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Was ist ein Betreibermodell?

| Autor: Michael Hase

Grundlagenwissen zum IT-Business
Grundlagenwissen zum IT-Business (Bild: © adiruch na chiangmai - Fotolia.com)

Unter einem Betreibermodell versteht man ein Konstrukt, bei dem ein Dienstleister im Auftrag seines Kunden die Verantwortung für den Betrieb einer Anlage übernimmt. In der ITK-Branche entwickeln sich Managed Services zu einem klassischen Betreibermodell.

Der Begriff Betreibermodell stammt ursprünglich aus der Infrastrukturpolitik. Angewendet wird er auf Projekte, bei denen die öffentliche Hand einige ihrer Aufgaben an private Unternehmen, die dafür entsprechende Konzessionen erhalten, überträgt. Beispiele dafür sind der Betrieb von Verkehrswegen, die Versorgung mit Energie und Wasser oder die Entsorgung von Müll und Abwasser. Die Konzessionsnehmer erbringen dabei Leistungen wie Projektmanagement, Planung, Finanzierung, Bau und Betrieb der Anlagen. Sie refinanzieren ihre Investitionen, indem sie Gebühren von den Nutzern der bereitgestellten Infrastruktur erheben.

Auch in der Wirtschaft haben sich seit Mitte der 90er-Jahre zunehmend Betreibermodelle etabliert. Seinerzeit gingen produzierende Unternehmen dazu über, den Betrieb der von ihnen genutzten Anlagen an deren Hersteller zu übertragen. In diesem Konstrukt übernehmen die Maschinenbauer als Dienstleister die Verantwortung für einen Teil der Wertschöpfungskette ihrer Kunden, indem sie die Anlagen mit eigenem Personal betreiben und weitere Leistungen wie Materialbeschaffung, Logistik, Qualitätskontrolle und Instandhaltung erbringen. In einigen Fällen wird dafür eigens eine Betreibergesellschaft gegründet.

Outsourcing

Bei klassischen Betreibermodellen investiert der Betreiber selbst in die Anlage, die sich demnach auch in seiner Bilanz – und nicht in der des Kunden – wiederfindet. Häufig wird er dafür anteilig pro produzierter Einheit vergütet („pay on production“). Beim Auftraggeber können mehrere Motive dahinter stehen. Oft geht es ihm darum, langfristige Kapitalinvestitionen („Capex“) in laufende Betriebskosten („Opex“) zu verwandeln. Zudem profitiert er vom spezifischen Knowhow eines Spezialisten, den er tief in seinen Produktionsprozess integriert. Somit handelt es sich letztlich um eine Form des Outsourcings. Darüber hinaus spielt mitunter eine Rolle, unternehmerische Risiken auf den Zulieferer zu verlagern.

Generell steht bei Betreibermodellen nicht die Anlage als solche im Mittelpunkt, sondern deren Nutzen für den Auftraggeber. Der Kunde bezieht eine Leistung, für die er entweder pauschal oder nach tatsächlich erfolgter Nutzung zahlt. Da der Trend in Industriezweigen wie Automobil, Chemie, Elektrotechnik, Maschinenbau oder Medizintechnik in diese Richtung geht, positionieren sich viele Hersteller aus diesen Branchen heute als Dienstleister, die Kunden die Leistung ihrer Produkte als Service bereitstellen.

Managed Services

Auch in der ITK-Branche setzen sich Betreibermodelle zunehmend durch. So steht bei Managed Services ein solches Konstrukt dahinter, wenn auch nicht immer in der klassischen Ausprägung. Bei diesem Dienstleistungsmodell übernimmt ein Managed Service Provider (MSP) die Betriebsverantwortung für definierte Teile der ITK-Landschaft seines Kunden, zum Beispiel für Desktops, Druckgeräte, Netzwerkinfrastruktur oder Security-Systeme. Dabei gibt es zwei grundlegende Spielarten.

In der ersten Variante gehören die betreffenden ITK-Systeme nach wie vor dem Kunden, während sie der Dienstleister überwacht und für ihren reibungslosen Betrieb sorgt („managed only“). In der zweiten Variante ist der Provider selbst Eigentümer des Equipments, dessen Leistung er dem Kunden als Service bereitstellt („owned and managed“). Die Systeme tauchen also erst bei dieser zweiten Spielart in der Bilanz des Providers auf. Herrscht bei Managed Services nach einer Studie des Herstellers Solarwinds MSP derzeit die Managed-only-Variante vor, so entwickeln sie sich perspektivisch in Richtung der Owned-and-Managed-Variante und somit in Richtung eines klassischen Betreibermodells.

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