USV-Systeme gehen mit der Zeit Virtualisierung im Reich der unterbrechungsfreien Stromversorgung

Redakteur: Dr. Stefan Riedl

Auch virtuelle Server brauchen Strom. Im Falle eines Ausfalls sorgen USV-Systeme inzwischen nicht nur für ein optimiertes Shut-Down-Szenario der physischen Server, sondern berücksichtigen die Zustände ihrer virtuellen Maschinen.

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Sven Spitzley, Produktmanager bei Online USV, weiß, wann virtuelle Server Strom brauchen.
Sven Spitzley, Produktmanager bei Online USV, weiß, wann virtuelle Server Strom brauchen.
( Archiv: Vogel Business Media )

Virtualisierung scheint nicht direkt etwas mit dem Geschäft rund um unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) zu tun zu haben. Diese dient beispielsweise dazu, die Server in einem Unternehmen auf rein physischer Ebene am laufen zu halten. Die virtuelle Aufteilung von IT-Ressourcen spielt hierbei auf dem ersten Blick keine Rolle. Auf dem zweiten Blick hingegen, gilt für mehrere virtuelle Server auf einem physischen Rechner dasselbe, wie vor dem Siegeszug der Virtualisierung in der Informationstechnologie: Wenn der Strom ausfällt und die USV einspringt, sind die Ressourcen für die Überbrückungszeit begrenzt und daher Prioritäten wichtig.

Der Webserver hat beispielsweise eine höhere Priorität als ein Application-Server für eine relativ unwichtige Anwendung. Dabei spielt es auch eine Rolle, welche Überbrückungszeiten benötigt werden, um bei einem längeren Stromausfall alle laufenden Systeme niedriger Priorität vor denen höher Priorität ordnungsgemäß herunter fahren zu können. So verringert sich die Last der USV und die verfügbare Zeitreserve wird erhöht. Damit wird der Betrieb von Anwendungen höherer Priorität längstmöglich gewährleistet.

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Der Siegeszug der Virtualisierung

Vor diesem Hintergrund werden USV-Systeme gegenwärtig auf die Anforderungen in virtualisierten Umgebungen getrimmt. »Online USV profitiert stark vom Siegeszug der Virtualisierung«, erklärt Sven Spitzley, Produktmanager beim Münchner Hersteller von Lösungen zur unterbrechungsfreien Stromversorgung. Der Diplomingenieur erläutert die Funktionsweise: Wenn auf einem physikalischen Server mehrere virtuelle Maschinen laufen, kommuniziert ein SNMP-Adapter via Ethernetkabel und TCP/IP mit User-Agents auf den virtuellen Servern. Bei Online USV verfügen USV-Systeme ab dem Modell Zinto A 1500 über diese Möglichkeit. Preislich liegt das Gerät bei rund 320 Euro (Händlereinkaufspreis exklusive Mehrwertsteuer). Hinzu kommen die User-Agents für das virtualisierte USV-Szenario. Pro virtueller Maschine wird ein Agent installiert, der als Download-Software für 35 Euro zu beziehen ist (HEK). Auf diese Weise kann jede virtuelle Maschine – gesteuert von der USV – einzeln herunter gefahren werden, um eine optimierte Shutdown-Sequenz zu erzielen. Aber auch die miteinander vernetzten USVs tauschen sich untereinander aus: Nicht nur hinsichtlich der Elektrizität, sondern ebenso bei der Koordination und Information, wann der letzte Akku im Bunde zur Neige geht.

Seit Anfang des Jahres ist Online USV weltweit der bislang einzige Technology Alliance Partner von VMWare, der das Label »VMWare ready Certified« führen darf. »Das ist im aktuellen Virtualisierungs-Boom ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal für uns«, sagt Spitzley. Für Citrix-Umgebungen gebe es ebenfalls bereits Lösungen, allerdings erst Beta-Versionen. Die Virtualisierung der USV-Welt schreitet indessen immer weiter voran. Auch andere USV-Hersteller auf dem Markt bieten inzwischen ähnliche Modelle an. Was Online USV angeht, sollen als nächste Schritte weitere Technologiepartnerschaften eingegengen werden, beispielsweise mit den Herstellern von Storage-Management-Systemen.

Das Brot- und Butter-Geschäft

Spitzley räumt aber ein, dass es in der Praxis weniger um Komplettausfälle des Stromnetzes mit dem darauf folgenden Shutdown-Management gehe. Für derlei Ereignisse müsse jedes Unternehmen gewappnet sein. Viel häufiger gleichen USV-Produkte Ausfälle im Kurzzeitbereich aus. Etwa 60 Prozent der Stromausfälle bewegen sich laut dem Fernmeldetechnischen Zentralamt in Darmstadt im Bereich zwischen 10 und 20 Millisekunden, während Ausfälle von einer Sekunde bis zu einer Stunde eine Häufigkeit von unter zehn Prozent aufweisen (siehe Grafik). Von fast noch höherem Interesse als die Überbrückung von Stromausfällen ist daher die Stabilisierung der Stromversorgung, die mit einer USV rund um die Uhr statt findet.

Ob virtualisiert oder nicht – aus Reseller-Sicht sei das USV-Geschäft aus mehreren Gründen sehr interessant, so Spitzley. »Mit USV-Lösungen lässt sich noch richtig Geld verdienen«. Außerdem habe man stets einen Fuß in der Tür, wegen der Batteriewechselzyklen.

(ID:2017647)