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Channel VIP Nils Kaufmann Von Doktor Lack zum Cloudbuddy

| Autor: Michael Hase

Als IT-Entrepreneur ist Nils Kaufmann ein Quereinsteiger. Doch bei allem, was der studierte Philologe und Mitgründer von Innovations On by Cloudbuddies bisher unternommen hat, spielten Neugier und ausgeprägtes Dienstleistungsdenken eine große Rolle.

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Nils Kaufmann kam erst vergleichsweise spät in die IT, drehte dafür dann aber richtig auf.
Nils Kaufmann kam erst vergleichsweise spät in die IT, drehte dafür dann aber richtig auf.
(Bild: EuroCloud)

Als Smart Repair in den Nullerjahren aus Amerika nach Deutschland ­schwappte, gehörte Nils Kaufmann zu den Pionieren. Damals machte er sich als „Doktor Lack“ mit einem innovativen Kfz-Reparaturbetrieb einen Namen in Oberfranken und darüber hinaus. Auf die Idee zu dem Gewerbe kam er durch eine nächtliche Dokumentation auf Sat.1, in der ­darüber berichtet wurde, wie in den USA mittels Airbrush-Technologie kleine Lackschäden kostengünstig beseitigt werden. Kurz zuvor hatte sich der Bamberger selbst über den Kostenvoranschlag für die Ausbesserung eines Kratzers an seinem 7er BMW geärgert. Da er in seiner Region keinen Spezialisten für das hierzulande neuartige Verfahren fand, besorgte er sich Geld bei der Sparkasse und baute selbst ein Unternehmen auf.

Das war vor 15 Jahren. Mittlerweile hat Kaufmann die Branche gewechselt und arbeitet heute in der IT. Auch hier richtet sich sein Interesse vor allem auf das, was als „leading edge“ gilt. Als Mitgründer von ­Innovations On by Cloudbuddies trieb ihn um, ­einen Managed Cloud Provider zu etablieren, wie es ihn in Deutschland noch nicht gab. Keine zwei Jahre am Markt, kommt der vertriebsstarke Dienstleister bereits auf mehr als 50 Kunden, darunter Audi, Bosch, Jungheinrich, Myposter und Vorwerk. Zudem hat das Startup bei AWS bereits den Status ­Advanced Partner erreicht, den zweithöchsten im Channel-­Programm des Hyperscalers.

Berufsziel Lektor

Als IT-Entrepreneur ist der heute 46-Jährige ein Quereinsteiger. Anders als Branchenkollegen, die als Schüler schon PCs zusammenschraubten oder Code programmierten, um dann bei erster Gelegenheit ein System- oder Softwarehaus zu gründen, zog es ihn als Jugendlichen eher zur Belletristik. So studierte er Germanistik mit dem Ziel, später als Lektor zu arbeiten. Dabei beschäftigte sich der angehende Philologe etwa mit mittelhochdeutscher Dichtung oder, motiviert durch seine Familiengeschichte, mit einem Zirkel rumänischer Intellektueller und Literaten.

Ein verträumter Schöngeist war er aber auch in jener Zeit nicht. Dazu ist Kaufmann von seinem Wesen her viel zu pragmatisch. Er selbst bezeichnet sich sogar als Maximalpragmatiker. Weil ein Studium finanziert werden muss, arbeitete er ­nebenher als Assistent des ­Direktors in einem Bamberger Hotel. Vielleicht rührt daher seine ausgeprägte Service-Orientierung. „Hotellerie und Gastronomie sind die perfekte Schmiede für den Dienstleistercharakter.“ Allerdings glaubt der Unternehmer, dass man die Anlage dazu schon in sich tragen muss. An dem Punkt kommt vermutlich familiäre Prägung ins Spiel, die auch den Pragmatismus erklärt.

