28. Januar: Europäischer Datenschutztag Tipps für mehr Datensicherheit

Von Barbara Gribl 5 min Lesedauer

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Duschen, Zähne putzen, Haare kämmen: Hygiene gehört zur Alltagsroutine. Warum also nicht auch „Cyberhygiene“ betreiben? Experten geben passend zum Europäischen Datenschutztag am 28. Januar Tipps für mehr Datensicherheit.

Der Europäische Datenschutztag am 28. Januar gibt Anlass, die eigenen Maßnahmen zur Datensicherheit zu reflektieren. Kein unwichtiges Thema. Verschiedene Hersteller geben Tipps.(Bild:  metamorworks - stock.adobe.com)
Der Europäische Datenschutztag am 28. Januar gibt Anlass, die eigenen Maßnahmen zur Datensicherheit zu reflektieren. Kein unwichtiges Thema. Verschiedene Hersteller geben Tipps.
(Bild: metamorworks - stock.adobe.com)

Die Grenzen zwischen der On- und Offline-Welt verschwimmen immer mehr. Umso wichtiger ist es, Daten richtig zu nutzen und zu schützen. Der Europäische Datenschutztag, der sich dieses Jahr zum 17. Mal jährt, soll Nutzer genau dafür sensibilisieren.

„Die wahrscheinlich wichtigste Erkenntnis sollte sein, dass Datenschutz und -sicherheit nicht nur die Probleme anderer sind, sondern, dass man mit eigenen, individuellen Entscheidungen Einfluss darauf nehmen kann, was mit den persönlichen Daten geschieht“, so Dr. Sebastian Schmerl, Director Security Services EMEA bei Arctic Wolf. „Für Verbraucher ist es wichtig, wachsam zu bleiben. ‚Datensammler‘ begegnen uns tagtäglich. Denn der Verkauf dieser Informationen ist ein lukratives Geschäftsmodel.“

Bekanntes Spiel: Nutzer werden oftmals bei Online-Plattformen und Social-Media-Apps mit reichlich Werbung versorgt, um sie möglichst lange in den Apps zu halten. Um die Werbung nach Vorlieben und Konsumgewohnheiten auszuspielen, werden persönliche Daten erfasst.

Datenschutz ist mehr als die Privacy-Einstellung oder die Entscheidung für oder gegen Web-Services und Apps. Für Unternehmen ist die Datensicherung und Datenschutz vor Cyberkriminellen auf der Agenda unausweichlich.

Das Vertrauen der Kunden ist zerbrechlich. Der Datenschutztag ist eine gute Gelegenheit für Unternehmen, über ihre Praktiken nachzudenken und sicherzustellen, dass sie alles tun, um die Datenschutzrechte zu respektieren, die persönlichen Daten der Kunden zu schützen und damit deren Loyalität zu erhalten.

Bernd Hennicke, OpenText

Bernd Hennicke, OpenText(Bild:  OpenText)
Bernd Hennicke, OpenText
(Bild: OpenText)

Auf die Cyberhygiene achten

Unter diesem Begriff versteht man Vorsichtsmaßnahmen, um sich vor Hackern und Cyberangriffen zu schützen. Jeder kann mit einfachen Maßnahmen die eigene IT-Hygiene verbessern. Beispiel: sichere Passwörter vergeben, einen Passwortmanager nutzen oder Multi-Faktor-Authentifizierung aktivieren. So nutzt man gleich mehrere Faktoren, die Dieben den Datenklau oder das „Einbrechen“ in das System erschweren.

Die fortgeschrittene Variante wäre dann, das Passwort in Kombination mit dem Fingerabdruck oder einer Nachricht mit einer PIN zu verwenden. Neben einer besseren Absicherung der Zugänge zu Geräten, Apps und Kundenkonten sollten außerdem regelmäßig die entsprechenden Sicherheits-Updates durchgeführt werden. Konten sollten auf verdächtige Anmeldungen oder unbekannte Gerätezugriffe überprüft werden.

Augen auf vor Betrügern

Raffinierte Schad-Software wurde entwickelt, Phishing bleibt bei Betrügern hoch im Kurs. Mit den geklauten Nutzerdaten lässt sich einiges anstellen: von Erpressung über den Verkauf der Daten bis hin zur Nutzung fremder Identitäten für kriminelle Machenschaften.

Deshalb gilt: Wachsam bleiben gegenüber allen Arten von Social-Engineering- und Phishing-Versuchen. Konkret: keine verdächtigen Textnachrichten öffnen, nicht auf Links in E-Mails mit unbekanntem Absender klicken, persönliche Daten nicht an unbekannte oder verdächtige Telefonanrufer herausgeben oder auch nicht auf Direktnachrichten in Apps antworten, auch wenn sie nett klingen. Gerne ködern Angreifer die Nutzer durch scheinbare Gewinnspiele.

Nutzer sollten sich informieren

Smartphone-Apps, Desktop-Anwendungen und Endgeräte entpuppen sich als „echte Datensammler“ – so die Experten von Arctic Wolf. Standort-Informationen sind ein Beispiel. Allgemeine Geschäftsbedingungen oder Online-Bewertungen zum Datenschutz der Apps auf dem Endgerät können Aufschluss darüber geben, welche Daten erfasst werden. Die Datenschutzeinstellungen sollten überprüft und angepasst werden, um zu vermeiden, dass Informationen geteilt werden, die man eigentlich nicht preisgeben wollte. Ist dies keine Option, kann man die App löschen und stattdessen die Browser-Version verwenden.

