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Channel VIP Martin Hörhammer Unternehmer ohne Prätention

Autor: Michael Hase

Als strategischer Kopf hat Martin Hörhammer das rheinland-pfälzische Systemhaus Medialine von einer Schrauberbude zum 250-Mann-Unternehmen entwickelt. Dabei ist der junge Entrepreneur bodenständig und bescheiden geblieben. Wichtig sind ihm Nachhaltigkeit und Teamgeist.

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Martin Hörhammer, CEO von Medialine, führt gemeinsam mit seinem Bruder eines der aufstrebenden Systemhäuser des Landes.
Martin Hörhammer, CEO von Medialine, führt gemeinsam mit seinem Bruder eines der aufstrebenden Systemhäuser des Landes.
(Bild: Medialine AG)

Martin Hörhammer ist seiner Zeit oft ein Stück voraus. Als der Gründer und CEO von Medialine im Jahr 2016 eine neue Zentrale am Hauptsitz des Systemhauses im rheinland-pfälzischen Bad Sobernheim plante, ­wollte er eines der ersten „Green Buildings“ in der Region errichten. Für diesen Status muss ein Gebäude den Kriterien der Leadership in Energy and Environmental Design (LEED), eines international anerkannten Prädikats, entsprechen, wozu Umweltverträglichkeit und ein schonender Umgang mit Ressourcen zählen.

Nicht nur in puncto soziale und ökologische Verantwortung, auch was das ITK-Geschäft angeht, gehört Hörhammers ­Unternehmen bei etlichen Themen zu den Early Birds. Schon 2004 modernisierte es Server-Landschaften durch Virtualisierung – einige Jahre bevor das Konzept zum Mainstream wurde. Und 2006, als noch der ­Produktverkauf das Systemhausgeschäft klar dominierte, boten die Rheinland-Pfälzer erstmals Managed Services aus einem eigenen Rechenzentrum an. „Als kleines Unternehmen hätten wir gegen den etablierten Wettbewerb keine Chance gehabt, wenn wir nicht mit innovativen Konzepten in den Markt gegangen wären“, sagt der heute 36-Jährige rückblickend. Seit 2010 baute er zudem eine Sparte für Business Software auf. Mehr als ein klassisches Systemhaus, tritt Medialine heute auch als Managed Service Provider, Applikationsberater, Managed Multicloud Provider und Digitalisierungspartner seiner Kunden auf.

Früher Start als Unternehmer

Im Alter von 15 Jahren entdeckte Hörhammer bereits seine Leidenschaft für das ­Unternehmertum. Als Gymnasiast gründete er 1999 Medialine und verkaufte PCs, die er nach der Schule selbst zusammenschraubte. Den Handel führte der Jungunternehmer auch weiter, als er nach dem ­Abitur begann, Betriebswirtschaft zu studieren. Derweil stieg sein fünfeinhalb ­Jahre älterer Bruder Stefan, der Jura studiert ­hatte, bei Medialine ein und kümmerte sich um den Vertrieb. Seitdem führen die beiden das ­Unternehmen gemeinsam, dessen Schwerpunkt sich stärker in Richtung Infrastruktur verlagerte. Zugleich trat beim Firmengründer die unmittelbare Beschäftigung mit der Technik in den Hintergrund. „Wenn man selbst sein bester System ­Engineer ist, hindert das einen daran, konsequent am Unternehmen zu arbeiten.“ Und genau das wollten die Brüder: ihr Systemhaus weiterentwickeln.

Nachdem sie schon 2004 einen zweiten Standort in Wiesbaden eröffnet hatten, reifte bei ihnen um das Jahr 2007 die strategische Entscheidung, Medialine sukzessive zur bundesweit aufgestellten Gruppe auszubauen. Bis 2014 entstanden Filialen in Stuttgart, München, Leipzig, Wuppertal und Hamburg. Durch die Akquisitionen des Telco-Spezialisten ITK Communications (2013) sowie der Systemhäuser Wolkenstein IT (2015) und Interface Systems (2018) kamen weitere Standorte in Berlin, Weismain in Oberfranken, Dresden und Zwickau hinzu. Auch in Österreich und ­Rumänien ist das Unternehmen mit Niederlassungen vertreten. Innerhalb von gut zwölf Jahren wuchs Medialine vom Zehn-Mann-Systemhaus zu einem ITK-Dienstleister mit 250 Mitarbeitern.

