Der IT-Mittelstand ist entscheidend für Deutschlands Digitale Transformation. Doch das Umfeld ist höchst volatil. Ein Blick auf die Branche zeigt, welche Strategien Erfolg bringen. In einer Zeit des Wandels bleibt Flexibilität der Schlüssel zur Zukunftsfähigkeit.
Trotz unsicherer Zeiten verfolgt die IT-Branche Strategien und Maßnahmen, die Erfolg versprechen.
(Bild: Adrian Grosu - stock.adobe.com / KI-generiert)
Der Bruch der Ampel und die Wahl Trumps verdeutlichen, dass die Rahmenbedingungen unter denen Unternehmen agieren, immer weniger vorhersagbar und stabil sind. Umso mehr gilt es, sich auf das zu besinnen, was man selbst in der Hand hat und gestalten kann – gerade in Zeiten schwieriger wirtschaftlicher und geopolitischer Gegebenheiten. Doch wie sind diese Rahmenbedingungen und wie gehen Unternehmen der IT-Branche mit diesen um, um handlungsfähig zu bleiben und zukunftsfähig zu werden.
Die Lage: Die Prognose des Weltwährungsfonds (IWF) fällt für die Bundesrepublik abermals schlecht aus. Der IWF revidiert seine Prognose nach unten. So wird die deutsche Volkswirtschaft in diesem Jahr nicht mehr leicht um 0,2 Prozent wachsen, sondern stagnieren.
„Das Rückgrat der Digitalen Transformation“
Die angespannte konjunkturelle Lage in der deutschen Wirtschaft belastet auch den IT-Mittelstand. Laut des Bitkom-Ifo-Digitalindex verzeichnet das Geschäftsklima in der Digitalbranche im Oktober einen leichten Anstieg um 1,0 Zähler auf „nur noch“ Minus 0,9 Punkte. Für die kommenden Monate bewerten die ITK-Unternehmen die Geschäftserwartungen besser als im Vormonat (Plus 2,0 Zähler auf Minus 6,9 Punkte). Damit steht die IT-Branche besser da als die Gesamtwirtschaft. Denn der Ifo Geschäftsklimaindex für die Gesamtwirtschaft notiert bei Minus 10,9 Punkten.
Der iSCM-Report zur Geschäftslage in der IT-Branche.
(Bild: iscm)
Report des iSCM-Instituts: verhaltene Erwartungen
Wirtschaftliche Unsicherheit erreicht mit 82 Prozent erneut eine Höchstmarke im Jahr 2024.
Der Nutzen bestehender ITK steht deutlich im Vordergrund vor Neu-Investitionen.
Abwartendes Investitionsverhalten steigt um 10 Punkte auf 76 Prozent an.
Technologie-Unsicherheit bei Kunden bleibt mit 27 Prozent auf einer Höchstmarke.
Der Fachkräftemangel, das zentrale Thema der Jahre 2022 und 2023, ist aktuell auf dem geringsten Wert seit 36 Monaten.
„Der IT-Mittelstand und seine Kunden bewegen sich insgesamt in einem angespannten Marktumfeld. Dabei ist klar: Die Digitale Transformation macht Unternehmen effizienter und widerstandsfähiger gegen Krisen. Mittelständische IT-Unternehmen können ihren Kunden helfen, besser durch die angespannte Lage zu kommen“, sagt Dirk Röhrborn, Mittelstandssprecher beim Bitkom. „Der IT-Mittelstand ist das Rückgrat der Digitalen Transformation in Deutschland.“
Zukunftssicher aufstellen
Was also tun, um für die Zukunft gut gewappnet zu sein? Ein wesentlicher Punkt, den IT-Mittelstand zu stärken, sei eine nachhaltige Sicherung von IT-Fachkräften. So müssten nicht nur Studium und Ausbildung in der IT gestärkt, sondern auch die Zuwanderung ausländischer Fachkräfte vereinfacht werden, fordert der Bitkom. Zugleich müsse Deutschland für Rechenzentren attraktiver werden, da der überwiegend in ländlichen Gebieten ansässige IT-Mittelstand auf eine leistungsfähige IT-Infrastruktur angewiesen sei. Auch Energiekosten sind hier ein Riesenthema. Und schließlich brauche es eine anwenderfreundliche Regulierung: 83 Prozent der Unternehmen in Deutschland sehen den Datenschutz als größtes Hindernis für die Digitalisierung. Denn zusätzlich zur DSGVO kommen mit dem Digital Markets Act, dem Digital Services Act, dem Data Governance Act und dem AI Act weitere hohe regulatorische Anforderungen aus Europa auf Unternehmen zu. Insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen ergeben sich daraus Compliance-Kosten und Personalaufwände, die die Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle behindern.
