen mit VMware mithalten können. Aber das, was wir brauchen, können wir besser.
ITB: Herr Döderlein, wie entscheidend sind denn Interoperabilität, Unabhängigkeit und Offenheit als Verkaufsargument gegenüber dem Endkunden?
Döderlein: Es gibt schon Endkunden, die dieser Philosophie folgen. Wir gehen hier eher pragmatisch vor: Wir setzen mit Red Hat auf diesen offenen Ansatz, sonst wären wir nicht der höchst-zertifizierte Red-Hat-Partner in Deutschland. Kunden treffen die Entscheidung zugunsten von Red Hat überwiegend aus praktischen Gründen. Sie sagen beispielsweise: „Wir nutzen VMware, aber das ist teuer – gibt es nicht auch andere Lösungen, die unsere Anforderungen in gleicher Weise erfüllen?“ Wir als Systemhaus und als Rechenzentrums-Betreiber wollen dem Kunden die Wahlmöglichkeit lassen und stellen fest, dass das Management und die Vielfalt der Management-Funktionen und -Tools für sie entscheidend sind.
ITB: Ist die physikalische Plattformfrage in der Cloud noch relevant?
Hartl: Im Unterschied zum Kaufmodell werden für den Endkunden beim Cloud-Modell die Themen Service Level Agreements, SLA, die Vertragssicherheit und die zugrunde liegenden Hersteller-Lizenzmodelle immer wichtiger. Dagegen tritt die Frage nach der technischen Plattform eher in den Hintergrund. Der Kunde will den Service zu einem bestimmten Zeitpunkt, in einer bestimmten Qualität – egal ob dahinter Red Hat oder VMware oder anderes steht. Bei der Entscheidung über die Plattform, die diese Flexibilität und Sicherheit bietet, kommt die Beratungsqualität und Expertise unserer Reseller zum Zug.
Döderlein: Es gibt einen Grund, weshalb wir bei unserer Hosting-Plattform nicht auf No-Names setzen, sondern auf Cisco UCS mit der kompletten Nexus-Architektur sowie auf Netapp als Storage-Hersteller: Die Kunden fragen danach, denn sie wollen, dass ihre Services auf einer sicheren, zertifizierten Infrastruktur laufen.
ITB: Wenn künftig der Nutzen noch stärker vor der Technologie in den Vordergrund rückt – weshalb ist dann Open Source überhaupt noch ein Argument?
Wildeboer: Die Abstraktions-Tiefe der Virtualisierung ist bei Open Source viel höher als bei proprietären Lösungen und sie sind viel skalierbarer. Erst dadurch kommen die Vorteile der Virtualisierung in voller Breite zum Tragen, weil sich die Workloads in leicht transportierbare Einheiten abkapseln und problemlos transportieren lasen. 80 Prozent aller Public Clouds weltweit sind Open-Source-basiert.
Welche Rolle Cloud Computing heute bereits im Alltag von Unternehmen spielt, lesen Sie auf der nächsten Seite.
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