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TK-Branche im Wandel

Wandel vom Netz- zum Datenanbieter

| Autor: Ann-Marie Struck

Das Geschäft mit dem Netz bedarf einer neuen Ausrichtung.
Das Geschäft mit dem Netz bedarf einer neuen Ausrichtung. (Bild: nalidsa - stock.adobe.com)

Die Telekommunikationsbranche steht an der Schwelle zu einer neuen Ära, denn der Markt ist überwiegend gesättigt und es gibt nur noch geringe Wachstumsmöglichkeiten. Um in Zukunft erfolgreich zu sein, müssen Telekommunikationsunnternehmen ihr Geschäftsmodell ändern. Stefan Schwarz, Partner Business Consulting bei Teradata, sieht Plattform-Ökonomie als eine Chance.

Das klassische Geschäftsmodell als reiner Netzwerkanbieter war gestern. Die TK-Branche steckt in einer Zwickmühle: Um ihre Kunden zu halten, müssen die Unternehmen in den Ausbau des 5G- sowie des Glasfasernetzes investieren. Gleichzeitig fehlen wegen der zunehmenden Marktsättigung Umsatz und Profitabilität. Zudem sind Telekommunikationsunternehmen (Telko) oft nicht agil genug, um sich an veränderte Marktbedingungen anzupassen. Doch der technologische Wandel zwingt Telkos, ihr Geschäftsmodell zu ändern, um weiterhin auf dem Markt bestehen zu bleiben.

Dr. Stefan Schwarz leitet den Bereich Industry/Business Consulting und Solutions bei Teradata. Er unterstützt Kunden von Teradata dabei, einen strategischen Nutzen durch Big Data- und Analytics-Technologien zu erreichen.
Dr. Stefan Schwarz leitet den Bereich Industry/Business Consulting und Solutions bei Teradata. Er unterstützt Kunden von Teradata dabei, einen strategischen Nutzen durch Big Data- und Analytics-Technologien zu erreichen. (Bild: Teradata)

Stefan Schwarz, Partner Business Consulting bei Teradata, rät dazu, jetzt zu agieren, denn noch verfügen seiner Einschätzung nach die meisten über ausreichende Liquidität, um in die erforderliche Repositionierung am Markt zu investieren. Wachstumspotenzial sei seiner Ansicht nach auf jeden Fall da. So öffnet zum Beispiel 5G die Tür für neue profitable Anwendungen wie Internet of Things (IoT), Smart City und Smart Mobility. Gleichzeitig zieht dieser Markt auch Gegenspieler aus anderen Branchen an. Schwarz sieht für Telkos drei grundsätzliche Geschäftsmodelltypen: Technologie-, Entertainment- oder Utility- Anbieter. Mischformen seien dabei nicht ausgeschlossen.

Drei Geschäftsmodelle

Als Technologieanbieter (TechCo) werden eigene und partnerbasierte IT-Services integriert, wie zum Beispiel End-to-End-, Cloud-, Security- oder IoT-Lösungen. Die Telkos positionieren sich dann nicht als unabhängige Systemintegratoren, sondern als gesamtheitliche Lösungsanbieter. Der angebotene Service ist zumeist konnektivitätsnah und häufig entsprechend gebündelt. Der Fokus einer TechCo liegt klar auf den Geschäftskunden. Laut Schwarz setzt vor allem die Telekom Deutschland auf eine solche Strategie zum Ausbau ihres B2B Geschäfts.

Als Entertainment-Anbieter bieten Telkos ihren Kunden einen Zugang über vier verschiedene Zugangsarten, nämlich Telefon, Internet, TV/Entertainment und Mobilfunk an. Erfolgsfaktoren für dieses Vierfach-Angebot sind ein guter Kundenservice sowie leistungsfähige Konnektivität mit hoher Bandbreite, Verfügbarkeit und geringer Latenz. Der Fokus dabei liegt auf den Privatkunden. Schwarz zufolge positionieren sich sowohl Vodafone als auch die Telekom Deutschland im B2C-Geschäft in dieser Weise. Verbesserungspotenzial sieht er allemal.