Jacques Diaz, CEO Netgo
(Bild: Netgo)
Systemhäuser müssen sich ja fragen, wie bekomme ich mich im Wettbewerb so ausgerichtet, dass ich für bestimmte Kundengruppen der präferierte Partner bin. Das ist uns gelungen.
Jacques Diaz, CEO Netgo
Das spiegelt sich im Global Competitiveness Index (GCI) wider: In den letzten Jahren ist Deutschland hier zurückgefallen. 2023 rangierte Deutschland auf Platz 15, während es noch 2018 auf Platz 3 war. Ursachen sind unter anderem langsame Fortschritte in der Digitalisierung und hohe Energiekosten, die die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen. Aber: „Trotz der ökonomischen Herausforderungen zeigt der Gewerbeversicherungsreport 2024, dass viele Unternehmer entschlossen sind, nicht in den Stillstand zu verfallen, sondern diese Zeit für Reflexion und Neuorientierung zu nutzen“, sagt Payam Rezvanian, Mitglied der Geschäftsleitung von Finanzchef24. „Wenn wir mit unseren Kunden sprechen, merken wir: Sie wollen und können nicht länger abwarten und sich von ohnehin nicht beeinflussbaren Faktoren abhängig machen, sondern die Zeit sinnvoll nutzen“, erklärt Rezvanian. „Wir müssen lernen, uns auf das zu konzentrieren, was wir beeinflussen können, weg vom Regulieren hin zum Motivieren und eine Kultur schaffen, in der Menschen, die etwas versuchen, Helden sind,“ sagt Cisco-EMEA-Chef Oliver Tuszik leidenschaftlich.
Aufwachen und Altlasten loswerden
Und das passiert ja durchaus, wie ein Blick auf die IT-Branche zeigt. „Wir haben momentan eine zyklische Marktschwäche. Das wird vorübergehen. Es geht darum, Altlasten loszuwerden. Viele Unternehmen haben sich ausgeruht, weil es lief. Jetzt hat man einen Rücksetzer und jetzt wird man wach und muss etwas tun. Und das passiert ja auch,“ schätzt Jacques Diaz, CEO von Netgo, die Lage ein und nennt auf politischer Ebene Themen wie Überregulierung, unternehmerische Regulierung, Lieferkettengesetz und Compliance-Themen, die man angehen müsse, um es für Unternehmen wieder leichter zu machen.
Stand: 08.12.2025
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Oliver Tusczik, EMEA-Chef Cisco
(Bild: alle Rechte bei Oana Szekely Die Bilder sind nicht frei von Nutzungsrechter Dritter.)
Wir sitzen auf Datenschätzen. Wenn wir es schaffen, das Datenvolumen zu nutzen, könnten wir an allen vorbeiziehen. Gerade die IT-Industrie in dem Umfeld muss hier das Enabling betreiben.
Oliver Tuszik, EMEA-Chef Cisco
Stefan Blome, Chief Customer Officer bei Also Deutschland, sieht „Investitionen in Schlüsseltechnologien wie Künstliche Intelligenz und IoT oder die Förderung der Halbleiterproduktion in Deutschland“, als wichtige Bausteine. Denn diese „sichern die Wettbewerbsfähigkeit und treiben Innovationen voran. Die Unterstützung von Startups und die Zusammenarbeit von Industrie und Universitäten beschleunigen den Wissenstransfer und machen Ideen und Lösungen schnell marktfähig. Neben dem Zugang zu qualifizierten Arbeitskräften, um den Bedarf an spezialisiertem Knowhow zu decken, ist Robotic Process Automation wichtig, um vorhandene Ressourcen freizumachen für wertschöpfendere Tätigkeiten. Eine Energiepolitik, die Produktion in Deutschland wirtschaftlich rentabel macht, der Ausbau erneuerbarer Energien und Energieeffizienzmaßnahmen stärken langfristig die wirtschaftliche Stabilität“, so der Manager weiter.