Impulsgeber für Medialine

Die Aufgaben in der Geschäftsleitung sind klar aufgeteilt. Als CEO entwickelt Martin Hörhammer die Strategie weiter, identifiziert neue Themen und trägt sie ins Unternehmen. „Für mich ist etwas Neues solange interessant, wie es sich in einer dynamisch-agilen Aufbauphase befindet. Wenn etwas Commodity wird, schaue ich mich bereits nach anderen Themen um.“ Sein Bruder wiederum steuert als COO das gesamte operative Geschäft und ist somit auch dafür zuständig, neu gesetzte Pflänzchen in florierende Geschäftsfelder zu verwandeln. „Stefan ist für das Unternehmen eigentlich viel wichtiger als ich“, scherzt der CEO. Darin liegt zweifellos ein gewisses ­Understatement. Den eigenen Beitrag zum Unternehmenserfolg zu betonen, ist aber seine Sache nicht. Was für ihn zählt, ist die Gemeinschaftsleistung. „Wir ­haben ein großartiges Team, das neue Wege aktiv mitgeht.“ Viele Werte, die bei Medialine gelebt werden, stammen nach seinen Worten aus dem Mannschaftssport. Daher motiviere es ihn, wenn er ­sehe, „wie unsere Mitarbeiter neue Impulse aufnehmen, durchaus auch kritisch bewerten und eigene Ideen einbringen“.

Die Bedeutung Hörhammers für Medialine wird deutlich, wenn man mit Wegbegleitern über den Entrepreneur spricht. Er sei „einer der hellsten Köpfe der Branche“, urteilt Frank Roebers, CEO der Verbundgruppe Synaxon. Außergewöhnliche Intelligenz treffe auf eine breite Bildung. Es gebe kaum ein Thema, „das man nicht auf Expertenniveau mit ihm diskutieren kann“. Ähnlich äußert sich Isabelle von Künßberg, Leiterin Akademie & Personal beim Distributor Acmeo: „Martin Hörhammer denkt nicht nur blitzschnell, er denkt auch größer als ­viele andere.“ Er habe für sein Unternehmen einen langfristigen Plan, den er konsequent und ausdauernd verfolge. Ein ­sicheres Gespür für relevante Themen, großes Talent als Netzwerker und ­eine umsichtige Akquisitionspolitik bescheinigt ihm Robert Laurim, General Manager Channel bei Dell EMC Deutschland. Damit habe er Medialine „in die Top-Riege unseres Partner-Ökosystems“ geführt. Der texanische IT-Konzern ist für die Rheinland-Pfälzer der wichtigste Hersteller.

Teamgeist wird großgeschrieben

Die bisherigen Erfolge des Unternehmens haben die Brüder letztlich gemeinsam erreicht. Beruflich wurden beide durch die Selbstständigkeit ihrer Eltern bestimmt, die im Heimatort eine Anwaltskanzlei betrieben. Für den ausgeprägten Teamgeist bei Medialine zeichnet sogar Stefan primär verantwortlich, der lange aktiv Handball spielte und sich heute als Trainer engagiert. Martin treibt zum Ausgleich zwar ebenfalls Sport, aber weniger ambitioniert. Die Freizeit verbringt er am liebsten mit seiner Familie. „Dass mein Bruder vieles unter sportlich-kompetitiven Aspekten betrachtet, ist der größte ­Unterschied zwischen uns beiden.“

Bei aller Begeisterung für innovative Technologien und Konzepte bezeichnet sich Hörhammer doch als konservativen Unternehmer. Wichtiger als Geschwindigkeit ist ihm Nachhaltigkeit. Mitarbeiter dürfen „sich gern mehr Zeit nehmen, wenn am Ende das Ergebnis besser wird“. Hinter jedem neuen Thema steht ein Business Case, der über kurz oder lang funktionieren muss. Ansonsten ziehe man den Stecker. „Hochinnovativ auf der einen, konservativ-nachhaltig auf der ­anderen Seite, das lässt sich besser miteinander vereinbaren, als man denkt!“

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 Michael Hase

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