Flucht aus Rumänien

In Rumänien geboren, flohen seine Eltern 1980 mit ihm nach Deutschland. Da ihre Diplome hier nicht sofort anerkannt wurden, baute der Vater in Leverkusen ein Übersetzungsbüro auf, das er viele Jahre ­erfolgreich betrieb. Mitte der 80er Jahre ­eröffnete Kaufmann Senior zudem eine Computerschule. So kam schon der junge Nils in Berührung mit IT. Seine berufliche Bestimmung fand er dort aber erst auf ­Umwegen. Nach dem Studium arbeitete der Philologe zunächst in Bukarest als Coach, der deutschen Managern eines ­Anbieters von Entsorgungssystemen die rumänische Kultur nahebrachte. Danach war er in Bayern als Supervisor bei einer Autovermietung tätig. 2005 gründete der Freund stark motorisierter Fahrzeuge dann Doktor Lack. Als er mit dem Konzept ­expandierte, wurden etablierte Player der KfZ-Branche auf ihn aufmerksam. Einer machte ihm 2008 ein Kaufangebot, das so gut war, dass er es nicht ablehnte. Mit dem Geld gründete er ein Immobilienbüro und eine Firma für Trockeneisreinigung.

Ein früherer Kunde, den der dynamische Doktor Lack wohl beeindruckt hatte, ­fragte ihn schließlich, ob er nicht zu ihm ins ­Unternehmen kommen und sich um Marketing und Vertrieb kümmern wolle. Es handelte sich um den Chef eines regio­nalen Hosting Providers. Kaufmann sagte zu und arbeitete sich schnell in die Materie ein. „Ich habe damals die Fachtermini und Akronyme wie Vokabeln gelernt.“ Er werde in seinem Leben bestimmt kein ­Tekkie mehr. Aber er wolle „möglichst tief verstehen, worum es geht“.

AWS-Partner der ersten Stunde

Der Branchenneuling war gedanklich schon bald über klassisches Hosting hinaus. 2012 wechselte er zum lokalen Mitbewerber Ratiokontakt, bei dem er auch als Gesellschafter einstieg, und baute dort das Cloud-Geschäft auf. Noch im selben Jahr wurde der Provider einer der ersten AWS-Partner in Deutschland. Bei Ratiokontakt führte Kaufmann bis Mitte 2019 die Geschäfte, allerdings mit ­einer zweijährigen Unterbrechung. Zwischen 2014 und 2016 ­begleitete er bei Claranet in Frankurt / Main als Director Business Development die Transformation vom Hosting-Anbieter zum Managed Cloud Provider.

2018 wurde Oliver Schallhorn, langjähriger Geschäftsführer bei Fritz & Macziol, der seinerzeit dem Management von Cancom angehörte, auf den Cloud-Enthusiasten aufmerksam. Der Systemhausprofi gewann ihn dafür, gemeinsam einen neuartigen, fokussierten MSP aufzubauen. So gründeten die beiden im August 2019 in München die Firma Cloudbuddies. Im Dezember kauften sie das Ulmer Startup Innovations On und führten beide Unternehmen zusammen.

Gaia-X und Cloud-Native-Initiative

Seit diesem Jahr arbeitet Kaufmann auch als Experte bei Gaia-X mit und schrieb Teile des ersten Architekturkonzepts. Zudem hat er im September unter dem Dach des Eurocloud-Verbands eine Cloud-Native-Initiative ins Leben gerufen, die jungen Lösungs- und Service-Anbietern ein Forum bietet. „Er ist ein typischer ­Mittelstandsunternehmer, der Verantwortung in einem größeren Rahmen übernimmt“, kommentiert Schallhorn das Engagement seines Partners. Nicht zuletzt schätzt er dessen breites Wissen sowie „die ­Fähigkeit, andere Menschen für seine Ideen und Konzepte zu begeistern“. Und bis jetzt hat es Kaufmann noch nie an Ideen gefehlt. Vermutlich feilt er schon an der nächsten.

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Über den Autor

 Michael Hase

Michael Hase

Chefreporter