„Unternehmen müssen offen und flexibel auf Veränderungen reagieren. Die Vorteile der Digitalen Transformation liegen auf der Hand und sollten zur Chefsache erklärt werden. Um langfristig erfolgreich zu sein, müssen Unternehmen ihre eigenen Stärken ausbauen und sich Experten für die unbekannten Bereiche hinzuziehen“, erläutert Santosh Wadwa, Vice President und Head of Platform Business Deutschland bei Fujitsu Deutschland. Ein Weg, den Fujitsu gerade beschreitet, und mit der Umbenennung von Fujitsu Technology Solutions in Fsas Technology konsequent geht, nachdem man sich im April 2024 „nach eingehenden Marktanalysen entschlossen habe, sich voll und ganz auf das Datacenter-Geschäft zu fokussieren“, sagt Wadwa zudem.
Partnernähe und Veränderung
Auf unternehmerische Grundwerte zielt ADN-CEO Hermann Ramacher ab und erläutert, wie ADN seit 30 Jahren erfolgreich bleibt: „Nähe ist entscheidend – nach ‚draußen‘ gehen, mit Partnern sprechen und hinhören. Gleiches gilt für den Kontakt zu Herstellern. Damit sind wir am Puls der Zeit und kennen den ‚Takt‘ der Hersteller. Denn nur so erfährt man von den Ideen, die diese verfolgen. Zusätzlich muss das Verständnis vorhanden sein, wie ein Systemhaus funktioniert, was die Partner wollen und wo ihre aktuellen Schmerzpunkte sind. Aufbauend auf diesen Informationen können wir unser Angebot anpassen und die richtigen Maßnahmen und Vorgehensweisen treffen.“
Stefan Blome, Chief Customer Officer, Also Deutschland
(Bild: Also)
Ein wichtiger Aspekt ist die Nutzung des Also-Ökosystems. Die Mitglieder ergänzen sich gerade bei komplexen ITK-Projekten, die im Alleingang schwer zu stemmen wären.
Stefan Blome, Chief Custom Officer, Also Deutschland
Und damit einher geht auch immer Veränderung. Veränderung, die Distributor Elovade (ehemals Ebertlang) in diesem Jahr ebenfalls mit einer Namensänderung einläutete. Erfolgreich, wie CEO Philip Weber beschreibt: „Wir sind auch dieses Jahr wieder gewachsen. Im Markt ist ganz viel Konsolidierung zu beobachten. Wir müssen skalieren, um relevant zu bleiben. Und wir stellen uns paneuropäisch und mit einem breiteren Portfolio auf.“ Auch die Anpassung an neue Marktgegebenheiten ist ein wichtiger Baustein. ADN-Chef Ramacher nennt ein Beispiel: „Wenn früher neue Technologien innerhalb der ADN positioniert wurden, wie Cloud-Produkte, haben wir dafür neue Mitarbeiter gesucht und dedizierte, herstellerbezogene Teams gebildet. Dieses Vorgehen hat mittlerweile seine Grenzen, insbesondere in Anbetracht des heutigen Fachkräftemangels, aber auch bei unserer One-Face-to-the-Partner-Strategie. Insofern bilden wir Expertenteams mit Themenschwerpunkten, die unsere Partner kompetent und intensiver betreuen können. “
Potenziale erkennen
Netgo-Chef Diaz steuert einen weiteren wichtigen Punkt bei. „Wir versuchen gerade jetzt den Kunden verstärkt dort zu helfen, wo es Potenzial gibt, gestärkt aus der Krise herauszukommen. Dafür brauchen die Kunden die richtigen Angebote. Sie suchen smarte Modelle, um aus Abhängigkeiten herauszukommen.“ In eine ähnliche Kerbe schlägt Hartmut Husemann, Director Commercial and Consumer Channel HP Deutschland: „Gefragt sind Flexibilität und Anpassungsfähigkeit sowie eine gesunde Portion Neugierde. Als Hersteller gilt es, die Möglichkeiten neuster Technologien mit konkretem Kundennutzen zu verbinden. “
Philip Weber, CEO bei Elovade
(Bild: Elovade)
Im Markt ist ganz viel Konsolidierung zu beobachten. Wir müssen skalieren, um relevant zu bleiben. Wir müssen uns breiter aufstellen, paneuropäisch und mit einem breiteren Portfolio.
Philip Weber, CEO Elovade
Das Fazit von Tuszik: „Die Channel-Companies sind voller Innovationen. Sie haben sich immer schnell an den Markt angepasst. Wir müssen einen Weg finden, dieses Potenzial besser zu nutzen.“