Aktiv werden

Bürger sollten sich durchaus in Sachen Datenschutz einbringen. Die europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) regelt bereits viele Datenschutzbelange – insbesondere im Zusammenhang mit personenbezogenen Daten. Einzelpersonen, aber auch Gruppen können jedoch Bedenken äußern, wenn sie weiteren Handlungsbedarf sehen, sich an die Abgeordneten des Landkreises wenden und Vorschläge für gesetzgeberische Änderungen vorbringen. Kollektive Initiativen können eine deutlich nachhaltigere und ganzheitlichere Wirkung haben als beispielsweise das Verbot einzelner Apps – so Arctic Wolf abschließend.

DSGVO und Verwaltung aus Bundesebene

Behörden und Unternehmen standen – besonders während der Pandemie – vor der Herausforderung, den Schutz der öffentlichen Gesundheit und von personenbezogenen Daten in Einklang zu bringen. „Berichte über Datenschutzverletzungen erscheinen fast jeden Tag in den Nachrichten und Verbraucher sind sich mehr den denn je ihrer Datenschutzrechte und der Verpflichtungen von Unternehmen zum Schutz personenbezogener Daten bewusst“, sagt Bernd Hennicke, Vice President Alliances & Solutions Marketing bei OpenText. „Vor allem die Fragen, wo diese Daten landen, wie lange sie gespeichert werden und wer Zugang zu ihnen hat, bewegte die Verbraucher.“ Untersuchungen seitens OpenText haben ergeben, dass sich mehr als zwei Drittel der Bundesbürger sorgen, wie die Daten nach der Pandemie verwaltet und geschützt werden.

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Zuverlässiger Datenschutz stabilisiert Vertrauen

Zum Unternehmenserfolg trägt auch das Kundenvertrauen bei. „Es ist jedoch nicht immer einfach, dieses Vertrauen zu gewinnen und zu erhalten. Fehlender Schutz oder ein Leak persönlicher Daten wären für 32 Prozent ein Anlass, die Geschäftsbeziehungen zu beenden. Für ein Viertel wäre bereits die unzureichende Bearbeitung einer Anfrage nach Artikel 15 DSGVO (Zugang zu ihren personenbezogenen Daten sowie deren Berichtigung oder Löschung zu erlangen) ein hinreichender Grund, um nicht mehr bei einem Unternehmen einzukaufen“, erklärt Hennicke.

Mithilfe verfügbarer Technologien wie Künstlicher Intelligenz und Machine Learning können Unternehmen personenbezogene und sensible Daten lokalisieren, klassifizieren, verwalten und schützen. Sie können auch den Löschprozess automatisieren, um sicherzustellen, dass alle Fristen eingehalten werden und Prozesse wiederholbar sind.

Auch ist es laut OpenText wichtig, die Cyberresilienz in die Struktur eines Unternehmens einzubauen. Das Risiko einer Sicherheitsverletzung ist nie ausgeschlossen, einen soliden Recovery-Plan sollte jedes Unternehmen haben.

Biometrische Daten sicher lagern

Die Schutzbedürftigkeit einer weiteren Gruppe von Daten sollte nicht außer Acht gelassen werden: Daten zur biometrischen Authentifizierung einer natürlichen Person. Diese gewannen in den vergangenen Jahren an Bedeutung und sind inmitten der Diskussionen zu passwortlosen Verifizierungsoptionen besonders relevant.

Mittlerweile nutzen 52 Prozent der Deutschen den Scan des Fingerabdrucks, 27 Prozent den Scan des Gesichts und 7 Prozent den Scan der Stimme zur Authentifizierung. Diese Zahlen belegt die Covid-Monitoring-Umfrage 2022 von Capterra.

„Nicht wenige haben nach wie vor erhebliche Bedenken gegenüber den passwortlosen Verfahren“, äußert Mehmet Yaliman, Senior Solutions Architect bei Ping Identity. „Sie fürchten, wenn Cyberkriminelle erst einmal eine Kopie des Abdrucks in Besitz gebracht haben, diesen für immer als sicheres Authentifizierungsverfahren verloren zu haben.“

Mehmet Yaliman, Ping Identity(Bild:  Ping Identity)
Mehmet Yaliman, Ping Identity
(Bild: Ping Identity)

Dabei ließe sich ein adäquater Schutz für biometrische Daten durchaus herstellen. „Unternehmen können die biometrischen Daten der Mitarbeiter, Partner, Zulieferer und Kunden dezentral lagern und so das Risiko eines Angriffs reduzieren“, erläutert Yaliman. Werden sie zentral gespeichert, wäre das Risiko eines Angriffs höher. Anders verhält es sich bei dezentraler Speicherung auf den Endgeräten. „Umso geringer die Anzahl der gespeicherten biometrischen Muster an einem Ort, umso niedriger fällt deren Attraktivität als lukratives Angriffsziel aus. Für noch mehr Sicherheit kann gesorgt werden, wenn das biometrische Muster gleich im Scanmodul selbst abgespeichert wird. Denn dann sind die Daten zudem vor Manipulationen am Betriebssystem des Endgeräts geschützt.“

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