Als „Utility“-Anbieter liefert ein Telko Konnektivität mit einem akzeptablen Qualitätsniveau zu einem günstigen Preis. Hier agieren Telkos teilweise oder umfänglich als Virtual Network Operator (VNO) oder gar Reseller, das heißt sie verfügen nicht über ein (vollständiges) eigenes Netzwerk. Stattdessen nutzen sie die Netz-Infrastruktur der anderen Netzwerkbetreiber, mit denen sie kooperieren. Für den deutschen Markt erwartet Schwarz, dass sich 1&1 weiterhin so positioniert.

Daten und Wissen sind Macht

„Die Zukunft der Telkos liegt als Plattformpartner und Broker“, so Schwarz Credo. „Bisher sind Telkos eher dem linearen Geschäftsmodell gefolgt und stoßen genau damit jetzt an Grenzen. Mehr Chancen für Innovation und Wachstum bietet die Plattform-Ökonomie. Diesen Ansatz sollten auch die Telkos für sich nutzen.“

Dabei bauen bereits einige Telkos IIoT-Plattformen aus. Schwarz ist der Ansicht, dass sich Telkos vor allem als Komplettlösungsanbieter positionieren sollten. „Gerade im deutschen Geschäftskundensegment bestehen für Telkos gute Voraussetzungen, wertstiftende und profitable Plattform-Modelle zu etablieren.“ Doch auch in Zukunft wird der Bedarf an Plattformen zunehmen und Telkos beteiligen sich bereits am Datenaustausch. Schwarz zufolge reicht es jedoch nicht aus, nur den Datenaustausch zu regeln. Um darüberhinausgehende Geschäftsmodelle zu verwirklichen, müssen die Daten immer auch analysiert werden, um bestehende Geschäftsprozesse zu optimieren und neue zu entwickeln. Denn viele Geschäftsmodelle werden heutzutage von Daten getrieben, wonach Data Analytics eine große Bedeutung zukommen, da sie oft ein Bestandteil eines Produkts oder Services sind.

Ferner sieht Schwarz eine weitere Chance für Telkos, sich als „Wissens-Broker“ zu platzieren. Dieser verwaltet, analysiert und vermarktet Wissen.

So gelingt der Umstieg

Das klassische Geschäftsmodell lässt sich oft nur schwer verändern. Schwarz sieht insgesamt fünf Cluster an Voraussetzungen, damit die Umstrukturierung hin zum Plattformpartner und Data Broker geschafft wird:

  • 1. Individuelle Strategie: Welche Plattform soll realisiert werden? Soll nur eine offene Plattform für Konnektivitätsdienste entstehen oder will das Unternehmen die übergreifende Schnittstelle für komplexere Services gegenüber dem Kunden sein?
  • 2. Rundumpaket: Das zugehörige Geschäftsmodell, die Definition der Prozesse und Funktionen müssen konsequent aus der Strategie abgeleitet sein und zueinander passen.
  • 3. Augen auf bei der Partnerwahl: Der Erfolg von Plattform-Modellen steht und fällt mit dem richtigen Partner-Ökosystem. Kein wertvolles, zukunftsfähiges Plattformgeschäft kommt ohne ein leistungsfähiges, wohl abgestimmtes Partner-Ökosystem aus. Es ist wichtig, die Partner auszuwählen, die im Sinne der definierten Strategie Wettbewerbsvorteile beisteuern können (zum Beispiel Markt- oder Technologieführerschaften), mit denen sich Synergien realisieren lassen (wie über komplementäre Serviceangebote) und die aufgrund ihrer eigenen Positionierung ein möglichst geringes Konkurrenzpotential aufweisen (beispielsweise ursprünglich andere Märkte oder Kundengruppen adressieren).
  • 4. Ohne Moss nix los: Die Monetarisierung entscheidet über Wachstumsperspektiven und Erfolg. Monetarisierungsmöglichkeiten ergeben sich durch einmalige oder wiederkehrende Gebühren wie beispielsweise Zugangs-, Listing-, Nutzungs- sowie Transaktionsgebühren. Grundsätzlich funktionieren die meisten Plattform Business Modelle über große Transaktionsanzahlen. Insbesondere hier gilt es durch die Wahl geeigneter Monetarisierung das nötige Wachstum zu fördern.
  • 5. Monitoring nicht vergessen: Denn nur dadurch lassen sich Fehlentwicklungen früh erkennen und entgegensteuern.
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